Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1929 Nr. 12

Spalte:

287-288

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Richter, Julius

Titel/Untertitel:

Evangelische Missionskunde. 2 Bde. 2., erw. u. umgearb. Aufl 1929

Rezensent:

Mirbt, Carl

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

287 Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 12. 288

res Nachdenken.
Göttingen.__Car| Mirbt

rieht durch Aufruf der Gewissensinstanz — das ist die der christlichen Missionen gibt. Diese Auffassung wird

Art dieser durchaus christozentrischen, die Heilsbotschaft dadurch nicht widerlegt, daß der Konfessionalismus den

in ihrer ganzen Fülle von der Buße bis zum Schauen der Missionsbetrieb beherrscht d. h. die Missionsunterneh-

Herrlichkeit Gottes und zur eschatologischen Vollendung mutigen der evangelischen und der katholischen Gruppe

umfassenden, aber letztlich immer auf das eine Ziel ge- miteinander in keiner Beziehung stehen und in vielen

richteten Predigten, die Gewissen mit dem Evangelium Fallen die vorhandenen Unterschiede sogar in mehr

so zu erfassen, „daß sich in unseren Herzen die Organe oder weniger scharfen Gegensätzen in die Erscheinung

bilden, mit denen wir vor Gott in der Ewigkeit leben treten. Ich bin aber überzeugt, daß die weltgeschichtlichen

können". Für solche Predigt ist auch der des Evange- Wirkungen des Christentums großenteils auf die Ein-

liums bedürftige Mensch von heute zu haben. flüsse zurückzuführen sind, die von beiden christlichen

Leipzig.__F. Kendtorff. Kirchen ausgehen. Dieses Thema verdient m. E. weite-

Richter, Prof. D. Julius: Evangelische Missionskunde. 2 Bde.
2., erw. u. umgearb. Aufl. Leipzig: A. Deichert 1027. (IV, 294 u.

IV, 237 S.) gr. 8°. = Sammlung theolog. Lehrbücher. Co r d i e r, Leopold : Evangelische Jugendkunde. III. Bd.: Evan-

Bd. I: RM 11.20; geb. 13.50; gelische Jugendwohlfahrt. Ein Quellenbuch. Schwerin - F Bahn 1929

„ II: RM 9.50; geb. 11.50. (576 S.) 8°. KM 20- .

Das im Jahre 1920 erstmalig veröffentlichte Werk Seinen beiden großen Büchern über Jugendkuride

erscheint in dieser 2. Auflage in erweiterter Form (531 fügt C. noch eine Sammlung von Urkunden an, die

S. gegenüber -163 S.) und in anderer Anordnung des mannigfach die in seinem ersten Band dargebotenen
Stoffes; die Missionsgeschichte ist jetzt an die Spitze ge- i ergänzen sollen. Auf sie wie auf die im Quellenbuch

stellt. Die Sachkenntnis des Verfassers ist so bekannt, der Innern Mission von Hennig gesammelten Stücke

daß sie nicht hervorgehoben zu werden braucht. Das wird darum nur verwiesen. Auch ohne diese ergibt sich

Buch erfüllt durchaus die Erwartungen, die an ein eine große Fülle von Dokumenten. Das Ganze stellt

theolog. Lehrbuch gestellt werden. Die Zusammen- eine Ruhmeshalle der evangelischen Jugendfürsorge dar

fassung der Missionsgeschichte und der Evang. Missi- oder einen Siegesgang von der Reformationszeit an bis

onslehre erweist sich als praktisch. Da die Verhältnisse, an die Gegenwart heran. Jeder Zeitabschnitt beginnt mit

unter denen die Mission ihre Tätigkeit ausübt, gerade einer wertvollen Übersicht über treibende Kräfte, die

auf ihren wichtigsten und größten Gebieten, wie etwa die Entwicklung bestimmten, Zeitverhältnisse, Anlässe

China und Indien, sich dauernd verändern, verliert jedes in bestimmten Notlagen und schöpferische Pcrsön-

die gesamte evang. Mission behandelnde Werk aller- lichkeiten. Es ist unglaublich, was C. alles zusammen-

dings sehr rasch an Aktualität, aber doch nur in be- getragen hat. Grundlegende Schriftstücke aus den
stimmten Grenzen. Die großen Probleme bleiben und • großen Anfangszeiten, Satzungen von Waisenhäusern,

werden von R. eindrucksvoll herausgearbeitet. Unter Aufrufe aller Art, Programme, Erinnerungen, Schilde-

diesen Umständen darf davon Abstand genommen wer- rungen wechseln in bunter Fülle. Diese Sammlung

den, auf die Unterschiede zwischen der 1. und der ist gewiß für den Fachmann von unschätzbarem Wert.

2. Aufl. im Einzelnen einzugehen. Aber wäre es nicht empfehlenswert, eine kleinere Aus-

Diese Anerkennung des Werkes schließt natürlich gäbe zu veranstalten, die jene Einleitungen mit den

nicht aus, daß in manchen Punkten anders geurteilt wichtigsten Urkunden vereinigte?

werden kann als es durch den Verf. geschieht. So Matftutg._Friedrich NiebergaU?

schätze ich die Einwirkung des Kolonialwesens auf die : -

Entwicklung der Mission in der Heimat und auf ihre
Arbeit draußen höher ein. In der Behandlung der Wirkungen
des Weltkrieges auf das deutsche Missionswesen
(S. 31. 45) kommt nicht zum Ausdruck, daß das | junktiOflSlOSen HVDOtaXß III der
Vorhalten der Hput«rhen Missionare keinen Anlaß ere- I IJfHUiaAC III UC1

Die Ausdrucksmittel der kon-

Verhalten der deutschen Missionare keinen Anlaß gegeben
hat ihnen so zu begegnen, wie es durch England
geschehen ist. Wer mit der Geschichte der deutschen
Mission, der evang. wie der katholischen, während des
Weltkrieges und in den folgenden Jahren nicht schon
bekannt ist, wird durch Richters Darstellung darüber
nicht unterrichtet, daß diese Jahre die schmerzlichste

ältesten hebräischen Prosa.

Ein Reil rag zur historischen Syntax des Hebräischen.

ort Dr. Ewald Kühr, Halle a. S.

VIII, 78 Seiten. Gr. 11". 1929. Beiträge zur semitischen

Periode der ganzen christlichen Missionsgeschichte Philologie und Linguistik, hrsg. von G. Bergsträfier,

sind. Ich erwähne noch ein Desiderium, das mit München. Heft 7.

dem Weltkrieg in keiner Beziehung steht. Wir haben Woran soll man die Unterordnung eines Satzes er-
Uns daran gewöhnt, daß die Missionsgeschichtschreibllllg kennen, wenn keine Konjunktion vorhanden ist? Geüber
die Entwicklung der evangelischen und der katho- wifi ist für den konjunktionslosen Nebensatz der Ton-
lischen Mission o-esondert berichtet. Dieses Verfahren fall «las entscheidende äußere Merkmal. Aber nur in
hat zweifellos seine relative Berechtigung, nicht nur, seltensten Fällen ynrd 6xeS^r^n»bon »lUin

i r» • i- ul, • _i_„ n'.;.j._ „,-„ md dem I onlal beruhen, rast initiier kommt da-

wenn einzelne Persönlichkeiten einzelne Perioden, ein- noch eine Reihe anderer 5prachKcher

zelne Probleme Gegenstand der Untersuchung sind, Momente wie Satzfügung. Tempus, Modus usw. in

sondern auch, wenn die Skizzierung von Langsentwick- Betracht, die an sieb keim- syntaktischen Punktionen

lungen beabsichtigt ist. Aber daneben besteht die Ge- haben, die aber in Verbindung mit einem rein

fahr, daß das Bild verzeichnet wird, wenn nicht dauernd hypotaktischen Ausdrucksmittel wie der Nebeneatz-

die Tatsache im Auge behalten wird, daß in fast allen meiodie zu syntaktischer Geltung gelangen, Diese

Ländern ein Nebeneinander der evang. und der kath. iusdrucksmittei für ein bestimmtes Teilgebiet der

Mission besteht, das teils hemmend, teils anregend die ; hebräischen Sprache herauszustellen, ist Zweck der

Mission beider Konfessionen beeinflußt. Es ist gewiß _ _ Untersuchung. Preis broschiert RM 9.50

nicht leicht, diesem Nebeneinander dauernd Rechnung
zu tragen, aber es ist anzustreben, weil erst dann die
Hoffnung besteht, die Gesamtlage des Christentums in

einem Missionsgebiet vollständig zu erfassen. Ich habe KJ „ . _ „,.,nmuc.ccUC-

schon vor langen Jahren in meinem Buch „Mission VERLAG DER J. C. HINRICHS öchen

und Kolonialpolitik in den deutschen Schutzgebieten" BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C 1
(1910) darauf hingewiesen, daß es eine Gesamtwirkung ■■■nMHHBHMBHHPHBi

Die nächste Nummer der ThLZ. erscheint am 22. Juni 1929.

Verantwortlich: Prof. D. E. Hirsch in Göttingen, Hainholzweg 62.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraße (frühere Blumengasse) 2. — Druckerei Bauer in Marburg.