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Ausgabe:

1929 Nr. 20

Spalte:

479-480

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Althaus, Paul

Titel/Untertitel:

Der Friedhof unserer Väter. Ein Gang durch d. Sterbe- u. Ewigkeitslieder d. evang. Kirche. 3. Aufl 1929

Rezensent:

Eger, Karl

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Seite 1

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479 Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 20. 480

mein, mit denen sie xazct aäq-/.a, historisch-empirisch, hat jene anderen Töne angeschlagen. So erscheint als

gegen die Lutheraner recht hat, hat sie -/.ma 7cveifia, j „die Kraft des Heimwehs oft genug nicht der Glaube,

theologisch-glaubensmäßig gegen sie unrecht. die dankbare Erkenntnis der schon gegenwärtigen Gna-

Auf Brunners V e r s ö h n u n g s lehre gehe ich de Gottes, sondern die Betrachtung des irdischen Leids

nicht mehr ein. Nur zwei ihrer Grundgedanken, denen ! und Jammers. Die Himmelssehnsucht wird nicht selten

ich voll zustimme, seien noch hervorgehoben. Einmal: furch das menschliche Begehren nach Lust und Le.dens-

der Hinweis darauf, daß alle Versöhnungs t h e o r i e n i 'osigkeit getrübt .

nur Gleichnisse bieten können, von denen jedes notwen- Ich hatfe ,ein'ge wortliche Zitate herausgehoben,

dig, aber keins für sich genügend und adäquat ist; daher um e,men Eindruck von der glücklichen Formulierung

die echte sachliche „Systematik" in der Versöhnungs- i der dargebotenen Gedanken zu geben. Das Büchlein

lehre gerade im Abwechseln zwischen den verschie- fefelt de" .^von Anfang bis zu Ende; immer wieder

den artigsten „Theorien" besteht, s. Luther (410, erfreuen feinfühlige und feinsinnig

A. 1). Sodann: die Verteidigung Anselms gegen die , aucf "ach der musikalischen Seite hin Ich in zwar

Ritschlsche Kritik, die Ablehnung der unrein febildeten nach wie v,or de.r Meinung (Th. L Z. 1916 Nr. 11), daß

Gegensätze „sittlicher" und „juristischer", „sittlicher" , rl1" rein chronologischer Gang durch die Lieder der

und „kultischer" Begriffe (420 430). 1 J'""8 "a+ch 6 Rubriken (Begräbnis und Gedächtnis

" der Vollendeten, Vergänglichkeit, Gebet um ein seliges

Ein störendes Druckversehen findet sich s. 332, z. 4. statt „er- j End Heimgang, Ewigkeit, jüngster Tag) vorzuziehen

kennbare .st wohl zu lesen „unerkennbare . gewesen wäre. Aber Vf. hat seine Gründe für Beibehal-

Erlangen. _P. Althaus. , tung dieser Trennung dargelegt, und wir wollen darüber

I nicht mit ihm rechten, sondern ihm für die feine Gabe,

Althaus, Paul: Der Friedhof unserer Väter. Ein Gang so wie sie vorliegt, danken.

durch d. Sterbe- u. Ewigkeitslieder d. evang. Kirche. 3. Aufl. t H - k Fl

Gütersloh: C. Bertelsmann 1928. (176 S.) kl. 8°. RM3-. ' " ' ' v "

Vf. hat seinen „Gang durch die Sterbe- und Ewig- ;
keitslieder der evangelischen Kirche" (es kommt so
gut wie ausschließlich die deutsch-lutherische Kirche
in Betracht) in 3. Aufl. herausgebracht. Gegenüber der
2. Aufl. (1922) sind nur wenig Änderungen vorgenommen
. Da die 2. Aufl. in der Th. L. Z. nicht besonders angezeigt
worden ist, sei an Hand der vorliegenden 3.
Aufl. kurz auf das hingewiesen, was die Neubearbeitung
des Büchleins von der l.Aufl. (1915; vgl. Th.L.Z. 1916
Nr. 11) unterscheidet. Der Unterschied liegt — abgesehen
von Einzelheiten — wesentlich darin, daß den
grundsätzlichen Betrachtungen über das innere Verhältnis
der lutherischen Sterbe- und Ewigkeitsgedanken zum
Gesamtaufriß lutherischer Frömmigkeit ein sehr viel
größerer Raum zugewiesen ist. A. findet in der Haltung
Luthers und des Luthertums gegenüber Tod und
Ewigkeit den entsprechenden Ausdruck des lutherischen
Rechtfertigungsgedankens überhaupt. Im Rechtfertigungsglauben
hat das Luthertum die Möglichkeit, mit
unbedingter Offenheit dem Tod ins Auge zu schauen und
nichts von seiner Furchtbarkeit zu verhüllen — und anderseits
im Glauben an den Gott, der im Richten Gemeinschaft
begründet und Leben schafft, und an das
apostolische Zeugnis von dem „Erstling unter denen,
die da schlafen", Mut und Recht zu gewinnen zu frohen
Worten und lieblichen Bildern vom Geheimnis des Christensterbens
. „Oft sind diese süßen Worte des Glaubens
kaum zu unterscheiden von den Euphemismen der
Trostlosigkeit und der Todesflucht. Und doch hat beides
nichts miteinander zu schaffen. Der Glaube spricht
sein „entschlafen" gerade angesichts rücksichtsloser Erkenntnis
und Anerkennung der Wirklichkeit wie ein
dankbares ,Dennoch'." (S. 27f.). Die Schranken des
Sterbe- und Ewigkeitslieds des alten Luthertums (im
Unterschied vom neutestamentlichen Zeugnis und von
Luther selbst) werden nachdrücklich aufgewiesen (bes.
S. 101 ff.) Sie werden gefunden einmal in der Überbetonung
des Lebens in der Welt als eines Lebens im
„Jammertal". „Im lutherischen Sterbelied erscheint es
manchmal, als sei Gottes nicht die Zeit, sondern nur
die Ewigkeit, als begegne er uns mit seiner Gnade nicht
im Gegenwärtigen, sondern nur im Zukünftigen". Die
volle fromme Wertung des irdischen Lebens als Gelegenheit
zum Dienst Gottes, zum Bau seines Reiches
fehlt, ebenso wie die Blicke für die Weite der Gottesherrschaft
(Mission!) und ihrer Vollendung — die Hoffnung
bleibt ganz individualistisch. Erst der Pietismus

Die Seele

der dominikanischen Mystik

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Gottlob Siede!

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ben Cntber 1516 als v3nic!)ftück nnb 1518 gans ncröffentlid)tc,
fegt fid) bas 3iel, bie bisher mttjoerftanbene 6d)rift non ber
6rhoIajtik b« SU erklären nnb kommt fo £U ganj neuen @r=
gebniffen. 6ie meijt auch bie uon 93euft gefunbene Soanbfdbrift
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kanifeben fJTigftik, bie Cebre oon ber 93ergottung ber Seele,
mirb nach ber tbcoretifoben roie praktifaben Seite 511111 erftenmat
für proteftantifebe Pefer bargeftcllt. Sie 93iobernifierung hält fia)
moglicbft getreu an bas Original.

Leopold Klotz

Verlag / Gotha

Das III. Heft des .Bibliographischen Beiblatts" wird später ausgegeben.
Die nächste Nummer der ThLZ. erscheint am 12. Oktober 1929.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Hainholzweg 62.
Verlag der J. C. H i n r i ch s'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße (frühere Blumengasse) 2. — Druckerei Bauer in Marburg.