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Ausgabe:

1929

Spalte:

245-246

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Canaan, Taufik

Titel/Untertitel:

Mohammedan Saints and Sanctuaries in Palestine 1929

Rezensent:

Dalman, Gustaf

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Seite 1

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'24;, Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 11. 24<1

könnte Ref dem was er s. Zt. über das Buch gesagt dann S. 85—234 die Sitten, welche an sie geknüpft sind,
hat nichts hinzufügen. Es ist in jeder Beziehung, und endlich S. 234—321 die Heiligen selbst nach ihrer
nicht zuletzt in der besonderen Art, wie hier der Gegen- Herkunft und Natur, der ihnen zugemessenen Bedeu-
stand besehen und dargestellt wird, ein Meisterstück. tung und ihrem Verhältnis zu Gott, bezw. zur Volks-
ln den Abschnitten Frühling (S. 281ff.) und ; religion Damit ist gegeben daß die wichtigsten BeSommer
(S 409 ff) wird zunächst das vom Jahres- standteile der im Volke Palastinas lebenden Religion
lauf bestimmte Leben Palästinas beschrieben. Von den hier durch Tatsachen beleuchtet werden, die aus der
durch das Klima und die Landesnatur bedingten Witte- Wirklichkeit geschöpft sind, und der Wert des Buches
runtrsverhältnissen geht die Darstellung über zu den beruht vor allem darauf, daß nicht die Vorstellung eines
wirtschaftlichen Gegebenheiten in ihrer Beziehung zu Fremden vom Denken und Empfinden der Palästiner
Pflanzen und Tierwelt. Aber auch unliebsame Er- dabei mitwirkt und man annehmen darf, daß Motive und
scheinun^en wie Heuschrecken und die reichliche Unge- Formen, auch die Übersetzungen arabischer Ausdrücke
ziefernlage 'finden dabei ihre richtige Stelle — selbst und Lieder, sowie die Wiedergabe ihrer sprachlichen
die vom Vf einmal gezählten 136 Flöhe wirken in Form, im hesten Sinne „echt" sind. Der Gefahr, welcher
lchem Zusammenhang nicht als Kuriosum (S. 397). der stadtische und gebildete Araber leicht unterliegt, in-

Mit den Schilderungen der Feste, die für die Jahres- dem er die Buchsprache und das ihm anerzogene Denken
'zeiten bestimmend sind, werden wir dann tief in Sitte von dem primitiveren Sprechen und Empfinden des
und Religion und die damit verbundene Problematik der Bauern nicht hinreichend unterscheidet, ist der Verfasser,
Geschichte der Feste geführt Als Beispiel dafür ver- so viel ich nach eigenen Studien auf diesem Gebiet sehen
weise ich nur auf den Abschnitt über das Passafest kann, entgangen. Zu bedauern ist, daß nicht durch Ab-
(S 444 ff) Darin werden zwar nur die Elemente der bildungen vieler Realien und Handlungen die Dar-
Festfeier soweit sie im Zusammenhang mit der Jahres- Stellung ergänzt wird. Dann würde man z. B. von den
zeit stehen besprochen, und doch steht schließlich das $. 201 aufgezählten musikalischen Instrumenten die
biblische Passa in seiner*ganzen wechselvollen Ge- J richtige Anschauung bekommen, welche die ungenaue
schichte und seiner Transponierung aus dem Primitiven Übersetzung der arabischen Namen nicht erwecken kann,
ins Geistliche der Erlösungsreligion vor dem Auge Gelegentlich wird auf biblische Parallelen zu den heu-
des Lesers i t'£en Palästinischen Sitten hingewiesen, aber mit Recht

Der Schlußabschnitt „Der Tageslauf" (S. 594 ff.) ! ke,in versuch gemacht, eine allseitige Verbindung zwi-
verbindet d'e astronomischen Vorgänge im Wechsel von ' fle" A'tei;tui» ,nd Gegenwart herzustellen. Da in
Tag ünd Nacht mit lebendiger Schilderung des Lebens , Imeresse der sachlichen Klarheit alle

unter diesen, tief in das Gefühlsleben eingreifenden ! Einzelheiten unter zahlreiche Rubriken gebracht sind
tn^mischen Verhältnissen und dadltrch auseinandergerissen werden, ist der Wunsch

kosmischen Ve. ha tmssen. eriaubt daß einmal der ganze Bereich der religiösen

Von großem Werte sind die beigegebenen 4 Regi- Sit,c dncs bestimmten moslemischen und eines christ-
ster, zu den hebräischen, aramäischen und arabischen |kheB Dorfes dargestellt werde, und zwar mit Anwen-
Wortern und zu den Bibelstellen. Für den Exegeten d der Sprache dieses Dorfes und nicht ohne /ah].
sind die letzteren ein sicherer Wegweiser zum Verstand- reiche Abbildungen. Außerdem wäre erwünscht, daß
ms vieler schwieriger und vielfach mißverstandener j eine entSprechende Arbeit wie die von Canaan von Je-

' rusalem aus für Südpalästina geleistete auch für Mittel-,
Nord- und Ostpalästina unternommen würde. Erst dann
besäßen wir das ganze Material, dessen wir bedürfen,
und die Darstellung von (Tirtiss erhielte ihre definitive
Korrektur.

Orctfawald, G. Dal man.

Lohmeyer, Emst: Kyrios Jesus. Eine Untersuchg. zu Phil. 2,
5—11. Heidelberg: Carl Winter 1928. (89 S.) gr. 8°. = Sitzungsberichte
d. Heidelb. Akad. d. Wissensch., Philos.-histor. Kl. Jahrg
1927/1928, 4. Abhdlg.

Schon in meiner Anzeige von E. Lohmever's Kommentar
zum Philipperbrief (Th. L. Z. 1928, Nr. 22) habe
ich auf diese Akademieabhandlung aufmerksam gemacht
, ihre, in den Kommentar aufgenommenen Hauptgedanken
skizziert und auch schon einige Bedenken
gegen die hier vorgetragene, sehr bedeutsame Konstruk-

Texte.

Daß auch in diesem Teile von D.'s Darstellung das
Auge des Vf.'s liebevoll bei dem scheinbar Kleinsten
und Unbedeutenden weilt — selbst die Farbstoffe für
das Färben der Ostereier in Jerusalem sind nicht vergessen
, S. 437,5 — sei auch hier wieder rühmend hervorgehoben
. Desgleichen die herrliche Bilderbeigabe!

S. 335 und 389 ist versehentlich c'iyooc stehen geblieben
; S. 354 das richtige w/qov.
Jena. W. Staerk.

Canaan, Taufik: Mohammedan Saints and Sanctuaries in
Palestine. London: Luzac & Co. 1927. (VIII, 331 S.) gr. 8°.=
Luzac's Oriental Religions Series, Vol. V. 15 sh.

Eine Reihe von Aufsätzen im Journal of the Palestine
Oriental Society Jahrg. IV—VII wird hier in

Buchform dargeboten ^d««* eine eingehende In- ^nnun kS^SFSSSnSL 3 Die machtr^

haltsangabe und ein Verzeichnis der erwähnten Orts- , ergangene Bitte der Redaktion, auch diese Abhandlun"

und He.ligennamen ergänzt. Nach dem auf ungenugen- , ^I&gtn, gibt mir willkommene Gelegenheit noch

der schematisier Erfragung durch Dolmetscher be- | etwas näher auf ihren Inhalt einzugehen,

ruhenden Buche von Curtiss, »UnwutaKteGJelypoii «i ; ,n tief eindringender Stil- undI Sachanalvse und in

Volksleben des heutigen Orients (1903) das in vieler ; sehr gewählter Sprache versucht L. hier den Nachweis

S»*W 'rreführt, hatte Kahle im Palast.najahrb.ich ; daß £r berühmte Christustext Phil. 2,5-11 ein vor!

1910-19 2 auf besseren Grundlagen unsere Kenntnis pauiinisches C h r i s tu s 1 i e d , einen alten juden-

des palästinischen Volksglaubens der sich.bei Christen christlichen Psalm darstellt, den Paulus hier h, seine

und Moslems wenig unterscheidet erweitert Aber nur , Pai,inese einwebt. (Eine Analogie wäre u. a. der Hyn>

ein geborener Pa ästiner wie der Arzt Dr. Canaan, der . ... V. „ ? . . , . , "ä"1

als Sohn eines arabischen Pastors auf dem Lande aüfge- nu* sf ri ^"V' +C°-, ' fk! ^ h°« Vld dfUt"

wachsen ist und als Verfasser von „Aberglaube und 1'che/•'?daß fe!' Tex, n!cht ad +.hoc geschaffen, sondern

Volksmedizin im Lande aer Bibel" sich schon als sorg- Ä^vi; ,at auch d,„ Ä™18«"* Gliederung er-

samer Sammler auf dem Gebiet des palästinischen kannt: 6 StroPhen von 3e 3 Zeilen-

Volksglaubens bekannt gemacht hat, konnte in der i Wie schon a. a. O. gesagt, folgert L. aus dieser Gliederung, daß die

Weise, wie es hier geschieht auf Grund eigenen Be- | ^orte !'"'"'T0Vl die g",Trte rrf'i*; darste»^. paulinische

, '__„q- Ii ...Sf *-"lc"1' aul „ . _l Gosse seien. Ich halte diesen Schluß nicht für b ndend di 1 V<s 8

r Hed»eTtumern und der Erkundigung über ; auch drcis;,icdrikr Kefalit werdcn kann, und 2. in ei^Ziken o^M

348 Heiligtümer SO Zuverlässiges mitteilen Wie es , dcssen Maß i. a. die Dreizahl ist, auch einmal ein vierzeili^VaTTOr-

dieses Buch bietet. Es werdeil zuerst S. 1—85 die Hei- kommen kann: Beweis das von L. (S. 64) angeführte Christuslied des

ligtümer nach ihrer Lage und Einrichtung beschrieben, Ignatius, ad Eph. 19).