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Ausgabe:

1929 Nr. 23

Spalte:

544

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kalle, Friedrich

Titel/Untertitel:

Regesten der ritterlichen Lehnbrefe aus dem Köthener Saalbuch von 1602 1929

Rezensent:

Peper, H.

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Seite 1

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543 Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 23. 544

Die Auswahl der Stücke darf man wohl mit Recht als Grundgedanken im Bewußtsein des gemeinen Mannes

vorzügliche bezeichnen. Der Verfasser hat es verstanden, bedeutende Abschwächungen. Mit dem religiösen ver-

aus der reichen Fülle des Basler Materials eine Wahl banden sich wirtschaftliche und politische Motive. Diese

zu treffen, die die Vielseitigkeit der Basler Reformations- Seite der Reformation hätte gerade in einem Büchlein

geschichte plastisch zum Ausdruck bringt. Religiöses j für den Laien nicht fehlen dürfen. Die uns heute unverständlichen
Bindungen der Reformation werden allerdings
mit Recht angedeutet.

Möge vor allem das Quellenbuch verständnisvolle
Leser finden.

Zürich. Leo von Muralt.

Leben des Volkes vor der Reformation, Reform-Katholi
zismus, Humanismus, Luthers Wirkung, Zwingli, Oeko
lampad und seine Helfer, Farel, die Täufer, die Bauern,
die Zünfter, der Rat usw. ziehen an uns vorüber. Den
zentralen theologischen Fragen wird ein breiter Raum
gewährt. Ich glaube mit Recht. Ohne diese starke theologische
Seite ist die Reformation gar nicht zu verstehen.
So zieht sich bei aller Vielseitigkeit der einzelnen Stücke Kalle, Friedrich: Regesten der ritterlichen Lehnbriefe aus
doch durch das ganze der rote Faden der religiösen Ent- dem Köthener Saalbuch von 1602. Sonderdr. a. d. Jahresbcr.
Scheidungen der Reformation zwischen Werken und d Deutschen Oberschule zu Kothen 1928. Kothen - Anhalt: GeGlauben
, kirchlicher Tradition und Schrift, usw. jedem , Hemtatmuseums 1928. (58 S. m. e■ Dopp.-Kte)
... , V.. .T Li i- -i c- i -i. u • tri'. 8. =-- Schriftenreihe d. Kothener Heimatmuseums, H. 6. RM 1.50.
Stuck gibt der Herausgeber eine kurze Einleitung bei, „. _ ,, .. , , . , . , . .
die über die Zusammenhänge, in denen das betreffende Die Saalbucher werden immer noch nicht so bestück
steht, knapp und sicher orientieren. Für mich m}A> xv.,e es ihrem Quellenwert entspricht; und doch
boten diese Einleitungen, nahm ich den Inhalt der ab- p^" fie wertvolle Aufschlüsse über die staatlichen
gedruckten Stücke hinzu, die doch die wichtigsten Mark- i k*vch\c^n una", bürgerlichen Verhältnisse ihrer Zeit,
steine der Basler Geschichte darstellen, ein gutes Repe- ' Da^ Kothener Saalbuch von 1602 geht vielfach auf die
titorium durch die Fülle des von Wackernagel in seiner ! ver ore" gegangenen Saalbucher von 1388 und 1564 zuGeschichte
der Stadt Basel dargebotenen Stoffes. mck. Es ist sehr zu begrüßen, daß Kalle erstmalig die
^ . ,, . , ., I Lehnbriefe, wenn auch nur in Regesten, der Allgemein-
Das zweite kleine Büchlein kann mich leider nicht ! heit zugänglich gemacht hat. Da im Amt Kothen zu
so sehr befriedigen. Ich stimme, was den methodischen : Beginn'des 17. Jahrhunderts die Ritterschaft noch sehr
Grundsatz anbetrifft, Stahelin zu, wenn er die Refor- zahlreich vertreten war, so ist die Ausbeute erheblich,
mationsgeschichte in den Rahmen einer grundsätzlichen Eine ganze Reihe von damals noch blühenden Ge-
theologischen Betrachtung hineinstellt. Ich bedaure aber schlechtem ist heute erloschen. Unter Weglassung des
zunächst, daß der Verf. bei dem knappen Umfange der oft formelhaften Wortlauts der Belehnung werden die
Schrift so viele Zitate reden laßt. Diese gehören der all- 1 einzelnen Lehnstücke, die Lehngüter, die Namen der
gemeinen und baslenschen Reformationsgesehichte an, j vormaligen Besitzer, ferner Ort und Datum der Aus-
vor allem kommen die Reformatoren durch Stellen aus , fertigung, die Zeugen und schließlich die Belehnten
ihren Schriften zum Wort, auch an und für sich eine 1 n€bst den Mit- und Eventualbeiehnten genau angegeben,
gute Auswahl. Der Verfasser tritt aber doch zu stark j Die Anmerkungen enthalten viele höchst wertvolle An-
zuruck, trotzdem er an manchen Stellen beweist, wie gut gahen über einzelne Personen und Sachen. Sorgfältig
er das Wesentliche in eigenen Worten knapp und ein- | gearbeitet und manchen brauchbaren Hinweis enthaltend
fach zu sagen wüßte. Die vielen Zitate hangen offenbar sind aucn die Register, die die Benutzung des Werkes
mit dem grundsatzlichen Standpunkte des Verfassers zu- 1 senr erleichtern. Die beigefügte Karte zeigt uns in über-
sammen. Hier gehe ich mit Stahelin darin einig, daß die , sichtlicher Form das damalige Amt Kothen, verzeichnet
Reformation unserer Gegenwart etwas zu sagen hat, j z. B. die Kirchorte,
auch darin, daß die Reformation wieder zentrale Gedanken
des Christentums erkannt hat, nach denen unsere

Zeit wieder suchen muß, den Gedanken Schöpfer und |____ ' ~ ~ ~

Geschöpf und den Gedanken, daß der Schöpfer durch <>• Sheridan, Dr. Paul: La doc rine vauvertme sur le com-

,_____ C v, ^ V.. x tc . L. u i s_ munisme ecclesiastique. Extrait de a Revue des sciences reh-

Jesus von Nazareth uns Geschöpfen offenbart hat wie i t vm ,q2S ^ , [X ,020 Qami (M } |Boulevard

er das Verhältnis von Geschöpf und Schopfer haben Gallier 59] • Selbstverl d Verf (III 69 S) 4°
will Ich kann aber Stähelin nicht zustimmen, wenn ^Dje StadJe cjnc KmtTnwne mit ^ „ollandischen ]csMen Reypen8|
er durch die Anlage wie durch den Text seines Buch- bcfal!t sich mit den Reformsebriften der zwei belgisch-filmischen Mystiker
leins offenbar die Meinung ausdrucken will, die Ge- Jan van Ruysbroek und Jan van Leeuw sowie des hollindischen Biodanken
über Gott, Welt und Mensch seien so, wie sie graphen der beiden, Jan van Schoonhoven, die, alle drei zwischen 1345
die Reformatoren ausgesprochen haben, am zutreffendsten I und 1430, im Aueaistinerkloster Oroenendael (wallonisch Vauvert) bei
ausgesprochen. Es scheint mir nicht möglich zu sein,
daß die theologische Sprache und Begriffswelt der Reformatoren
uns heute die wesentlichen Dinge, die sie
ihrer Zeit gesagt hat, verständlich sagen kann. So gut
wie die Reformatoren die Haupterkenntnisse des Christentums
ihrer Zeit in den Begriffen der Zeit gesagt ! nuTbe] Sner"i^tunK'und befestigt de"durch fl«e ÖrOnde. Mm
haben, so müssen wir heute noch nach einer für unsere ! wird zum allermindesten aus Ruysbrocks Schrift „Geistliche Hochzeit"
Zeit verständlichen Sprache suchen, die uns die wesent- kaum etwas anderes als einen Kommunismus der Kirchengiiter heraus-
lichen Dinge sagen kann. Bei Stähelin Steht man aber j lesen können, den Ruysbrock angestrebt hat.
unter dem starken Eindrucke der Möglichkeit eines di- i Waiblingen. Wilhelm Koch,
rekten Anschlusses an die Reformation. Diese besteht I--

Beniburg. H. Peper.

Brüssel gelebt und für die Rückkehr, wenigstens der Kleriker und Religiösen
, zum urchristlichen Kommunismus als dem einzigen Heilmittel
wider die Verderbnis der zu wohlhabend, schwelgerisch und habsüchtig
gewordenen Welt - und Ordensgeistlichkeit kämpften. Reypens hatte
diese, vom Verf. in zwei vorausgegangenen Studien bereits begonnene,
Deutung der Reformschriften Ruysbrocks bestritten. Sheridan beharrt

aber doch wohl nicht. Infolge des starken Hervor- Stroh, Pfr. W. F.: Die Lehre des württembergischen Theotretens
des theologischen Interesses kommt leider in j sophen Johann Michael Hahn, systematisch entwickelt u. in Ausdiesem
Büchlein die Vielseitigkeit der Basler Refor- zögen aus seinen Schriften dargest. 2. Aufl., anastat. Nachdr. nach
mation nicht zum Ausdruck. Vor allem fehlt eine deut- d. I. Aufl. Stuttgart: J. F. Steinkopf 1928. (598 S.) 8°.
liehe Darstellung der Stellungnahme und der Motive der Lwcl- RM5~-
Bürgerschaft. Basel bietet doch gerade für den Zu- I Daß nachdem 1922 erschienenen Büchlein G. Längs (Einführung in
sammenhang von Stadtgemeinde und Reformation sehr die Gedankenwelt Michael Hahns mit einer Auswahl aus seinen Werken

schönes Material. Leicht könnte nämlich beim Unkundi- ! T^IV!? ,rcckcr-ff'n,i ,ln S,,"Trt),fine Nf"all,la«e

___ j- , ■ , , . , . _ „, ., . , i der 1858 erstmals veröffentlichten systematischen Darstellung der Lehre

gen die Ansicht entstehen, die ganze Stadtgemeinde : Hghns dl,rch den cinstigen PfaiTer Stron in Grombacn, cinen überhabe
die Lehren der Reformatoren gerade so, Wie Sie die zeufrten Anhänger Hahns, nötig geworden ist, ist ein Zeichen unserer
Reformatoren verstanden und durchlebten, angenommen ; für Theosophie und Mystik zugänglichen Zeit. Stroh hat die Gedanken
Und mit durchlebt. Doch erlitten ja die reformatorischen | Hahns in eigenen kurzen Sätzen formuliert und diese mit Zitaten aus