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Ausgabe:

1929

Spalte:

302-305

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jannasch, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Geschichte des Lutherischen Gottesdienstes in Lübeck 1929

Rezensent:

Cohrs, Ferdinand

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Theologische Literaturzeitimg 1929 Nr. 13.

302

selbstverständliche Unterstellung Hüter das Königtum — lebendig. I Baumgarten, Paul Maria: Wanderfahrten. Europäische und

Bei Karl dem Qroßen tritt der germanische Staat völlig in den , American. Erinnerungen. Traunstein: F. Akcr 1928, (XXXI, 284 S.)

Dienst der christlichen Idee. Das Ergebnis: Die höhere Kultur i gr. 8°. KM 6—; Lvrd. 8—.

ist kirchlich, germanisch sind die Grundzüge des Staatskirclicnrcchts, ; Der katholische Theologe und Erforscher mittelalterlicher Kir-

germanisch ist" schließlich die Art, wie sich der Deutsche seinen < chenverwaltung veröffentlicht hier Reiseeindrückc; es handelt sich um

neuen Glauben zurechtlegt, das Verhältnis zwischen Gott und Chri- I eine Fortsetzung der 1927 erschienenen „Römischen und anderen

suis ist dasjenige der Treue zwischen Herr und Vasall. | Erinnerungen". Die Reisen führen den Leser nach England, Spanien

Ernst Walser versucht „Dantes Beatrice" zu deuten. Aus und in die Vereinigten Staaten, und zwar im wesentlichen in den

dem herkömmlichen Minnehild entwickelt sich ein Idealbild, ein Jahren um 1890. Wertvolles erfahren wir aus den Archiven und über

Engel. Die Sehnsucht nach ihm bedeutet Streben nach dem Edeln. ] archivalische Studien in den verschiedensten Ländern, besonders über

In der Komödie wird sie als bewußte Schöpfung der eigenen Seele j päpstliche Urkundeniehrc und alte Bibclausgahen. Mitunter sind kir-

Dantes der „Ausdruck all dessen, was des Dichters Herz bewegt: chengeschichtlichc Plaudereien eingefügt, wie z.B. S. 231 ff. Inter-

bald die Wissenschaft, bald die Kirclie und ihr Los, bald die Theo- | essant ist auch der Einblick in die portugiesischen Fälschungen (S.

logie, oder die Liebe Gottes..." Weg zur eigenen Erlösung

Johannes Ficker veröffentlicht eine Auswahl aus einem
Katalog enthaltend „Handschriftliches der alten Straßburger Universitätsbibliothek
" von Andreas Jung, überschrieben: „Manuscrits de

226ff.), in katholische Intrigenwirtschaft in Rom. Am meisten Beachtung
verdient der Abschnitt über Amerika (S. 71 ff.). 1891 besuchte
Baumgarten die deutschen Katholiken in den Vereinigten
Staaten. Der deutsch sprechende Klerus hatte dort einen schweren

den Händen von englischen katholischen Führern waren. Der Verfasser
macht hier wie später ans seiner gui deutschen Gesinnun" keinen
Hehl.

Eine Schranke des Buches ist der einseitig betonte katholische

la Bibliotheque du Seminaire Protestant 1846." Der gewissenhafte I Stand, gerade auch innerhalb der katholischen Erzbistümer, die in
Bibliothekar gab reiche Mitteilungen über die Handschriften, z. B.
einem Matriculum Ordinandorum in Ecclesia Argentincnsi de annis

1300—1517 ist beigefügt u.a____ Theologi reformationi postea addicti

Argentinensis ecclesiae inveniuntur fere omnes: E. gratia Martinus

Bucerus, ord. Praed.. acolitandus 1501, Diaconus 1510;... Daten ■ Standpunkt, der nicht nur durchgängig überall von den anderen christ-
aus Bucers Leben, die nur an dieser Stelle überliefert sind. liehen Kirchen nur als von „Akatholiken" spricht; sondern der auch
T. Seh ICSI gibt eine Antwort auf die Frage „Hat Vadian in Amerika die überragende Bedeutung der protestantischen Frei-
deutsche Flugschriften verfaßt" ? Es wurden ihm vor allem zuge- kirchen mit keinem Wort erwähnt und damit ein ganz schiefes Gesprochen
: „Das Wolflgesang", „Karsthans", „Vom alten und neuen [ samtbild zeichnet. Mit Vorliebe werden Konversionen erzählt, und in
Gott, Glauben und Lehre" und auch andere. Schiess erörtert zuerst, : dem Abschnitt über Ferrer und die Freimaurer (S. 252ff.), der
daß die Sprache nicht zur Verfasserschaft Vadians zwingt. Die Flug- j gar nicht in den Zusammenhang und die Zeit hineingehört, den Leser
schritten wurden nicht mit den deutschen historischen Schriften ; vielmehr plötzlich ins Jahr 1909 versetzt, verläßt den Verfasser völlig
Vadians nur mit dem „l>estbüchlein" verglichen, dieses ist aber die die wissenschaftliche und persönliche Ruhe! Eigenartig berührt an
Übersetzung eines Andern von der lateinischen Schrift Vadians. Ferner | vielen Stellen (in der Vorrede, S. 37, S. 132, 134, S. 201, 241 u. ö.)
fehlt auch jedes zeitgenössische Zeugnis. Schließlich sprechen innere | eine sonderbar überhöhte Einschätzung der eigenen Person. Das Buch

Gründe gegen die Verfasserschaft. Schiess untersucht an Hand des
Briefwechsels sehr sorgfältig die Gesinnung Vadians in den Jahren
von 1518 an. Vadian hieß eine Reform gut, las Lutherschriften, brach
aber zunächst nicht mit der Kirche. Die Entscheidung trat erst in
den ersten Monaten des Jahres 1522 ein. So dürfen diese Flug

ist ganz unterhaltsam, bietet au vereinzelten Stellen auch geschichtlich
und kulturgeschichtlich Interessantes. Mehr kann man aber, aufs
Ganze gesehen, von dem vorliegenden Buch nicht sagen.

Hannover. H. Werdermann.

den ersten monaxen ues laiue- uzz cm. oi uuum uitsv i iwg- . . „,

schritten Vadian nicht zugeschrieben werden. Jan nasch, VVilhelm: Geschichte des Lutherischen Gottes-

Drei biographische Studien zeigen, wie nahe man an Hand | 2 h ,S S LubecK- Vn" dc" Anfängen d. Reformation bis zum
der Quellen in der Reformationszeit in Zürich an eine Persönlich- ~j~f, Niederslchsischen als gottesdienstlicher Sprache (1522—

keit herankommt. Die Ergebnisse sind verschieden: Der Referent j 1633)- 0o,lla: L- Klo,/ ,0'28; (XV- 194 S-) 8». RM 8-.

hat in „Jörg Berger", Landvogt von Grüningen z.Z. der Bauern- | Als vor 35 Jahren die preußische (ieneralsvilode

und Täuferunruhen, dann Seckelmeister und Hauptmann des Banners j mit großer Einmütigkeit den Entwurf der revidierten
im ersten Kappelcrkricg. einen treuen Staatsdiener vor sich, der der
Regierung gute Ratschläge in der Behandlung der Bauern und Täufer
gibt, die befolgt werden, der auch — nur indirekt zu schließen —
der Reformation zustimmte, im Lager von Kappel d ich dem Willen
Berns nachgab und auf den Krieg verzichtete. Persönliches isi kaum
zu fassen. Mehr Erfolg hat Diethein Fretz mit „Johanna
Klarer, genannt Schnegg, der letzte Gastgeber Huttens". Mit außerordentlichem
Geschick versteht es Fretz, aus den entlegensten Quellen
des Staatsarchivs Notizen über das persönliche Leben Klarcrs zu finden
und durch scharfsinnige Schlüsse zu ergänzen. Wir bekommen
ein Sittenbild, ein Leben eines Geistlichen vor und während der
Reformation, der allerdings kaum durch einen schweren iniiem
Kampf zum neuen Glauben durchdrang, sondern schließlich die
Freiheit, die die Reformation hot, gerne ergriff und gegen den Willen
der konservativen Meilencr üemeindegenossen heiratete, sich dann aber

Agende annahm, hatte man den Eindruck, daß nun,
nachdem die größeste et angelische Landeskirche sich in
liturgischen Etagen geeinigt hatte, an ernstliche Änderungen
auf agendarischem üebiet zunächst nicht wieder
ZU denken wäre. Aber namentlich seit Beendigung der
Kriegszeit mehren sich die Stimmen, die auf eine starke
Revision der gottesdienstlichen Ordnungen dringen. Daß
auch Januasch's Buch dieser Bewegung angehört, darüber
läßt es nicht im unklaren (s. bes. S. XII, 130, 178). Ist
es aber schon wertvoll, wenn (iegenwartsarbeit aus der
Vergangenheit lernen will, so muß auch voll anerkannt
Vierden, daß unser Buch in keiner Weise die Geschichte
tendenziös behandelt, daß es vielmehr als geschichtliche

„ M..„»n nie , nur kurze waren, erfahren wir nicht viel. Wur- « ,,- . ,. .1 luucciv vjevvesenen aen

di'«r ist da wm A. co rrod i -Su l ze r „Neues aus dem Leben I Veröffentlichungen, die für andere Gegenden Ahnliches
def Bürgermeisters Jörg Müller" mitteilen kann. Interessant ist, daß '
dem müden Manne die Demission nicht angenommen wurde, weil
eine solche nach Außen den Eindruck der Uneinigkeit in Rate her-

releistet haben (z. B. Wilh. Diehl, Zur üeschichte des
Gottesdienstes und der gottesdienstlichen Handlungen in
Hessen, Gießen 1899; Friedr. Hubert, Die Straßburger
liturgischen Ordnungen im Zeitalter der Reformation,

vorrufen hatte. an Hand von bitber unbekanntem Mate- (jöttjngen 1900; zahlreiche Artikel in der Monatschrift

rial aus' zVrchlr Staatsarchiv über £wta*li tror Jg**** für Gottesdienst und kirchliche Kunst u. a.). würdig an

Der Reformator tritt als Zeuge auf. Er will nur Rat pflegen, nicht , ^ ^ ^

selbst Jurisdiktion übe... . „„ ,lU,r die KaDD£. Das Buch zerfällt in zwei Teile; der erste behan-

L.Weisz veröffentlicht ^gf^^SäJ^ delt die Grundlegung des lutherischen Gottesdienstes in

lerkriege- aus dem Karismher Arcim. r zahlreiche De- Lübeck, der zweite die Jahrzehnte des Niederganges

vermittler an den Markgrafen von ^aQ^ Nwember 1531. Daß dte £ niedersächsischei. Kl.ltUSSprache; das Jahr 1600 bi-

^ZjLS^Z^ T Reformierten am üubC durch £t zwischen den beiden Teilen fast genau die Scheide,
verrl Ä^JS^dT^ '»ir a,krdinf;s ^ ^ Zeit der «rundlegung mag für zahlreiche andere

aus dem Wortlaut des Berichtes hervorzugehen, wie Weisz in der evangelische Gemeinden typisch genannt Werden. Der

Anmerkung erläutert (Nr. 10 u. Anm. 29). Vielmehr ist deutlich, da Wert unserel- Darstellung liegt darin, daß Wir fast

die Reformierten ihren Zug nicht verborgen halten konnten „Deß Sc|irjtt vor Schritt die Umbildung des mittelalterlichen in

aber der fünff orten voick gewar worden..." m w.cht^eni unkten evangelischen Gottesdienst zu verfolgen vermögen,

wie dem, daß die Zürcher durch die Bauern am See gezw.mgen uei » Predigt im katholischen Gottes-

wurden, e.nen Sonderfrieden abzuschließen, l^ugc- die Berichte Zuerst ^g^gt* tehvM&Ywhcn Kirchenliedes,

^ da^in der schwetzenschen Ltteratur schon Bekt^ , cs JE, _ schon hüh Ertrotzung der