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Ausgabe:

1929 Nr. 19

Spalte:

436-437

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Noth, Martin

Titel/Untertitel:

Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung 1929

Rezensent:

Gustavs, Arnold

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Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 19.

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triarch Maximus Maslum, gest. 1S45, schrieb eine Verteidigung gegen |
den Islam anläßlich eines Besuches seines egyptischeu Sprengeis.

Aus den Kreisen der u n i ert - j ak ob i t isch en Syrer liegt der 1
Briefwechsel vor zwischen dem Jesuitenoberen r'rancois und Michael
Dscharwa aus dem Jahre 1760; das Ergebnis war der Übertritt Michaels
, der dann 1783 erster linierter Syrerpatriarch von Antiochien wurde; j
einige frühere hatten ihren Titel von Aleppo getragen ; der neue Patri-
arch hinterließ auch Passionspredigten und einen Eigenbericht über die I
infolge des Übertritts ausgestandenen Verfolgungen ; auch sein zweiter
Nachfolger Ignatius Petrus Dscharwa sammelte eigene Homilien. Aus ;
dem folgenden Pontifikat des Anton Samhiri liegt der Bericht über
seine Synode vom Jahre 1854 vor.

Trotz gleichfalls einiger Beschwerden gegen missionarische Über- :
griffe am längsten und festesten mit Rom verbunden und von dorther I
gefördert haben die Maroniten ein besonderes reichhaltiges Schrift- I
tum aufzuweisen; systematische Olaubensdarstellungen schrieben im 17.
Jahrhundert die Metropoliten Johanna, Michael und Joseph, alle drei i
Hazruni zubenannt nach dem Heimatort auch des großen Assemani; |
aus dem 18. Jahrhundert stammen die Mönchs-, Marien-, Beicht- und |
Gebetbücher des auch dichterisch sehr regen Erzbischofs Gabriel Earahat I
von Aleppo und ähnliche erbauliche Schriften von Schukrallah Hawwa, j
während der Metropolit Abdallah Qara Ali das kirchlich-weltliche Recht i
für den Libanon kodifizierte. Petrus Tulani, gest. 1745, verfaßte neben
polemischer Dogmatik und Meditationen eine Logik nach westlichen ,
Unterlagen. Von den Patriarchen vertrat Paulus Mas'ad den orientalischen
Standpunkt, als er dem erwähnten uniert-orthodoxen Amtsgenossen
Maximus Maslum bestritt, daß Jesu Sprache griechisch gewesen sei. I
Besonders pflegen die Maroniten die Disputation des Maximus Confessor
gegen den Konstantinopler Patriarchen Pyrrhus sowie seine anderen |
Schriften, um den Verdacht auf Monotheletie oder die Erinnerung daran j
zu beheben; sie hat der auch als Dichter und Exeget fruchtbare Ma- I
ronit Mkrtitsch Kasich (also von armenischer Herkunft) noch 1706 be- ;
kämpft; besondere Veranlassung bot sich, wenn ihrer Inanspruchnahme |
steter Rechtgläubigkeit gegenüber die anderen, auch die sonstigen Unier-
ten wie der genannte Sabbagh und der gleichfalls uniert-orthodoxe '
Johanna Adschimi, im Jahre 1769, ihnen jene von ihnen stark abgestrittene
einstige Ketzerei vorhielten.

Zu ihrer Gegenwehr übernahmen die arabischen Orthodoxen
ton den griechischen Glaubensgenossen die antiunionistischen Schriften
von Markus Eugenikus, Patriarchen Gennadius II, Nilus Kabasilas,
Sebastus Kymenites, Makarius von Patmos. Am eifrigsten mit eigenen |
Werken griff ein Elias Fachr von Tripolis in der ersten Hälfte des !
18. Jahrhunderts. Die bekannten 5 west-oströmischen Hauptstreitpunkte !
blieben stetsauf der Tagesordnung, so bei Bischof Gabriel Severus 1730;
im J. 1838 fand die in vielen orthodoxen Handschriften vorliegende
Disputation um das filioque statt zwischen dem Bischof Theoktistos j
von Aleppo und dem Lazaristenmissionar Nikolaus Codez, welch letzterer i
auch von verschiedenen Unierten angegriffen wurde, da er sich von
einer visionären Maronitin, die nach dem Prädikat einer Heiligen west- i
licher Art strebte, hatte umgarnen lassen: die Streitpunkte seit 1054
sind schon bei Elias Fachr vermehrt um den orthodoxen Angriff auf die j
Virginität des hl. Nährvaters Joseph, der in Syrien eine besondere Rolle
spielt. Daskales Baba Ephraem, aufgefordert durch Joseph Markus
von Tripolis, der seinerseits den päpstlichen Primat bekämpfte, rügte im
ganzen 170 weströmische Häresien. Angegriffen wurde das uniert-orthodoxe
Patriarchat seit dem ersten, Seraphim von 1724 an, durch Ab- ,
dallah Qadid um die Mitte des 19. Jahrhunderts; Bischof Gerasimus j
konnte 1816 von der Pforte einen amtlichen Warnungserlaß gegen die
fremden Missionare nach Aleppo heimbringen. An orthodoxen Patriarchen
sind vertreten, von den Antiochenern: Joachim IV. bezw. V. mit seiner
Abweisung der Aufforderung des Papstes Gregor XIII ; Enthymius i
Karma, gest. 1647, mit Trost- und Liturgieschriften; vor allem aber
Makarius ibn al-Zaim, gest. 1672, der sich auch an der Protestantenbekämpfung
beteiligte, welche der Bewegung um Kyrill I.ukaris entsprang
(vgl. Theol. Blätter 1929, 29), aber auch durch die weströmische Litera-
tur gefördert war; ferner der eigenartige Athanasius IV. gest. 1724; von
den Jerusalemern begegnet Nektarius, bis 1669; von den Alexandrinern
Gerasimus II, bis 1710.

Minder energisch war die Gegenwehr der J ak o b i t e n ; sie standen
weiter im Osten immer im härteren Kampfe mit dem Islam und pflegten
dort in späteren Abschriften auch die ältere Verteidigung: Abul-Chair i
ibn al-Taijib, aus dem 11. Jahrhundert, gegen Islam und Dyophysitentum 1
zugleich; Dionysius ibn Salibi von Amida (Dijarbekr), gest. 1171, mit
Messekommentar und Kampf gegen Nestorianer und Chalcedonensier;
der Mönch Daniel ibn al-Chattab, im 14. Jahrhundert, mit einer Dogmatik
gegen Islam und Aphthartodoketismus; der Kampf gegen letzteren
wie überhaupt gegen jede Anschauung, welche in die Richtung des
modalistischen Monarchianismus weist, ist dem Monophysitentum stets
ernstes Anliegen geblieben, weil die Gegner es damit verwechselten.
Simon aus dem 17. Jahrhundert, der als Bischof von Jerusalem sich
Basilius, als Maphrian, d. h. als Vikar für den Osten mit dem Wohnsitz
im Mönchsgebirge Tur Abdin bei Mossul, sich Gregor nannte,
hinterließ Homilien, darunter auch eine kennzeichnende über den Zusatz
zum Dreimalheilig; ähnlich der Metropolit Athanasius Aslan von Amida,

gest. 1740. und der Patriarch .Mattheus, gest. 1817. — In seinem
jetzigen Aufenthaltsort sammelte Sbath auch eine Fülle von Handschriften
aus dem reichen, übrigens z. T. gleichfalls gedruckten Schrifttum der
Kopten: Ibn al-Muqaffa, die Ibn Assal, Petrus al-Sadamanti, aber auch
manche unbekannteren kleineren Werke.

2. Die sorgfältige Ausgabe des Traktates von der
Seele ergänzt in dankenswerter Weise die bislang bekannten
Werke des fleißigen Polyhistors Barhebraeus;
denn mangelt es diesem jakobitischen Maphrian auch
an Originalität, so sind seine zahlreichen Schriften doch
Dokumente für den geistigen wie geistlichen üesamt-
besitz im christlichen Mittleren Osten während der
großen Zeitenwende des Mongolensturms. Die Abhandlung
geht aus von Sätzen der gleichnamigen des Aristoteles
, schreitet dann, den Bruch natürlich nicht fühlend
oder wenigstens nicht hervorhebend, über Gregor
von Nyssa fort zur Exegese zahlreicher Bibelstellen und
begleitet die verschiedenen kirchlichen Überlieferungen
mit knappen kritischen Bemerkungen. In der Frage des
Ursprungs der Seele bekämpft sie die Präexistenz ebenso
eindeutig wie die Seelenwanderung und bekennt sich
zum Kreatianisrnus, und zwar zum „koexistenzianischen",
lehnt also (S. 33) den mit Leviticus 12,4 begründeten
„infusianischen" ab, nicht nur gegen Ephräm und den
Lehrer der Nestorianer, Theodoret von Kyrrhos, sondern
auch gegen die eigenen kirchlichen Ahnen Jakob Bara-
daeus und Philoxenos von Mambug. Wie stark Barhebraeus
auch in der östlichen Dialektik steht, so zitiert
er hier doch keine muhammedanischen Philosophen.

3. Die 20 Abhandlungen sind schätzenswerte Belege
für das dogmatische Interesse in den Ostkirchen
mit besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses zu
einander und zum Islam. Unter den z. T. oben bereits
genannten Verfassern ist 1 Orthodoxer: Abdallah ibn
Fadl von Antiochien; 5 Nestorianer: Honein ibn lshaq,
Jahja ibn Adi, Abul-Faradsch ibn al-Taijib und die beiden
Bischöfe von Nisibis, Elias ibn Sina und Ischojahb
ibn Malkon; 3 Jakobiten: Ibn Zur'a, Abul-Chair ihn
al-Taijib, Daniel ibn al-Chattab; 3 Kopten: Ibn Kulaitb,
ein Ibn Assal, Johanna ibn Mina. Der textkritische
Apparat zeugt von vorsichtiger Beachtung der Handschriften
; dankenswert sind die Nachweise der biographischen
Fundorte.

Hamburg. R. Strothmann.

Cleather, Alice Leighton, and Basil Crump: Buddhism the
Science of Life. Two Monographs by Cl. Tibetan initiates on the
Buddha, with Explanations and Comments by Cr. Second Ed., revised
and enlarged. With 12 illustr. Peking: China Bookseilers, Ltd.,
1928. (XVII, 221 S.) 8°.

Es gibt Bücher, die man nicht zu lesen, in denen
man nur ein weniges zu blättern braucht, um zu sehen,
daß sie Daseinsrecht nicht haben. Es kann gleichwohl
geschehen, daß sie in andere Sprachen übersetzt werden
und eine zweite Auflage erleben.

Leipzig. H. Haas.

Noth, Lic. theol. Martin: Die israelitischen Personennamen im
Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung. Stuttgart:
W. Kohlhammer 1928. (XIX, 260 S.) gr. 8°. = Beiträge z.
Wissensch, v. A. u. N. T. 3. Folge, H. 10. RM 12—.

Wie schon aus dem Titel des Buches hervorgeht,
will Noth die israelitische Namengebung in möglichst
große Zusammenhänge einordnen, da nur auf diese
Weise eine sichere Grundlage für die Deutung der Namen
gewonnen werden kann. Daher betrachtet er die
israelitische Namengebung als Glied der gemeinsemitischen
. In den Prologomena schickt er Untersuchungen
über die Quellen, die grammatische Struktur der semitischen
Personennamen, über Schichten in der semitischen
Namengebung und über die israelitische Namengebung
voraus. Dann werden im I. Hauptteil die theo-
phoren Elemente in den israelitischen Personennamen
und im II. Hauptteil die israelitischen Personennamen
als Äußerungen der Frömmigkeit (die nichttheophoren
Elemente) behandelt. Beigefügt ist ein Anhang über die
profanen Namen.