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Ausgabe:

1928 Nr. 6

Spalte:

132

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kunze , Wilhelm

Titel/Untertitel:

Der Missionsgedanke bei Schleiermacher und seinen Schülern 1928

Rezensent:

Steinmann, Theophil

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131

Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 6.

132

gen ist, auch wo ein Hinweis zur Stütze seiner eigenen
Ausführungen (z. B. zu Augustins Stil; vgl. Zepf 68,
Anm. 1 mit Krüger 464 f.) ihm hätte willkommen sein
sollen, kann ich nur erraten. Ich möchte dabei aber nicht
verweilen, um nicht der Empfindlichkeit verdächtig zu
werden, und lieber noch einmal betonen, daß ich von
Zepf manches habe lernen können.

Oießen. Q- Krüger.

W o o 11 e y, Reginald Maxwell: Catalogue of the MSS. of Lincoln
Cathedral. London: H. Milford 1927. (XXIV, 190 S.) 8".

Die Kathedralbibliothek zu Lincoln enthält einen Schatz svert-
voller Manuskripte. Ihr Grundstock reicht in's 12. Jahrh. zurück.
Den ersten Katalog entwarf der Kanzler Hämo um 1200. Spätere
Kataloge zeigen das Wachsen des Bestandes. Noch jetzt sind annähernd
300 Handschriften, meist patristischer und mittelalterlicher
Autoren, darunter viele Scholastiker, vorhanden. Woolley hat davon
ein spezifiziertes Verzeichnis angefertigt, auf das Interessenten verwiesen
sein mögen. Wie weit es sich um Handschriften handelt, die
etwa für kritische Ausgaben in Betracht kommen könnten und noch
nicht benutzt sind, kann man natürlich nur beim Einzelvergleich
feststellen. Eine wichtige Handschrift scheint mir Nr. 31 des jetzigen
Katalogs zu sein, die schon dem Urbestande angehörte und als besonders
wertvoll an die Kette gelegt worden war: Petrus des Lombarden
(f 1160) Sentenzen, Handschrift des 12. Jahrh.s, die, wie ich
mich überzeugte, für die kritische Ausgabe auch in der 2. Auflage
(Quaracchi 1916) nicht herangezogen worden ist. Patristische Manuskripte
höheren Alters sind mir bei der Durchsicht nicht aufgefallen
.

Gießen. O. Krüger.

Jacob, Georg: Arabische Berichte von Gesandten an
germanische Fürstenhöfe aus dem 9. u. 10. Jahrhundert. Ins
Deutsche übertragen u. m. Fußnoten vers. Berlin : W. de Gruyter &
Co. 1927. (V, 51 S.) gr. 8°. = Quellen zur deutschen Volkskunde,
hrsg. von V. v. Geramb u. L. Mackensen, H. 1. RM 4 .

Die „Quellen zur deutschen Volkskunde", die mit diesem Heft
ins Leben treten, wollen für die Volkskunde als Wissenschaft und damit
zugleich für andere Wissenszweige, wie Germanistik, Geschichte,
Religionswissenschaft u. a., wertvolle Quellen in zuverlässigen Ausgaben
bereitstellen, ohne zeitliche oder örtliche Beschränkung, und
beginnen mit arabischen Reiseberichten aus dem 9. und 10. Jahrh.
über Deutschland und seine Nachbarländer. Blinder Fanatismus hat
unersetzliche Literaturerzeugnisse des Islam vernichtet; nur in Trümmern
, als Zitate in geographischen Werken, sind vielfach wertvolle
Nachrichten, die auch auf das Abendland Bezug hatten, erhalten geblieben
. G. Jacob, der schon 1889 begonnen hatte, auf arabische
Quellen aufmerksam zu machen, legt jetzt eine sorgfältig kommentierte
Übersetzung der einschlägigen Stücke aus Bekri, Qazwini und
Ibn Dihja vor, als Anhang den bisher wenig beachteten Bericht des
Laskaris Kananos (15. Jahrh.) über Nordeuropa. Bekri enthält den
bekannten Bericht des Juden Ibrahim ibn Ja'qub über die Slawenländer
; Jacobs Anmerkungen dazu sind eine wertvolle, dankbar zu begrüßende
Hilfe des Verständnisses; besonders auf die Deutung der
Ortsnamen ist viel Mühe verwendet; der Nicht-orientalist würde hier
(z. B. S. 13) gern neben den arabischen Namen noch eine Transskription
sehen, zur leichteren Nachkontrolle; freilich ist zuzugeben, I
daß zum Verständnis der Konjekturmöglichkeiten die Transskription
allein nicht ausreicht. Da meine Kenntnis des Arabischen sich auf die ,
Buchstaben beschränkt, hat mein Kollege R. Paret auf meine Bitte j
freundlichst alle fraglichen Stellen nachgeprüft und auch seinerseits j
bestätigt, daß der Benützer sich den Anmerkungen und Deutungen des i
Herausgebers gern anvertrauen darf. Die Einleitung untersucht mit
großer Umsicht und Scharfsinn die Frage nach der Zeit der arabischen i
Gesandtschaft an den Hof CKtos 1. und macht 973 wahrscheinlich.
Tübingen. H. Dannenbauer.

Selble, w. B., D. D.: Congregationalism. London: Methuen &
Co. 1927. (XI, 199 S.) 8°. = The Faiths. 5 sh.

Das Buch gibt eine lesenswerte Einführung in die Geschichte,
(Organisation und den Geist des Congregationalismus, dessen Ursprung
speziell englisch-independentisch ist. Die Gedanken, die Robert Browne
(geb. um 1550), der Vater des Congregat., ausgesprochen hat, und
die normativ für den Congregat. geworden sind, sind hier gründlich
wiedergegeben. In der geschichtlichen Darstellung möchte ich noch
bestimmter das straffe Staatskirchentum der „Pilgerväter" in ihrer
Kolonisation in New-England betonen, als es der Fall hier bei dem
Verfasser ist; statt „church-state" hätte ich lieber „state-church" gesagt
; von Toleranz ist hier nämlich keine Rede. In dem System des
Congregationalismus ist jede Gemeinde für sich autonom und hat das
Recht, eigene Beamte zu wählen; Mitglieder der Kirche können nur
solche werden, die ihr Christentum in Leben und Glauben bezeugen.
Ein völliger Iiidependentismiis ist aber auf die Dauer nur theoretisch

durchführbar. In dem amerikanischen Congregationalismus (von 1850
: und später) ist ein gewisses Zusammenwirken der Gemeinden für gc-
I meinsame Ziele erreicht; dadurch gewinnt man eine Vereinfachung der
1 Arbeit. Die congregationalistichen Kirchen bilden jetzt beinahe überall
einen organisierten Körper mit Konferenzen, Provinzen und Moderatoren
(oder Superintendenten). Es ist erkennbar, daß eine organi-
, sierte Sammlung der Arbeit nicht die Freiheit der Einzelgetneinde

zu beschränken braucht.
1 Kopenhagen._Michael Neiieud a in.

Eger, Prof. D. Karl: August Hermann Francke. Rede, zur Erinnerung
an den am 8. Juni vor zweihundert Jahren verstorbenen
Hallischen Theologen, gehalten am 14. Juni 1927 in der Aula der
Universität Halle-Wittenberg. Halle a. S.: M. Niemeyer 1927. (20S.
m. e. Bild.) 8°. — Hallische Universitätsreden, 32.' RM 1—.

Diese eindrucksvolle Gedächtnisrede verzichtet bewußt
darauf, die vielseitige, tiefeLngreifende Wirksamkeit
A. H. Franckes auf dem Gebiet der inneren und äußeren
Mission und seine unablässigen Bemühungen um den
Bibeltext und die Bibelverbreitung zu schildern. Sie beschränkt
sich vielmehr darauf, das innerste Wesen seiner
starken Frömmigkeit dem anders gearteten Geschlecht
der Gegenwart aufzudecken und einige Streiflichter auf
seine Pädagogik fallen zu lassen. In dieser Beschränkung
erweist sich Eger als ein Meister der Einfühlung
in die Art seiner Frömmigkeit als eines ganz persönlichen
, gefühlsmäßigen Gewißwerdens Gottes mit ihren
Licht- und Schattenseiten, einer ungeheuren Steigerung
der Leistungsfähigkeit und einer unermüdlichen Selbstlosigkeit
, aber zugleich einer bedenklichen Einspannung
des göttlich Allmächtigen ins Menschenmaß und einer
einseitigen Auffassung der Welt. „Herrschsüchtig", so
i lautet eine seiner glücklichen Formulierungen, „ist
Francke nicht gewesen, aber herrschmächtig wie wenige,
ein gottbegnadeter Führer und Leiter". — Auch bei der
leider recht knappen Behandlung Franckes als Pädagogen
freut man sich der klaren Herausstellung der
Schranken und der Vorzüge; seine Verdienste um den
! Aufstieg der Begabten, um eine zeitgemäße Stofferweiterung
durch die Realien und den Handfertigkeitsunterricht
, um die Methode und Lebensnähe des Unterrichts
j sind dabei freilich nicht zu ihrem Recht gekommen. —
; Die Zahl von 2000 täglichen Tischgenossen zur Zeit
von Franckes Tod (S. 12) bedarf der Berichtigung;
1720 waren es: 560, 1744: 778 Schüler und arme
Studiosen, die in den Stiftungen beköstigt wurden.
Halle. ___________A. Nebe.

Kunze, Lic Wilhelm: Der Missionsgedanke bei Schlelermacher
und seinen Schülern. Gütersloh: C. Bertelsmann 1927. (73 S.)
ßr. 8°. = Allgemeine Missions-Studien, H. 5. RM 3 —.

Beherrschend ist die Darstellung von Schleierinachcrs Gedanken
über die HeidenmLssion. Als seine Schüler werden AI. Schweizer und
Rieh. Rothe behandelt, diese beiden als die einzigen in der systematischen
Theologie seit Schleiermachcr, welche hierin in der Nachfolge
Schleicrmachers stehen. Der Darstellung Rothes ist angefügt eine
Nebe nein tndercteltung von Rothes Gedanken mit den Äußerungen
Schlciennachers, soweit Rothe sie aus Schleicrmachers „Christlicher
Sitte" in seiner „Theologischen Ethik" als Fußnoten wörtlich abdruckt
. Der Verf. gibt uns jedesmal ein Gesamtbild durch einfache
Zusammenstellung der Äußerungen des betreffenden Theologen zu
diesem Gegenstand in seinen verschiedenen Schriften. Er stellt einfach
dar und will sich nicht auseinandersetzen. Er verzichtet auch
darauf, etwa bei Schleiermacher einem etwaigen Wandel seiner Anschauungen
weiter nachzugehen, und begnügt sich mit gelegentlichem
Hinweis auf das Vorhandensein bemerkbarer Schwankungen. Auch
den geschichtlichen Zusammenhängen, in denen besonders Schleicrmachers
Gedanken stehen, wird nicht weiter nachgegangen. Eine
Einzeichnung der spezifischen Missionsgedanken in die theologische
Gesamteinstellung der drei Männer wird nur insoweit gegeben, als allemal
ein erster Teil die Anschauungen der drei behandelten Theologen
über die Absolutheit des Christentums, sein Verhältnis zu den außerchristlichen
Religionen, die Bedeutung der Person Christi für die
Menschheit als „Vorfragen zum Missionsgedanken" vorausschickt und
ein Schlußteil die Fragen der Eschatologie (bei Schleiermacher
Prädestination und Apokatastasis) als auch für den Missionar in seiner
Praxis wichtige Fragen (Schicksal der vor der Missionierung verstorbenen
heidnischen Angehörigen) behandelt. Auch in dieser Beschränkung
ist die Schrift eine dankenswerte Gabe und lockt zur
Ausrinamlersetzung besonders mit Schleiermacliers Missionsgedanken.
Herrnhut i. Sa. Th. Steinmann.