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Ausgabe:

1928 Nr. 6

Spalte:

141-142

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Scott , C. A. Anderson

Titel/Untertitel:

The Church. Its Worship and Sacraments 1928

Rezensent:

Althaus, Paul

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141

Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 6.

142

Nach einleitenden Überblicken über Wissenschaft
und Religion in der alten Welt, über Bibel und Naturwelt
, katholische Kirche und Wissenschaft folgen als
Hauptstücke die Auseinandersetzung der Kirche mit der
kopernikanischen Theorie und der an sie anschließenden
neuen Kosmologie, sodann mit der „neuen Geologie"
und mit dem Darwinismus. Den Schluß machen zwei
Abschnitte über „die Kirche und das Wunder" sowie
über „Wissenschaft und Religion heutzutage". Für die
ältere Zeit benutzt M. vorhandene größere Darstellungen
(wie z. B. Whites Werk) und Spezialliteratur. Nur im
19. Jahrhundert schöpft er unmittelbar aus den Quellen.
Für die deutsche Entwicklung, vor allem innerhalb der
Theologie, reicht das Buch nicht einmal als Abriß aus.
Es ist für die Wirkung der deutschen Theologie in
Großbritannien bezeichnend, daß beim Wunderproblem
die Ritschlschen Theologen, bes. J. Wendland, eingehend
zu Worte kommen, während Arbeiten wie die C.
Stanges fehlen. Dagegen kann das Buch den deutschen
Theologen gut in die englische Entwicklung des Verhältnisses
von Naturwissenschaft und Religion einführen.

Der Verf. hat sich nicht auf ein Referat beschränkt.
Die Darstellung ist kritisch belebt. Das Buch endet,
wie schon vorher mehrere Kapitel, mit einem eigenen
Worte zur Sache und zur Lage. Der Standort des Verf.s
ist theologisch der kritisch-liberale, wie besonders der i
Abschnitt über das Wunder zeigt. Er sieht das Heil in
der „Befreiung des protestantischen theologischen Denkens
" (243), für das ihm die Linie Schleicrmacher-
Ritschl-Troeltsch moderne französische Religions- I
Philosophie (Sabatier, Reville) bezeichnend ist.

Erlangen. I'. Alt h a 11 s.

Scott, C. A. Anderson, D.D.: The Church. Its Worshlp and
Sacraments. A Free Chureli Interpretation. London: Student
Christian Movement 1927. (112 S.) 8°. 3 sh 6 d.

Der bekannte freikirchliche Führer, der Neutesta- 1
mentler des Westminster College in Cambridge, bietet, ;
ganz wie der Titel es erwarten läßt, die Lehre von der
Kirche, vom Gottesdienste und von den Sakramenten, I
mit sorgfältiger neutestainentlicher Begründung, In kla- I
ren und tiefen Gedankengängen, knapp, gemeinverständlich
, warm und im besten Sinne erbaulich. Die reformierte
Stellung des Verfassers setzt naturgemäß die j
Accente. Im ersten Teile wird besonders stark betont,
daß die Wirklichkeit der Kirche Christi von einer bestimmten
Form der Verfassung unabhängig ist (12); ferner
, daß die Besonderung der Kirche in Kirchen nicht
an sich sündig sei, daß die äußere Wiedervereinigung
nicht einfach als unbedingte Christenpflicht geltend gemacht
werden könne — die Einheit der Kirche ist ebenso
wie ihre Heiligkeit und Katholizität Gegenstand des
Glaubens und nicht des Schauens (19—24). „Unity
without Union", wie sie das jetzige Verhältnis der englischen
Freikirchen zueinander zeichnet, erscheint überhaupt
als vorbildliche Losung. Das alles will als non- !
conformistisches Wort zu anglokatholischen Lieblingsgedanken
verstanden sein. — Mit besonderer Freude liest
man den zweiten Teil, der zunächst grundsätzlich das
Wesen des Gottesdienstes erörtert und dann einen Aufbau
des Sonntagsgottesdienstes bietet, mit Besprechung
seiner einzelnen Stücke. Diese Seiten sind reich an feinen
, tiefen Gedanken. Es sei nur erinnert an die Würdigung
des großen Dankgebets als des wahren, schönsten
Glaubensbekenntnisses oder an die Worte über die
Beichte der Kirche und ihren stellvertretenden Charakter
: „The Church is never so Christ-like as when it
learns to put its heart under the sins of others, sins that
are not its own" (60). Mit dem Gedanken der Gemeinschaft
, des Leibes Christi zusammen beherrscht der
Opfer gedanke die ganze Gottesdienstauffassung
(49ff.). Hinführen zum Vollzuge des Opfers des Leibes
Christi, nach Rom. 12, 1, das ist der Sinn des
Gottesdienstes. Der symbolische Ausdruck des Opfers

bezeichnet den Gipfel des Kultus. Unter diesem Gesichtspunkte
wird im dritten Teile, der im Übrigen die
reformierte Auffassung der Sakramente vertritt, das
Abendmahl gewürdigt. Nicht sein ganzer Sinn (wir
hören zuerst von seiner Bedeutung als Gabe und von der
Realpräsenz, zwar nicht in den Elementen, aber in der
ganzen Handlung, 101), aber jedenfalls eine Bedeutung
des Abendmahls besteht darin, Ausdruck des geistlichen
Opfers des Leibes Christi zu sein. Daß in diesem
Sinne der Opfergedanke in die Abendmahlslehre schon
des Urchristentums hineingehört, sucht der Verf. zu belegen
. Rom. 12, 1 und 15, 16 werden auf den Gottesdienst
im engeren Sinne bezogen. In dem Buche eines
englischen Calvinisten muß das alles zunächst überraschen
. Ist das noch die Strenge der antirömischen
Haltung der Väter? Der Verfasser geht am Schlüsse
auf diese Frage selber ein (111 f.). Fein bemerkt er, es
sei begreiflich, daß die reformatorischen Väter, um die
so teuer erworbene Freiheit vom katholischen Menschenwerk
des Kultus sich und ihren Kindern zu sichern, ein
unbesetztes Gebiet zwischen sich und dem mittelalterlichen
Katholizismus gelassen und sich damit in mehreren
Punkten von der Grenze christlicher Erfahrung, die
ihnen eigentlich zu besetzen gegeben war, zurückgezogen
haben. Heute sei diese Sicherune; nicht mehr nötig, man
dürfe und müsse heute bis an die Grenze das Land besetzen
. Das alles bezieht sich in erster Linie auf den
Opfergedanken.

Die gedankenreiche und sympathische Schrift sollte auch von
uns Deutschen beachtet werden. Daß der Verfasser an einer Stelle
verrät, wie er immer noch im Banne der verlogenen englischen Kriegsideologie
steht, werden wir ihm nicht persönlich anrechnen. Er meint
wenn es einen Gegenstand gab, zu dem die christlichen Kirchen mit
einer Stimme das Wort zn nehmen befähigt waren, so war es die Invasion
in Belgien, die Behandlung der Einwohner, die Deportationen
(21). Warum fügt der Verf. nicht wenigstens Versailles als einen
zweiten „Gegenstand" hinzu?

Erlangen. I'. Althaus.

Alt haus, Paul: Das Heil Gottes. Letzte Rostocker Predigten.
Gütersloh: C. Bertelsmann 1920. (VII, 294 S.) 8°.

KM 5Ö0; geb. 7-.

Im Anschluß an A.s Predigtsammlung „Der Lebendige
" habe ich ThLZ. 1925 S. Ib6 seine Art geschildert
. Sie ist im vorliegenden Bändchen mit den
17 letzten Rostocker Predigten, denen 2 Abendmahlsreden
beigefügt sind, nicht anders geworden, und meine
Freude an. diesem Band ist nicht geringer als die an dem
vorigen. Vielleicht ist herauszuheben, daß mehrere
Stücke diesmal allgemeinere kirchliche Fragen behandeln
, so die Predigten zur Reichstagswahl, zur Jubelfeier
des evangelischen Kirchenliedes, über die Gemeinde
, eine Missionsfestpredigt, auch eine Reformationsfestpredigt
über das evangelische Erbe und eine mit
dem Thema „Zwischen den Zeiten". Andere greifen
unmittelbar in das religiöse Zentrum des religiösen
Lebens: der Weg zum Beten, die Liebe Christi, des
Christen Furcht; Ewigkeit in der Zeit. Ich habe die
Sammlung durchmustert, um zu prüfen, ob und wie der
Prediger zu den uns in besonderem Sinn beschäftigenden
Fragen Stellung genommen hat. Ich notiere (selbstverständlich
Einzelnes herausgreifend): die Führerfrage (S.
1 ff.), das Verlangen nach Führern — und das protestantische
Ich (S. 86f.); „christliche Kultur" als „Schlafmittel
" (S. 98f.); Volkskirche und ihre Nöte (S. 103f.);
Zusammendenken des Evangeliums mit dem Besten, was
deutscher idealistischer Geist geschaut und gedacht hat
(S. 103). So streift A. viele ernste Fragen; und doch
bietet er nicht „Zeitpredigten". So geht er ernsten Erwägungen
nach — und doch hält er nicht „Problempredigten
". Er schöpft aus dem Vollen und gibt in
Fülle.

Breslau. M. S c h i a n.