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Ausgabe:

1928 Nr. 23

Spalte:

541-542

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Preuschen, Erwin

Titel/Untertitel:

Griechisch-Deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur. 2. Aufl., vollst. neu bearb. v. Walter Bauer. 4. bis 10. Lfg 1928

Rezensent:

Debrunner, Albert

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 23.

542

söhnung. So gut wie alles darin Geschilderte halte ich
für richtig, vor allem die starke Betonung, daß Buße
für das Judentum die wirksame Bedingung aller Vergebung
ist; richtig auch, daß die wenigsten christlichen
Darstellungen die zentrale Bedeutung der Buße für das
Judentum erkannt haben (I., S. 507, 520ff.). Aber erst
da, wo Judentum und Christentum nebeneinanderstehen,
wird ganz sichtbar, was es um diesen Sünden- und
Bußbegriff ist, sowohl in seiner Größe als auch in
seiner Unterschiedenheit von allem christlichen Bußbegriff
. Das heißt: erst dort wird deutlich, daß Buße
in der Religion der Leistung und in der Religion der
Gnade zwei verschiedene Dinge sind. —

Die kritischen Anmerkungen möchten nur ein Ausdruck
des Dankes sein. Man kann ein Werk dieser Art
nicht besser lohnen, als indem man es zum Anlaß nimmt,
die von ihm angeregten Fragen neu zu durchdenken und
neu zu prüfen. Und dazu hat die theologische und
historische Forschung auf christlicher Seite gewiß allen
Anlaß. Sie ist noch immer voll von Vorurteilen in
Bezug auf das in Frage stehende Judentum. Ein genaues
Studium des M.'sehen Werkes wird an vielen
Stellen gründlich Remedur schaffen. Z. B. wird die
Legende von der Weltabgewandtheit des spätjüdischen
Gottesbegriffes hoffentlich endgiltig abgetan sein. M.
formuliert sehr fein: „supramundane but not extramun-
dane, exalted but not remote" (L, S. 368f., 423 ff.).
Vor allem aber darf man vielleicht hoffen, daß die
Wärme, mit der dieser christliche Forscher von der
Größe der in den rabbinischen Quellen sich erschließenden
Welt zu reden weiß, die Sicherheit der christlichen
Religionswissenschaft überwinden hilft, daß diese Welt
eine öde und religiös unfruchtbare und darum mit
Gleichgiltigkeit zu behandelnde sei.
Tübingen. Gerhard Kittel.

Preuschen, Erwin: Griechisch - Deutsches Wörterbuch zu
den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen ur-
christlichen Literatur. 2. Aufl., vollst, neu bearb. v. Walter
Bauer. Gießen: A. Töpelmann 1926—1928. (XX S. u. 1434 Sp.)
4°. RM 34.50; geb. 38—.

Nachdem die Leser der ThLZ. über die 1. Lieferung
dieses Werks (1925, 222 f.) und über den raschen
Fortgang der Veröffentlichung (1926, 81 f.) unterrichtet
worden sind, kann heute, wo das Buch fertig vorliegt, gesagt
werden, daß es durchaus alles hält, was der Anfang versprochen
hat, ja'sogar mehr: hatte sich der Bearbeiter in den drei
ersten Lieferungen möglichst eng an Preuschen angeschlossen
um die Neuausgabe zu beschleunigen, so verschafften
ihm die Druckschwierigkeiten in der Zeit der
Geldentwertung die Muße zu gründlicherer Umarbeitung
. Stichproben zeigen, daß der Name Preuschen
jetzt im Gesamttitelblatt im Gegensatz zur Überschrift
der 10 Einzellieferungen mit Recht zurückgetreten ist;
Bauer hat so viele Artikel neu aufgebaut, so viele Bedeutungen
geändert und zugesetzt, die Literaturangaben
so stark vermehrt, daß das Buch (bei Berücksichtigung
der Veränderung von Druckart und Satzspiegel) um die
Hälfte größer und geistiges Eigentum des Bearbeiters
geworden ist. Zu beachten ist auch der von B. hinzugefügte
Abschnitt „Zur Einführung" (9 S.), der dem
Anfänger einen allerersten Überblick über das nachklassische
Griechisch und die Stellung der Sprache des
N.T.s in ihm gibt.

Es ist zu hoffen, daß dem nun so hervorragend
brauchbaren Buch trotz dem — nicht im Vergleich zum
Gebotenen, aber für die Börse des heutigen Theologiestudierenden
und Pfarrers — hohen Preis bald eine
Neuauflage zuteil werde. Nach welcher Richtung das Buch am
meisten der Verbesserung bedarf, das weiß B. selbst:
er hat zwar gewissenhaft die neueren sprachwissenschaftlichen
Grammatiken des n.t. Griechisch herangezogen
; aber wo diese versagten (und versagen mußten,
da sie eben keine Lexika sind), übernimmt B. dann und

wann aus Preuschen oder sonstiger älterer Literatur
sprachwissenschaftlich Überholtes.

( ( Beispiele: Das adv. cv&vs erklärt B. als Neutrum des Adj.
ei»vg „mit zugefügtem -s"; es ist vielmehr nichts andres als der
adverhiell gewordene Nom. Sing, des Mask., der neben dem adv.
Neutrum tafh) genau so steht wie im Lat. das adv. adversus neben
adversum oder wie im Deutschen sclb-cr neben selb-s(t). — uaaTiodijg
ist nicht „kontrahiert aus /uaoToeidtjg "; die Bildungen auf -tödtjg
stammen von der Wurzel od- „riechen" und sind erst nachträglich
mit denen auf -a-ttdr]g (so akzentuiert!) gleichwertig geworden.
| — Die Unform tylto, die es nie gegeben hat (die Wurzel ist fr,- mit
altem e-Laut), sollte verschwinden. — In der Wiedergabe des hehr, i
befolgt B. keinen Grundsatz; da in dem handschriftlichen Javeid
HXeing lepet/m MeXyei usw. mit et nichts andres als ein langes
t gemeint ist, so haben wir, da wir uns sonst nach der klassischen
attischen Schreibweise richten, ohne Rücksicht auf die Handschriften
durchgehend //autr) 'HXi«g usw. zu schreiben, so gut wie
wir z. B. allgemein Im N.T. « jj tu schreiben, obwohl das / zu
jener Zeit nicht gesprochen wurde und in den älteren Handschriften
des N.T.s nicht geschrieben ist.

Aufs Ganze gesehen und neben dem philologischtheologischen
Hauptzweck des Buches sind diese Mängel
untergeordnet; aber für die nächste Auflage empfiehlt
es sich doch, einen Linguisten zur Überprüfung
heranzuziehen.

Zur Beurteilung der theologisch-exegetischen Seite
bin ich nicht befugt; aber Fachleute wie Ad. Deißmann
(DLZ. 1925, 1105 ff.) und J. Kögel (ThLBl. 1927,
241 ff.) machen keinen Einwand. Daß das 1233 Seiten
starke Biblisch-theologische Wörterbuch von Cremer-
Kögel (11. Aufl. 1923) mit seinen eingehenden begrifflichen
und begriffsgeschichtlichen Studien durch
Bauers Buch ebenso wenig überflüssig wird wie umgekehrt
, das ist bei den verschiedenen Zielen der beiden
Werke selbstverständlich.

Jena. A. Debrunncr.

P e t e r S O n , Prof. Erik: BlSl BEOS. Epigrapbischc, formgeschichtliche
und religionsgeschichtlichc Untersuchungen. Mit zahlreichen Abbildungen
, Wort-, Stellen-, Sach- und Autoren-Register. Göttingen :
Vandenhoeck 8t Ruprecht 1926. (VIII, 346 S.) gr. 8°. RM 25 - .
Dieses reichhaltige Werk, in dem der Verf. seine
Dissertation von 1920 aus- und grundlegend umbaut,
will zunächst das Vorkommen der christlichen elg
&ei'.g- Formel auf Inschriften feststellen und deuten. Auf
den ersten 130 Seiten der Schrift sind die Belege, in 4
Abschnitten gruppiert (Syrien, Ägypten, die übrigen
Länder, Werke der Kleinkunst), verzeichnet und kommentiert
. Darstellung und Widerlegung einer Hypothese
von Prentice über den Zusammenhang von elg &eög auf
Inschriften mit der liturgischen Formel elg -acttrfi aytog,
elg v'ing ayiog, er m>sv(ta äytov führt die Untersuchung
dann auf die Existenz von elg- Formeln als Akklamation
; und damit ist recht eigentlich das Haupt-
thema des Buches gewonnen, der Beweis der These, daß
das christliche elg ireög eine Akklamation und daß der
begriffliche Charakter der Formel erst sekundär sei. In
diese Erörterung werden allerlei Sonderuntersuchungen
verflochten, über Akklamationen überhaupt, über die Bedeutung
von Akklamationen in der Aretalogie und über
die Vereinigung von mehreren Göttern in einer e/e-For-
mel. Den Beschluß macht dann eine Untersuchung über
das Vorkommen der Formel im Judentum, in deren Zusammenhang
auch die Stelle Jak. 2, 19 besprochen wird.

So geht die Bedeutung des Buches über die Geltung
einer wertvollen Materialsammlung weit hinaus.
Und keine Besprechung vermag auf alle die Sonderfragen
einzugehen, die namentlich in dem Kommentar
zu den Inschriften, aber sodann auch im weiteren Verlauf
der Untersuchung angerührt werden. Nur hat der
Verf. es dem Leser beträchtlich erschwert, den Reichtum
des Buches voll auszuschöpfen, indem er es meist unterlassen
hat, solche Sonderuntersuchungen in Anmerkungen
, Exkursen oder in durch Kleindruck abgesetzten
Abschnitten unterzubringen; von zwei Anhängen des
vierten Abschnittes abgesehen, ist vielmehr alles in die