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Ausgabe:

1929 Nr. 14

Spalte:

323-324

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Oman, John

Titel/Untertitel:

The Text of Revelation. A revised theory 1929

Rezensent:

Lohmeyer, Ernst

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Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 14.

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weils vorhergehenden Gestalt überraschende formelle
Momente verlangen, um mich zu überzeugen. Die
kann W. aber nicht beibringen. Wenn z. B. daran, daß die
intellektuelle Anschauung in der W. L. 1797 der Ausgangspunkt
ist, die Beziehung auf Goethe geknüpft
wird und mir gar zugemutet wird, u. a. darum in der
W. L. 1797 einen bewußten Versuch Füchtes, sich Goethe
und Schiller verständlich zu machen, zu erblicken, so
stolpere ich einfach über die Tatsache, daß die intellektuelle
Anschauung schon in dem allerersten Versuch, die
neue Konzeption anzudeuten, schon in der Rezension des
Aenesidemus, den Grundpunkt darstellt. Ich kann überhaupt
die W. L. 1797 nur so kennzeichnen, daß sie eine
viel freiere und kühnere Durchführung des Fichte bei
seiner ursprünglichen Konzeption Vorschwebenden ist als
dieW. L. 1794, und glaube, mich in diesem Urteil z.B.
mit H e i m s o e t h zu treffen. Fichte bricht hier mit der
philosophischen Konvention in einem Maße, das er sich
1794 noch nicht getraut hat. Natürlich schließt das nicht
aus, daß er innerlich gegenüber 1794 auch Fortschritte
gemacht hat. Eben dieser Mut zum Eignen ist selber
schon ein Fortschritt, ist selber schon größere Klarheit.
Nur in der Fassung von 1797 konnte die dialektische
Verknotung klar sich schürzen, die ihn dann in die
Krisis um die Jahrhundertwende hineingezwungen hat.
Auf die Deutung der W. L. 1801 als der der Romantik am
nächsten stehenden aber kann ich mich schon darum nicht
einlassen, weil ich nachgewiesen zu haben glaube, daß der
Bruch mit dem für die Frühromantik charakteristischen
Ineinanderschwimmen von Diesseits und Jenseits eine der
Voraussetzungen für die neue Fassung der W. L. geworden
ist. Aber auch davon abgesehen, eine W. L., welche das
Wissen (Ich) den Grundpunkt haben läßt im Gefühl
der Abhängigkeit von Gott und diese das Wissen (Ich)
erst wirklich machende Bindung im Ruf zur Pflicht
konkret sein läßt, die kann nicht romantisch genannt
werden, wenigstens nicht, wenn man bei dem bleibt,
was um die Jahrhundertwende romantisch war. Man
vergleiche es doch mit der wirklich romantischen Interpretation
der Religion, mit dem Sinn und Geschmack für
das Unendliche beim jungen Schleiermacher, um den
Unterschied zu sehen. Dazu kommt noch die durchgereifte
vollendete Form dieses Werks, das so ganz, geschlossen
in sich ruht: alles krystailklarer Gedanke,
alles ganz eigen. Ich halte auch gerade an der W. L.
1801 garnichts mehr zu erklären für nötig aus fremdartigen
Ab- und Rücksichten Fichte's, wenn man sich
den dialektischen Werdegang mit seiner ganzen äußern
und inneren Dramatik vergegenwärtigt.

Ich breche damit das Gespräch mit W. über seine
großangelegten Deutungen der verschiedenen W. L. ab,
so viel ich auch noch auf dem Herzen habe und so gewinnreich
mir auch eine Auseinandersetzung mit seinen
stets überlegten und reizvollen Thesen erscheint. Ich
muß meine schon allzulang gewordene Besprechung nun
wohl enden lassen. Nur das sei gesagt, daß die konkreten
Analysen der einzelnen W. L. auch abgesehen
von der zeitgeschichtlichen Interpretation W.'s ihren Wert
haben. Der Mut, die W. L. Fichtes in ihren verschiedenen
Gestalten zu zergliedern, ist bekanntlich auch
bei den Fachphilosophen sonst nicht allzu groß. W. hat
hier einen bedeutenden Schritt hinaus getan über die
Behandlung, die Fichte durchschnittlich zuteil wird.

Der Theolog erwartet zum Schluß vielleicht noch
eins: ein Urteil über W.s Darstellung der Religionslehre.
Sowohl was W. in der Darstellung wie das was er in
den Forschungen (in der Vorbereitung auf die W. L.
1810) darüber sagt, ist eine klare Darstellung des
Wesentlichen, die die entscheidenden Momente und die
entstehenden Fragen und Aufgaben durchsichtig zur
Geltung bringt.

Oöttingen._E. Hirsch.

Oman, Principal John: The Text of Revelation. A revised
theory. Cambridge: University Press 1928. (VII, 108 S.) 8°. geb. 5sh.

Ein origineller Einfall führt den Verf. auf das Problem
der literarischen Edition der Offenbarung Johannis
. Er glaubt beweisen zu können, daß die einzelnen
Sinnabschnitte der Apk. genau eine oder mehrere Blattseiten
füllen, von denen jede etwa 33 Zeilen besitzt,
nach der v. Gebhardtschen Ausgabe des N. T.s berechnet.
Der Seher Johannes hat ein Bündel solcher Blätter hinterlassen
, das wohl in sich geordnet, aber sozusagen noch
nicht völlig editionsfertig war. Darum hat nach seinem
Tode ein Herausgeber, unter schonender Bewahrung des
Überkommenen, die losen Seiten neu geordnet, mit Einleitung
und Schluß versehen und als Buch herausgegeben
. Aus dieser vermuteten Vorgeschichte erwächst
die Aufgabe, die ursprüngliche Folge der Blätter wiederherzustellen
; zu ihrer Lösung dient außer der vorausgesetzten
technischen Beschaffenheit des Manuskriptes
eine Reihe von alten und neuen Beobachtungen über
Unstimmigkeiten in der Apk. Die so erschlossene Ordnung
ist durch eine große Umstellung bedingt, aus der
kleinere Textversetzungen sich „unvermeidlich" ergeben:
Die Apk. begann mit der Eingangsvision vom Men-
schensohn und den Sendschreiben (1,9—3,21). Ihnen
folgten zwei große Abschnitte, zunächst c. 10,1—19,21,
danach c. 4, 1—9, 21 ; den Schluß bildete eine Schilderung
des „heiligen Jerusalem" (c. 21,9—22,20) und
der ewigen Vollendung (20,11—21,0). Im einzelnen
werden noch manche kürzeren Abschnitte umgestellt
, es müssen auch ganze Sätze, Verse oder auch nur
einzelne Worte als spätere Überarbeitung des Herausgebers
gestrichen werden, damit die hypothetische Folioseite
des Manuskriptes genau ausgefüllt werde. Diese
mannigfachen Möglichkeiten werden in einem kritischen
Teil gründlich erörtert, dem der Abdruck des Textes
(mit Übersetzung) in seiner ursprünglichen Ordnung
und die Angabe der vom Herausgeber eingefügten Zusätze
folgt.

Die Arbeit stellt die Revision einer im Jahre 1923
veröffentlichten, auf dem gleichen Grundgedanken ruhenden
Untersuchung dar; die neue Ausgabe unterscheidet
sich von der ersten vor allem dadurch, daß sie
dem Herausgeber weniger Willkürlichkeit zumutet und
in seinen Einfügungen fast nur Dubletten des ursprünglichen
Textes erkennt. Beide aber stehen und fallen
mit der einen nicht weiter untersuchten Voraussetzung,
daß die Apk. jetzt „eine roh zusammengestellte Sammlung
von Exzerpten aus verschiedenen Quellen" sei.

, Ist es möglich, gerade in der gegenwärtigen Ordnung
einen strengen, formal und sachlich bedingten Aufbau
nach einheitlichem Plane wahrzunehmen, so wird man

1 die radikalen Umstürzungen dieser Arbeit wenig wahrscheinlich
finden. Und nähme man selbst die Voraussetzung
des Verf.s an, so bedeutet doch diese Lösung,

i so geistreich und konsequent ihre Schlüsse auch sind,
nicht mehr als ein phantasievolles Schweifen in Möglichkeiten
, das methodisch auch dann nicht zu sichern ist,
wenn es sich strenger Methodik zu befleißigen scheint.
Breslau._Ernst Lohmeyer.

Ehrenberg, Victor: Karthago. Ein Versuch weltgeschiehtl. Einordnung
. Mit 5 Tat. Leipzig: J. C. Hinrichs 1927. (48 S.) gr. 8*.
= Morgenland, H. 14. RM 2.50.

Diesen hier stark erweiterten in der Frankfurter
Ortsgruppe der Deutschen Orient-Gesellschaft im Febr.
1927 gehaltenen Vortrag wird man gern lesen, weil er
sehr inhaltreich und wie alle derartigen „weltgeschicht-
1 liehen" Vorträge sehr aktuell ist, trotzdem er scheinbar
: von einer recht weit zurückliegenden Vergangenheit han-
; delt. Von begründenden Anmerkungen hat der Verf. abgesehen
; sehr wichtige Literatur wird im Vorwort genannt
; auf 5 Tafeln sind sehr instruktive Abbildungen
; beigegeben.

In der anderthalb Jahrtausende umfassenden Geschichte
, die der Verf. überblickt, leuchten 3 Phänomene
! hervor: phönikischer Handelsgeist, punischer Glaubensfanatismus
, hellenistische Politik und Zivilisation. Man
1 wird stets den Eindruck wirklicher Größe haben. Kar-
I thago hat, obwohl es nicht in der gleichen Weise