Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1929 Nr. 25

Spalte:

589-590

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lefort, L. Th.

Titel/Untertitel:

Le “de virginitate” de S. Clément ou de S. Athanase? 1929

Rezensent:

Wagenmann, Julius

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

589

Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 25.

590

der Leben-Jesu-Forschung 1913) und seiner Fortsetzung bibliothek Cod. copt. 13D, fand Lefort auf « o h ■

de.ru'-^schichte der Paulinischen Forschung" 1911, Fragment, das Lebon als den Anfang des sna i~Lein

so gibt Salvatorelii unter dem Titel „Von Locke zu ! doclementinischen Briefes de viSate in*',«• P

Reitzenstein" in der Rivista Storica Italiana 1928/29 I VIII, der Ausgabe von Diekamp) erkinntP i .r ^

einen, natürlich viel gedrängteren Überblick über die : hat diesen Text zusammen mit einer lateimschen ü£?

Erforschung der Ursprünge des Christentums. Dieser setzung in Le Museon tom. XL 1927 o "si _9ftj

Uberblick ist aber nicht etwa ein Auszug aus Schweitzer. öffentlicht. In einer kurzen Einleitung weist Pr «.«VT

Gewiß ist ihm dieser ein Führer durch das reichhaltige Bedeutung seines Fundes hin Die Hands h f+ t

Schrifttum gewesen, aber er folgt ihm nicht blindlings, | vom Ende des 5. Jahrhunderts bietet alsn ^L

sondern er hat die Werke selber durchgenommen und j viel älteren und wahrscheinlich'auch besseren tw i

sich ein selbständiges Urteil gebildet. Beginnt Schweitzer die bisher bekannte Überlieferuno (syrische üherce+

seine Wanderung durch die Leben-Jesu-Forschung mit aus dem Jahr 1470; Exzerpte in den Pandekten,!Pg

Reimarus, so greift S. weiter zurück auf die englischen Mönches Antiochus von St. Saba um 6201 Da die Hei ♦

Deisten, die von einer neuen religionsphilosophischen der beiden Briefe sich nur auf ü>und der Üherliefer,,„

Auffassung, einem neuen Offenbarungsbegriff aus die feststellen läßt, ist die Tatsache daß sie Im 5 3

Anfange des Christentums zu verstehen suchten. Feiner auch in Ägypten bekannt waren ' von besonderer xx/inh

schließt S. in seinen Überblick natürlich Schweitzer ■ tigkeit. Neben Svrien-Palästina 'kommt jetzt auch Äovn"

selber mit seiner^durchgeführter. eschatologischen Deu- I ter. in Frage als ihre Heimat. In kanonischem An"

tung ein und dehnt ihn bis zu den neuesten Veroffent- sehen wie in Syrien haben sie hier nicht .restanden

Rehungen der formgeschichtlichen und der religions- i sie in einem Corpus asketischer Schriften stehet w

geschichtlichen Schule aus. Auch das dreibändige Werk weist ihre Stellung am Anfang des Codex auf Hie i^i

Ed. Meyers, des „storico grandissimo", ist gewürdigt Wertschätzung hin, die sie auch bei den 'ioenti^nl

(1929, S. 62f.) und den Schluß bilden die Franzosen , Mönchen genossen. Das hängt vielleicht iKSS^22

Couchoud und ^lafosse, die durch ihre Aufstellungen ; sammen, daß sie nach der Überschrift als Briete des"

in der lateinischen Welt eine ahnliche Unruhe hervor- Athanasius galten. L. ist geneigt diese 4,m,hp *n. • u

riefen, wie die „Christusmythe" von_Drews; in. Deutsch- j tig zu halten - daher die e^s^rSSSd* oÄ

land. Von Schweitzer übersehene Forscher, wie Chia
pelli und Labanca erhalten die ihnen zukommende
Stelle (1929, S. 14 f.), ebenso die später veröffentlichten
Arbeiten von Omodeo (S. 58), Macchioro, Fracassini,
Buonaiuti (S. 60). Dagegen ist das vielgerühmte, auch
ins Deutsche übersetzte Werk Papinis durch Schweigen
geehrt. S.s Neigung selbst gehört der religionsgeschichtlichen
Schule, in der er auch durch seine Arbeit „II sig-
nificato di Nazareno" 1911 einen Platz einnimmt (S.
36). Daß auch Dolgens großes Werk über das Fischsymbol
erwähnt wurde (S. 37), ist nicht mehr als recht

schritt seiner Veröffentlichung —. Doch kaum mit
Recht. Denn auch der koptische Text ändert nichts an
dem Charakter der ganzen Schrift; und der schließt es
aus, daß ein Bischof der Verfasser ist, und setzt außerdem
Verhältnisse voraus, die 100 Jahre vor Athanasius
bestanden, aber bestimmt nicht mehr zu seiner Zeit und
noch viel weniger damals in Ägypten. Daß die Schrift
dem Athanasius zugeschrieben wurde, erklärt sich zur
Genüge aus dem Ansehen des Athanasius bei den Mönchen
Oberägyptens. Die Zuweisung an Athanasius setzt
aber voraus, daß die Schrift nicht unter dem Namen des

lig So ist der ganze Überblick, den S. gibt, sehr , Clemens ging, sondern, wie v. Harnach schon veimutete
tehrre cta^ Auch im ein- ursprünglich anonym war. Denn es ist kein Grund

'einenfinden stehESSe Beobachtungen und Ver- , einzusehen, warum man in Ägypten die Autorität des
nSmS ". h über die deutschen „Einleitungen ins Clemens durch die des Athanasius ersetzt haben sollte,
knuprungen /. d be/ü.„lich Renans und Har- i Die Uberschritt scheint auch die andere These v. Harnorks
(1929 S i8) Mit feiner Anspielung wird Har- nacks zu bestätigen, daß die beiden Briefe _ nur che bei-
nocks Wesen des Christentums" eine „spiritualizzazione den später getrennten Hälften eines einzigen Briefes
acuta" des Evangelium von »dem Br*fV^e?n' m'so

und Einseitigkeit seiner sonst so glänzenden Dogmen- i offensichtlich nur einen einzigen. Dabei ist aller-
"eschichte ist (S. 13) richtig hervorgehoben. Und da- dings zu berücksichtigen daß der Copte eben nur
g it auchi eine kleine Bosheit nicht fehle, erklärt S. die den Anfang des sog. ersten Briefes enthalt wir also

nicht wissen, ob in den verlorenen Teilen auch der sog.
zweite Brief enthalten war. Diese Bedenken werden
vielleicht beseitigt, wenn, wie L. hofft, noch weitere
Bruchstücke gefunden werden. Bei der Wichtigkeit der
Briefe für die Entstehungsgeschichte des Mönchttuns
kann man nur wünschen, daß diese Hoffnung in Er-

m

ängstliche Zurückhaltung bezüglich der allgemeinen und
letzten Folgerungen, die er bei Reitzenstein findet, vermutungsweise
aus einem „timor reverentialis" vor den
„compatrioti teologi". Daß Drews in seiner „Christusmythe
" so gut wie nichts Neues vorbrachte, sondern nur
verschiedene vorausgegangene Aufstellungen zusammenfaßte
, ist (S. 48) treffend bemerkt. Zu seiner Wider- ! füllung geht
legung sollte die Tatsache noch mehr ausgewertet wer- Heidelberg.

den, daß Jesus ursprünglich gar nicht ein menschge- j _'___ Julius wagenmann.

wordener Gott, sondern ein gottgewordener Mensch war I «♦.,..,„. .. ctM/,,oc ,„ c 7

(vgl. Act. 2, 36). Bei den Bemerkungen über den neu- 1 * im £2hJ* . . „ Eusebius-Firewall Prize Essay

testamentlichen Kanon (1928, S. 359. 1929, S. 20) ^ Cambnd^: Umversdy Press 1929. (vil, H5 S.) 8». '

wäre doch G. Krügers Geschichte der altchr. Lit. in den rw Verfasser wma • , „ geb- 6 sh-

ersten drei Jahrhunderten 1895 (2. A. 1897) und seine j nur i^' hVJS'ftlf8*!" der Vorrede, daß er

Schrift über „Das Dogma vom N.T." zu erwähnen ge- bh s benanderr nnH r,fen^ des Klrgh€nhistorikers Euse-

wesen, wo mit dieser .fentitä teologica" grundsätzlich ge- 1 »^^"ff* Ä es iltt d£S ^ Wort §'e-

brochen ist. Sehr gut ist am Schluß die Zusammen- K in zwei' ratetef n'L h ^ach emer einlei"

Stellung von zwölf offenen Hauptfragen. Erwähnt sei vo"g Cäsarea und fihe/ Füll?'C >Städ "nd die Kirche

noch, daß die irrenärztliche Beurteilung Jesu nicht be- : ^ eTSchrifterü hanne t 2 ™n I JUnd seine

rücksichtigt wurde f ?t i sc"nnenj handelt er von Eusebius in der großen

nie cnngi wurae- Verfolgung und von seiner Stellung im Artend

Mflnchen- _Hug° Koch- Streit. Das letztere Thema wird "kiS^

---- ! g€führt („Der Ausbruch des Streits", „Nhcaea" m n*"

Lefort, L. Th..- Le de virginitate de S. Clement ou de Angriff auf die katholischen Führer") Altes +

S. Athanase? (S.-Dr. aus Le Museon t. XL.). Louvain (2 nie de ständig und gut erzählt; aber Neues lernt •VS"

Peeluse): Selbstverlag (,6S.) 4». , denn den schwierigeren Problemeri fc|™L%"rfTht;

In einem koptischen Codex asketischer Schriften , aus dem Wege gegangen und auch die Fno-e H

aus dem Weißen Kloster, jetzt in ,der Pariser National- relativ am meisten Aufmerksamkeit und Fleiß zugewandt