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Ausgabe:

1929 Nr. 2

Spalte:

586-587

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eitrem, S.

Titel/Untertitel:

Symbolae Osloenses auspiciis societatis Graeco-Latinae. Fasc. III - V 1929

Rezensent:

Behm, Johannes

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Seite 1, Seite 2

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f,85 Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 25. _ 586

Die Qießener Misnä-Ausgabe, die erstmalig einen gemeinte Gemeinplätze zur sozialen Frage irr. Abschnitt
iraktat des 3. Sedhär's Nastin als 19. Band der Reihe „Streik" (365 ff.). Mehr schon begreiflich .st, wenn der
herausgeben konnte, ist durch R.s Werk um eine ge- : Jünger.n hier eine ungeahnte neue Weltanschauung ent-
diegene Arbeit bereichert worden. Es ist bekannt, daß gegenzutreten schien da sie schwerlich begriff, daß der
das Unternehmen in seiner Anfangszeit gelegentlich Weise, der sie, die Schülerin christlicher Herkunft, über
durch das Feuer einer scharfen Kritik hat hindurch- den wahren Oehalt besonders des Christentums aufgehen
müssen- so zuverlässige Arbeiten wie die vor- klarte, für seine philosophierenden Satze als Orientale
liegende werden dazu beitragen, in der Wissenschaft- noch etwas von gut scholastischer Bildung mitbrachte,
liehen Weit das Vertrauen zu dem Unternehmen zu festi- und Scholastik hat wenigstens den Vorzug einer diktato-
cren Fs sei zum Schluß den Herren Herausgebern er- ) rischen, darum manchen beruhigenden Klarheit. Sie
neut die Bitte vorgetragen, den textkritischen Apparat zeigt sich bei der Verwahrung gegen suf.schen Pantheis-
nnter dem Text abzudrucken; einen ersten Anfang hat ; mus, im Auseinanderhalten von Manifestation und Ema-
k> im schon aemacht indem er alle von ihm am Text nation (399 ff.) und in der ganzen Psychologie, die für
von V vorgenommenen Abänderungen unter dem Text schwerste Seelenfragen bekannteste alte Antworten be-
k-ic reithalt; anziehend war diese Scholastik wohl auch, weil

anmei Joachim Jeremias. s'e n>cht so nüchtern eng ist, daß sie nicht etwas Raum

ließe für einen gezähmten Glauben an Wunder, psycho-

•AbdouM Baha: Les Lecons de Saint-Jean-d'Acre. Rccueilües magnetische Wirkungen und Astrologie (340ff.). Ganz

par Lama Clifford-Barney. Traduit du Persan par Hippolyte begreiflich ist aber, daß Akko als Sitz vom „Diener des
Dreyfus. Deuxieme Edition, revue et angincntee. Paris: E. Leroux Abglanzes Gottes" der beste Fundort war für die Bc-
1920. (III, 424 s.) 8'. weise zum Kernstück, dem Glauben an den Abglanz

Die Behai sind recht rührig. Die neuzeitlichen Ver- , Gottes selbst. Es sind die als „geistige Beweise" be-
kehrsmittel erleichtern ihren Missionaren, vielfach angel- ! zeichneten Parallehsierungen mit dem Jahres- und
sächsischen Damen, das Reisen auf fünf Kontinenten. Sonnenzyklus und besonders die Berechnungen aus den
Der geschwisterliche Zusammenhalt sichert noch an ent- , Weissagungszahlen bei Daniel und in der Offenbarung
legenen Orten <uite Bequemlichkeit. Und die Zeitlage ' Johannes. In letzterer wird Kap. 11, 3 ff. auf die Islamist
: günstig- Dogmenmüdigkeit kommt vielenorts ihrem ! geschiente bezogen, und die Rechnung geht nicht
Bestreben°entoegen, die Glaubenssätze der bestehenden - schlechter auf als manche europäische; auffällt, wie der
Religionen weniger zu bekämpfen als zu symbolisieren vermeintlich überkonfessionelle Ausleger seine schiiti-
und&sie so zu einer höheren Einheit zusammenzu- ! sehe Vergangenheit nicht verleugnen kann: Muhainmed
schließen in der ernsthafte „enge" theologische For- und Ah sind „die zwei Zeugen", „das Tier" in V. 7 sind
schuno- zugunsten weltweiter ethischer Grundsätze zu- | die sunnitischen Omaijaden; mit V. 15 erscheint das
riicktntt Und daß diese Grundsätze vom Frieden zwi- I Gottesreich des Beha-Allah, der in Jesaias 11, 1 ff. verschen
den Völkern, Religionen, Klassen, Geschlechtern heißen ist (54 ff.; 67 ff.; 89ff.).

jetzt weithin als Aufgaben empfunden werden, hebt das j 3. Eine Determination: Die Herausgeberin erklärt
Bewußtsein des eigenen Verdienstes um die Erkenntnis 1 einleitend, die ihren „rudimentären Kenntnissen" ange-
dieser Notwendigkeit. Zugleich fühlen wenigstens ei- j paßten Lehrgespräche des Meisters gäben keinen Ein-
nige, daß heutige von Unberufenen zu selbstischen | druck von der „Großen Lehre" des Erlebnisses seiner
Zwecken erfundene Lösungen eine Gefahr für diese i persönlichen Gegenwart. Ebensowenig sind meine vorideale
werden können. Dem missionarischen Eifer ent- j stehenden Worte der Glaubensinbrunst solcher Gespricht
ein reges Schrifttum. Die kleinere deutsche ' spräche adäquat; jeder Behai wird diese äußerliche BeGruppe
entnimmt die grundlegenden Werke aus zweiter j sprechung mit Recht ablehnen.

Hand von westeuropäischen Übersetzungen und bedient ' Hamburg. r. Stroth manu.

sich in den eigenen Zeitschriften und Broschüren neben '---——-_.

dem Deutschen des Esperanto. Die französischen Glieder Symbolae Osloenses. Auspiciis Societatis graeco-latinae. Ed. s.
benötigten jetzt eine Neuausgabe der vorliegenden, 1907 i Eitrem et Ounnar Rudberg. Fase. III —v. Oslo: A. w
zuerst erschienenen, auch ins Englische übersetzten Brogger 1925—1927. (III, 81, III, 75 u. 87 s. m. Abb.) gr. 8*.
Sammlung „Al-ntir al-abha fl mufawazät 'Abd al-Behä': i Die Fortsetzung dieser Jahreshefte, deren erste bei-
Das allglänzende Licht; Lehrgespräche des A." üesam- ' den hier 1926, S. 82f. angezeigt wurden, bringt neben
melt sind sie im vertrauten Verkehr. Eins tritt sehr einer stattlichen Zahl von kleineren und größeren
deutlich hervor: das allbeherrschende Dogma dieser „un- klassisch-philologischen und archäologischen Studien,
dogmatischen" Religion, der Glaube an Beha-Allah als auf die an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden
die abschließende göttliche Manifestation, hier vorge- i kann, wieder einige bemerkenswerte theologische und
trafen von seinem Sohn und weiter verkündet von der religionsgeschichtliche Beiträge. G. Rudberg referiert
begeistert gläubigen Adeptin. Da sich Vater und Sohn III, 76f. kurz über neue Beiträge zur Diskussion über
der Forschung (vgl. Theol. Ltz. LI 11 (1928) Sp. 339 ff.) : agrog huovetdg, ohne die Frage selbst näher zu erganz
anders darstellen, dürfte die Besprechung nur örtern. De r se I b e bespricht IV, 29—35 gewisse, nicht
3 Aufgaben haben: ganz zufällige (?), jedenfalls für das neue Corpus helle-

1 Aufzähluno- der Kapitel: Rolle der Propheten in nisticum zu beachtende Übereinstimmungen der Struktur
der Entwicklung &der Menschheit; einige Punkte der und Motivation zwischen den Bacchen des Euripides
christlichen Lehre- Kräfte der göttlichen Manifestationen (bezw. dem Dionysos-Mythus) und neutestamentlichen
und ihre Bedingung; Ursprung und Kräfte der Men- Stellen wie AG. 5,17ff. und Joh 7 45 ff und teilt
sehen und ihre Bedingung; Verschiedenes. V, 80—84 im Anschluß an Cod. Vindob. 712 lat. Be-

0 Eine Nichtzuständigkeits-Erklärung: es will dem i obachtungen zur Textgeschichte von Augustins Confessi-
Ref. unbegreiflich erscheinen, daß man nach Akko reisen ' onen mit. S. Eitrem breitet IV, 39-59 und V, 39-59
mußte uin als neue gottgegebene Offenbarungen zu ver- ; m seiner Abhandlung über „Die vier Elemente in der
nehmen diese eher naiv anmutenden Ausführungen wie: Mystenenweihe" eine reiche Fülle von Stoff aus und
kosmologischer Gottesbeweis (7ff.); sabellianisch-mo- weist in Zaubertexten, mysteriöser Erbauungsliteratur
dalistisches Verständnis der Trinität (157ff.); Vergeisti- des Hellenismus usw. Spuren einer mystischen Elemen-
gung des Heiligen Geistes zur .Güte Gottes und den tenlehre nach, die sich in der religiösen Gedankenwelt
von den Manifestationen ausströmenden Lichtstrahlen" der Antike weithin verfolgen lassen. A. F r i d r i c h s e n
(150); rational-svmbolizistische Auslegung des Abend- deutet IV, 36-38 das dunkle Logion Mark. 9,49 auf
mahls (135ff.); "Widerlegung des päpstlichen Primats | „Wurzung mit Feuer": das Feuer ist als Mittel der
(188ff.); Beweis für die Freiheit des Willens (344ff.); Zubereitung des Essens gedacht; cu.iCsiv = a^rveiv,
Auseinandersetzung mit dem Darwinismus (267ff.); gut- „würzen"; die Pointe des Spruches liegt in der Bezeich-