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Ausgabe:

1929

Spalte:

555

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Weiß, Johannes

Titel/Untertitel:

Synoptische Tafeln zu den drei älteren Evangelien und Gegenstücke des vierten Evangeliums. 3., neubearb. u. erw. Aufl 1929

Rezensent:

Fascher, Erich

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655

Seite der Psalmenerklärung Gunkels, mit der ich mich
freilich auch nicht völlig einverstanden erklären kann,
nicht gerecht geworden zu sein, wenn er schreibt: „Es
ist überraschend, wie mager der . . . Gunkelsche Kommentar
in dieser Hinsicht ausgefallen ist. Es kann doch
auch Gunkels Meinung kaum sein, daß es heute noch
angebracht sei, in die Psalmen die platte Spießbürgerreligion
hineinzulesen, die vor dreißig und mehr Jahren j
als modern galt".

Breslau. C. Steuernagel.

von Harnack, Adolf: Die ältesten Evangelien-Prologe und
die Bildung des Neuen Testaments. Sonderabdr. aus den
Sitzungsberichten d. Preuß. Akademie d. Wissensch., Phii.-Hist. Kl.
1928. XXIV. Berlin : W. de Oruvter & Co. in Komm. 1928. (22 S.)
4°. RM 2—.

Im Anschluß an D. Donatien de Bruyne, der seine
jahrelangen Studien über die Evangelienprologe in einem
Aufsatz der Revue Benedictine (Juli 1928 S. 193
bis 214) zum Abschluß gebracht hatte, gibt hier v. H.
ein ausführliches Referat mit nachfolgender Prüfung,
welche zugleich fruchtbare Auseinandersetzung und
Fortführung der Ergebnisse de Br.'s ist.

Des greisen Verfassers Kunst, verwickelte Tatbestände
dem Leser plastisch vor Augen zu stellen, zeigt
sich hier wieder einmal in hellem Lichte. Aus seinem
reichen Schatz an Erfahrung steuert er zur Textinterpretation
der drei in Frage kommenden Prologe zu Mk.,
Lk. u. Joh. manche Vermutung bei, die erwägenswert
ist, sucht den Verlust des Mt.prologs, die Ausführlichkeit
des Lk.prologs und seine Bedeutung als antimarcio-
nitische Kundgebung zu erklären, womit zugleich das
hohe Alter (2. Jahrh. und somit nicht nacheusebianisch,
wie Zahn meinte) sichergestellt wird, und deutet den
Text über Marcion im Johannesprolog in enger Verbindung
mit der Notiz über das Evangeliumdiktat des
Johannes in die Feder des Papias so, daß Papias den
Anstoß zur Exkommunikation des Marcion gegeben
habe, dadurch daß er ihn mit seinen Empfehlungsbriefen
zurückwies. Ein Verfahren, das auch Polykarp ausübte.
Diese Notiz ist aber auch ein Zeichen des hohen Alters
dieses Prologs. Sie alle drei sind zwischen 160—180
entstanden.

Während man aber die Prologe Marcions zu den
Paulusbriefen übernahm und sie nur auf die einzelnen
Briefe verteilte, sind die Evangelienprologe antimarcio-
nitisch. Die Länge des Lukanischen erklärt sich aus der
Tatsache, daß ja das Luk.evg. zur Grundlage für Marcions
„Kanonbildung" diente. — Gehören diese Prologe
nach v. H. zeitlich vor das Muratorische Fragment,
so darf man die Frage, wer die ersten Verfasser einer
„Einleitung" ins N.T. seien, heute dahin beantworten:
Die Schöpfer der Prologe zu den Evangelien und Paulusbriefen
(Jülicher nennt Adrianus, J. Belser den Verfasser
des Kanon Muratori). Es beginnt also „Einleitung
" schon in dem Augenblick, wo Kanon gebildet wird.
Marburg a. L. Erich Fase her.

Weiß, Johannes, u. Roland Schütz: Synoptische Tafein zu

den drei alteren Evangelien und Gegenstücke des vierten Evangeliums.

Mit Unterscheidung d. Quellen in vierf. Farbendr. 3., neubearb. u.

erw. Aufl. Göttingen: Vandenhoeck fr Ruprecht 1929. (16 S.)

gr. 8°. RM 1.20.

Die 3. Auflage dieser nützlichen Tabellen ist von Roland Schütz
bereichert um eine Übersicht, die das Verhältnis zwischen Synoptikern
und Johannes klarstellt, deren Verwandtschaft heute wieder mehr betont
wird. Auch in dieser Tabelle ist der bekannte Buntdruck verwendet
worden zur Erhöhung der Übersichtlichkeit und damit die praktische ;
Verwendbarkeit, vor allem für Studierende, welche sich durch das Labyrinth
der Parallelen einen Weg suchen, noch erhöht.

Marburg a. L Erich Fascher.

Hirsch, Lic. Dr. Sclma: Die Vorstellung von einem weiblichen
Pneuina Hagion im Neuen Testament und in der

ältesten christlichen Literatur, ein Beitrag zur Lehre vom heiligen
Geist. Berlin: E.Ebering 1927. (III, 107 S.) gr. 8°. RM 3.50.
An der Peripherie des Urchristentums z. B. im
Hebr. Evgl. kommt die Vorstellung vom heiligen Geist

als weiblichem Wesen vor. Dem Verbreitungsgebiet
dieser Vorstellung nachzugehn und seine Wurzeln zu
ergründen, ist nicht ohne Wert. Die Verfasserin, die der
Ansicht ist, daß „das Gefühl unsern Willen in Bewegung
setzt", meint, daß sich „der Religion" „neue
Kraft- und Energiequellen erschließen", wenn „die
Muttervorstellung, mit der sich noch innigere und wärmere
Gefühlsakzente verbinden als mit dem religiösen
Vaterbegriff", „das Wirken des überweltlichen Geistes
verdeutlicht" S. 102. Demgemäß ist die Frage nach der
Wurzel der Vorstellung für sie ohne besonderes Interesse
und sucht sie ihr Verbreitungsgebiet als möglichst
groß hinzustellen: Gal. 4, 21 ff., Offbg. Joh., Hebr.,
Hermas, 2. Clem. Die exegetischen Nachweise sind
nicht überzeugend. Daß weiblich vorgestellte Größen
in irgend einer Beziehung zum Geist stehn, ist freilich
festzustellen. Aber darum ist der Geist nicht weiblich
vorgestellt.

Rostock. | . Büch sei.

Andrews, Professor II. I.. D. [).: The Christ of Apostolic
Faith. W'ith a Metnoir of the author by Jessic Forsyth Andrews,
M. A. London: Nisbet & Co. 1929. (VIII, 167 S.) 8". 5 sh.

Der 1928 gestorbene Professor der neutest. Exegese
an der Hackney and New College, London, H. T.
Andrews, hinterließ bei seinem Tode eine unvollendete
Arbeit über die Person Christi. Der erste, das
neutestamentliche Material behandelnde, Teil war im
wesentlich druckfertigen Stande und ist neulich von seinem
Freunde „Principal H. Wheeler Robinson,
Oxford, als ein Band der „Library of construetive Theologe
", herausgegeben worden. Die Witwe des Verstorbenen
hat dem Buche eine Biographie des sympathischen
Gelehrten beigegeben.

Andrews spricht sich zunächst eingehend aus über
seine Methode: er will streng empirisch verfahren und
zwischen Tatsachen und Deutung scharf unterscheiden.
Er nimmt seinen Ausgang vom N. T. als dem Zeugnis
der primären und ursprünglichen christlichen Erfahrung,
welche sich aus den zwei Bestandteilen zusammensetzt:
dem Eindruck des geschichtlichen Jesus auf die Zeitgenossen
und den geistlichen Erlebnissen der zweiten
und der dritten christlichen Generation. Aus diesen
beiden Formen der Erfahrung entwickelte sich dann die
Christologie des N.T.s, welche die verschiedenen Versuche
repräsentiert, die historischen und psychologischen
Erfahrungstatsachen in den höchsten Kategorien der
damaligen Zeit zu interpretieren.

Der Verf. »teilt zunächst durch Vcrglcichung der Urteile des
Volkes, der Gegner und der Jünger Jesu fest, daß derselbe auf alle
seine Zeitgenossen den Eindruck einer außerordentlichen, nur supranatural
begreifbaren Erscheinung gemacht hat . Indem er sodann die Entwicklung
nach dem Tode Jesu verfolgt, wobei das ursprüngliche Bekenntnis
der Jünger zu seiner Messianität zum apostolischen Segen
2. Kor. 13, 13 fortgebildet wurde, weist er nach, daß diese Entwicklung
nicht religionsgeschichtlich erklärt werden könne, sondern nur durch die
neue Erfahrung der Jünger, bezw. die Tatsachen der Ostern und der
Pfingsten, sowie die dauernden Erfahrungen der Gemeinde von der
ethisch erlösenden Kraft und der bleibenden Gegenwart Christi in den
Herzen der Gläubigen (Mystik!) verständlich gemacht werden kann. —
Die Formel 2. Kor. 13, 13 bildet immerhin bloß ein „Werturteil" und
verlangt daher eine nähere Erklärung : wie verhält sich der Herr Christus
zu Gott und zum hl. Geiste? Das letzte Kapitel des Buches sucht dann
zu zeigen, wie die Notwendigkeit, den Glauben dieser Formel zu deuten
und zu verteidigen, die verschiedenen christologischen Aussagen des
Paulus, des Hebräerbriefes und schließlich des Prologes des 4. Evangeliums
von selbst hervorgerufen hat.

Die Konklusion, wozu das ganze von Andrews geplante
Werk führen sollte, ist am Ende des vorliegenden
ersten Teiles bereits angedeutet: daß die Person Christi
auch von uns nur in den höchsten Kategorien unseres
modernen Denkens sachgemäß interpretiert werden kann.
Die Tendenz seiner Arbeit ist insofern konservativ. Dabei
macht er im Einzelnen Konzessionen an die Kritik.
Wesentlich neue Gesichtspunkte wird man in seinem
Buche wohl nicht finden. Verdienstlich aber ist die
straffe Durchführung der befolgten empirischen Me-