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Ausgabe:

1929 Nr. 23

Spalte:

534

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Erslev, Kr.

Titel/Untertitel:

Historische Technik 1929

Rezensent:

Dannenbauer, Heinrich

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533

Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 23.

534

werden. Die vorliegende Arbeit, wohl ursprünglich eine
Doktordissertation, sucht diesem Maßstab gerecht zu
werden, doch wird das Ziel noch nicht ganz erreicht.
Der Verf. steht völlig auf dem Boden der Wellhausenf-
schen Anschauung, zu Lev. 16 bietet er eine neue Analyse
, die manches Beachtenswerte enthält, doch über den
Rahmen der Arbeit stark hinauswächst. In der Erklärung
der ursprünglichen Motive des Fastens stützt er
sich auf moderne religionsgeschichtliche Arbeiten, bleibt
aber durchaus abhängig von ihnen. Wo die Quellen
wenig oder kein Material bieten, neigt er zu Konstruktionen
, wo sie reichlicher zu fließen beginnen, wird seine
Darstellung skizzenhaft.
Breslau. C. Steuernagel.

Siebens, Dr. Arthur-Robert: L'Origine du Code Deuterono-

mique. Examen historique et litteraire du sujet ä la lumierc de
la critique contemporaine. Paris: E. Lerotix 1929. (VI, 256 S.)
irr. 8°. 25 Fr.

Es ist eine umfassende und vorsichtig abwägende
Behandlung der deuteronomischen Frage mit all ihren
Teilproblemen, die im ganzen nicht sehr originell ist,
aber als Übersicht gute bienste leistet. Schon durch die
reichen bibliographischen Angaben. Erst auf S. 1—6 ein
mehr als 130 Nummern umfassendes Verzeichnis der
gesamten Spezialliteratur zum Dt. seit 1800, wo
höchstens ein paar Arbeiten neuesten Datums nachzutragen
sind: so mein Referat in der Theologischen
Rundschau NF. 1 (1929) S. 7—25; O. Procksch, König
Josia, Zahn-Festgabe (1928) S. 19—53; O. Sternberg
, Versuch zu einer neuen und zugleich sehr alten
Lösung der Deuteronomiumsfrage, ZDMQ. 82, NF. 7
(1928) S. 119—135. Dann auf S. 20—37 alle die verschiedenen
Theorien über das Dt. mit ihren Vertretern,
wo ich auf S. 26 Anm. K. Budde, Geschichte der althebräischen
Literatur (1906) S. 105—115 vermisse. Als
wenig bekannt erwähne ich aus diesem Abschnitt, daß
gleichzeitig mit de Wette auch Vater in seinem „Com-
mentar über den Pentateuch" III (1805) S. 389 f. sich
für die Identität des Josiagesetzes mit dem Dt. ausgesprochen
hat.

Im I. Teil (S. 9—185), dem „examen litteraire et
historique", hält S. im wesentlichen an der bisherigen
kritischen Theorie fest, wenn er sie auch in manchem
verbesserungsbedürftig findet. Die Darstellung der
Chronik erklärt er für minderwertig (S. 44 ff. 62 ff.
70 ff.), ist aber immerhin nicht abgeneigt, eine längere
Dauer der Reform anzunehmen, wobei die Anfänge noch
vor die Auffindung fallen könnten (S. 71 f.). Der Bericht
von II. Kö. 22f. ist zuverlässig. Den Versuchen
von Quellenscheidung steht S. ablehnend gegenüber (S.
47ff.; der neueste Versuch dieser Art von Hempel,
RGG.- III Sp. 3821, war ihm noch nicht zugänglich).
23,8a und b schließen beide an v. 7 an; v. 9 ist später
zugesetzt; das öftere Waw-perfekt ist wohl nur Irrtum
eines Abschreibers (S. 77 ff.). Die Betrugshvpothese ist
abzulehnen (S. 152 ff.). Ebensowenig handelt es sich
um die Tempelregel oder sonst um ein bekanntes Buch;
23,8 hieß es ursprünglich wohl nur: „ich habe ein Buch
(sefer) gefunden" (S. 89 ff.). Es ist ein tatsächlich
bisher unbekanntes, wenn auch nicht eben erst entstandenes
Buch, das mit der Reform des Hiskia zusammenhängt
(S. 156 ff.), die geschichtlich ist und ganz in jene
Zeitverhältnisse hinein paßt (S. 171 ff.). Und insofern ist
es ein Niederschlag der prophetischen Predigt, mit der
es manches gemeinsam hat (S. 119 ff.). Auch die Zentral
isationsforderung, die das Dt. auch nach S., aller modernen
Bestreitung zum Trotz, vertritt (S. 103 ff.), ist
damals zuerst möglich (S. 148ff.).

Der II. Teil (S. 187—251), der sich mit dem Inhalt
des Dt. befaßt, bringt zunächst eine nützliche
tabellarische Übersicht über das Vorkommen der einzelnen
Bestimmungen in den andern Gesetzeskorpora
des AT. (S. 191 ff.). Das ganze Dt. ist nach S. eine
Kompilation von Gesetzen verschiedener Orte und Zeiten
, die im Moment der Kodifikation z. T. noch überarbeitet
und durch neue Gesetze ergänzt wurden (S.
223f.). Die mit JE gemeinsamen Gesetze und alle mit
der Zentralisation zusammenhängenden waren um 600
schon vorhanden (S. 206). Aber auch bei den übrigen
: besteht im allgemeinen kein Grund, sie für jünger zu
halten, nicht einmal beim Königsgesetz (S. 212) oder
dein Abschnitt über die falschen Propheten (S. 213 f.).
Nur hat nicht alles schon zu dem unter Josia gefundenen
Gesetzbuch gehört (S. 233 ff.), jedenfalls nicht die
Gesetze von c. 19—25 (S. 214 ff.). So stellt sich das
Dt. als Ganzes als Ursache wie als Folge der Reform
dar (S. 238). Die Frage, ob seine Urheber in priesterlichen
oder in prophetischen Kreisen zu suchen seien,
wird etwas rasch in letzterem Sinn beantwortet (S.
239 ff.), die Annahme verschiedener Editionen abge-
: lehnt (S. 225 ff.). Hier sind S.s Lösungen doch etwas
i zu einfach, um über alle Anstöße hinwegzuhelfen.

Oielien. W. Baumgartner.

Erslev, Kr.: Historische Technik. Die histor. Untersuchg. in
ihren Grundzügen dargest. Aus d. Dänischen übers, von Ebba
Brandt. München: R. Oldenbourg 192$. (VIII, 100 S.) 8°.

RM 3.50.

Der Verfasser wirkte von 1883 1916 als Professor in Kopenhagen
und hat als einer der ersten der methodischen Quellenkritik, die er bei
deutschen Gelehrten kennengelernt hat, in Dänemark Bahn gebrochen.
Aus Übungen und Vorlesungen über die historische Forschung ist sein
vorliegendes kleines Lehrbuch der historischen Technik erwachsen, in
dem er sich über grundsätzliche methodologische Fragen mit der deutschen
Wissenschaft, d. h. in der Hauptsache mit Bentheims Quelleneinteilung
auseinandersetzt. Bernheim teilt bekanntlich die geschichtlichen
Quellen, abgesehen von der unmittelbaren Beobachtung und Erinnerung,
in zwei Haiiptgruppen ein: in Berichte (Tradition) und Überreste.
Dagegen wendet sich E. Nun ist natürlich richtig, dal) jeder Bericht
l gleichzeitig einen „Überrest" bildet, d. h. abgesehen von den Nachrichten,
i die er überliefern will, selbst auch ein unmittelbares Erzeugnis seiner
i Zeit und ihrer Denkweise ist. Die Grenzen zwischen beiden Gruppen
fließen also. Man mag das zum Anlali der Kritik nehmen und versuchen
es besser zu machen, wenn man wirklich glaubt, dal) davon das
j Heil der Geschichtswissenschaft abhängt. Aber E.'s neue Einteilung befriedigt
keineswegs; sie ist nichts weniger als klar, und wenn man die
Konsequenzen zieht, kommt sie, wie E. selbst erkennt, auf nichts anderes
hinaus als auf die Bcrnhcimsche Zweiteilung. Der Kerngedanke E.'s
ist also nicht überzeugend. Im übrigen ist das Buch eine knappe mit
Beispielen erläuterte Einführung in die Elemente der historischen Arbeitsweise
. Der 1. Abschnitt, „Die Quellen", bietet eine Art Heuristik im
weitesten Sinn, die Literaturangaben sind aber nicht durchweg auf den
neuesten Stand gebracht und wichtige Werke fehlen, unter den Zeitschriften
z. B. die ZKG und die österreichischen Mitteilungen ; eine kleine
Auslese anderer fehlender Hauptwerke hat P. E. Schramm in der DLZ 1929
Sp. 482 notiert. Der 2. Abschnitt, „Die Prüfung der Quellen", führt in
die Elentente der Kritik ein, der 3. benennt sich „Schlüsse auf die Wirklichkeit
" und will zur Auswertung der kritisch geprüften Überlieferung
' anleiten. Auf den beiden letzten Abschnitten liegt das Hauptgewicht des
Buches, und der Anfänger wird gewili Nutzen von ihnen haben. Die
Hauptsache wird er freilich weder aus diesem noch einem anderen Buch
lernen, sondern durch die praktische Anleitung in den Übungen.
Tübingen. H. Dannenbauer.

Finke, H.: Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte
Spaniens. 1. Reihe. In Verbdg. m. K. Beyerle u. G. Schreiher
hrsg. Münster i. W.: Aschendorff 1928. (VI, 392 S.) gr. 8°. =
Spanische Forschgn. d. Görres-Gesellsch., Bd. 1, Reihe 1.

RM 17.50; geb. 20—.
Bekannt sind die wirklich großartigen Bereicherungen
unseres Wissens, die Heinrich Finke seit Jahren vorzüglich
aus dem Archiv von Barcelona gewonnen hat.
Nicht minder die herzlichen Beziehungen, die über die
Kriegszeiten hinweg Spanien und Deutschland verbin-
; den. Es ist deshalb doppelt zu begrüßen, daß sie nun
| von einem so erfolgreichen Forscher in größerem Rahmen
planmäßig gepflegt werden. Der vorliegende erste
Band wird eingeleitet durch einen längeren Aufsatz des
Mitherausgebers Georg Schreiber über Spanien und
Deutschland und ihre kulturpolitischen Beziehungen, besonders
im letzten Jahrzehnt; angehängt ist eine reiche
Bibliographie für die Jahre 1913 bis 1927. Schreiber
dürfte als Herausgeber der Schriftenreihe „Deutschtum