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Ausgabe:

1929

Spalte:

505-507

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Abegg, Emil

Titel/Untertitel:

Der Messiasglaube in Indien und Iran 1929

Rezensent:

Fascher, Erich

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. Emaniiel Hirsch unter Mitwirkung von

Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Hans Lietzmann, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften,bearb. v. Priv.-Doz. Lic. theol. K.D.Schmi dt u. Lic. H. Kittel, Göttingen.
Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

CJ i i 77 Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in Göttingen, 7fk I lLrtnh»r 10/0

34. janrg. nr« £i. nainholzweg 62, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. 4"" VMUUCr yl.y.

Spalte

Abegg: Der Messiasglaube in Indien und
Iran (Fascher)................505

Pettazzoni: La Confessione dei peccati
(Schnitzer).................507

Koets: Aetotöatuovi'u. (Fascher)......509

Spalte

C h arles: A Oritical and Exegetical Commen-
tary on the Book of Daniel (Baumgartner). 510

Bertram: Neues Testament und historische
Methode (Torrn)..............512

Laqueur: Eusebius als Historiker seiner Zeit

Spalte

(v. Campenhausen).............514

Die Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung
(Frick)...............517

S t r a t h m a n n : Ist der gesetzliche Eid noch
haltbar? (Hirsch)..............524

Abegg, Emil: Der Messia'sglaube in Indien und Iran. Auf l keit (wie im Parsismus und Christentum) keine Rede

Grund der Quellen dargest. Mit 8 Lichtdrucktaf. Berlin: W. de ' sein kann.

Gruyter&Co. 1928. (VII, 286 U. VHS.) gr. 8». RM 22- 1 Ka,kj der mjt SünJe Behaftete (ein ;„ der Re,;_
Es kann nicht Aufgabe eines Theologen sein und gionsgeschichte nicht seltenes Beispiel für Anwendung
auch nicht in dieser Literaturzeitung geschehen, Aheggs ^ims „gegensinnigen Namens") erscheint als Mensch"
gehaltvolles Werk eingehend zu besprechen. Dazu be- doch in enger Verbindung mit seinem Wunderpferd'
dürfte es eines Fachindologen und eines Kreises, der welches auf theriomorphe Grundlage dieser Gestalt zu-
sich für vieles, was den religionsgeschichthch eingestell- ,-ückweist. Er ist Avatara d. h. Herabkunft Visnus (von
ten Theologen weniger angeht, interessierte. Man wird ava tar . herabsteigen, vgl. Joh. 3, 13, wo der Menden
Dank für die Belehrung durch den Verfasser am schensohn" als „b U roß ovgavoß xaratfe'e" bezeichnet
besten abstatten durch Heraushebung des die Theologen jst!) Es jbt tierische und menschliche Verkörperungen
interessierenden Inhalts und Hmzufugung solcher Bibel- v die unzahlio- sind, sie geschehen in Notzeiten und
stellen, die wenigstens als Anklänge oder Analogien sind besonders am Ende eines Kalivuga angezeigt,
erscheinen; denn da Abegg selbst eine Abhängigkeit Kalki erscheint in den Listen der Avataras, die chrono-
der 3 geschilderten Religionen nahezu ab ehnt muß , isch sejn woJ,e an ,et/ter Steil er iriü auf
man auch als Theologe mit sog Parallelen" sehr vor- Ende eines Kalivuga.

sichtig sein. Im ersten Abschnitt, dem Messiasglauben ., ,, ., 7z, ,,„,., .

des Hinduismus (S. 5-144), entwickelt Verf. zunächst Vi He,T* lehnen d|>J^tren Volk^hichtm diesenGUubea ab, Ttgorei

j:~ iz„„_ 1 • Vks • i ± c l ij j 1 Vater z. B. der Begründer des Bralmia-Samaj — ehrt 1111 zweiten

die Kosmologie. Die interessante Schilderung des gol- Satz sei„es Olanbensbekenntnisses: Gou wird niemals inkarniert. GrotesT!

denen Zeitalters wiederzugeben, müssen wir uns ver- wirkt| da|j dic Theosophie sich dieses Gedankens bemächtigte „nd

sagen, bemerkenswert (im Gegensatz zur Genesis) ist : durch Abstimmung (!) den jungen Krismamurti zum Messias erklärte,

die Meinung, daß die Menschen vor den Pflanzen und [ Auch Gandhi wird vielfach als ein Avatära Visnus angesehen (könnte

Tieren existiert haben und die Erde ihnen „in Form ' sogar Kalki sein), wenn nicht die Zeitbestimmungen der neueren Vuga-

eines ihr entquellenden Saftes die Nahrung bot". Die lenre tlem widersprächen.

Fortpflanzung geschah auf geistigem Wege. Im Augen- Den wichtigsten Teil dieses Hauptabschnitts bildet
blick, wo Kala (Zeit), ein Teil Visnus, die Sunde in das dritte Kapitel mit seiner genauen Inhaltsangabe von
die Welt bringt, ist für die Menschen der Tod da, wer- Kalkitexten, die in einer europäischen Sprache noch nicht
den sie von den Weibern geboren, die vorher garmcht erschienen sind und auch in keiner Literaturgeschichte er-
nenstruierten. Damit ist eine Abwartsentwicklung ein- wähnt werden (S. 71—137). Den Inhalt dieser an orien-
geleitet, die vom Krtavuga über Treta und Dvapara talische Märchen erinnernden phantastischen Szenen,
zum Kalivuga führt, dem letzten und schlechtesten der Kampfe Kalkis gegen Kali und andere Feinde, können
vier Weltzeitalter. Im Augenblick, wo Krisna stirbt. wir hier nicht wiedergeben. Interessant ist für Theobricht
Kali in die Welt ein. Das Kalivuga weist auf logen die Geburtsgeschichte Kalkis. Er wird als Sohn
eine tieforeifende Störung des Naturgeschehens hin, des Visnuvasas und der Sumati geboren, nachdem Visnu
deren letzter Grund die menschliche Schuld ist (S. 26. in den Samen des Visnuvasas eingegangen und so von
Vgl. Rom. S, 20f.!). Leibliche Entartung der Menschen, Sumati empfangen worden ist. Weder von Seelenwande-
geistige und' sittliche Verderbnis gehen Hand in Hand, rung (gandharva, das Seelenwesen, welches neben Vater
der Glaube an eine jenseitige Welt schwindet, gegen und Mutter zur Zeugung nötig ist, fehlt hier) noch von
Ende dieser Weltperiode erreichen die Leiden ihren „jungfräulicher Geburt" ist dabei die Rede (die Evan-
Höhepunkt. Vor der Grausamkeit entmenschter Könige gehen kennen solche Verbindung des Gottes mit
und vor Naturkatastrophen fliehen die Menschen in un- menschl. anigna nicht). Die Namengebung Kalki gebewohnte
Gegenden, das Weltende kommt (vgl. Mk. schieht durch vier Bettelasketen, die in dem Kinde cJen
13, 9. 14. 19. 24 ff.!). Ursprünglich gibt es nur 4 Welt- menschgewordenen Visnu erkennen, der die Befleckung
Zeitalter, deren Zahl ja auch in den Apokalypsen des der Welt zunichte machen wird (cf. Luk. 1, 31 ff. 2, lOf
Westens eine Rolle spielt, in der späteren Yugalehre gibt 24, 21. Joh. 4,42).

es tausend Kaliyugas, auf welche ständig neue Kritas Ein Analogem zu 2 Thess. 2,8 bietet die Gestalt des Vanderas-

folgen und zwar — die Begründung ist psychologischer beten (des verkörperten Krtayuga), der „mit dem bloßen Hauch seines

Art — wenn die menschliche Gesinnung sich zum Mundes die Scharen der Ungerechten vernichtet" (S. 114), er ist jedoch

Besseren wandelt, sodaß ein Fortbestehen der Mensch- Vorläufer Kalkis (nicht wie 2. Thess. 2, 8 der Messias selbst). Ob ein

heit angenommen wird. ledes neue Zeitalter nach einem Zusammenhang zwischen Kalki mit dem Wunderpferd und dem Reiter

Kalivuga ist nun mit dem Erscheinen des Kalki ver- in Apoc I9'11 hes'ehe, wagt Abegg nicht zu entscheiden, (s. 139).-

knüpft. Ursprünglich ein Messias, sind es deren nach Entsprechend den Verkörperungen Visnus gibt es

der späteren Lehre tausend, sodaß von einer Einzigartig- ebensolche Buddhas, da der Name B. Apellativum ge-

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