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Ausgabe:

1929 Nr. 2

Spalte:

35

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Glasenapp, Helmuth von

Titel/Untertitel:

Religiöse Reformbewegungen im heutigen Indien 1929

Rezensent:

Schlunk, Martin

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Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 2.

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zu würdigen, nicht in allen ihren einzelnen Äußerungen
zu prüfen; als Urkundensammlung aus der Feder des
Mannes aber, der den Evang. Bund begründet hat, ist
sie willkommen; ihre Veröffentlichung ist verdienstlich.
S. 7 Mitte 1. Altkatholiken (st. Allkatholiken).
Kiel. Hennann M u 1 er t.

von Glasenapp, Helmuth: Religiöse Reformbewegungen
im heutigen Indien. Leipzig: J. C. Hinrichs 192S. (VII!, 72 S.)

gr. 8°. = Morgenland, H. 17. RM 3-.

Seit Handmann 1889 in seiner Schrift: „Der Kampf
der Geister in Indien" auf die eigenartigen Ansätze zu
synkretistischer Religionsbildung in den Samadschen Indiens
hingewiesen hat, hat die deutsche Missionsliteratur
ihnen immer wieder gelegentlich ihre Aufmerksamkeit
zugewandt. Um so dankenswerter ist Helmuth von
Glasenapps neue kleine Monographie, zumal sie viel
allerneustes Material verwendet, auf die Urquellen zurückgeht
und außer dem Brähma-Samaj, dem Arya-
Samaj und dem Dev-Samaj auch den Rädhäsvämi-Sat-
sang und die Rämakrishna-Mission berücksichtigt. An
der Darstellung ist die Beobachtung besonders wertvoll,
wie in der Reihenfolge des Auftretens dieser synkretisti-
schen Gebilde der christliche Einschlag immer mehr
abnimmt, eine wohl begreifliche Reaktion gegen das
Vordringen der christlichen Kirche in Indien. Natürlich
bringt von Glasenapp nur einen charakteristischen Ausschnitt
aus dem religiösen Gären Indiens heute. Wer
einen Gesamtüberblick gewinnen will, muß die Einflüsse
der Mission und zwar mehr noch die indirekten
als die direkten in Rechnung stellen. Das vernichtende
Urteil, das S. 26 in der Anmerkung über eine aus der
Feder eines früheren Missionars stammende Darstellung
des indischen Volksglaubens gefällt wird, bedarf insofern
der Richtigstellung, als das anspruchslose Büchlein
eine große Fülle von selbstbeobachteten Tatsachen
bringt, denen der Missionar gegenübergestanden hat und
die mit dem hohen Gedankenfluge, den die indische
Philosophie gelegentlich nehmen kann, für uns schwer
vereinbar sind. Der Missionar hatte es eben nicht mit
der Buchreligion zu tun, sondern vielfach mit der ganz
und garnicht idealen Wirklichkeit von heute. Damit soll
nicht bestritten werden, daß einige der vom Verfasser
beanstandeten Sätze jenes Büchleins weit über das Erlaubte
hinausgehen. Der Hinweis auf Dayänands Krishanamata
sollte uns in Erinnerung bleiben. Es kann
der Mission nur nützlich sein, wenn sie weiß, wie sie
von ihren Gegnern aus dem Lager der nichtchristlichen
Religionen beurteilt ward.
Tübingen. M. Seil 1 n nk.

Knak, Dir. D. Siegfried: Die chinesischen Christen unter den
gegenwärtigen Wandlungen in China. Berlin: Furche-Verlag

1928. (52 S.) 8°. = Stimmen aus der deutschen christlichen Studenten-
Bewegung, H. 64. = Missionsstudien, H. 2. RM 1—.

Eine klare, wohl abgewogene Darstellung der jüngsten
Entwicklungen und Ereignisse auf dem chinesischen
Missionsfeld und der Stellung der chinesischen Christen
dazu. Das Recht ihres Nationalismus, der vor allem den
Beweggrund der Selbständigkeitsbestrebungen bildet,
wird anerkannt, aber auch die Gefahr desselben herausgestellt
, namentlich die Gefahr des Synkretismus. Dem
gegenüber hat die deutsche Theologie gewiß eine besondere
Pflicht. Der Verfasser urteilt, wie uns scheint,
nüchterner über die Bedeutung des Jahres 1922 und
der Konferenz in Schanghai für die chinesische Mission,
als es Prof. J. Richter in seiner Missionsgeschichte tut,
wo er dieses Jahr als die Geburtsstunde der christlichen
Kirche in China bezeichnet. Knak kann sich auch nicht
ohne weiteres befreunden mit der Unterstellung der
Mission unter die Kirche, wie sie jetzt gefordert wird,
wenn diese Entwicklung gewiß auch in der Konsequenz
des bisherigen Ganges der Dinge liegt. Er spricht seine
Überzeugung, wie sie sich ihm namentlich auch durch
die Konferenz in Jerusalem gefestigt hat, in den Worten

aus: „Welche Wandlungen auch die missionarische Tätigkeit
in China durchmachen wird und muß, eins muß
; feststehen, daß wir alles dransetzen müssen, um die
Seele Chinas vor den lebendigen Gott zu stellen, wie er
sich in Jesus Christus geoffenbart hat. Da wird es ohne
: viel Gericht über Chinas Geschichte, Chinas Gegenwart,
j Chinas Frömmigkeit, Chinas geistiges Erbe nicht ab-
j gehen. Aber umso größer wird das Wunder Gottes
, vor uns dastehen, wenn dieses große, alte und doch
junge, liebenswerte Volk einmal Christus und seinen
Geist in sein Leben aufnimmt. Dann werden ganz neue
Gestaltungen christlicher Frömmigkeit und kirchlichen
Lebens vor uns aufsteigen" (S. 49).

Wir sind ihm dankbar für dieses Wort, wenn wir
auch unsre Hoffnung kaum in dieser Weise auf das
chinesische Volk als Ganzes richten können. Diese
Hoffnung tritt in Knaks Schlußwort noch stärker hervor,
wo er die deutsche Jugend aufruft: „Möchten wir ihnen
zeigen, welche Ströme von Licht und Kraft über ein
Volk ausgehen, wenn es die Gnade Gottes unter dem
Kreuz Jesu Christi mit ganzem Glauben in sich aufnimmt
!" Wir hoffen vielmehr auf eine lebendige Gemeinde
, auf geisterfüllte Kirchen in China. Wir
j glauben, darin etwas Großes sehen zu dürfen und sind
überzeugt, daß sie bodenständig sein werden, denn Gottes
Geist kopiert nicht.

Basel. VC. Och ler.

-

Giacometti, Priv.-Doz. Dr. Zaccaria: Quellen zur Geschichte
der Trennung von Staat und Kirche. Tübingen: J.C.B.Mohr
j 1926. (XXIV, 736 S.) 4". RM 21 -; geb. 24—.

Je lebhafter bei uns in der nächsten Zeit die Frage
j eines Konkordats erörtert werden wird und im Zusam-
menhang damit das ganze Verhältnis von Staat und Kirchen
, um so willkommener sind Aktensammlungen, die
' zeigen, wie diese Dinge anderwärts geregelt worden
sind. Zu der vorliegenden hat Walther Köhler die An-
regung gegeben, der auch ein kurzes Vorwort schrieb.

Daß mehr als die Hälfte des Buchs Frankreich gewid-
i met ist, das ist zwar nicht vorbildlich, aber begreiflich,
| da in Frankreich die mit der Trennung zusammen-
| hängenden Fragen besonders viel erörtert und einige
! Grundgedanken mit französischer Klarheit ausge-
' sprochen worden sind. Wenn vom übrigen Inhalt des
: Werkes sich wiederum der größere Teil mit der Schweiz
• beschäftigt, mit Genf und Basel-Stadt, so ist auch das
berechtigt. Wie man die Trennung mit Achtung vor den
Kirchen, mit Verständnis für ihre Aufgaben vollziehen
kann, das ist allerdings aus solchen Schweizer Beispielen
zu lernen. Die in Basel s. Z. (1908) von dem
Regierungsrat Burckhardt erstatteten Gutachten sind Ur-
| künden von bleibendem Wert, wie auch die 1910 geschaffene
neue Verfassung der reformierten Kirche von
i Basel-Stadt für Viele in Deutschland von Interesse sein
wird. Außerdem sind Urkunden mitgeteilt aus Portugal,
Rußland, Mexiko, Ecuador, Brasilien, Kuba, Esthland,
Italien und den Vereinigten Staaten. Die Zuverlässigkeit
| des Abdrucks wird man im Allgemeinen voraussetzen
dürfen; es wird nicht leicht ein Beurteiler sie überall
I nachprüfen können. Daß spanische, portugiesische,
j russische Texte in französischer oder deutscher Über-
j setzung dargeboten werden, ist für die meisten Be-
! nutzer zweckmäßig. In Mexiko, wo jetzt der Kultur-
j kämpf bekanntlich besonders heftig war, gilt eine Ver-
i fassung von 1917; G. druckt aber nur ältere Ver-
! fassungsstücke ab, was auch dann nicht ganz ausreichend
sein würde, wenn die neue Verfassung sie wörtlich übernommen
haben sollte. Da er Urkunden zur Geschichte
des Trennungs rechts, nicht des Trennungsgedan-
k e n s bieten will, teilt er keine Stücke aus Werken, sei
es auch noch so einflußreicher Schriftsteller (z. B. Vi-
nets) mit, wohl aber neben staatlichen Gesetzen und
Verordnungen auch Parlamentsreden, Ausschußberichte,
Gerichtsurteile, diplomatische Noten, päpstliche Kundgebungen
. So hat er aus Frankreich wichtige Texte seit