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Ausgabe:

1929 Nr. 18

Spalte:

417

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eisentraut, Engelhard

Titel/Untertitel:

Des hl. Apostels Paulus Brief an Philemon 1929

Rezensent:

Lohmeyer, Ernst

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417

Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 18.

418

treffende aufgeht. Die Liebe Gottes in Christus erscheint
uns an der im Kerygma bezeugten Geschichte,
zu der auch die Geschichten von Jesus wesentlich hinzugehören
. Und die Liebe Christi offenbart sich nicht
erst und nicht allein in unserem neuen Selbstverständnis,
sondern sie offenbart sich darin, daß sie, in der Verkündigung
bezeugt, da ist. Die Erkenntnis der Liebe Christi
geht dem neuen Selbstverständnis vorauf, indem sie es
begründet. Die Liebe Christi wird nicht an dem neuen
Selbstverständnis, sondern an sich selbst erkannt.
Erlangen. P. Alt haus.

Eisentraut, Priv.-Doz. Dr. Engelhard: Des hl. Apostels Paulus
Brief an Philemon. Eingehender Kommentar u. zugleich
Einführg. in die Paulusbriefe. Würzburg: C. J. Becker 1928. (XXXVI,
139 S.) gr. 8°. RM 4.20.

Bei diesem Kommentar ist der Nachdruck auf den Untertitel zu
legen: Einführung in die Paulusbriefe. An der Hand des kleinen und
verhältnismäliig leicht verständlichen Briefes soll der Studierende in die
Probleme des paulinischen Denkens eingeführt werden. .Mit grolier
Sorgfalt sind deshalb hier die Stimmen alter und neuer, unter diesen
besonders katholischer Kommentatoren gesammelt, sind die textkritischen
und philologisch-historischen Fragen erörtert, und in alledem bei dem
Leser die denkbar geringsten Voraussetzungen des Verständnisses angenommen
. So erklärt sich die bisweilen sehr zur Breite neigende Darstellung
, die auch bei rein grammatischen Fragen „eine ganze
Masse von Schwierigkeiten sich türmen" sieht, und die Ausführlichkeit
bei manchen „Einleitungsfragen", die doch auf Grund des Philemon-
briefes allein nicht zu lösen sind. Aber überall ist die Erklärung von
pädagogischein Geschick und nur bisweilen von schulmeisterlicher Ernsthaftigkeit
getragen. Sachlich führt sie nicht weit über das sonst aus
Kommentaren Bekannte hinaus; der Brief ist aus einer römischen Gefangenschaft
geschrieben — hier sind die Ausführungen über die Lage
des paulinischen Gefängnisses in Rom von Wert —, seine Bedeutung
beruht darin, „dal! er uns zeigt, wie ein von den stärksten religiösen
Impulsen getriebener und von den reinsten Anschauungen erfüllter
Genius einem sittlich und gesellschaftlich gedrückten Menschen zu Hilfe
eilt und auch ihm das Christentum zum .Evangelium' macht".

Breslau. Ernst Lohmeyer.

Benediktinisches Klosterleben in Deutschland. Geschichte u.
Gegenwart. Mit I Bildn. u. 700 Bildern. Hrsg. v. d. Abtei Maria
Laach. Berlin: St. Augustinus-Verl. 1929. (VIII S. u. 640 Sp.) 4°.

Lwd. RM 30—.

Eine Jubiläumsfesfschriff von der Abtei Maria
Laach dem Abt von Monte Cassino gewidmet, prachtvoll
ausgestattet, als Ruhmesdenkmal und wohl auch
als Werbeschrift für den Benediktinerorden gedacht, von
den Benediktinern Hilpisch und Wintersig ausgearbeitet.
Die 700 Bilder, photographische Aufnahmen, gehen einen
deutlichen Einblick in die Benediktiner Mönchs- und
Nonnenklöster, ihre von größtem Reichtum zeugende
Ausstattung, ihre Arbeit, ihre hervorragenden Männer.
Der Text gibt zunächst einen Auszug aus Hil-
pischs Geschichte des Benediktinischen Mönchtums,
wobei dem Charakter einer Festschrift entsprechend in
der Geschichte der Benediktiner die Schatten fast ganz
weggelassen und die Verdienste in oft weitgehender
Weise hervorgehoben werden (z. B. Sp. 75: „Deutschland
wurde christlich durch das Gebet und die stille
Arbeit der Benediktinermönche"). Eine sehr wertvolle
und erwünschte Ergänzung von Hilpisch's Geschichte
bieten die Abschnitte über das Wesen des Benediktinischen
Mönchtums, über die Aufnahme in eine Benediktinerabtei
und über das Leben in einer Benediktinerabtei.
Als beherrschender Mittelpunkt des benediktinischen
Klosterlebens wird der täglich mindestens 4 Stunden
in Anspruch nehmende Gottesdienst in der Kirche angegeben
. Und das ist eine sehr gemäßigte Ordnung, da
z. B. unter den Cluniacensern kaum eine halbe Stunde
im Tag vom Chordienst frei war, in der sich die Brüder
im Kloster ergehen konnten (Hilpisch, Gesch. des Ben.
Möncht. S. 187). Daneben haben die Chormönche zirka
7 Stunden Zeit zur Arbeit und l'/2 Stunden Rekreation
(Sp. 444 f.). Uns Außenstehenden will es vorkommen,
als ob bei dieser das ganze Leben umspannenden, bis
ins Kleinste gehenden Ordnung, wobei der Freiheit fast
kein Augenblick gegönnt ist, die Gefahr des Überdrusses
, der in mittelalterlichen Novizenschriften öfters
beklagten „accidia", nicht leicht zu bannen wäre.

Besonders wertvoll ist am Schluß das alphabetische
Verzeichnis aller untergegangenen und noch bestehenden
deutschen Benediktiner Mönchs- und Nonnenabteien
, wobei die heutige politische Zugehörigkeit, das
Jahr der Gründung und der Aufhebung beigefügt ist.
Zu wünschen wäre, daß auch die lateinischen Namen
noch beigegeben wären.
Stuttgart. Ed. Lempp.

Molitor, Abt Raphael, O.S.B.: Aus der Rechtsgeschichte
benediktinischer Verbände. Untersuchungen u. Skizzen. Bd. 1:
Verbände von Kloster zu Kloster. Münster i. W.: Aschendorff 1928.
(XL, 384 S.) gr. 8°. RM 17.25.

Im Jahr 1893 hat Leo XIII. eine Konföderation
sämtlicher Benediktinerkongregationen bewirkt und damit
die lange Reihe von Versuchen in dieser Richtung,
die im benediktinischen Mönchtum durch Jahrhunderte
hindurch gemacht worden waren, zu einem gewissen
Abschluß gebracht. Der vorliegende erste Band des auf
umfassenden Quellenstudien beruhenden Werkes bringt
die Geschichte dieser Versuche in gründlichen Untersuchungen
und anschaulichen Skizzen zur Darstellung.
Zunächst wird das Wesen des benediktinischen Klosters

; geschildert, das nach der Regel des Stifters selbständig
ist und von einem Verband mit andern Klöstern nichts
weiß, dann werden die verschiedenen Verbindungen unter
den Klöstern beschrieben, die als Vorläufer eines Kongregationsverbands
gelten können. Ihren Höhe- und
Mittelpunkt findet die Darstellung in der Schilderung

i der großen Verbände von Cluny und Citeaux; die im
Feudalismus begründete Verfassung Clunys sucht die
von ihm gegründeten oder reformierten Klöster zu
Eigenklöstern, cellae, zu machen, wenn es auch Obödi-
enzklöster daneben duldete, es strebt darnach im Bereich
seines Einflusses nicht bloß die führende, sondern überhaupt
die einzige Abtei zu sein. S. 154, Citeaux macht

j seine Töchter selbständig und verband sie nur durch die
carta caritatis und die Generalkapitel; Cluny war bewußt
monarchisch, Citeaux im Einzelkloster monarchisch, in den
Funktionen seines Generalkapitels demokratisch S. 284,
Citeaux hat keine neue Idee, wohl aber neues Leben
gebracht S. 200. Vgl. die Zusammenstellung der charakteristischen
Eigentümlichkeiten der Verfassung beider
Verbände S. 197ff. Ihre Blüte verdanken Cluny und
Citeaux den hervorragenden Männern, von denen sie gegründet
und geleitet wurden, und der Verbindung mit
dem Papsttum, in dessen Kämpfe sie als erprobte
Kampftruppen entscheidend eingriffen S. 159. Im Lauf
der Zeit gelangt Cluny über Generalkapitel und Defini-
torium zu einer konstitutionell gemäßigten Monarchie,
Citeaux von seinem kollegial gebildeten Generalkapitei
zum General, beide fallen dem Reichtum, der Sattheit,
der Kommende und damit dem Verfall anheim und spalten
sich in mehrere Kongregationen S. 205.

Ausführlich werden sodann die minder bedeutenden
Verbände von Camaldoli, Fönte Avellana und Vallum-
brosa, dann die Vorläufer der modernen benediktinischen
Kongregationen, die der Schottenklöster, Cölestiner,
Olivetaner, Valladolid, S. Justina, Bursfeld beschrieben,
wobei immer mehr die Korporation als solche als beherrschend
in den Vordergrund tritt. Endlich werden
noch die nachtridentinischen Kongregationen geschildert,
territorial oder national begrenzte Sammelverbände,
Rechtspersonen, die neben und über den Einzelklöstern
bestehen S. 324 f., in teils föderalistischer (spanische,
schweizerische, schwäbische, bayrische, östreichische'
Kongregation) teils in zentralistischer Weise (die Kongregation
von Cassino, S. Vanne, S. Maur u. a.) zusammengefaßt
, wobei die Zerplitterung nach Abhilfe
schreit und der kommenden Säkularisation vorarbeitet.

Wenn wir die lange Reihe der Bemühungen um
Zusammenschluß benediktinischer Klöster und das hier
geschilderte oft peinliche, manchmal bittere Ringen um