Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1928 Nr. 26

Spalte:

612-613

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Herold, Victor (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Die brandenburgischen Kirchenvisitations-Abschiede und -Register des 16. u. 17. Jahrhunderts. Bd. 1: Die Prignitz. H. 1 1928

Rezensent:

Peper, H.

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

611

Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 26.

612

bloß auf die Auffassung des Katholischen, sie greifen i kannt, interessant ist eine alte Glocke, die sich jetzt im
weiter und tiefer; z. B. zu Flemming („Die treibenden Landesmuseum zu Zerbst befindet und die aus der AnKräfte
in der luth. Gottesdienstreform" 1926) geht der ] kuhner Zeit stammen dürfte, wenn auch die Deutung
Rezensent auf die Verwertung von Luthers Gedanken ! der Bilder und Wappen umstritten ist. Siegel und Sieernstlich
ein, und was er sagt, verdient Beachtung. gelstempel sind erhalten, letzterer befindet sich im
Ganz vereinzelt kommt es vor, daß ein Referat über Wäschkezirnmer des Staatsarchivs.

eine evangelische Arbeit nur nach dein Bericht eines Wahrend sich die Arbeit Spechts bisher im wesent-

Dritten (S. 170 f. nach einem Bericht im „Tag") ge- liehen auf gedruckte Quellen stützen konnte, mußten bei

geben wird; für solche Fälle wären die Rezensionen Beginn der Reformationszeit meistens ungedruckte Ak-

unserer wissenschaftlichen Zeitschriften die geeignetere ten und Urkunden der Zerbster Archive herangezogen

Grundlage. S. 169 (Nr. 18) ist versehentlich der Name werden. Es wird uns von der Auflösung des Klosters

des Verfassers fortgeblieben. j ein Bild entworfen, das durchaus typisch ist für jene

Breslau. M. Sehian | Zeit, das zugleich dein Forscher manchen charakteristi-

Zerbster Jahrbuch. Hrsg. von R. Specht. 12. Jg. 1926/27. schcn ZuS bietet und so das Bild der Reformationszeit

Zerbst: F. Gast 1927. (63 s.) gr. 8°. RM 1.75. ! vieler Hinsicht vervollständigt. Die Eigensucht von
Das vorliegende Heft des Zerbster Jahrbuchs ent- ; Stadt und Fürstenhaus läßt sich nicht verkennen, wenn
spricht an wissenschaftlicher Bedeutung den vorher- , auch die Fürsten zunächst noch dem Kloster beistehen,
gehenden. Der erste Aufsatz ist dem Begründer dieser : Es würde zu weit führen, auf alle die Einzelheiten in
Zeitschrift gewidmet, dem am 28. November 1926 ge- ; diesem zähen Kampf zwischen Stadt und Kloster einzu-
storbenen Geheimen Archivrat Dr. Wäschke, dem gehen. Es mag aber darauf hingewiesen werden, daß
verdienstvollen Leiter des Anhaltischen Archivs zu | die Stadt sich aus Wittenberg ein Gutachten erbittet und
Zerbst. Freilich gibt der Verfasser, Studiendirektor Dr. auch erhält, und daß dieses Gutachten zweifellos Luther
Reinhardt, nur ein liebevolles Lebens- und Charakter- j selbst zugeschrieben werden muß, der ja schon 1522 in
bild, geht aber auf die Bedeutung Wäschkes als Ge- Zerbst gepredigt und einen großen Einfluß erlangt
lehrter und Heimatdichter nur ganz kurz ein. — Der hatte. Da der Rat mit diesem Gutachten sehr zufrieden
zweite Aufsatz gibt ein kurzes Lebensbild Theodor war, verehrte er Luther zwei Gulden. — Einmal mußten
Schulzes, des Nachfolgers von Wäschke als Direktor die Nonnen auch eine Predigt anhören, der der Text zu
des Archivs. Mitten aus der Arbeit hat ihn ein jäher Grunde lag: „Seid fruchtbar und mehret euch." Schließ-
Tod einige Tage nach dem Tod seines Vorgängers der 'ich einigten sich Stadt und Fürstenhaus über die VerWissenschaft
entrissen. Seine Bedeutung als Mensch teilung der Klostergüter; damit war die Auflösung des
und als Gelehrter hat der Verfasser des kurzen Auf- Klosters erfolgt, das außerdem im gleichen Jahre 1542
satzes, Oberstudiendirektor Dr. Müller Görlitz, in liebe- vollständig ausbrannte. Uber die Schicksale der letzten
voller Weise gewürdigt. Nonnen und die weiteren Schicksale der Gebäude wird
Den größten Teil des Heftes nimmt die Arbeit von dann noch kurz berichtet. Im Anhang werden dann ge-
R. Specht, dem Leiter des Zerbster Archivs, über das rmuc Angaben über die Besitzungen des Klosters ge-
Zerbster Frauenkloster ein. Auf Grund sorg- macht, sämtliche Urkunden, die Schenkungen an das
samster Quellenforschung wird uns die Geschichte die- Kloster oder Verkäufe durch das Kloster betreffen, Werses
Klosters entrollt von seinen Anfängen bis zur Auf- den angeführt. Die Listen der Äbtissinnen, der Prio-
hebung im Zeitalter der Reformation, wobei die letzten rinnen, der Probste, der sonstigen Beamten und der
Abschnitte größtenteils auf ungedrucktem und bisher Nonnen bilden den Schluß dieser Arbeit, die wertvoll
noch kaum' verwertetem Material des Anhaltischen ist nicht nur für die anhaltische Geschichte, son-
Staatsarchivs sowie des Zerbster Stadtarchivs beruhen. dein auch für die Geschichte des Klosterwesens in
— Das etwa 1213 oder 1214 in dem Vorort Ankuhn Deutschland.

an Stelle eines Armenhospitals gegründete Nonnen- Bernburg. Ii Peper.
kloster U.L.F_ wird am 9. Juni 1214 von, Bischof von me brandenb ischen Kirchenvisitations-Abschiede und
Brandenburg bestätigt Gegründet ist es von dem Ge- .Register des 16. u. 17. Jahrhunderts. Bd. 1: Die Prignir,..
schlecht derer von Zerbst, und zwar von Ida von Zerbst Hne v. Victor Herold. H. I : Kyritz. Merlin: Osellius in Komm,
und ihren Söhnen. Es schloß sich der Regel der Benedik- 1028. (Vlll, 104 S.) gr. 8°. = Veröffentlichungen d. Histor. Kommis-
tiner an, wird aber später auch genannt „(Zisterzienser- sion f.d. Prov. Brandenburg u.d. Reichshauptstadl Merlin, 4. RM 5—.
kloster" oder Kloster „St. Bernhards Ordens". Wenig Da die Akten der evangelischen Kircheuvisitationeii
spater, jedenfalls vor 1298, wird das Kloster in die der Mark Brandenburg aus dem 16. und 17. Jahrhunderl
Stadt verlegt, wird auf städtischem Grund und Boden bisher nur unvollständig und teilweise auch ungenügend
neu erbaut. Nach Ansicht des Verfassers taten die veröffentlicht waren, so ist die geplante vollständige
Nonnen das, weil sie in der Stadt besseren Schutz fan- und originalgetreue Wiedergabe dieser Akten außer-
den als draußen in der Vorstadt. Nachdem die geringen ordentlich dankenswert und für alle territorial-, lokal-
Nachrichten zusammengestellt sind, die sich über die und kirchengeschichtlichen Forschungen unentbehrlich.
Klosterkirche, die Marienkirche, erhalten haben, wird , Das Werk soll nach Maßgabe der Kirchenverwaltung dm
ausführlich auf die Besitzverhältnisse des Klosters ein- lp. Jahrhundert in Einzelheften erscheinen; doch ist da-
gegangen. Die Besitzungen lagen nicht nur in unmittel- neben auch eine Einteilung in Bände vorgesehen. Im
barer Nähe von Zerbst, sondern auch im Bernburger Vorwort dieses ersten Heftes werden die Grundsätze der
und Köthener Land. Das Kloster nahm auch an dem Veröffentlichung im einzelnen dargelegt, und man kann
Wirtschafts- und Kulturleben seiner Zeit teil, wie es sicher sein, ein sehr wertvolles und in jeder Weis,
die anderen Klöster taten. Über die Wirtschafts- brauchbares Werk zu erhalten. Das vorliegende Heft ist
weise, über Viehwirtschaft, über die Brauerei, den Obst- der Stadt Kyritz und den umliegenden, zur Inspektion
bau, den Gemüsebau, über die Verwaltung der Wälder Kyritz gehörigen Dörfern gewidmet. Es enthält die Visi-
und Mühlen erfahren wir verschiedene interessante und tationsabschiede sowie die Visitationsregister von 1541
anschauliche Einzelheiten. Auch über das innere Leben des (ergänzt 1558), von 1581 — 1600. — Ein ausführliches
Klosters, seine Verfassung, über die Wahl der Äbtissin, Eingehen auf den Inhalt der Akten würde wohl zu weit
über die übrigen Insassen und sonstige zum Kloster führen, und so mögen einige Hinweise gegeben werden,
gehörige Personen werden auf Grund der allerdings Wir finden Angaben über die Besetzung der Pfarrspärlichen
Quellen die notwendigen Angaben gemacht, stellen, eine genaue Aufstellung der Einnahmen und Be-
Die Wiedergabe einer ausführlichen Urkunde aus dein Sitzungen der Kirchen und Schulen, sowie der Pfarrer,
Codex diplomaticus Anhaltinus, die das kirchliche Leben Kapellane und Küster. Über die Amtsobliegenheiten der
im Kloster illustriert, bildet den Schluß dieses Ab- Geistlichen, über Seelsorge, Predigt und die Armenschnittes
. — Von dem äußeren Aussehen ist wenig be- fürsorge finden sich mancherlei mehr oder weniger ein-