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Ausgabe:

1929

Spalte:

529-531

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nöldeke, Theodor

Titel/Untertitel:

Geschichte des Qorans. 2. Aufl. 3. Teil: Lfg. 1 u. 2 1929

Rezensent:

Bräunlich, E.

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schfirer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Hans Lietzmann, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften, bearb. v. Prof. Lic. K. D. Schmidt, Kiel, u. Lic. H. Kittel, Göttingen.
Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

CA l«U-„ M- 11 Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in Göttingen, o Mr.,,otT1K0_ infn
04.janrg.Mr.ii>. Hainholzweg 62, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. O. IxUVCIIlUcr lyiy.

Spalte

Nöldeke: Geschichte des Qoräns (Bräunlich) 529
Matsumoto: Essai sur la Mythologie

Japonaise (Haas)..............531

Kojiki: La mitologia Giapponese (Ders.). 532
Frei berger: Das Fasten im Alten Israel

(Steuernagel)................532

Siebens: L'Origine du Code Deuterono-

mique (Baumgartner)............533

Erslev: Historische Technik (Dannenbauer). 534
Finke: Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte
Spaniens (Brandi)........534

Schriften des Vereins f. schleswig-holsteinische
Kirchengeschichte (Cohrs).........536

Spalte

Staeheli n: Das Buch der Basler Refor-)

mation (v. Muralt).............■

Die Reformation in Stadt und Land-j

schaff Basel (Ders.)............j

Kalle: Regesten der ritterlichen Lehnbriefe

aus d. Köthener Saalbuch von 1602 (Peper) 544
O ' S h e r i d a n : La doctrine vauvertine sur

le conimunisme ecclesiastique (Koch) . . . 544
Stroh: Die Lehre des württembergischen
Theosophen Johann Michael Hahn (Bossert). 544

Mezard: Doctrine Spirituelle de Sainte
Jeanne-Francoise de Chantal (Koch). . . ..

Mere Elisabeth de la Croix: Septi
Retraites (Ders.)..............J

Spalte

Forbes: Margaret Sinclair (Koch).....543

Schlatt er: Hülfe in Bibelnot (Rendtorff)

— Marien-Reden (Ders.)..........

— Ich will Ihn loben bis zum Tod (Ders.).

— Die Botschaft des Paulus (Ders.).....

— Unsere Abendmahlsfeier (Ders.).....

Das Werden der Kirche in der Ur-
christenheit (Ders.)............

— Die Gabe des Christus (Ders.)......

Cadonx: Catholicism a. Christianity (Schian) 549
Neuzeitlicher Kirchenbau (Ders.).......550

?546

Nöldeke, Theodor: Geschichte des Qoräns. 2. Aufl. 3. Teil. Ganz neu gegenüber der ersten Auflage ist der

Die Gesch. d. Qorantexts von G. Bergsträlier. Lfg. 2. Leipzig: ; Abschnitt „Nicht-othmanische Varianten und Lesarten"
Dieterich'sche vig. Bh. 1929. (s. 81—160.) 4°. RM 8—unjer denen zunächst der „Text des ihn Mas'üd'' behan-

Nach dem Tode Friedrich Schwally's (1919), der delt wird. 'Abdallah b. Mas'ud (gest. 32 oder 33 d

die Neubearbeitung der beiden ersten Teile2 von Nöl- H.), der seine Eifersucht auf Zaid b. Thabit, den Samm-

dekes grundlegender „Geschichte des Qoräns" Göttingen . 1er der offiziellen Qorän-Ausgabe, wohl nie recht hat

1860 übernommen hatte, fand sich G. Bergsträßer bereit, 1 verwinden können, weil er bereits 70 Suren auswendig

den 3. (Schluß-) Teil des Werkes, der die Geschichte gekannt habe, als Zaid noch ein Junge war, ist nur

des Qorantexts behandelt, unter Verwendung einiger einer derjenigen, von denen wir wissen, daß sie eine

von Schwally [unterlassener Vorarbeiten neu zu eigene Qoran-Rezension hergestellt hatten. Diese selbst

schreiben. ist zwar nicht erhalten, aber wir kennen durch Überliefe-

Wie sehr sich auch das Bestreben Bergsträßers er- rang und Schilderung vieles von ihr. B. hat mit größter

kennen läßt, sich pietätvoll seinem großen Vorgänger Sorgfalt die sämtlichen Lesarten und Varianten 'Ab-

Th. Nöldeke anzuschließen,' so ließen sich natürlich dallah's gegenüber dem Text des 'Othman zusammen-

mancherlei durchgreifende Änderungen in dem vor nahe- gesucht und ihr Verhältnis zueinander gewissenhaft ab-

ZU {0 |ahren geschriebenen Text nicht vermeiden. Durch gewägt.

die dem jetzigen Bearbeiter im Vergleich zu Nöldeke Zeigt sich in der Analyse der Varianten die Unwesentlich
zahlreicher vorliegenden Quellen an gedruck- , guistisch-philologische Meisterschaft und das feine Stil-
ten und handschriftlich benutzten Werken der Muslime gefühl des Verfassers, so erweist die aus diesen Einzel-
sowie durch eine Anzahl von Spezialstudien europäischer ergebnissen aufgebaute Svnthese seine Fähigkeit
Gelehrter konnten Teilprobleme wesentlich ausführ- psychologischer Einfühlung in die Genesis der verschie-
licher behandelt oder einer endgiltigen Entscheidung denen Rezensionen. Aus der kritischen Beurteilung seizugeführt
werden, deren Beantwortung bei Nöldeke noch nes reichhaltigen Materials vermag B. den Beweis zu
offen bleiben mußte oder nur mehr vorausgeahnt wer- erbringen, daß die etwas einseitige Anschauung Gold-
den konnte. Besonders angenehm wird es dem fach- zihers,' der in den abweichenden Lesungen Ibn Mas'ud's
männischen Benutzer sein, daß Bergsträßer in dem eigentlich nur die Negation des 'othmänischen Textes
großen Abschnitt über die „orthographischen Eigentüm- sieht, aufzugeben ist zugunsten der Annahme, daß Ibn
lichkeiten des othmänischen Textes" (S. 26—53) durch- Mas'üd aus einer vorwiegend mündlichen Überlieferung
weg alle im Qorän vorkommenden Fälle einer unge- die nicht mit der des Zaid ibn Thäbit identisch ist, bezw
wohnlichen Schreibung zitiert. Erst dadurch wird der aus der eigenen Erinnerung schöpfte und in der schrift-
Benutzer in den Stand gesetzt, die angegebenen ortho- liehen Fixierung sich einer präziseren Wiedergabe begraphischen
Regeln und ihre sprachwissenschaftliche | fleißigte als Zaid. Bekanntlich erwies sich der 'othmä-
Auswertung bequem nachzuprüfen, ohne die mühevolle ! nische Text unter dem staatlichen Privileg als lebens-
Arbeit des Zusammensuchens der Stellen aus der ara- fähiger denn andere Rezensionen.

bischen Literatur noch einmal leisten zu müssen. Das Bild der Rezension, das wir aus den auf Ubai

zurückgeführten Varianten gewinnen, macht einen viel

1) Anni. des Hrsg's: Durch ein Versehen der Druckerei ist die
schon vor längerer Zeit von Herrn Bräunlich eingelieferte Besprechung
der 1. Lieferung nicht zum Abdruck gekommen. Herr Bräunlich hatte
deshalb die Freundlichkeit, die Anzeige der 1. Lieferung hier noch
einmal mit aufzunehmen.

2) I. Über den Ursprung des Qoräns 1909. IL Die Sammlung des
Qoräns 1919.

3) Am ehesten war dies möglich in dem Anfang des Buches (S.
1 — 19), in dem nachgewiesen wird, daß die älteste Zeit sich nicht
scheute, von Fehlern in dem othmänischen Musterqorän zu sprechen.
Ende des 2. Jahrhunderts d. H. fertigte man Listen an, die die Abweichungen
der vier Abschriften der kanonischen Rezension zusammenstellen
4) °ie Richtungen der islamischen Koran-Auslegung S. 10 ff.

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weniger ursprünglichen Eindruck, da es häufig als eine
sprachliche Glättung gegenüber dem 'othmänischen Text
erscheint, häufig dieselbe Variante wie Ibn Mas'üd
bringt. Im übrigen verweist der Verfasser auf eine
neue Behandlung dieses Abschnittes unter dem Titel
„Nichtkanonische Koranlesarten nach Ibn Mugähid (im
Muhtasab des ibn Ginnl) und ibn Hälawaih".

Die 1914 veröffentlichten Lewis'schen Palimpseste
zeigen einen dem'othmänischen zwar nahestehenden aber