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Ausgabe:

1928 Nr. 23

Spalte:

537-541

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Moore, George Foot

Titel/Untertitel:

Judaism in the first centuries of the Christian era. The age of the Tannaim. Vol. I and II 1928

Rezensent:

Kittel, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 23.

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demen, Carolas: Fontes historiae religionis Germanicae.

Berlin: W. de Gruyter & Co. 1928. (112 S.) 8°. = Fontes historiae
rcligiomnn ex auctoribus graecis et latinis collecti, fasc. 3. RM 5 —.
Prof. E. Mogk in Leipzig ist seit Jahren dabei, für
die Göttinger „Quellen der Religionsgeschichte" einen
Band zusammenzustellen, der dem Erforscher der altgermanischen
Religion an die Hand gibt, was sich an
Urkunden und Nachrichten über diese finden läßt.
Mogks Arbeit ist zum größten Teile ganz und gar nicht
leichte Übersetzungsarbeit. Ihrer Vollendung sieht erwartungsvoll
entgegen, wer von der Vorbereitung Kunde
hat. Dankbarst begrüßen muß man aber einstweilen
auch diesen neuen, dritten Fasciculus der Clemen'schen
Sammlung „Fontes historiae religionum", dessen Zusammenstellung
der Herr Herausgeber selbst auf sich
genommen hat. Er gibt die ausgewählten Quellen in
ihrem lateinischen oder griechischen Urtext, selbstverständlich
durchbin nach den besten vorhandenen Ausgaben
. Der Index auetorum, librorum, conciliorum weist
93 Nummern auf. Es ist als nicht geringe Anerkennung
anzusehen, wenn ich sagen muß, daß ich in dem Faszikel
einzig Eligius (Bischof von Noyon, gest. 659)
vermisse. Im übrigen hätte ich nur eine weitere kritische
Bemerkung zu machen: Wenn Giemen, wie er
das getan hat, die nordischen Quellen ausschloß, so
hätte er doch wohl auch Saxo Grammaticus beiseite
lassen müssen, der ja auf nordische Sagas zurückgeht.
Leipzig. H. Haas.

Löhr, Max: Das Räucheropfer Im Alten Testament. Line
archäologische Untersuchung. Halle a. S.: M. Niemeyer 1927.
(VIII, 37 S. u. 16 Abb. auf Taf.) 4°. = Schriften d. Königsberger
Gelehrten Gesellschaft. Geisteswissenschaft!. Kl., 4. Jahr, H. 4.

RM 4—.

Eine sorgfältige, mit Liebe zur antiquarischen Gelehrsamkeit
geschriebene Untersuchung über ein Problem der Pentateuchkritik
und der biblischen Archäologie. Es handelt sich um die Widerlegung
der von Wellhausen aufgestellten und meist kritiklos wiederholten Behauptung
, der vorexilische Gpferritus habe erst spät das Weihrauch-
Opfcf aufgenommen, als eine Form des gesteigerten Luxus im Kult,
vgl. Jer. 6,20. Vf. widerlegt diese Meinung mit sehr beachtlichen
Gründen aus einer genauen Exegese von I. Sam. 2,28; Jer. 6,20;
Jes. 43,22ff.; 1. Reg. 6,20ff., 7,48ff.; Ex. 30, 1 ff.; Lev. 4,
1 ff. und 5,7ff.; Lev. 2 und 10,1 ff.; Num. 16. Für entscheidend
halte ich, außer der zuerst genannten Stelle, die Notiz im Bericht
über den Tempelbau, wo von dem Altar aus Zedernhojz. mit Gold-
blechüberzug die Rede ist. Das kann nur ein Altar für Räucheropfer
sein. Im übrigen ist diese Kultsitte für das alte Israel a priori
so wahrscheinlich, wie die von Wellhausen aus der Jeremiastelle und
einseitiger Literarkritik gezogenen Folgerungen von vornherein unwahrscheinlich
waren.

Dankenswert sind die das Hauptthema der Studie umrahmenden
archäologischen Zusammenstellungen über Räuchermaterial im Altertum
und seine Verwendung und über Handel und Verkehr mit diesem
Material, über den Räucheraltar in der nachbiblischen Überlieferung
und über den vermutlichen Zweck des Weihrauchopfers.

Jena. W. Staerk.

Jones, Dr. phil. T.: Quelle, Brunnen und Zisterne im Alten
Testament. Leipzig: B. Pfeiffer 1928. (VIII, 35 S.) gr. 8°. =
Morgenländische Texte u. Forschgn., Bd. I, H. 6. RM 6—.
Die Arbeit, die als Dissertation der philosophischen Fakultät
der Universität Leipzig vorgelegen hat, bringt eine Zusammenstellung
über die Gestalt, Entstehung und Benützung von Quellen, Brunnen
und Zisternen anhand des A.T., der späteren hebräischen, der archäologischen
Literatur sowie der modernen Reiseberichte. Wesentlich
Neues wird nicht gesagt. Man vermißt in diesem Zusammenhang
Näheres über warme Heilquellen, Teiche und Wasserleitungen und
würde gerne, besonders den Abschnitt über Brunnen und Quellen im
Volksleben, vor allem nach der religionsgeschichtlichen Seite hin
kritisch vertieft sehen. Der Preis des Heftchens ist ungewöhnlich
hoch.

Gaiberg bei Heidelberg. A. Weiser.

Moore, Prof. George Foot: Judaism in the first centuries of the
Christian era. The age of the Tannaim. 2 Vols. Cambridge: Harvard
Univcrsity Press 1927. (X, 552 u. VIII, 487 S.) gr. 8°. 10 $.
Inhalt: lntrodudion: I. Historical (The Founda-

tions of Judaism; — Ezra and the Great Synagogue; —

The Scribes; - The Religious Crisis; — Rise of the
Pharisees; — Shammai and Hillel; — Reorganization
at Jamnia; — Consolidation of Judaism; — Character
of Judaism) p. 1—121; //. The Sources (Critical Prin-
ciples; — Commentaries on the Laws; — Formulation
and Codification; — Homiletic Commentaries; — Versions
of Scripture, Prayers; — Extraneous Sources; —
Testaments, Jubilees, Sectaries at Damascus; — Historical
Sources; — Aids to the Use of the Sources) p. 123
bis 216; Part I: Revealed Religion (Nationality and
Universality; — The Scriptures; — The Unwritten Law;

— The Perpetuity of the Law; — The Synagogue; —
The Schools; — Conversion of Gentiles) p. 217—353;
Part II: The Idea of God (God and the World; —
The Character of God; — Ministers of God; — The
Word of God, the Spirit; — Majestv and Accessibility
of God) p. 355—442; Part III: Man, Sin, Atonement
(The Nature of Man; — Sin and its Consequences; —
The Origin of Sin; — Ritual Atonement; — Repen-
tance; — The Efficacity of Repentance; — Motives of
Forgiveness; — Expiatory Suffering) p. 443—552; Part
IV: Observances (Religious Principles, Cultus; — Cir-
cumeision, Sabbath; — Annual Festivals; — Public
Fasts; — Taxation, Interdictions) vol. II, p. 1—78;
Part V: Morals (General Considerations; — Motives of
Moral Conduct; — Duties to Rulers; — The Family;

— Unlawful Gain, Wrongs in Words; — Relations of
Sozial Classes; — Private and Public Charity; —
Justice, Truth, Peace) p. 77—197; Part VI: Piety (The
Father in Heaven; — Prayer, Faith; — Study; — Cha-
stisement; — Fasting; — Chastitv, Modesty, Humility)
p. 199—275; Part VII: The Hereafter (Introduetory;

— Retribution after Death; — Messianic Expectations;

— Eschatology) p. 277—395; Indexes p. 397—486.
Der Verfasser dieses Werkes hat einmal vor ein

paar Jahren einen ausführlichen Aufsatz in Harv. Theol.
Rev. veröffentlicht, der den Titel trug: „Christian Wri-
ters on Judaism" (1921, S. 197—254; deutsch in: Ost
und West, Monatsschrift für das gesamte Judentum,
1922/23). Der verstorbene Professor Graf Baudissin
hielt diesen Aufsatz für so wichtig, daß er in dieser
Zeitung 1923, S. 241 ff., einen ausführlichen Bericht
über ihn geben zu sollen glaubte. Was den Aufsatz
auszeichnete (dem in den letzten Jahren mehrere andere
, nicht minder inhaltreiche Abhandlungen in Harv.
Theol. Rev. folgten: „Intermediaries in Jewish Theo-
logy, 1922, S. 41—85; „The Rise of Normative Judaism
, 1924, S. 307—373), war die sofort sichtbar
werdende vollkommene Beherrschung der rabbinischen
Quellen in Material und Problematik und die von da
aus mit rückhaltloser Schärfe geführte Kritik an den mit
dem Gegenstand sich beschäftigenden christlichen Darstellungen
, vor allem an Webers „System der altsynago-
galen palästinischen Theologie", Boussets „Religion des
Judentums" und Schürers „Geschichte des jüdischen
Volkes im Zeitalter Jesu Christi". Der Einzige, der in
M.s Augen Gnade fand, war Dalman (Billerbecks Kommentar
war damals noch nicht erschienen, ist aber
inzwischen von M. gleichfalls mit Worten hoher Anerkennung
bedacht worden). Nach mehr als dreißigjähriger
Arbeit, wie er im Vorwort mitteilt, legt der
76jährige nun die zwei Bände seines eigenen Werkes
vor, denen möglicherweise (und ich füge mit Nachdruck
hinzu: hoffentlich) ein dritter Band folgen soll,
der ausführliche Anmerkungen und Exkurse bringen
würde. Die bisherigen Bände sind in den Anmerkungen,
soweit sie nicht Stellenangaben betreffen, sehr sparsam.

Wie der Aufriß des Werkes zeigt, gibt es in der
Hauptsache in breiter Anlage dasjenige, was bei Schürer
fehlte. Schürer gab eine Geschichte der politischen
Vorgänge, der Literatur, der Kultur, auch des Kultus
des Spätjudentums, aber die eigentliche Religion und
Frömmigkeit fehlte in seiner Darstellung so gut wie
ganz. M. gibt einleitungsweise einen kurzen Abriß der
historischen Entwicklung von Esra an, aber auch ihn