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Ausgabe:

1928

Spalte:

148-149

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Windfuhr, Walter

Titel/Untertitel:

Rabbinische Übungstexte. Heft 1 1928

Rezensent:

Staerk, Willy

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148

U n g n a d, Arthur: Babylonisch-assyrisches Keilschriftlesebuch.

München: C. H. Beck 1927. (XII, 86 S.) gr. 8». = Clavis lingu-
anim semiticarum, pars VIII. geb. RM 6—.

Als Ergänzung zu seiner ausgezeichneten babylonisch-assyrischen
Grammatik (2. Auf. München 1926), die aber Beispiele und Texte
nur in lateinischer Umschrift bietet, gibt U. hier dem sich mit den
Originaliiischriften beschäftigenden Studenten ein babylonisch-assyrisches
Keilschriftlesebuch in die Hand, das ihn in die schwierige
Materie der Keilschrift einführen soll. Nach einer kurzen Einleitung
folgt eine ausführliche Zeichenliste, die die phonetischen Silben- und
die ideographischen Sinnwerte aufzählt. Die eigentliche Chrestomathie
schließt sich eng an die in der Grammatik umschriebenen Lesestückc
an; nur vom Prisma Sanheribs und dem Gesetzbuche Hammurapis
sind weitere, noch nicht transskribierte Stücke publiziert. Schwierigkeiten
der Interpretation werden in Anmerkungen behoben. Weil U.
bereits der Grammatik ein Wortverzeichnis beigegeben hatte, verzichtet
er hier mit Recht auf die Wiederholung eines solchen. Vielleicht
wäre es doch praktisch gewesen, die Zahl der in der
Grammatik nicht umschriebenen Inschriften im Keilschriftlesebuch
noch etwas zu erweitern; denn der Schüler wird gut tun, sich der
Eselsbrücke der Transskription möglichst bald zu entwöhnen. Im
übrigen wird das Werkchen besonders Autodidakten gute Dienste
leisten.

Zeuthen i. M. Bruno Meissner.

Segal, M. H.: A Grammar of Mlshnaic Hebrew. Oxford:
Clarendon Press 1927. (XLIII, 248 S.) 8". 15 sh.

Diese Grammatik verbindet mit dem praktischen
Zweck, den Zugang zu dem rabbinischen Schrifttum zu
erleichtern, eine zweite Absicht: den organischen Zusammenhang
des mischnischen Dialektes mit dem biblischen
Hebräisch und seine relative Unabhängigkeit von
dem zeitgenössischen Aramäisch zu erweisen. Diese ältere
, einst von Grätz und Luzzatto und besonders von
J. H. Weiß in seinen 1865 erschienenen hebräischen
„Studien zur Sprache der Mischna" vertretene Theorie
war scheinbar abgetan. Seit einigen Jahren ist sie jedoch
von dem zionistischen, jetzt an der Jerusalemer Universität
wirkenden Gelehrten M. H. Segal neu aufgenommen
und in mehreren Artikeln dargelegt worden (bes.
Jewish Quarterly Review XX, 1908, S. 647—737), ohne
freilich in breiterem Umfang Beachtung zu finden. Die
nunmehr erschienene Grammatik des mischnischen Hebräisch
faßt in einer als „lutroduction" gegebenen
Skizze S. 1—20 die Theorie noch einmal übersichtlich
und anschaulich zusammen; die Grammatik selbst sucht
den Nachweis für ihre Richtigkeit durch beständige Verweisung
auf das Biblisch-Hebräische einerseits, auf das
Aramäische andrerseits durchzuführen. Auf einige kurze
Sätze gebracht, heißt die Meinung Segais folgendermaßen
. Das mischnische Hebräisch ist eine unmittelbar
aus dem älteren Hebräisch der biblischen Zeit fortgebildete
lebendige, im täglichen Umgang der jüdischen
Judenschaft etwa von 400 v. Chr. bis zur herodianischen
Zeit als wirkliche Hauptsprache gesprochene Sprache;
Aramäisch war in dieser Zeit in Jerusalem und Judäa
zwar nicht unbekannt, wurde aber doch nur gelegentlich
und nicht hauptsächlich gebraucht. Seit etwa der Regierung
des Herodes, der selbst aramäisch redend war,
wirkte sich der Einfluß der aramäischen Judenschaften
in der östlichen Diaspora, in Syrien und Galiläa stärker
aus, sodaß die Jerusalemer Judenschaft im täglichen
Leben unterschiedslos Hebräisch und Aramäisch zu sprechen
sich gewöhnte, während das Hebräische der
Schule und dem Kultus fast ausschließlich vorbehalten
war. So fing das Hebräische an, aus der Alltagssprache

zur religiösen Sprache zu werden (tlHpn p'Stf/O-

Erst in einem noch späteren Stadium, vor allem seit
der Katastrophe des hadrianischen Krieges hörte das
Hebräische überhaupt auf, Volkssprache zu sein; es
wurde schließlich Qip^n }1ts6- Es ist möglich, daß

man gut tut, das Vorhandensein des Hebräischen als
einer wirklich im Volk noch bekannten Sprache in den
vorchristlichen Jahrzehnten mindestens für Judäa etwas
stärker zu betonen, als es meist geschieht. Aber erstens

! bleiben die aramäischen Stücke in Esra und Daniel; die
aramäischen Überlieferungen von Rabbinenworten der
[ Frühzeit; die aramäischen Heiratsverträge und Scheidebriefe
; der aramäische Charakter von Megillat Taanit
u. a. m. trotz Segais Erklärungsversuchen rätselhaft, wenn
nicht als Hauptsprache der Zeit Aramäisch angenommen
werden kann. Und zweitens fehlt jeder auch nur Wahr-
; scheinlichkeitsbeweis, daß ein solches vielleicht in den
i vorchristlichen Jahrhunderten noch vorhandenes ge-
: sprochenes Hebräisch überhaupt oder wesentlich identisch
ist mit dem Hebräisch der Mischna, Tosefta und
der tannaitischen Midraschim. Diese auf uns gekommenen
Texte sind jedenfalls □"'PPfl jlPb; darüber, daß

sicherlich (wie Parallelüberlieferungen zeigen, vgl. z. B.
Abot I 13; IV 5) oftmals ursprünglich aramäische Sätze
in der Überlieferung diese Form annahmen und daß
dämm die uns vorliegende Überlieferung nicht einfach
kritiklos verwendet werden darf, fehlt jede Erwägung
bei Segal.

Als Hilfsmittel für die Einarbeitung in die literarischen
Texte vor allem des älteren Rabbinismus mag die
Grammatik gute Dienste tun.

Tübingen. Gerhard Kittel.

i Windfuhr, Pastor D. Walter: Rabbinische Übungstexte.

Heft 1 : Der Kommentar des David Qimchi zum Propheten Nahum.
Mit Erläuterungen und einem Wörterverzeichnis der nachbiblischen
Ausdrücke. Gießen: A. Töpelmann 1927. (16 S.) gr. 8». =

! DTTVJ D^DytDD- RM 1,3°-

Marti, Prof. D. Dr. Karl, u. Prof. D. Dr. Qeorg Beer: 'Aböt

(Väter). Text, Übersetzung u. Erklärg. Nebst e. textkrit. Anhang.
Gießen: A. Töpelmann 1927. (XXXII, 200 S.) gr. 8°. = Die Mischna,
IV, 9. RM 18-.

Der vom Ref. wiederholt ausgesprochene Wunsch
I nach rabbinischen Texten für Übungszwecke d. h. o h n e
i Übersetzung u. weitschweifige, zum größten Teil über-
j flüssige u. oft auch falsche Erklärungen, ist von D.
Windfuhr, dem Mitarbeiter an der Gießener Mischna-
Ausgabe, in dankenswerter Weise erfüllt worden. Das
1. Heft einer von ihm geplanten Serie bringt Qimchis Erklärung
von Nahum in rabbinischer Schrift, also selbst-
| verständlich ohne Vokalisation, und dazu den vokalisier-
ten massoretischen Text. Dazu dann eine ganz kurze
Einleitung, wenige Fußnoten (meist nur Bibelstellen zu
j Qimchis Zitaten) u. ein Wörterverzeichnis, in dem
I (außer den dem Anfänger nicht verständlichen Abbreviaturen
) nur das Aufnahme gefunden hat, was der
■ Student nicht in seinem hebr. Lexikon findet. Das ist
| methodisch wohl überlegt und sei der Nachachtung
empfohlen. Tüchtige Studenten, und die kommen ja
wohl für rabbinische Studien nur in Betracht, wollen
I keine Eselsbrücken. Wer nicht Kraft und Zeit dazu
! aufbringt, rabbinische Literatur im Urtext mit dem Lexi-
! kon in der Hand zu studieren, der mag sich mit einer
Übersetzung begnügen. Dem Dozenten nehmen die üblichen
, von Übersetzung begleiteten Ausgaben, zu denen
sich leider auch Strack in seinen spätem Mischnatextaus-
I gaben hat verleiten lassen, die Lust, solche Texte überhaupt
den Studenten vorzulegen.

Das von W. begonnene Unternehmen sei den A. T.
und Orientalia dozierenden Kollegen als Übunigsmaterial
j wärmstens empfohlen. —

Die Gießener Mischna-Ausgabe ist mit der vorliegenden
Bearbeitung von A b h o t h , die zum größeren
Teile ein Werk des heimgegangenen K. Marti ist, wieder
ein Stück weiter gekommen. Jmmerhin ist das Tempo,
in dem sie erscheint, so langsam, daß der Abschluß
I nicht abzusehen ist. Von den 63 Traktaten der 5 Ord-
j nungen liegen nach 15jähriger Arbeit nunmehr 17 vor,
| also etwas mehr als ein Viertel des Ganzen. Wenn
keine Störungen eintreten, darf also ehestens innerhalb
von zwei Jahrzehnten auf Vollendung gerechnet werden.
Die Sorgfalt, die die Bearbeiter auf die wertvolle
| Gnomologie der Abhoth verwendet haben, muß zu-