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Ausgabe:

1928

Spalte:

577-578

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wunderle, Georg

Titel/Untertitel:

Religion und Magie. Grundsätzliche Betrachtung 1928

Rezensent:

Bertholet, Alfred

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack

Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Hans Lietzmann, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermin

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. K u r t D i e t r i c h S c h m i d t, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

C5 1 l,KT- Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in Oöttingen, o navamhar 107Ä

ÖO. JatlTg. IM. LO. Hainholzweg 62, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. O. 1/CZLiniltT IzXO.

Spalte

VV u n d e r 1 e: Religion und Magie (Bertholet). 577

The Seräbit lnscriptions (Gustavs)......578

Testschrift (Publication d'honimage) für

P. W. Schmidt (Hcmpel)..........579

A New Standard Bible Dictionary (Kittel). 582
Hornhäuser: Das Johannesevangelium,

eine Missionsschrift für Israel (Biichscl). 583

Spalte

August in i: De civitate Dei libri 22 (Ficker) 584
Erdmann: Papsturkunden in Portugal

(Dannenbauer)................584

Gr und mann: Studien über Joachim von

Eloris (Seeberg)...............585

Er icke: Die Christologie des Johannes

Brenz (Köhler)...............587

Spalte

Auf rauhem Wege (Seeberg).........588

Ziehen: Die Grundlagen der Religionsphilosophie
(Monotheismus) (Wobbermin). 589

Zu meiner Rezension Th. L. Z. Nr. 23,

Sp. 532-36 (Beyer)............590

.Mitteilung (Hirsch)..............598

Wunderle, Prof. D. Dr. Georg: Religion und Magie. Grund- j Überlegenheit über die Macht zur Durchführung zu brin-

sätzüchc Betrachtung. Mcigentheim: K. Oldinger 1920. (74 s.) 8°. gen suche (S. 71). Aber damit dürfte doch nur ein

RM 2 - Teil des faktischen Unterschiedes zum Ausdruck ge-

In einem ersten Kapitel (Allgemeine Erscheinungsweise
der Religion und der Magie) geht der Verfasser
von zwei konkreten Beispielen aus dem Weltkrieg aus:
da trägt ein junger Akademiker eine geweihte Medaille
seines Namenspatrons um den Hals, ein weniger gebildeter
junger Mann dagegen ein kleines Linnensäck-
chen mit Heimaterde auf dem Herzen: sie wird ihn
sicher zur Heimat zurückbringen. Dies letztere ist gewiß
ein vortreffliches Beispiel magischer Einstellung: es ist
Glaube an eine schlechthin immanente Kraft (S. 27),
Vertrauen auf Ursächlichkeit, die — fälschlicherweise —
für mechanisch notwendig wirkend gehalten wird (S.
29). Aber ist jener erste Fall minder magisch? Nach
dem Verfasser zweifellos. Denn gerade am Unterschied
beider jungen Menschen sucht er das Bezeichnende,
Unterscheidende und damit Wesentliche der Religion
sowie der Magie herauszuschälen. Was jenen ersten
auszeichnet, ist, daß er kraft seiner religiösen Einstellung
an ein Moment transzendenten Charakters anknüpft
, sofern er seine Erwartung an etwas heftet, was
ihm im geweihten Objekt an außer- und über-sinnlicher
Hilfe gleichsam verdinglicht oder verkörpert erscheint
(S. 26). An diesem Punkt zeigt sich der spezifisch
katholische Standpunkt des Verfassers, von dem aus er
auch Max Webers Auffassung des magischen Charakters
des kirchlichen Sakrament- und Kultwesens als kritiklos
verpönt (S. 12 vgl. 73). Wer wie der Referent in der
Magie überhaupt nur in Praxis umgesetzte dynamistische
Auffassungsweise sieht (vgl. NGO. 1927, S. 15), der
wird anderer Meinung sein. Und das auch in bezug auf
die Entstehung der Religion und der Magie, der das
zweite Kapitel gewidmet ist. Bei den Allerprimitivsten
soll die magische Einstellung nahezu ganz fehlen (S.
42); die Religion dagegen auf dem schlichten, geraden
Wege menschlicher Geistesbetätigung entstanden sein
und sich dadurch als ursprünglich ausweisen, während
die Magie Verderbniserscheinung sei (S. 45). In der
Magie nämlich trete statt des Strebens nach denkender
Überwindung der ungewohnten Lage gewalttätig die
Sucht auf, die Kraft, die den Menschen zum Stehen
und Stutzen gebracht hat, zu selbstischen Zwecken auszubeuten
(S. 40). Wunderle betont also besonders stark
ihren egoistischen Charakter (z. B. auch S. 62). Entsprechend
führt ihn die Betrachtung der zwei letzten
Kapitel ( Tntwicklung der Magie" und „die Religion als
Gegnerin der Magie") dazu, den Hauptunterschied beider
dahin zu charakterisieren, daß vom Religiösen die
in der göttlichen Kausalität verwirklichte Macht als
schlechthin überlegen anerkannt und verehrt werde,
während der magisch Eingestellte stets seine eigene

577 578

bracht sein und auch dieser nur halb richtig; denn der
magisch Eingestellte ist sich einer Überlegenheit bewußt
, nicht über die Macht, sondern durch die Macht,
die er verwendet, weil sie als solche automatisch wirkt.
Berlin. A. Bertholet.

The Seräbit lnscriptions. 1. The Rediscovery of the lnscriptions
of Kirsopp Take and Robert P. Blake. II. The Decipherment
and Signiflcance of the lnscriptions of Romain F. Bat in. Reprinted
froin the Harvard Theological Review Vol. XXI, No. 1, Jan. 1928.
Cambridge: Harvard University Press. (67 S.) gr. 8°.

Die 1905 von Flinders Petri entdeckten, im
Jahre 1916 von Alan H. Gardiner herausgegebenen
und behandelten Sinai - Inschriften von Seräbit el
Chädem, in deren Schriftzeichen Gardiner und Sethe
eine Vorstufe der phönizischen Buchstabenschrift erblicken
, haben eine erhöhte Aufmerksamkeit auf sich gezogen
, nachdem Hubert Grimme 1923 in einer der Inschriften
den Namen des Mose und der ägyptischen
Königin Hatschepsut gefunden haben wollfe. Ihm ist
sehr energisch von Kurt Sethe widersprochen worden,
der darauf hinwies, daß Grimme zufällige Risse im
Stein für Schriftzeichen genommen habe; auch müsse
man von jedem Versuche einer weiteren über die grundlegende
Lesung Ba'alat hinausgehenden Deutung der
großenteils trostlos zerstörten, daher gewiß auch nicht
ganz zuverlässig gelesenen und publizierten Inschriften
absehen. Sethe sagt am Schlüsse seiner Kritik (ZDMG.
N. F. 5 S. 54): „Wenn es möglich sein sollte, durch
nähere Untersuchung der am Sinai verbliebenen Originale
, die natürlich aber nur durch einen völlig unbefangenen
Beurteiler erfolgen dürfte, und vielleicht gar
durch Auffindung neuer und womöglich besser erhaltener
Inschriften in derselben Schrift die mancherlei dunklen
Punkte aufzuhellen, die es dabei noch gibt, so wäre
das allein schon des Schweißes der Edlen und des Geldes
opferwilliger Freunde der Wissenschaft wert." Ein
gut Teil dieser wichtigen Arbeit hat inzwischen eine
kleine Expedition geleistet, die im Frühling 1927 nach
dem Sinai zog, um die Handschriften des St. Katharinenklosters
zu studieren. Auf Drängen Gardiners entschlossen
die Professoren Lake und Blake sich, auf der
Rückreise den Umweg über Seräbit el Chädem zu
machen. Es gelang ihnen, die Inschriftensteine wieder
aufzufinden und die meisten in das Museum nach Kairo
zu bringen, wo sie nun in Muße studiert werden können.
Trotzdem sie wenig Zeit zur Verfügung hatten, fanden
sie noch zwei neue Inschriften und ein neues Fragment
dazu. Sie mutmaßen wohl mit Recht, daß bei einer genaueren
Nachforschung noch eine reichere Nachlese ge-