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Ausgabe:

1928 Nr. 25

Spalte:

582-583

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jacobus, Melanchton W.

Titel/Untertitel:

A New Standard Bible Dictionary 1928

Rezensent:

Kittel, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 25.

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Für die Dauer der Badari-KuHur und die ihr vorausliegende
Fajjum-Kultur lassen sich Zahlen nicht angeben
. — Es ist ohne weiteres deutlich, welche Bedeutung
diese Ansätze Junkers für die ägyptische Religionsgeschichte
(Horns vom Delta aus nach Süden gedrungen
; vgl. Mercer, Journ. Soc. Or. Res. XII
|1928] p, 83 ff.), auch für die Kulturbeziehungen Syriens
zu Ägypten und damit für die früheste palästinensische
Geschichte haben.

Alte Handelsbeziehungen aus der Zeit nach der XII.
Dynastie zwischen Ägypten und der Guineaküste glaubt
Marianne Schmidt aus Besonderheiten in der Technik
der Herstellung der Spiralwulstkörbe nachweisen zu
können, ist sich aber selbst des Problematischen ihrer
Äuf Stellungen bewußt, die auf jeden Fall Wert für die
ägyptische Kulturgeschichte haben, insofern ;sie eine bestimmte
Handwerkstechnik zeitlich festlegen.

Mit dem Weiterleben alt-ägyptischen Glaubens in
christlicher Umbildung hat es ü. Klameth zu tun.
Er sieht von Haus aus in dem gehorsamen bez. anbetenden
Baume von Ps. Matth. 20 f. (Tischendorf, Evang.
apoer. 287ff.) und Sozomenos V, 21 den Baum der
Totengöttin von Heliopolis bez. die Persea von Hermu-
polis und führt den äthiopischen Marienhymnus des
..Blumenliedes" auf die aus dem Leibe des Osiris
sprießenden Blumen zurück. Dieser Aufsatz wäre jetzt
RGG. M Sp. 734 f. bei „Bäume und Pflanzen" nachzutragen
. Der das Jesuskind grüßende Baum stellt in der
Tat die letzte Stufe der Unterordnung der einst selbst
„göttlichen" Pflanze unter das von ihr gelöste „nu-
men" dar.

Aus dem vorderorientalischen Kulturkreis sei endlich
noch auf den folkloristisch interessanten Aufsatz
VOIl G. Höltker, Zeit und Zahl in Nordwestafrika
verwiesen, der die unbedingte Herrschaft der islamischen
Jahresrechnung belegt. Zu den Bemerkungen über die
Bezeichnung der Himmelsrichtungen bei den Kabylen
(Brust Osten; linke Schulter Süden; Rücken Westen
; rechte Schulter Norden), die nur dann sinnvoll
sind, wenn man sie vom personifizierten, auf die Erde
schauenden Himmel abnimmt, wäre jetzt die umfassende
Studie von K. Tallkvist, Stud. Or. II (1928), 105ff.
heranzuziehen.

Daß in einer Festschrift für P. W. Schmidt die
high gods nicht fehlen dürfen, ist selbstverständlich.
P. M. G u s i n d e legt seine Forschungen über den als
Eingott verehrten Temäukel der Selk'nam auf Feuerland
vor, die er unabhängig von den dort arbeitenden italienischen
Salesianern (Borgatello, Zenone), aber mit einem
Ergebnis unternommen hat, das sich mit deren Veröffentlichungen
weithin deckt. Hinter den Sternen, ohne
Weib und Kinder, weilt T. ewig in völliger Einsamkeit.
Er ist der Geber alles Rechtes und Richter und Rächer
über die Menschen, die freilich nicht er geschaffen,
sondern die Ahnen, deren ersten er gebildet hat. Seinen
Namen umschreibt man meist ehrfürchtig, man betet zu
ihm bei ernster Krankheit eines Kindes, man opfert ihm
bei Nahrungsaufnahme zu ungewohnter Zeit oder schwerem
Unwetter. Auch für den Mulugu der Atchwabo in
Portugiesisch-Ostafrika weist P. M. Schulien (neben
Dämonen- und Seelenglauben) ein Opfer (den ersten
Fisch beim Fang) und ein Gebet einer lange unfruchtbaren
Frau nach: „Kam ich nicht oft zu dir und habe
um Geburtsschmerzen gebeten! In meinem Schoß ist
jetzt viel Weinen!" Hingegen bringt für den 'Jmäna der
Kivu-Pvgmäen P. P. Schumacher aus dem Munde
des „Patriarchen" Bidögo das Zeugnis, daß man wohl
zu ihm betet, ihm aber nicht opfert. Für die Einzelheiten
des Glaubens und der Sittlichkeit der Kivu wird
man die wörtliche Mitteilung der Aussagen des Bidogo,
die im Anthropos erfolgen soll, abwarten müssen, so
interessant auch die hier gebotene freiere Wiedergabe
ist. Ich verweise auf das Ausscheiden der Totenseelen
aus dem Herrschaftsbereich Imana's, auf die Hochwertung
des menschlichen Verstandes und die damit verbundene
stark rationale Begründung der Ethik („Vernünftig
ist es, dein Weib zu ehren, sie rücksichtsvoll zu
behandeln, und sie schenkt dir Nachkommenschaft. Von

i Einsicht zeugt es, das Gebot des Königs zu achten und
für dein Haus zu sorgen . . ."), endlich auf die starke
Spannung der allgemeinen, sehr milden und friedfertigen
Ethik („Wer seinen Mitmenschen haßt, haßt Gott
selbst . . . Ein schweres Verbrechen ist es, einen Menschen
leichtsinnig zu töten . . .") und der ganz entgegengesetzten
Kriegsforderungen: „Krieg ist Krieg:
Alle Feinde, sowie man ihrer habhaft wird, werden niedergemacht
, hier wäre unmännliches Mitleid nicht ange-

i bracht, es ist nur die gerechte Strafe für ihre Unverträglichkeit
[ !!]. Solche Elemente müssen beseitigt werden.
Selbst der Frauen und Kinder hat man nicht zu schonen,
da die Männer den Frieden brachen. Die Frauen sollen

| nicht wieder derartige Ungeheuer [!!] gebären, und die Kinder
sollen nicht zu reißendem Raubzeug heranwachsen". Also
sprach Bidogo, der Pygmäe. Sollte er vielleicht von den
in seinem Gebiet arbeitenden französischen Missionaren
gewisse Pariser Zeitungen entwendet haben? Im Ganzen
wird man sagen dürfen, daß durch das vorgelegte
neue Material das bisherige Bild von den high gods im
wesentlichen bestätigt ist, vor allem ihre bis auf verschwindende
Einzelheiten bestehende Kultlosigkeit.

Da die Forschungen P. W. Schmidts durchaus
missionarischen Ursprungs sind und seine jetzige Tätigkeit
als Direktor des Museo missionario etnologico in
Rom ihn wieder in unmittelbare berufliche Beziehungen

, zur Mission gestellt hat, fehlen auch die Beiträge aus
der Missionswissenschaft, abscheulich „Missiologie" genannt
, nicht. Sie beschäftigen sich mit dem Problem der
„Akkomodation", der Anpassung an die einheimischen
Sitten, Gebräuche und Lebensregeln. Pi P. Maarschal
kerweerd handelt historisch von der A. der
Franziskanermönche im Mexiko des 16. Jahrhunderts,
P. Joh. Thauren zeigt an der Hand des Materials im
Mus. miss. etn. Weite und Grenzen der A. in der heutigen
katholischen Missionspraxis. Daß die lutherische
Missionsarbeit in der Erhaltung nichtreligiösen primitiven
Volksgutes im Gegensatz zu europäisierenden Methoden
anderer protestantischer Gruppen der von T. geforderten
Praxis nahesteht, kommt bei seinen kurzen Ausführungen nicht
zur Geltung; der entscheidende Gegensatz bricht da ungewollt
durch, wo er für die äußere Kultgestaltung die „kirchlichen
geltenden Bestimmungen" als selbstverständliehe

i Norm betont, für das Problem einer aus den seelischen
Eigenarten der verschiedenen Völker erwachsenden eigenständigen
Kultusform, eines „volkskirchlichen"
Gottesdienstes aber keinen Sinn zeigt.

Ich breche ab, da ich hoffe, aus dem Reichtum
dieser Festschrift die für die Bibelwissenschaft im weitesten
Sinne, die Religions- und Missionswissenschaft
wichtigsten Beiträge erfaßt zu haben. Im Ganzen ein
monumentales Werk, dessen Ausstattung auf der Höhe
des Inhalts steht.
Göttingen. Johannes Hemptl.

A New Standard Bible Dictionary. Designed as a comprehensive
help to the study of the scriptures, their languages, literary Problems
, history, biographic, manners and customs, and their reli-
gious teaebings. Edited by Prof f. Melancthon W. Jacobus,
D.D., Edward E. Nourse, D.D., and Andrew C. Zenos, D.
D. In association with ainerican, british, and german scholars.
Completely revised and enlarged. Embellislied with many illustra-
tions, plans, and maps. London: Funk rv. Wagnalls Company 192G.
(XXIV, 9Ö5 S.) 4».

geb. in Lwd.: 35 sh.; in Buckr.: 42 sh.; in Ldr.: 52 sh. 6 d.
Dieses Lexikon ist die zweite Auflage des 1909 erschienenen
,,A Standard Bible Dictionary". Es ist zwar durchgesehen und
mannigfach erweitert, aber in seiner Eigenart unverändert. Nach Art,
Inhalt und Richtung entspricht es ungefähr unserm Guthe'schen
Bibelwörterbuch. Es wird dem englisch-amerikanischen Studenten
und theologisch interessierten Publikum das Realiemrratcrial zum
Verständnis der biblischen Gegenstände an die Hand geben und sich
| dafür als im Ganzen zuverlässiger Führer erweisen. Mehr will und