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Ausgabe:

1929 Nr. 21

Spalte:

496-498

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Pius VI., Rundschreiben über die Förderung der wahren Einheit der Religion 1929

Rezensent:

Mulert, Hermann

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Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 21.

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Frage kommt, vermag zu ermitteln, welche Zuschüsse ; verschiedene kirchengeschichtliche Perioden führen und
Luther auf verschiedenen Reisen empfangen hat, erfährt, darauf geachtet worden ist, daß auch die Spezialthemen
wann Bücher verschickt worden sind, deren Identität mit j behandelnden allgemeininteressant und -verständlich gevorliegenden
Werken Buchwald genau erörtert, gewinnt j schrieben sind. Aus der auf reichem urkundlichen Mateunter
Umständen sogar Anhaltspunkte für eine bisher rial im Geh. Staats-Archiv zu Berlin beruhenden Geungeklärte
Autorschaft. j schichte des Karthäuserklosters „Barmherzigkeit Gottes"
Friedr. Roth hat im bayrischen Hauptstaatsarchiv , bei Frankfurt a. d. O. von Dr. Kurt Klinkott-Berlin sei
eigenhändige Aufzeichnungen des Augsburger Stadtadvo- : hervorgehoben, daß es sich hier um eine rein bürger-
katen Klaudius Pius Peutinger gefunden, der zwar an Be- J liehe Stiftung handelt, daß auch in diesem Karthäuserdeutung
seinen Vater nicht erreichte und hierdurch das , kloster nie ein Verfall eingetreten ist („Carthusia nun-
Schicksal so mancher Söhne berühmter Männer teilte, i quam reformata, quia nunquam deformata"), daß auf
mehr oder minder unverdient vergessen zu werden, der die Zerstörung des Klosters durch die Hussiten 1432
aber doch in Augsburg nach dem Sturze Rehlingers ein bedeutender wirtschaftlicher Aufschwung folgte, und
und Hels zeitweilig eine bedeutende Rolle spielte. Diese daß das Kloster mit dem Prior Peter Golitz an der

Entdeckung gab Roth den äußeren Anstoß, weniger auf
Grund der Aufzeichnungen als Roths allgemeiner Kenntnis
der Augsburger Reformationsgeschichte den Lebenslauf
des jüngeren Peutinger zu schildern. Die letzten

Spitze hartnäckig der Reformation sich widersetzt hat.
— Lic. Dr. Hermann Werdermann-Berlin hat unter dem
Titel „Pfarrerstand und Pfarramt im Zeitalter der Orthodoxie
in der Mark Brandenburg" einen Band Entschei-

Jahre verbrachte Peutinger in unfreiwilliger, seinem Ehr- düngen des Cöllnischen Konsistoriums (hauptsächlich
geiz wenig zusagender Muße und wurde hierdurch zu j aus den Jahren 1600—1690) im Archiv des evgl. Koneiner
für ihn charakteristischen Denkschrift bewogen, die sistoriums in Berlin nach den verschiedensten Seiten
der ihm befreundete Hans Jakob Fugger dem Kaiser hin ausgebeutet und ihm eine Menge Notizen entzustecken
sollte und die Roth wörtlich mitteilt. , nommen, die manchmal blitzähnlich die Vergangenheit
Ein Artikel Kalkoffs über die Prädikanten Rot- aufhellen. — Der unermüdliche Theodor Wotschke beLocher
, Eberlin und Kettenbach beschäftigt sich zunächst ginnt eine Arbeit über den markischen Freundeskreis
im Allgemeinen mit jenem Kreis von Männern, die als : Brecklings, die sich an seine Studie über den niederrhei-
„vagabondierende Prädikanten" damals oft grausam ver- nischen Freundeskreis des holstein-hollandischen My-
folgt wurden und heute vielfach mit den Laienpredigern stikers und Schwärmers anschließt. W. veröffentlicht
und Volksführern zusammengeworfen werden, die aber , aus Briefbanden der Hamburger Staatsbibliothek und
häufig durchaus gebildete Geistliche waren und nach ; der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha sehr aufschluß-
Kalkoff den Vorwurf der sozialen Verhetzung nicht ver- reiche Stucke aus der Korrespondenz Brecklings, bedienen
. Hierauf faßt er einzelne dieser Personen ge- i sonders Briefe von Spener und W. Kaspar Schade. Die
nauer ins Auge und kommt zum Schlüsse, daß die- ! Bl'efe sind trefflich kommentiert. — Endlich hat Hans
selben eine geistig eng zusammengehörende Gruppe ; Petri, Pfarrer in Bukarest, die „Sorauer Studenten an
bildeten, welche man als Schüler Eberlins von Günz- l der Universität Wittenberg wahrend der Reformationsburg
betrachten darf. ! zelt" zusammengestellt.

Jedin ist zu seinen Studien über die römischen | Zwickau i. s. O. Giemen.

Augustinerquellen zu „Luthers Frühzeit" durch „Luthers : ~~ ~~ T~~ . . ,. ~ 7, 7. " ~77~

Romfahrt" von Hch. Böhmer veranlaßt worden. P,u.s.X,.y' Rundschrelben über die Forderung der wahren

Letzterer hatte das Manualregister des Egidius von Vi- I SSf1*^ ReHpon/ (6Ganuar am Feste der öscheinung des

, . r,.. i r i •■ i j u iu i___ Herrn, 1Q2S: »Mortalium Animos .) Antons. Ausg. Latein, u.

tenbo nur fluchtig einsehen können und deshalb Lese- deutscher Text. Fndburg i. Br.: Herder & Co, 1028. (31 S.) gr. 8».

fehler gemacht, die A. V. Muller zur irrigen Annahme RM' 1-50_

verleiteten, daß es sich um eine nachträgliche und unzu- ' D,e Enzyklika mortalium animos hat bei ihrem Er-

verlässige Zusammenstellung von Urkundenauszugen i scheinen zu lebhaften Diskussionen Anlaß gegeben; jetzt

handele. Jedin berichtigt diese Vermutung, indem er das , kann man sje jn aner Rune würdigen. Als kirchenpoli-

Register eingehend beschreibt und die Fehlerursachen tisches Dokument wird sie ihre Bedeutung behalten. Je

aufklart. Weiter weist er nach, daß nicht wie Böhmer , stärker die von protestantischer oder anglikanischer

glaubte, eine „epitome" von 1652, in der wichtige Re- : Seite ausgehenden Einigungsbestrebungen wurden, je

gesten zur Ordensgeschichte von 1511 — 1519 stecken, I deutlicher in Stockholm 1925 und in Lausanne 1927 die

verloren ist, sondern nur die Abschrift eines noch heute Möglichkeit ward, daß alle Gruppen der Christenheit

im römischen Augustinerarchiv erhaltenen Originals. ; mit Ausnahme der römisch-katholischen durch Verhand-

Letzteres ist um so wertvoller, weil es viele Eintra- ; iungen einander näher kommen, je mehr sich auch

gungen enthält, die im Manualregister fehlen. Aus wel- ; römisch-katholische Christen für diese Dinge interessier-

chen Fundgruben die epitome geschöpft hat, dem ist j terij um so mehr konnte man auf eine feierliche amtliche

Jedin nicht nachgegangen. Den Schluß von Jedms Ab- i Äußerung des Papstes über die Einigungsbestrebungen

Handlung bildet eine Erörterung, wo Luther in Rom rechnen. Sie ist so ausgefallen, wie es nach den römi-

wohnte, die aber zu einem sicheren Ergebnis nicht fuhrt. scnen Traditionen zu erwarten war. Einigung der Chi i-

Wotschkes Aufsatz „Von den Bemühungen im 1 stenheit kann sich der Papst nur so denken, daß alle

17. und 18. Jahrh., Luthers Briefe zu sammeln" ist ein i Christen sich ihm unterwerfen, zur römischen Kirche

Nachtrag zu Kaweraus Arbeit in den Lutherstudien der „zurückkehren". Nach einer Einleitung über die Ver-

Weimarischen Lutherausgabe. Neben den schon durch breitung der Einigungsbestrebungen, ihre Bedeutung

Veesenmeyer und Kawerau berücksichtigten Sammlern ' und den Reiz, den sie anscheinend auch auf Katholiken

z. B. Sagittarius und Tentzel behandelt Wotschke den ausüben, werden die Katholiken doch entschieden vor

als Lutherforscher schon bekannten, aber als Briefsamm- ' ihnen gewarnt. Und zwar scheint der Papst mehr Lau-

ler bisher übergangenen Hamburger Schulmann Joh. ; sänne als Stockholm im Auge zu haben (oportere aiunt

Christian Wolf, aus dessen Korrespondenz mit Löscher ' controversiis . . . praetermissis ... de ceteris doctrinis

und Cyprian Stücke abgedruckt werden. communem aliquam credendi legem effici), obwohl das

Freiburg i. Br. Gustav Wolf. j Streben, einen gemeinsamen Besitz an faith and order

._!_ ' herzustellen, dem Katholiken immer noch erträglicher

Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte. Herausgeg. scheinen muß, als die Neigung, die Christen in life and

im Auftrage des Vereins für Brandenburgische Kirchengeschichte von 1 work ZU einigen Unter Zurückstellung aller Glaubens-

Lic. Walter Wendland, Pfarrer in Berlin. 23. Jahrgang. Berlin: und Verfassungsfragen, die natürlich zur Vergleichgülti-

M. Warneck in Komm. 1Q28. (223 s. m. e. färb. Kte.) gr. 8°. RM 3—. 1 gung dieser Fragen zu führen geeignet ist. Auch die

Dieser neue Jahrgang ist wieder sehr geschickt Leute werden erwähnt und abgelehnt, die dem Papste

redigiert, indem die Abhandlungen, die er enthält, in zwar einen Ehrenvorrang zuerkennen, ja am liebsten