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Ausgabe:

1929 Nr. 18

Spalte:

421-422

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fendt, Leonhard

Titel/Untertitel:

Luthers Schule der Heiligung 1929

Rezensent:

Heckel, Theodor

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 18.

422

Klöster besonders im 11. und 18. Jahrhundert aufgeführt
haben, sind gewiß ein Zeichen ihres Reichtums,
aber die Kunstübung kann jedenfalls nicht das unterscheidende
Merkmal des Benediktinertums genannt werden
. Endlich noch die Frage: kann man überhaupt von
einem Benediktiner o r d e n sprechen? H. vermeidet —
aber ohne Begründung — diesen Ausdruck, wie er auch
auf dem Titelblatt von sich nicht die sonst allgemein
übliche Bezeichnung O.S.B, gebraucht, sondern sich
„Benediktiner aus der Abtei Maria Laach" nennt.

Zum Schluß möchte ich noch für den wünschenswerten
Fall, daß das ausgezeichnete Werk eine Neuauflage
erlebt, den Wunsch aussprechen, daß eine oder
lieber einige Karten beigefügt werden möchten, auf
denen die lateinischen und modernen Namen sämtlicher
bestehenden und untergegangenen Benediktinerklöster,
womöglich mit den Grenzen der geistlichen und weltlichen
Bezirke, zu denen sie gehörten, eingetragen wären.
Stuttgart. Ed. Lempp.

Fendt, Dr. theol. Leonhard: Luthers Schule der Heiligung.

Leipzig: H. G. Wallmann (1929). (72 S.) 8°. RM 2.80.

Die Schrift vereinigt zwei Aufsätze: Die Heiligung
nach Luther und die Kirche Luthers. Beide verfolgen
den Zweck, im reformatorischen Christentum den neugebahnten
Weg urchristlicher Heiligung aufzuzeigen. Wir
heben zunächst die Hauptgedanken beider Schriften hervor
.

Luther ist Reformator auf dem Gebiet des Glaubens
. Das Thema der Heiligung ist das der Kontinuität
mit dem Katholischen. Luther verläßt nicht die durch
die Jahrhunderte geschaffene Schule der Heiligung,
transponiert aber Wesen und Art ins reformatorisch-reli-
giöse. Der Reformator hat die Heiligung nicht reformiert
, daß sie aus sei, sondern damit sie wirklich christliche
Heiligung sei. Das Entscheidende ist, daß L. den
heiligen Geist unumschränkt in sein Recht einsetzt.
„Nicht der Mensch arbeitet sich heilig, sondern der hlg.
Geist arbeitet den Menschen heilig." Diese Erkenntnis
hat vor der Reformation nicht gefehlt; aber dennoch
ist L.s Auffassung ganz neu, weil die Gnade kein Besitz
, sondern der gnädige Gott selbst der heiligende ist.
Zwei Feinde hat L.s Lehre gefunden; die katholische
Kirche und die Schwärmer. Ihren Vorwürfen gegenüber
gilt, daß L. den Kampf der Heiligung verschärft hat.
Denn auch der an sich selbst Verzweifelnde wird auf die
Kraft des hlg. Geistes verwiesen; das Vermögen zur
Heiligung wird nicht aus den Kräften des Menschen,
sondern des Reiches Gottes geschöpft; nicht Ratschläge
werden erteilt, sondern Gehör des Wortes Gottes gefordert
. F. kommt dann auf die Praxis und zeigt, daß
L. seine Sätze nicht preisgab, sondern festhielt, aber
gegen die Zuchtlosigkeit der Massen, die Pädagogik d. h.
die Obrigkeit zu Hilfe rief. Ein kurzer Abschnitt ist der
späteren' Würdigung der Heiligung in der Orthodoxie
etc. gewidmet. Als einen besonders glücklichen Griff
sehe ich es an, daß F. an dem Gegensatz der Stufen-
Ethik Culmanns dies Wesen der ref. Heiligung noch
einmal scharf herausholt. Schließlich werden die verschiedenen
Mittel der Heiligung (Flucht vor dem Bösen
, Flucht vor dem bösen Werk, Askese, Stärkung
der Demut, Mehrung und Stärkung des Glaubens) in
besonnenen Ausführungen aufgewiesen.

In dem 2. Aufsatz über die Kirche stellt F. die
Frage nicht so: was ist die Kirche, sondern: was leistet
die Kirche um an ihren Leistungen die Antwort auf ihr
Wesen zu geben. Dabei kommt es ihm auf die Dynamik
, nicht die Statik (Institution) an. Die Frage ist
ihm darum gleichbedeutend mit der Frage nach dem
hlg. Geist. Hlg. Geist ist Gegenwärtigsetzung der göttlichen
Heilstaten. Effektiv wird die Wirksamkeit des
hlg. Geistes in der Versammlung der Gläubigen. Die
Zugehörigkeit zur Kirche kommt vom Zuhören' An den

Hörern der Predigt vollzieht sich das Werden der Heiligung
. Auf die aktuelle Versammlung, in der die nt. Botschaft
verkündigt wird, zielt darum die ref. Auffassung
hin. Auch die Ethik, die Pädagogik, alle haben ihre
Rechtfertigung nur dort, wo der Wirksamkeit des hlg.
Geistes Recht gegeben wird.

An zwei Punkten könnte ich mit dem gelehrten
und selbständigen Autor nicht ganz einig gehen.
Der eine betrifft sozusagen die Kategorientafel, die er
auf die Kirchengeschichte anwendet: Kontinuität und
Bruch, Dynamik und Statik, Christusimpuls. Es will mir
scheinen, als ob durch diese Begriffe die von dem Verfasser
geübte Dialektik sehr erschwert würde und in der
berechtigten Abwehr gegen die Mißdeutung der Reformation
als Revolution wenigstens in den geschichtlichen
Denkformen die Würdigung der „Epoche" in ihrer unbegreiflichen
Art nicht voll zur Geltung kommt. Wenn
ich auch den Widerspruch des Verf.s schon vernehme,
daß ich mich damit in geschichtsphilosophische Relativitäten
verlöre, so will ich doch einmal ungelehrig die
damit zusammenhängende Frage aufwerfen: warum soll
L.s Heiligungsschule nicht verglichen werden mit der

' katholischen? Deswegen, weil L„ der katholische, gleichsam
mit sich selbst verglichen würde, da er in Kontinuität
mit dem „katholischen" steht? Widerspricht
dem aber nicht, daß der Verf. selbst sagt, wie in der
Heiligungsarbeit und den Heiligungsmitteln durch die
völlig andere Auffassung der Gnade bei Luther alles
umgekehrt wird? So trefflich der Vergleich mit der
Culmann'schen Ethik ist, so möchte ich doch das methodische
Prinzip der Geschichtsdeutung nicht als völlig in
sich ausgeglichen ansehen. Ein zweiter Punkt berührt

, die Frage: Rechtfertigung und Heiligung. Ich hätte
über das gegenseitige Verhältnis gerne ein ausführlicheres
Wort gehört. Es ist mir aus den Predigten des
Verf.s bekannt und aus der Literaturangabe ersichtlich,
daß er sich mit der seit Holl, Hirsch, Barth und Go-
garten darüber geführten Diskussion tief eingelassen

' hat; wenn er trotzdem von einer Disputation hierüber

! absieht, so erkläre ich es mir daraus, daß es ihm zuerst
und jenseits dieser theologischen Auseinandersetzung auf
eines ankommt: Zeugnis von der Wirklichkeit und Wirk-

j samkeit des heiligen Geistes abzulegen.

Damit habe ich schon die Hauptsache erreicht. Ich
weiß, daß der Verf. es mir theologisch übel nehmen
würde, wenn ich die Originalität seiner Gedankenarbeit
und die affektvolle Ursprünglichkeit seiner Rede lobte.
Denn Gottes Lob auszurichten, ist das Anliegen dieses
machtvollen Predigers. Prediger aber ist er in dem ganzen
Buch — trotz und mit dem Forscher, der unermüdlich
über den Grundlagen seiner Theologie wacht, damit
die Predigt nichts anderes werde als ein Heroldsruf
für Jesus Christus.
Berlin-Friedenau. Th. Hecket.

Jelke, Prof. D. Dr. Robert: Das Erbe Martin Luthers und die
gegenwärtige theologische Forschung. Theolog. Abheilen..
D. Ludwig Ihmels zum 70. Geburtstage 29. 6. 1928 dargebr. v.
Freunden u. Schülern. Leipzig: Dörffling & Franke 1928. (VIII,
463 S.) gr. 8". RM 18- ; geb. 20—.

25 Freunde und Schüler haben zu dieser Festschrift
beigesteuert. In der Zusammensetzung der Mitarbeiter
. kommt die Ökumenizität des Luthertums zum Ausdruck;
aus Amerika stammen 4 Beiträge (von H. Offermann.
M. Reu, A. R. Wentz, C. Schneider), aus Norwegen 2
(von O. Hallesby und O. Moe), aus Dänemark 1 (von
A. Th. Jörgensen). Die übrigen 18 Stücke kamen fast
alle aus den deutschen lutherischen Landeskirchen
(Sachsen: Leipoldt, Oepke, Leube, A. Jeremias, Som-
meilath, Hilbert, Laible, Oeschey, Johannes Jhmels;
Bayern: Procksch, Eiert, Lauerer, Bachmann, Althaus;
Hannover: Marahrens: Lübeck: Strasser). Nur 2 Beiträge
(Jelke und R. Seeberg) haben Verfasser aus
unierten Kirchen. Alle Gebiete der Theologie sind vertreten
. Freilich hat der einzige Alttestamentier