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Ausgabe:

1928 Nr. 20

Spalte:

468-469

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wotschke, Theodor

Titel/Untertitel:

Polnische Studenten in Leiden 1928

Rezensent:

Völker, Karl

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 20.

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dern aus Gewissensangst und Gesetzeseifer ab (S. 63).
Die Frage nach der Herkunft dieses Gedankengutes beantwortet
d. Verf. in der Weise, daß sie zunächst
die Zusammenhänge mit den mittelalterlichen antipäpstlichen
Bewegungen, mit dem Humanismus, der grundsätzlich
die Forderung der Gütergemeinschaft nicht ablehnte
, mit Luther und Zwingli, die die Hutterer jedoch
nur als ihre Wegbereiter haben gelten lassen, klarstellt,
um alsdann den Eigenbau der Bewegung darzutun. Sie
hätte dabei nur noch kräftiger als sie es tut, den Umstand
unterstreichen sollen, daß sich die Führer der
Täuferbewegung als Propheten, durch die Gott ihrer
Gemeinschaft neue Offenbarungen enthüllt habe, fühlten
. Indem sie vom „Hutterischen Gedankengut" handelt
, möchte sie allerdings von vornherein darauf hinweisen
, daß die Mährischen Täufer durch die starke
Persönlichkeit Jakob Hutters in entscheidender Weise
bestimmt worden sind. Die Abgrenzung der Gedankengänge
desselben gegenüber anderweitigen „Propheten"
der Täuferbewegung läßt auch die Wesensart des nach
ihm benannten Gemeinwesens, dessen Schicksale d.
Verf. über die Zeiten der Verfolgung daheim und ihre
Verpflanzung nach Ungarn, Siebenbürgen, Rußland und
Amerika bis auf die Gegenwart schildert, deutlicher erfassen
. — Die durch eine klare Darstellung, besonnene
Einfühlung in die täuferische Gedankenwelt und sorgsame
Verarbeitung des Quellenstoffes ausgezeichnete
Untersuchung M. s, die auch bei den subtilsten Einzelzeiten
das Ganze im Auge behält, ist als Auftakt zu den
geplanten Täuferpublikationen des Vereins f. Reformationsgeschichte
besonders willkommen zu heißen.
Wien._Karl Völker.

Jentsch, Dr. Heinrich: Nickel Schmidt (Nicolaus Faber)
und Michael Blum, zwei Leipziger Drucker der Reformationszeit
. (Dissertation. Leipzig 1927.) Wolfenbüttel: Heckners
Verlag 1928. (VII, 48 S. u. 36 Abb. auf 8 Taf.) gr. 8°. = Archiv
f. Schreib- u. Buchwesen, Sonderheft Nr. 1. RM 5--.

Daß der Verf. die beiden Drucker zusammengenommen
hat, ist darin begründet, daß zwischen ihnen
eine Geschäftsverbindung bestanden haben muß (wenigstens
existiert ein Druck von 1539, auf dem Blum
als der Drucker, Schmidt als der Unternehmer oder
Verleger bezeichnet ist), und auch darin, daß in Bezug
auf die Werke, die aus ihren Pressen hervorgingen,
eine große Ähnlichkeit zwischen den beiden Geschäften
in die Augen springt. Sie waren beide, wenn auch nur
vorübergehend, evangelisch gesinnt, riskierten ein und
das andere Mal, Reformatorisches zu drucken, gaben
aber bald klein bei und schwammen m i t dem Strome.
Fruchtbarer wäre es gewesen, wenn der Verf. die beiden
Drucker noch mehr in eine Geschichte des Leipziger
Buchdrucks und Buchhandels vom Thesenanschlag bis
zu Luthers Tode hineingestellt oder geradezu seine Arbeit
zu einer Geschichte des Leipziger Buchdrucks und
Buchhandels 1517—1546 erweitert hätte. Registrieren
wir jedoch dankbar, was der Verf. geleistet hat! Wir
erhalten gute Darstellungen des Lebens und Wirkens
der beiden Drucker; hierbei wird die Legende von
einem älteren und einem jüngeren Michael Blum (Blum
der Vater sollte 1526 oder 1527 gestorben sein) end-
giltig abgetan. Wir erhalten ferner annähernd vollständige
chronologisch angeordnete Verzeichnisse der
Druckwerke Schmidts und Blums. Wir erfahren endlich
mancherlei über die Ausstattung ihrer Werke
(Schriften, Bordüren, Illustrationen, Signete).

Zu bedauern ist, daß der Verf. im 2. Teile zu wenig
gründlich, im 3. zu wenig selbständig verfahren ist.
Der 3. Teil scheidet für die Berichterstattung in der
Th. Lz. aus. Wir beschränken uns mit unsrer Kritik auf
den 2., und da muß es ausgesprochen werden: es genügt
doch nicht, auch nicht für solche vornehmlich
bibliographische Arbeiten, zumal wenn der Verf. ein
Theologe ist, sich die Druckwerke nur oder fast nur
von außen anzusehen. Was Nickel Schmidt betrifft, so
hätte J. gleich die Drucke der Evangelien und der Apg.

| und des ganzen N. T.s und des Registers zu den Evangelien
und Episteln (W. A. Deutsche Bibel 2, S. 262
Nr. 22; S. 263 Nr. 23; S. 361 Nr. 70,1 und 70,2;
S. 367) genauer untersuchen müssen. Der von Jakob
i Thanner eingeleitete Neudruck des N. T.s nach „Erasmi
| Roterodami translation", betreffs dessen der Leipziger
j Rat am 12. Sept. 1524 an den Bischof von Merseburg
| schrieb (W. A. ebd. S. 304 f.) hängt doch wohl mit
Schmidts N. T. zusammen. Was Michael Blum betrifft,
' so zeigt sich J. gleich über das Bekenntnis Thomas
Müntzers (Supplementa Melanchthoniana VI, 1 S. 293
Nr. 1) und „Ein schrecklich Geschieht und Gericht
j Gottes über Th. M." (W. A. 18, 363 C) und über Luthers
| Brief an Herzog Georg vom 21. Dez. 1525 und Georgs
Antwort vom 28. (Enders 5, 282 Nr. 7) ungenügend
I unterrichtet. Er hätte ferner wenigstens die Verzeich-
i rosse der Schriften des Cochläus und Witzel von Spahn
J und Gregor Richter recht verwerten müssen. Die Druckwerke
sind (das gilt auch für den 3. Teil) großenteils
! so ungenau beschrieben, daß es unmöglich ist oder
daß man die größte Mühe hat, sie zu recognoscieren.
Wer soll z. B. ahnen, daß S. 27 unten: „1531 geht
Blum ganz zur katholischen Literatur über. Mit dem
großen Kardinalswappen (Albrechts von Mainz!) auf
der Titelseite erscheint eine Apologia, an deren Schluß
er selbst zum Leser spricht" — die Schrift des Cro-
tus Rub Lonaus (vgl. Enders 9, 1123 u. ö.) ge-
I meint ist!

Endlich darf nicht verschwiegen werden, daß diese
Dissertation in ungewöhnlichem Maße durch Druckfehler
(aber auch andre kleine Fehler) entstellt ist.

Zwickau. O. Clemen.

Hoffmann, Hermann: Die Jesuiten in Glogau. Breslau (1,
Hummerei 39/41): Schlesische Volkszeitung 1926. (136 S.) 8°.
[ Zur schlesischen Kirchengesch.., Nr. 1.

Die vorliegende Broschüre ist eine Jubiläumsschrift; im Jahre
I 1926 konnte das katholische Gymnasium in Glogau auf eine Gc-
! schichte von drei Jahrhunderten zurückblicken. Diese Geschichte
j läßt der Verfasser in 10 Abschnitten lebendig am Auge des Lesers
vorüberziehen. Eigene wissenschaftliche Forschungen liegen seinen
Ausführungen weniger zugrunde; doch stützt er sich cf. Kap. I —
auf das, was an solchen vorhanden war. Der zweite Abschnitt gibt
i den geschichtlichen Werdegang im Abriß; derselbe ist in etwas populärem
Ton geschrieben; auch hätte man gewünscht, daß der charakteristische
Hintergrund beim Einzug der Jesuiten in Schlesien und
Glogau, die Zeit der gewaltsamen Gegenreformation, klarer ausgeführt
wäre. Erst dieser dunkle Hintergrund macht die kirchlichen und
pädagogischen „Erfolge" des Jesuitenkollegs verständlich. Die geschichtliche
Entwicklung läßt sich mit den eigenen Worten des Verlassers
kurz, dahin zusammenfassen: Die Zeit unter der österreichischen
Sonne und Gunst 1625—1740 eine Zeit des Aufblühens, die Zeit
unter dem preußischen Aar und seiner Toleranz ab 1740 eine Zeit
des Niedergangs. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens verschwinden
1776 die Jesuiten als Ordensbrüder, als Staatliche Schulbrüder
dürfen sie bleiben.

Die Abschnitte 3—10 des Buches sind die eigentlich wertvollen
. Sie behandeln nacheinander: die Bauten, Geld und Gut, die
Kirchen, die Kongregation, die Schule, das Seminar, das Jesuiten-
j drama und Statistisches, Biographisches. In diesen Kapiteln ist
eine Menge von wertvollen und interessanten Einzelnotizen aus den
I vorhandenen Schulakten zusammengetragen. Das bisher bekannte
j Gesamtbild der jesuitischen Tätigkeit in Volksmission und Erziehung
erfährt zwar keine Bereicherung; es wird aber an diesem Lokalgemälde
hübsch veranschaulicht, (cf. besonders die beiden im Wortlaut dargebotenen
Jesuitendramen S. 99—120). Die schlesische Lokalgcschichte
findet im vorliegenden Werk manchen Gewinn; darüber hinaus bietet
es wissenschaftlich nichts Neues.

Kupferberg. Eberl ein.

1. Wotschke, D. Dr. Theodor: Der Pietismus im alten Polen.
(20 S. = S. 429 448.) — Zur Geschichte der deutsch-lutherischen
Gemeinde Wengrow. (17 S.) (Sonderdruck aus H. 9 u. 10 d.

Jahrg. 4 der Deutschen Blätter für Polen.) Posen: Verlag der Historischen
Gesellschaft für Posen 1927. gr. 8".

2. Ders.: Polnische Studenten in Leiden. S.-Abdr. aus: Jahrbücher
f. Kultur u. Gesch. d. Slaven. N. F. Bd. 3, Heft 4. Breslau :
Priebatsch's Buchh. 1927. (S. 461 486.)

1. Aus den von W. mitgeteilten Briefen, die Spener
und Francke aus Polen erhielten, geht hervor, daß die