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Ausgabe:

1929 Nr. 24

Spalte:

557-558

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Spyridon, Eustratiades

Titel/Untertitel:

Catalogue of the Greek Manuscripts in the Library of the Laura on Mount Athos 1929

Rezensent:

Goltz, Eduard Alexander

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Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 24.

558

thode und beachtenswert die Kritik der religionsgeschichtlichen
Ableitung der neutestamentlichen Christo-
logie. Ob der Erfahrungsbegriff des Verfassers ganz
haltbar ist, und ob nicht der Begriff des Glaubens dabei
zu kurz kommt, ist eine Frage für sich. Wenn Andrews
die christologischen Aussagen eines Paulus und
eines Johannes als ,,different experiments in christo-
logical interpretation'' bezeichnet, so entspricht das kaum
dem Selbstbewußtsein der Autoren und wird m. E. auch
nicht der spezifischen Bedeutung des N.T.s für die Theologie
gerecht. Im übrigen stimme ich seiner Hauptthese
durchaus zu.
Oslo. Olaf Moe.

Spyridon and Archbishop Sophronios: Eustratiades,
Catalogue of the Greek Manuscripts in the Library of
the Laura on Mount Athos. With notices from other libraries.
Cambridge: Harvard University Press 1925. (XIV, 515 S.) 4°. =
Harvard Theologien] Stitdies, XII.

Von allen Kennern der Athosbibliotheken ist es
seit Jahrzehnten bedauert worden, daß die Kataloge der
Bibliotheken der beiden größten Athosklöster Wato-
pedi und Lawra, welche Sp. Lambros wegen Schwierigkeiten
, die ihm die Mönche bereiteten, nicht hatte
aufnehmen können, nie publiziert worden sind. Jetzt
liegt der Katalog des L a w r a - K 1 o s t e r s vor, aufgestellt
von dem Mönch und Arzt des Klosters, Spyridon;
bearbeitet, leider auch gekürzt von dem früheren Erz-
bischof von Leontogulos, Sophronios. Wer je den
großen zweibändigen Katalog des früheren Bibliothekars
der Lawra, Chrysostomos, der eine hervorragend
gute Arbeit geleistet hatte — Ehre seinem Andenken —
gesehen und benutzt hat, wird sehr bedauern, daß
dieser nicht gedruckt wurde! Der Herausgeber Sophronios
sagt, daß dies aus mehrfachen Gründen nicht
habe geschehen können; die Vorsteher der Lawra hatten
es nicht erlaubt, die Herausgabe der beiden dicken
Bünde würde zu viel gekostet haben und würde so viel
Umarbeitung und Ergänzung gefordert haben, daß dadurch
die Sache noch viele Jahre hinausgezögert worden
wäre. Recht stichhaltig wollen mir diese Gründe nicht
erscheinen. Da Mr. John Pierpont Morgan in New York
auch die vorliegende Ausgabe bezahlt hat, so hätte er
wohl auch den Druck des Katalogs des Chrvsostomus
bezahlt. Es kann ja auch kein Zweifel sein, daß Spyridon
diesen als Grundlage benutzt hat. Er hatte wie Sophronios
mitteilt, auch die aijueuüaeig, vov&eoiai,
n&txa jtaQayyihmau, aagoiiiini 0%l%ot notiert-

Gerade die letztgenannten wären wissenschaftlich
wertvoll gewesen, ebenso wie Anfang und Schlußworte
der Texte. Das ist bei der Verkürzung weggefallen, dagegen
hat Sophronios die mutmaßliche Datierung der
Handschriften wiedergegeben, und die genaue Jahreszahl
, wo ein Datum im Kodex vorhanden war. Es muß
auch anerkannt werden, daß für die sehr zahlreichen
Sammelhandschriften jedes einzelne Stück genau notiert
wird. Im .Anhang gibt der Herausgeber außer
einem ausführlichen Register, in dem sich jeder vor- i
kommende Schriftsteller auffinden läßt, einen Ergän- 1
zungs-Katalog von Handschriften der Klöster Iwiron,
Pantokrator, Stawronikita, die Lambros nicht notiert
hatte, und ein Verzeichnis der kirchlichen
Liederdichter (!), sowie endlich einige Briefe des
Metropoliten Theophores von Media (Thracien um 1455). Was
nun den Inhalt des Katalogs angeht, so enthält er die kürzere oder
längere Beschreibung von über 2000 Handschriften,
unter denen ca. 400—500 datierte sich befinden, vom
6. bis 19. Jahrhundert! Antike klassische Literatur findet
sich nur sehr wenig, Aristoteles, Homer, Pindar u. A.
meist in späten Papierhandschriften. Ungeheuer zahlreich
sind liturgische und musikalische Manuskripte
, dazu ßioi twv ayiwv, Homilien und ioyoi,
ethische und asketische Traktate, Martyrien usw. Hervorgehoben
seien die sehr zahlreichen Homilien und
andre Schriften des Johannes Chrysostomus.

Der Kirchenhistoriker würde hier wertvolles altes Material
finden. An neutestamentlichen Handschriften
finden sich in der Lawra etwa 208 Kodices, von
denen v. Soden's Katalog nur 164 aufzählte. Die bei
v. Soden fehlenden sind meist Perikopenbücher — es
sind ihm aber auch Ev. U. Ap. Codices entgangen. Ich habe
diesen Teil des Katalogs etwas genauer durchgeprüft, da ich
ja viele dieser Handschriften in der Lawra selbst gesehen
habe. Ich habe festgestellt, daß sich nicht nur in
der Blätterzählung, sondern auch in der mutmaßlichen
Datierung sehr viele Differenzen ergeben, was ja kein
Wunder ist, da nicht nur den Griechen Spyridon und
Sophronios, wie sie selber im Vorwort sagen, nur eine
begrenzte palaeographische Kenntnis zur Verfügung
stand, sondern dies ja auch von mir und andern Mitarbeitern
von Sodens damals galt. Hier macht es sich
besonders fatal geltend, daß H. v. Soden seine Numerierung
der Kodices auf diese nur unsichere Datierung der
meisten Kodices aufbaute! Auch die & -Handschriften
enthalten nicht alle das ganze Neue Testament. Hier
bedarf der Sodensche Katalog einer Nachprüfung im
erheblichen Maß auf Grund dieses neuen Katalogs. Ich
möchte neutestamentliche Textforscher, die Gelegenheit
j haben werden, auf der Bibliothek des Lawraer Klosters
zu arbeiten, darauf aufmerksam machen, daß nicht nur
die Handschriften mit ihren Beigaben noch einmal genau
nachgesehen werden müssen, sondern daß vor allem
einige bei v. Soden fehlende Kodices, die bei Sophronios
verzeichnet sind, wegen ihres Alters besonders Beachtung
verdienen. Ich hebe hervor die Kodices «55
und 56 Evangeliarien des 7. Jahrhunderts, a 80—8S
(darunter 82 aus dem 9., 86 aus dem 8. Jahrhundert:
tu liaaaQu Bvayyikia ueia aijuadcuyiCvwv in der
Reihenfolge Joh., Math., Luc, Marc, [bricht ab mit Mc.
9, 9] 87 Ev. (8. Jahrb.) 88 Act und Kath. (9. Jahrh.)
«97 (4 Ev. 9. Jahrh.) o 10S Ev., (7. Jahrh.). Bei dem von
mir in den TU. 1899 veröffentlichten Kodex ß64 bemerkt
Sophronios nichts über die so bedeutsamen kritischen Bemerkungen
, auch nichts über die Origenes-Scholien und
datiert den wertvollen Kodex statt aus dem 10.Jahrhundert
auf das 14. Im Vorwort ist meine Veröffentlichung erwähnt
, aber sie ist jedenfalls nicht gelesen worden. Die
wertvollen Origenes-Scholien müssen noch einmal verglichen
, vor allem aber, was wohl technisch möglich wäre,
die durch Rasur getilgten, müssen gelesen
werden. Am besten wäre es, der ganze Kodex würde
photographiert, nachdem D. Bauernfeinds Arbeit erwiesen
hat, daß sein Text ziemlich treu den des Ori-
genes wiedergibt. Bei «■ 26 sind 2 Palimpseste erwähnt
. Alttestamentliche Kodices sind abgesehen von
den Psalterien selten und gehen nicht über das 10. Jahrhundert
zurück.

Bleibt bei der Veröffentlichung dieses Katalogs
also auch noch Manches zu wünschen übrig, so haben
wir doch sowohl den aufopferungsvollen Herausgebern
Spyridon und Sophronios als auch der Harvard-Univer-
sitv Press und Mr. P. Morgan sehr zu danken, daß endlich
der Katalog der wertvollsten Athos-Bibliothek der
wissenschaftlichen Welt zugänglich geworden ist.
Grcifswakl. Ed. von der Goltz.

British Museum. An Exultet Roll illuminated in the XI th Century at
the abbev of Monte Cassino reprodneed from Add. Ms. 30 337.
London: printed by order of the trustees. 1929. (12 S. u. 19 Taf.)
Im Gottesdienst des Ostersonnabends besteigt, dem
weithin im Abendland seit dem frühen Mittelalter geltenden
Ritus zufolge, nach der Weihe der Osterkerze der
Diakon den Ambo, um einen feierlichen liturgischen
Prosatext zu singen, der mit den Worten beginnt:
Exultet iam angelica turba caelorum. Seinem Inhalt
nach ist dieses „Exultet" der begleitende Text zu der
feierlichen Darbringung der Osterkerze. Im 10. und 11.
Jahrhundert ist es namentlich in Italien üblich geworden,
den Wortlaut dieses Stückes auf 20—50 cm breite und
bis zu 5 Metern lange Rollen zu schreiben, die der