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Ausgabe:

1929 Nr. 25

Spalte:

587-588

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zahn, Theodor

Titel/Untertitel:

Grundriß der Einleitung in das Neue Testament 1929

Rezensent:

Büchsel, Friedrich

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587

Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 25.

588

nung der schärferen Zubereitungsweise als der unumgänglich
notwendigen gegenüber der milderen; „jeder
soll mit Feuer gewürzt werden" = schmackhaft, angenehm
(für Gott) gemacht werden, d. h. die Gottge- !
fälligkeit kann nur durch Leiden und Drangsale er-
reicht werden. Die Deutung berührt sich mit der von
Jülicher, Gleichnisreden Jesu II, 77f. Aber ist das
Bildwort nicht vielleicht von einem Brauch des täglichen
Lebens hergenommen, bei dem „mit Feuer gesalzen" j
wurde? Etwa zu vergleichen dem Verfahren, Fleisch 1
zu salzen, das mir ein Kenner des Volkslebens in Trans-
vaal (Südafrika) kürzlich beschrieb: man schüttet Salz
auf eine heiße Eisenplatte und läßt es glühend heiß ,
werden: mit diesem Salz reibt ein Mann mit harten
Fäusten das Fleisch ein — eine schmerzliche Prozedur,
weil das Salz so heiß wie nur möglich in das Fleisch
hineingerieben werden muß; mit dieser Art des Salzens
wird in Kürze erreicht, was sonst eine langwierige Behandlung
mit Salzlauge bewirkt. Mir ist aus dem
Orient bis jetzt ein irgendwie analoges Verfahren nicht
bekannt. Aber die Voraussetzungen dafür wären in
Palästina durch Klima und reiche Salzvorräte immerhin
gegeben. Ließe es sich nachweisen, so wäre in dem
bildlichen Gebrauch Mark. 9,49 eine Subjekt-Objekt-
Verschiebung anzunehmen, die in der jüdischen Bildrede
nicht ungewöhnlich ist, und es ergäbe sich auf anderem
Wege ein ähnlicher Sinn wie bei der Fr.'sehen Erklä- 1
rung: der Jünger wird auf die härteste, schmerzlichste
Weise (durch Leiden, Opfer usw.) für Gott zubereitet, i
V, 60—66 gibt Fridrichsen einen willkommenen
„Beitrag zum Corpus hellenisticum N.T." durch „Observationen
zum Neuen Testament aus Aelians Varia
Historia", von denen sachlich die Parallelen zu Joh.
15, lff. (gärtnerische Behandlung des Weinstockes) und i
zu dem Herrnwort AG. 20,35: äfieivov . . . itkowitpiv
r/ jtKowElv besonders interessant sind. Eine Einzelfrage
aus der Christologie des Johannesevangeliums, „Die
Gottesschau des johanneischen Jesus", greift V, 1—22 j
L. Brun auf und begründet in eindringender Unter- |
suchung die These: die Worte vom „Sehen" und „Hö- j
ren" Jesu beziehen sich nicht auf Wahrnehmungen des
Präexistenten, sondern auf Erfahrungen, die Jesus I
während seines Erdenlebens vermöge seiner einzigarti- j
gen Gemeinschaft mit dem Vater gemacht hat; sie |
sind nach Analogie der prophetischen Terminologie zu
verstehen, doch so, daß diese gleichsam in eine höhere
Tonart transponiert wird. B. erneuert und vertieft da- i
mit eine besonders von Lütgert ohne großen Erfolg ver- j
fochtene Auffassung, die jetzt, von B. mit Sorgfalt und
Scharfsinn durchgeführt, ernster erwogen zu werden
verdient. Der exegetische Nachweis für die Möglichkeit
seiner These ist B. im allgemeinen gelungen (zu Joh. ;
3,11 m. E. nicht, da das „wir" nicht Jesus und die
Jünger zusammenfassen kann). Aber gegen seine Fragestellung
kann eingewandt werden, ob dem einheitlichen j
johanneischen Christusbild das Entweder-oder zwischen !
der Gottesschau des Präexistenten und der Gottesschau !
des Menschgewordenen entspricht und nicht vielmehr
in ein Sowohl-als auch zu korrigieren ist. Das soll nicht
heißen, daß das „Sehen" und „Hören" des johanneischen
Christus doppelsinnig wäre, aber die Möglich- 1
keit offen lassen, dort, wo es der Zusammenhang nahelegt
(z.B. Joh. 1,18), an die Gottesschau des Präexistenten
zu denken, die sich auch nach B. (S. 16) mit '
der johanneischen Überzeugung, daß auch der Jesus I
der Geschichte in einer Beziehung des Schauens und
Hörens zu Gott gestanden hat, durchaus verträgt.
Göttingen.__J.SBeli in.

Zahn, Theodor. Grundriß der Einleitung in das Neue Testament
. Leipzig: A. Deichen 1928. (VII, 120 S.) 8°.

RM 5—; geb. 6.50.

Der Grundriß ist nach den einstigen Vorlesungsdiktaten
Th. Zahns von Oberstudienrat Prof. W. Hilbert
in Leipzig hergestellt. Er ist ein kurz gefaßtes Kompendium
für Studierende und gibt nach Anlage und Ergebnissen
wesentlich dasselbe wie das bekannte zweibändige
Lehrbuch. Eigene neue Forschungen von Zahn bringt
er nicht und auf die neuen Forschungen anderer geht er
nicht ein. Der Vorzug solcher Zusammenfassung einer
abgeklärten Lebensarbeit ist die Bestimmtheit und Geschlossenheit
der Auffassung. Der besondere Wert dieses
Buches liegt in der strengen Sammlung aller Interessen
des Lesers auf das im Rahmen der kirchlichen
Überlieferung verstandene Neue Testament selbst und
der immer wieder spürbaren Ehrfurcht des Verfassers
vor der Heiligkeit seines Gegenstandes.
Rostock. F. Büchsei. __

Richter, Prof. D. Julius: Die Briefe des Apostels Paulus als
missionarische Sendschreiben. Gütersloh: C. Bertelsmann 1929.
(212 S.) gr. 8°. = Allgemeine Missions - Studien, H. 7.

Lwd. RM 8—.

Der Reichtum der Paulusbriefe gestattet und erfordert
für die Erklärung eine Reihe verschiedenartiger
Betrachtungsweisen. Neben der abstrakt dogmatischen,
die in ihnen das Wort Gottes sucht, neben der abstrakt
religionsgeschichtlichen, die an ihnen die Verschiebungen
der religiösen Gedanken und Motive
verfolgt, neben der nur psychologischen, die durch
sie in ein eigentümlich reiches Innenleben einzudringen
sucht, werden konkretere Betrachtungsweisen
von Wert sein. Die von Richter verfolgte missionswissenschaftliche
ist nicht eigentlich missionsgeschichtlich
. Er sucht Paulus und seine Briefe nicht
aus den vergangenen Voraussetzungen der urchristlichen
Mission zu verstehen, wie es die Darstellungen
des apostolischen Zeitalters mit mehr oder minder Erfolg
betreiben. Er beleuchtet die paulinische und die
gegenwärtige Missionsarbeit wechselseitig, um dadurch
zu einem möglichst konkreten Verständnis der Briefe
und der Persönlichkeit des Paulus zu gelangen und
andererseits die grundlegenden Tatsachen, von denen
und in denen die Mission auch heute noch lebt, aus den
Paulusbriefen zu verdeutlichen. Das Paulusbild gewinnt
dadurch eine eigentümliche Plastik. Es liegt über dem
mit Wärme, Frische und Gewandtheit ohne großen gelehrten
Apparat geschriebenen Buche der Reiz, den nur
das hat, was aus der unmittelbar persönlichen Verbundenheit
mit dem Gegenstande gearbeitet ist. — Das
Buch besteht aus zwei ungleichen Teilen, der zweite
(81—272) bespricht die einzelnen Briefe nach einander,
der erste behandelt ihre Voraussetzungen: Paulus' Persönlichkeit
(7—15), missionarische Eigenart (15—34),
Botschaft (34—59), Missionsmethode (59—80). Zu bedauern
ist, daß der Hauptabschnitt über die Botschaft
des Paulus (S. 37—42) so knapp gefaßt ist. Grade jetzt,
wo das Problem der Botschaft sich in der Missionsarbeit
selbst mit neuer, überraschender Schärfe stellt (vgl. die
Verhandlungen in Jerusalem!) und deshalb für die Zusammenarbeit
der reinen Wissenschaft und der Mission
sich neue Aufgaben und Möglichkeiten zeigen, wäre
eine nähere Beleuchtung der Botschaft des Paulus aus der
Missionsgegenwart besonders wertvoll gewesen. Auch
verdiente der pneumatische Charakter der Frömmigkeit
und Arbeit des Paulus schärfere Berücksichtigung. Die
Vorbildlichkeit und Unnachahmlichkeit des Paulus und
seiner Missionsarbeit für die Gegenwart besteht im letzten
Grunde darin, daß er auch als Missionar Pneumatiker
war. Auf die Einzelheiten in den Ausführungen
über die Briefe einzugehen, ist hier leider nicht angängig
. — Möchten von dem Buche starke Anregungen
ausgehen, das Missionarische an Paulus und seinen
Briefen stärker zu beobachten und Paulusforschung und
Missionswissenschaft lebendiger zu verknüpfen.

Rostock. F. Büchsei.

Salvatorelli, Luigi: Da Locke a Reitzenstein. L'indagine
storica delle origini cristiane. (Aus: Rivista storica Italiana XLVI,
Nuova serie, Vol. 7.) (Turin [Via S. Dalmazzo 26[: Selbstverl, d.
Verf.) (66 u. 29 S.) gr. 8°.

Wie Albert Schweitzer in seinem berühmten Werke

„Von Reimarus zu Wrede" (1906. 2. Aufl.: Geschichte