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Ausgabe:

1928 Nr. 20

Spalte:

466

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hilpich, Stephanus

Titel/Untertitel:

Die Doppelklöster. Enstehung und Organisation 1928

Rezensent:

Lempp, Eduard

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 20.

466

Reichenau, Pirmin ist nur weniges bekannt. Die Quellen zu seiner H il p i c h , P. Stephanus: Die Doppelklöster. Entstehung u. Organi-
Biographie sind dürftig. Seine Herkunft ist zweifelhaft: er gilt als | sation. Münster i. W.: Aschendorff 1928. (VIII, 95 S.) gr. 8». =
Angelsachse, Ire, Franke oder Däne. Die vorliegende gelehrte Ar- i Beiträge /. Gesch. d. alten Mönchtums u. d. Benediktinerordens,
beit greift die noch ungelöste Frage nach Herkunft u. Heimat Pirmins ! H. 15. RM 3.90; geb. 5.40.
auf. Jecker bietet zu diesem Zweck eine kritische Neuausgabe des Gegenstand der vorliegenden Doktordissertation ist jene eigen-
Scarapsustextes, des Textes des von Pirmin zwischen 710 und 724 ver- tümliche, noch wenig erforschte Erscheinung im Klosterleben der
faßten Kompendiums einer christlichen Glaubens- und Sittenlehre, [ kath. Kirche, die man als Doppelklöster bezeichnet, d. h. Klöster, in
und findet in den Kürzungen wie in den Schriftzügen der im Kloster denen Mönche und Nonnen, obgleich streng getrennt, doch so zuEinsiedel
erhaltenen Kopie Spuren der westgotischen Schrift. Auf , sammen wohnen, daß sie räumlich und rechtlich eine Einheit bilden
S. 89—159 stellt er eine sehr eingehende Untersuchung der von wobt.j bald die Mönche, bald die Nonnen die Leitung des Oesamt-
Pirmin benützten Vorlagen an und findet, daß diese sämtlich aus klostcrs innehatten. Der Verf. zeigt in gründlicher Untersuchung,
Spanien oder dem von den Westgoten beherrschten Sud-Frankreich { WK dj€se Doppelklöster schon im 4. Jahrhundert zuerst im Orient
stammen. Pirmin wird demnach als Romane bestimmt, der aus Spa- entstanden aus dem Bedürfnis der Frauen nach gottesdienstlicher,
nien oder Südfrankrcich stammt. Dieses Ergebnis wird bestätigt , seeIsorgerlicher und wirtschaftlicher Hilfe. In der morgenländischen
durch eine Prüfung der dem Scarapsus verwandten Texte. Weitere , Kirche fanden sie aber bald steigenden Widerspruch und wurden im
Beweise für die Herkunft Pirmins aus dem Westgotenreich sieht der > o. Jahrhundert verboten und aufgehoben. Im Abendland finden sie
Verfasser in der romanischen Namenform Priminius-Pirmin, in den j sjcn sejt dcm 5- und n Jahrhundert in Gallien, Spanien und Enir-

Anschauungen Pirmins, die ein Reflex der geistigen Strömungen im
Westgotenreich sind, in den alamannischen Klostergründungen Pirmins,
die in ihrer Organisation wie in ihren Bücherbeständen deutliche
Einflüsse von dorther aufweisen.
Löchgau (Wiuttbg.). O- Hoff mann.

Levy, Pfr. Jos.: Die Wallfahrten der Heiligen im Elsaß.

(Colmar i. Elsaß [4 R»c des Juifsp Librairie Union.) (X,
2ö4 S.) gr. 8°.

Die umfangreiche Schrift gibt nicht bloß eine vollständige Aufzählung
, sondern auch eine kurze Geschichte der elsässischen Wallfahrtsorte
, der verschwundenen und noch bestehenden, wie auch der i Stuttgart. Ed. Lempp.

land, verschwinden aber, ohne von kirchlicher Seite angefochten zu
werden, im 9. Jahrhundert. Im 11. Jahrhundert tauchen sie aber in
Deutschland und Frankreich wieder auf, ja im 12. Jahrhundert entstanden
förmliche Doppelorden (der von Fontevrault, von Sempring-
ham, die Humitiaten und Birgittillen). Aber auch sie verschwanden
mit Ausnahme des Birgittinenordens, ohne daß sie von der Kirche
aufgehoben worden wären, meist aus wirtschaftlichen Gründen im
Lauf der nächsten Jahrhunderte wieder. Bezeichnend ist, wie auch
hier die doppelte Stellung der Kirche zur Frau zum Ausdruck kommt:
auf der einen Seite werden die Frauen als matres Domini verherrlicht
(S. 43), auf der andern Seite als venenata animalia gefürchtet
, ja verabscheut (S. 83).

Orte, die zugleich Gnadenstätten der Mutter Gottes sind. In erster
Linie sind es die Orte der hl. Nothelfer und der besonderen Lokal-
heiligen des Elsaß, die das Volk in seinen Nöten aufsucht, so z. B.
den hl. Valentin gegen Fallsucht, Blasius gegen Halsleiden, Erasmus
l>ei Bauchgrimmen („Grimmenkapelle" zu Blienswciler), Wendelin bei

Volk, Benediktiner P. Dr. Paulus: Die Generalkapitel der
Bursfelder Benediktiner - Kongregation. Münster i. w.:
Aschendorff 1928. (XII, 120 S.) gr. 8". e* Beiträge z. Gesch.
d. alten Mönchtums u. d. Benediktinerordens, H. 14.
Viehkrankhciten. Viel volkskundlich Interessantes steckt in dem Buch: 405. geb 0 50

neben heilkräftigen Reliquien sind es vielfach heilige Quelle,, und m mimltjöscr Gcnauigkcit wcrde„ ,„ der vorIicgenden Arbeit

Brunnen, die den Ort zu einem .^^^J^'^^ , die Organe und der Verlauf der Bursfelder GeneralkapBel beschrt -

Wirkungen alten Volksglaubens stecken in den J*« ■ ben und dann eine Liste der Generalkapitel und ihrer Teilnehmer und

Gnadenort aus Dank niedergelegt «rden /. B E.er. Schm. , (M ^ Vmeichnjs dfr ^ ß Kongregation zugehörigen

Frucht, Besen, Flachs, Hemden, schwarze Huhner, wie in den wen,- . ,„(m,rf.M( AU„_ ,-, , , , ■ ,. .. **

1 e . . il'- ' . u ,~i„i n „ V^lum»: 1 Kloster aufgestellt. Aber eine Darlegung des nhalts dieser General-
garen, die dort aufgehängt werden z. B. Gl edmaßen, Votivkroten, 1 . ... , _ .. . . " s ' .. ..

" ' . _ , . V. s .. .. . u . . .... . v___„„ , kapitel oder eine Geschichte der Kongregation und ihrer Verd enste

Haare „1 Sacke ben, Strumpfbander Hufeisen, Nagel Kronen auch ^ ^ K|os((;nvescn wird nicht ^ war ()ffcnbar ^ ni

bildliche Darstellungen der erlangten H.lfe. Auch der Patrozinien- lwabsicbligt. [)eshalb jst djt & «"J ^

forschung bietet d,e Schrift Wertvolles. für den vo„ Wert> der Spe/i3kUltiku al|f ditsem ütbjel mach<1] wi|,

Löchgau (Württbg.). G- Hoff mann. j stuttgart. £d Lem

van de Wijnpersse, Dr. A.G.M.: De dietse vertaling van Müller, Dr. Lydia: Der Kommunismus der mährischen

Suso's horologium aeternae sapientiae. Groningen: J.B. ! Wiedertäufer. Leipzig: M. Heinsiiis Nachf. Eger & Sievers 1927.

Wolters 192b. (III, 206 S.) 8°. 4 Fr. 50 c. , (123 S. m. Abb.) gr. 8». = Schriften des Vereins f. Reforma-

Zahlreiche niederdeutsche und niederländische Hss. von Seuse's ! tionsgesch., Jahrg. 45, H. 1. RM 3.20.

Büchlein der ewigen Weisheit bezw. Horologium aeternae sapientiae Über denselben Gegenstand hat Johann Loserth

hat schon Borchling in seinem 1.—3. Reisebericht, Nachrichten der 1 fjer Altmeister der österreichischen Täuferforschunp be-

Qöttinger Oesellschaft der Wissenschaften, Beiheft 1898, 1900 1902 J reits ]8Q5 cjne Studie veröffentlicht (Arch f österr

verzeichnet. Bihlmeyer in seiner ausgezeichneten Seuseausgabe (1907) ] Qesch BfJ gl) Auf Qmn(i neuen Archivaiien aus

S ist* h-it einige weitere hinzugefugt. Die Verfasserin der vor- 1 d , ad- j rv ou . . .. • b

^JLn L^^U^ durchaus zu billigen ist, darauf verzichtet, i Budapest, Brunn und Preßburg sucht nun d. Verf. über

eine Vollständigkeit anstrebende Obersicht über die schier unzähligen °}es*n n'naus «« Lrage ZU beantworten, „woher die

Hss. zu geben, die Werke Seuses in niederländischer Übersetzung I Hutterer ihre kommunistischen Ideen hatten und wie sie

vollständig oder'fragmentarisch enthalten; sie vertröstet uns auf w. de [ dieselben begründet haben". Ihren Ausgang nimmt sie

Vreese's Bibliothcca neeriandica manuscripta. Dafür hat sie die wich- von Peter Riedemanns „Rechenschaft der Religion, der

tigsten Hss. aufs genaueste beschrieben, mit einander verglichen und Lehre und des Glaubens", der Bekenntnisschrift der

ins rechte Verhältnis zu einander gesetzt. Es ergeben sich zwei Re- Hutterischen Brüder. Die Wesensart der darin zum Aus-

zensionen der otnmsetzung. f»J^J*j^*^^^ druck gebrachten religiösen Gedankenwelt verdeutlicht

angeregte „nd begonnene Arbeit fortgesetzt und vollendet haben mag. refonnatorischen Glaubenslehre: Bei der Beurteilung der

Die Ausgabe gründet sich (unter Zuhilfenahme einer Goudaer Hs.) Bibel gilt der batz, „daß nicht die Schrift regula fidei

auf die Hs. 8224 der pariser Arsenalbibliothck. Diese ist c. 1340 sei, sondern der Geist, der im Seelengrund zu den Aus-

(so S. 26 u. ö., später, zuletzt s. 106, heißt es: c. 1350) geschrieben. erwählten spricht" (S. 27); die Erlösung wird von der

Anzeigen — vgl. die letzte Seuseausgabe von
S. XLVIII — ein Fragezeichen gesetzt hat). Das Büchlein muß
sich sehr schnell und weit in den Niederlanden verbreitet haben.
Vielleicht hat das Seuse's Anwesenheit in den Niederlanden auf einer
Versammlung seines Ordens, von der er im 23. Kapitel seiner Autobiographie
erzählt (Bihlmeyer S. 94* denkt an das Provinzialkapitel
zu Antwerpen 1327), mit veranlaßt.

Zwickau i. S. O. C lernen.

eiklärung verstanden (S. 30) ; die Sakramente, „Zeichen
eines heiligen Dings", vermitteln nicht Gnade, sondern
legen den Gläubigen eine Pflicht auf (S. 34); von den
heiligen Handlungen wird die Arntsübertragung durch
Handauflegung, wodurch die Gemeinde, außerhalb welcher
es kein Heil gibt, begründet wird, am höchsten gewertet
(S. 49). Das Dogma der Gütergemeinschaft
leitet d. Verf. nicht aus der Liebe zu den Brüdern, son-