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Ausgabe:

1929

Spalte:

563-564

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Malvy, Antoine

Titel/Untertitel:

Orientalia Christiana. Vol. X, 1 = Num. 39: La Confession Orthodoxe de Pierre Moghila, Métropolite de Kiev (1633 - 1646) approuvée par les patriarches grecs du XVIIe siècle 1929

Rezensent:

Schmidt, Kurt Dietrich

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504

Orientalia Christiana. Vol. X. = Nr. 39, October-Dezember
1927. La Confession Orthodoxe de Pierre Moghila, Metropolite de
Kiev (1633—1646) approuvee partes patriarches grecs du XV1K siecle.
Texte latin inedit publie avec introduetion et notes critiques par
Antoine Malvv S. J. et Marcel Vidier S. I. (CXXXI, 223 S.)
gr. 8*. 30 L.

Über den Inhalt und die Bedeutung der Confessio
Orthodoxa (C. O.), die in diesem Heft vorgelegt wird,
brauche ich keine Angaben zu machen, da sie in allen
Lehrbüchern der Konfessionskunde besprochen wird.
Es kann sich nur um die Charakterisierung der vorliegenden
Ausgabe handeln. Malvv und Villier veröffentlichen
in ihr einen lateinischen Text der C. O.
Er bildet nicht den ursprünglichen lateinischen Text,
der aus der Feder Moghilas stammt. Dieser ist bekanntlich
auf der Synode 1642 durch Meletios Syrigos
ins Neugriechische übersetzt worden, wobei eine Reihe
von Änderungen vorgenommen wurden, die den Text
M.s stärker der orthodoxen Tradition angleichen. Dieser
griechische Text allein ist durch die Patriarchen der
orthodoxen Kirche gebilligt worden. Der lateinische
Text kann nun nicht, wie gelegentlich angenommen
wurde, das Original M.s wiedergeben, weil die Änderungen
des griechischen Textes sich auch in ihm finden.
Andererseits verrät der lateinische Text, der hier vorgelegt
wird, völlig unverkennbar, daß er aus einer Feder
stammt, die eine slavische Sprache zu schreiben gewohnt
war. Die Herausgeber werden deshalb mit ihrer
Ansicht recht haben, daß ihr Text weithin den Text M.'s
selbst wiedergibt, und daß Meletios Syrigos in der
kurzen Zeit, die ihm zu Gebote stand, nur dort seine
lateinische Vorlage geändert hat, wo es ihm um des Inhalts
willen unumgänglich notwendig zu sein schien.
Denn daß der hier zum Abdruck gebrachte lateinische
Text aus dem griechisch-lateinischen Doppeltext stammt,
den Syrigos 1643 den Patriarchen von Konstantinopel
zur Billigung vorgelegt hat, wird wahrscheinlich gemacht
.

Ist diese These richtig, dann ergibt sich von da
aus der Wert der vorliegenden Ausgabe. Zunächst erleichtert
es ja praktisch zweifellos den Gebrauch der
C. O., wenn sie in lateinischer und nicht neugriechischer
Sprache uns vorgelegt wird. Aber wenn die lateinische
Übersetzung eben nichts weiter als eine „Übersetzung"
wäre, dann würden wir Deutschen doch wohl lieber
die deutsche Übersetzung von Frisch (1727) benutzen als
eine lateinische. Aber das Vorhergehende zeigt, daß diese lateinische
Ausgabe anders zu bewerten ist, weil sie eben nicht
schlechthin eine Übersetzung ist. Ja, man darf sagen, daß
dieser lateinische Text, der ursprünglichen Ausgabe der
C. O., die ja leider verloren ist, erheblich näher steht,
als der offizielle griechische Text, der ganz Übersetzung
im eigentlichen Sinne ist. Insofern stellt die
Ausgabe eine wirkliche Bereicherung des quellenmäßigen
Rüstzeugs dar.

Die Ausgabe selbst ist mit aller nur erdenklichen
Sorgfalt angefertigt. Eine ausführliche Einleitung von
130 Seiten unterrichtet zuerst über das Leben des Verfassers
der C. O. Sie untersucht dann die Gründe, die
zur Aufstellung dieser neuen Konfession in der orthodoxen
Kirche geführt haben (die protestantenfreundlichen
Regungen des Konstantinopeler Patriarchen Lu-
karis). Sie schildert ferner die Geschichte der CO., ihre
Bedeutung sowie das Ms., aus dem der vorliegende Text
entnommen ist. Schließlich werden die Quellen untersucht
, die Moghila bei der Bearbeitung der C. O. benutzt
hat (starke Abhängigkeit vom Katechismus des
CanisiusS. J. unter anderem) und der lateinische Text mit
dem griechischen, endlich die C. O. auch noch mit dem
kleinen Katechismus des M. verglichen. So finden alle
Fragen historischer wie literarkritischer Art, die in Betreff
der C. O. aufgeworfen werden können, Berücksichtigung
und vorsichtige Beantwortung.

Der Text selbst ist mit einem dreifachen Anmerkungsapparat
versehen. Der erste gibt den Text des

Ms. wieder, falls die Herausgeber Änderungen gegenüber
seinem Wortlaut vorgenommen haben. Er enthält zugleich
einen durchgeführten Vergleich mit dem griechischen
Text. Der zweite bringt den Zitatennachweis
(Bibel, Konzilien usw.); der 3. kurze inhaltliche Erklärungen
und Bemerkungen zur Lehre der C. O. Diese
werden z. T. in sogenannten „Notes complementaires"
(S. 125—175) wieder aufgenommen und ausführlicher
erörtert. Da finden sich z. B. Ausführungen über den
Stand der Unschuld in der C. O., die processio Spiritus
Saneti, das Filioque, die Lehre von der Kirche usw. Den
Band schließen endlich eine ganze Serie von Registern,
nämlich 1. ein Verzeichnis der zitierten Schriftstellen,
2. der zitierten Konzilsentscheidungen, 3. der Väterzitate,
4. ein Verzeichnis der in der Einleitung und den Anmerkungen
zitierten Autoren, 5. ein „Index historique", der
die Namen der erwähnten historischen Personen enthält,
endlich 6. ein Sachregister.

So scheint mir diese Ausgabe des lateinischen
Textes der C. O. aus dem Codex Parisinus unentbehrlich
zu sein für künftige Benutzer der C. O. Vor allem
solche, die des Neugriechischen unkundig sind, dürfen
nicht mehr zu den alten wirklichen „Übersetzungen"
der C. ()., etwa der von Normann, greifen, sondern
müssen den hier gebotenen Text benutzen, der der Ur-
ausgabe weithin entspricht.

Kiel. Kurt Dietrich S e h m i cl t.

Seppelt, Franz Xaver: Geschichte des Bistums Breslau.

Breslau: MMIer & Seifferi 1929. (134 S.) er. 8". =ü Real-Hand-
buch d. Bistums Breslau. 1.11. RM4-.

Seitdem im Jahre 1908 Dr. Joh. Chrzaz.cz (Peitschkretscham
, O./S.) seine Kirchengeschichte Schlesiens für
Schule und Haus herausgegeben hatte, fehlte eine solche
Gesamtdarstellung von katholischer Seite. Der katholische
Kirchenhistoriker an der B res lauer Universität
bietet uns nunmehr dieselbe in einer innerlich und äußerlich
sehr ansprechenden, seinen Vorgänger weit übertreffenden
Form. Seppelt gibt in sechs Kapiteln, die
allerdings an Umfang sehr ungleichmäßig sind, die Entstehung
und Geschichte des Breslauer Bistums von
etwa 1000 bis 1914, dem Jahr der Wahl des jetzigen
Fürstbischofs Bertram. Angehängt sind ein Verzeichnis
der Bischöfe sowie der Weihbischöfe, dazu eine Umschreibung
der Bistumsgrenzen nach der Bulle von 1821,
die bis zum jetzigen Konkordat galt. Die Darstellung
ist in der Form keine wissenschaftliche Untersuchung;
sie bringt keine Anmerkung, keinen Literaturhinweis,
keine Auseinandersetzung mit andern Auffassungen, —
und doch merkt der kundige Leser auf Schritt und Tritt,
daß die leicht fortfließende Darstellung auf der Durcharbeitung
der neusten wissenschaftlichen Forschungen
beruht. Seppelts Buch ist das Ergebnis seiner eigenen
gründlichen wissenschaftlichen Kenntnis und Forschung
über die schlesische Kirchengeschichte. Wir möchten
diese glatte Art der Darstellung nicht verwerfen, aber
doch die Bitte aussprechen, in einer kommenden zweiten
Auflage es an Hinweisen auf Literatur und andersartige
Meinungen nicht so ganz fehlen zu lassen; auch eine
kurze Anmerkung zur Begründung der eigenen Auffassung
wäre hier und da wünschenswert. Wir wenden
uns vom Gesamteindruck zu den einzelnen Teilen.

Die ersten vier Kapitel (S. 1 — 54) gehören zusammen
; sie umfassen die Geschichte des Breslauer Bistums
von seiner Entstehung bis zum Ausgang des
Mittelalters. Die Einteilung ist deutlich und geht mit
den einzelnen historischen Perioden konform; Kapitel 1:
„Das Bistum in slawischer Zeit"; Kapitel 2: „Das
dreizehnte Jahrhundert, die Zeit der großen Bischöfe";
Kapitel 3: „Die Glanzzeit des Bistums im 14. Jahrhundert
"; Kapitel 4: „Die Zeit des Niedergangs des Bistums
im Spätmittelalter". — Im Jahre 1000 wurde von
Otto III. das Bistum Breslau begründet und dem Erzbistum
ünesen unterstellt; wir geben aber Seppelt in der
Auffassung recht, daß schon vorher von Böhmen und