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Ausgabe:

1928 Nr. 3

Spalte:

72

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wunderle, Georg

Titel/Untertitel:

Zur Biologie des kirchlichen Lebens. Gedanken über seine Entwicklung und Erstarrung 1928

Rezensent:

Fendt, Leonhard

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Seite 1

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71 Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 3. 72

Liebhaber dieser Dinge eine Anzahl wirklich geschmackvoller Bei- Wunderle, Georg: Zur Biologie des kirchlichen Lebens,
spiele geboten. Gedanken über seine Entwicklung u. Erstarrung. München: Dr.

Aber ich hebe nochmals hervor, wieviel Feines, Schönes und F. A. Pfeiffer 1927. (68 S.) 8". <m Zur religiösen Lage d. Gegen-

Bleibendes uns gerade in allerlei Lesungen und manchen Gebeten wart, H. 16. RM 2 20

erarbeitet ist. Man wünscht diesem in vielem wertvollen Buch, u'iese Schrift untersucht nicht etwa das praktische kirchliche"

daß dem Herausgeber und seinen Schülern eine aus erfahrener Leberii sondern das Lebensprinzip der römisch-kath. Kirche, den
Praxis kommende, sprachlich und: kirchlich feinfühlige Mitarbeit er- ; Bios dieser Kirche, die Vitalität, durch welche diese Kirche heute

noch als ein Produkt des religiösen Geistes der Urchristenheit
erkenntlich sein soll. Es ist eine Apologetik des Katholizismus, was
hier geboten wird, und zwar eine Verteidigung gegen den Einwurf
a) es sei die heutige kath. Kirche auf dem Wege der „Entwickelung
" vom Urchristentum abgefallen, b) es handle sich in ihr um
Ost e rm an n , Hof- u. Schloßpred. August: Ihr sollt auch leben Gewesenes, durch „Erstarrung" Gewordenes. W. wendet nun auf
Ein Jahrg. Predigten über d. altkirchl. Episteln. Hannover: H. das „Leben" seiner Kirche Grundsätze des organischen Lebens,

wüchse und es zu einer Gestalt förderte, in der es uns in reicherem
Maße fruchtbar werden kann.

Aachen. Alfred Zill essen.

Feesche 1925. (VII, 418 S.) 8". geb. RM 12-

Als Folge der Evangelienpredigten sind auf Wunsch des Verlegers
diese Predigten über die alten Episteln vom Verfasser zusammengestellt
, nur für Charfreitag und Himmelfahrt sind Texte aus

speziell des Pflanzenlebens (Apfelkern—Apfelbaum) an und findet
so, daß die Entwickelung der Lehre und des Lebens zwar Neues
gebracht habe, aber dies Neue sei niemals „wesentlich" neu, sondern
teils schon Vorhandenes und nur später erst Erblicktes („sub-

den Evangelien genommen. Der Verfasser hat sich im Vorwort da- | jektiv Neues"), teils allerdings „objektiv Neues", aber dann jeder-
rüber ausgesprochen, was ihm als Ziel seiner Predigten vorgeschwebt j zeit identisch mit der Selbstentwickclung des in der kath. Kirche

hat: enger Anschluß an das Kirchenjahr, Erfassung des ganzen Textes
und neben Predigten von der Erlösung auch von der Heiligung und
Apologetik. Man darf im ganzen sagen, daß ihm dies ohne Künstelei
geglückt ist. Etwas Anderes ist es, wenn man die Frage aufwerfen
wollte, ob dies auch das Ziel der heute notwendigen und erfolg-

fortlebcnden Christus. Diese „Entwickelung" faßt W. zusammen
in den beiden Begriffen Zentralisierung und Differenzierung. Eine
reformatio im Sinne einer Rückbildung zum Ausgangspunkte sei ausgeschlossen
, genau so, wie eine solche beim organischen Leben
unvollziehbar ist. „Erstarung" muß sein, sonst bleibt der Zustand

reichen Predigtweise ist. — Seine Predigten sind nüchtern und klar, 1 des Kindesalters. Hier (Erstarrung) greift W. den Aufsatz Elerts
biblisch und textgemäß. Das Kirchenjahr ist jedesmal in den Vor- I (D. Erstarrungsgesetz d. Prot.) auf und exemplifiziert Stück für
dergrund gestellt. Der Fortschritt der Gedanken ist einfach und doch 1 Stück auf die römische Kirche, wo die „Erstarrung" von Christus
anziehend; manchmal überrascht der Prediger durch eigenartige Aus- j eingesetzt und die „Entwickelung" vom unfehlbaren Lehramt ge-
führungen, während er im Durchschnitt sich nicht allzusehr von | leitet werde. Alles steht und fällt hier mit dem Recht oder Un-
den gewohnten Geleisen entfernt. Zuweilen ist er mehr Lehrer als recht, die Kirche an dem Pflanzengleichnis zu. messen. Selbst wenn
Prediger, mehr einer, der überzeugen als zeugen will. Das zeigt sich (siehe die Einleitung des Schriftchens) „Leben" immer nach den
auch schon in der gewissenhaften Anführung der Stellen, wenn ein gleichen Gesetzen ginge, so bleibt doch die Möglichkeit (und den
Bibelwort angeführt wird. Homiletisch gehen sie keine neuen Bahnen, Reformatoren ist dies Wirklichkeit), daß der Heil. Geist nicht nach
sind aber als Gabe für die, welche am Gottesdienst nicht teilnehmen diesen Gesetzen, sondern gerade gegen diese organische „Entwickekönnen
und in Ruhe den Gedanken nachsinnen können, oder auch als . lung" und „Erstarrung" tätig ist.

Lesepredigten in Lesegottesdiensten zu empfehlen. Dazu scheinen i Berlin. Leonhard Fendt,

sie auch besonders bestimmt zu sein. An sinnstörenden Druckfehlern -

ist mir nur auf S. 156, Z. 2 v. o.: ernebt für eroebt aufgefallen. Soeben erschien'

Ahlden/Aller. E. W. Bussmann.

LUTZ, PROF. II. F., PH. IL. D. D. / Berkeley. Cal.

Traue, Erhard: Du Kirchlein meiner Heimat 1 Ein Lehrgang ! EGYPTIAN TOMB STELES AND

ländl. Konfirmandenunterirchtes. Gütersloh: C.Bertelsmann 1926. fjFFFRINfn ^TflNF^ «f the M,,eD.„v, „4 a„

(lio s.) gr. so. = Religionspädagogik. H. 2, Teil i. rm 3 . VJ T T CR I IN U O I U IN QO of the Museum ofAn-

Dieser erste einer Reihe vorgesehener Lehrpläne für ein- thropology and Ethnology of the Ufliversity of California

jährigen Konfirmandenunlerricht in unkirchlichen niederdeutschen Willi I illustratiou and 49 plates (2 coloured). IV, 22

Landgegenden ist wohl nur für den voll in seiner Brauchbarkeit Seiten Text. Gr. 8°.

zu beurteilen, der unter gleich schweren Amtsvcrhältnissen wirken i i.:„-.-:i„ „i roiii„™i, d.,kii„„tin— l- a i i liui im

„.,,',,- ° ■ j t , d u i u u z- University ot Uahfornia rublications. I.;:vpii;m An haeologx Vol.IV.

muß wie Verf. Da mag dann in der Tat „Bibel, Gesangbuch, Ge- * "je

meinde- und Volksleben wichtiger sein als der Katechismus". Die ; Die Museen der Universität Berkeley besitzen einen

ersten beiden genannten Bücher werden ja stets dem Konfirmanden reichen Schatz an ägyptischen Denkmälern, von

eine Einheit mit dem Katechismus darstellen, mit ihm drei ver
schiedene Niederschläge des Wortes Gottes neben ungezählten ungeschriebenen
; Annäherungen ans Urbild, das fleischgewordne Wort.
Die beiden andern Faktoren bilden in dieser von Kirche, Kirchen-
und jeder Sitte gelösten Welt die Anknüpfungspunkte zu mühsamem
Aufbau der ersten Elemente. Neben dem „1. Teil. Du Kirchlein
meiner Heimat", der den Titel abgibt, steht ein 2., „Die Freude
am großen Werk" (S. 67—100) über kirchl. Verfassungsfragen,
Oustav-Adolf-Verein, äußere und innere Mission, kathol. Kirche,
Sekten, und auf den letzten 8 Seiten eine Skizze: „Die letzten
sechs Wochen", als Esoterik nach Entlassung der „Zuhörer".

Die aus brennendem Seelsorgerherzen geflossene Arbeit würde
den Widerspruch gegen den von der Not erzwungnen Einsatzpunkt

denen in dem vorliegenden Bande die Grab-, Denkmal
Opfersteine veröffentlicht werden. Sie entstammen
zumeist den Grabungen, die Keisner vor
längeren Jahren mit Mitteln von Mrs. Ilearst unternommen
hat. Und zwar sind es in erster Linie
hochwertige Denkmäler des Alten Reichs aus den
Mastabas von Gise, aus denen weitere Funde nach
Boston. Hillesheim, Leipzig und Wien gekommen
sind. Die zweite Gruppe umfaßt Grabsteine aus Naga-
ed-der aus der Zeit zwischen dem Allen und Mittleren
Reich, die dritte Gruppe verschiedenartige Stücke
vom Neuen Reich bis zur koptischen Zeit. Lichtdrucktafeln
geben jedes Stück in großem Maßstahe

beim

Peripherischen völlig zum Schweigen bringen, wenn man in wieder, zwei Farbentafeln Einzelheiten von dem

allem und jedem mehr stillschweigend — aus dem Grund geübtes
theologisches Denken neben und hinter dem reichen religionspsychologischen
und -pädagogischen Wissen am Werke sähe. Doch
wäre es unbillig zu behaupten, daß Verf. irgend hier in schlimmerer

künstlerischen Hauptstück des Bandes, einer Opferplatte
aus dem Anfang der 4. Dynastie. Der Text
beschränkt sich auf die erforderliehen sachlichen
Angaben, gibt aber auch schon die Grundlagen zu

Verdammnis wäre als die meisten Unterrichtshilfen. Sie Alle trifft j einer Verarbeitung des Stoffes.

die schlagende Beobachtung Johannes Bauers, die Oefahr des heu- l _ Preis steif brosch. RM 33.60.

tigen Konfirmanden-Unterrichts sei längst nicht mehr, daß er dog-
matistisch sei, sondern die entgegengesetzte, daß er in Form der
Konversation verlaufe. Daß nur über der Theologie des ä propos
die Theologie nicht zu kurz komme! Aus ihr lebt alle Unterweisung;

sie allein trägt all das Dankenswerte, das seelsorgerische An- j <A * wcdi AG ncro i r> utklRIPHWr'ucm

knüpfungskunst etwa noch herzuträgt. "d"1' J

Fahrenbach (Baden). Peter Katz.

BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG C 1

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 18. Februar 1928.

Verantwortlich: Prof. D.E. Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. Hin richs'schen Buchhandlung in Leipzig Cl, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.