Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1928 Nr. 20

Spalte:

463

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wiener, Harold M.

Titel/Untertitel:

The altars of the Old Testament 1928

Rezensent:

Galling, Kurt

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

463

Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 20.

464

oder 2, sondern erst Ps. 8. Was wird aus Ps. 1—7? Ps.
2, 1—4 könnte sehr wohl in Verbindung gebracht werden
etwa mit Gen. 11, wie denn m. E. auch Psalm 6
— an Dahses Maßstab gemessen — gut zu Gen. 4,
13—14 passen würde oder schließlich auch zur Geschichte
vom Sündenfall, für welche D. gern Psalm 9
(besonders Vers 20 mit seiner Bitte um einen Meister)
als entsprechendes Lied festgelegt haben möchte. Auch
wie es sich mit den Paralleltexten innerhalb des Psalters
(14: 53; 40: 70; 57 und 60: 108) unter Berücksichtigung
des Pentateuch verhält, wird uns nicht gesagt.
Doch genug der Einwände. Schon aus dem Bisherigen
dürfte deutlich werden, daß auch Dahse mit seinem an
sich sehr scharfsinnigen und geistvollen Versuch „das
Rätsel des Psalters" noch nicht gelöst hat.
Berlin-Frohnau. _Curt Kit hl-

Wiener, Harold M., M. A., L. L. B.: The altars of the Old
Testament. (Beigabe zur „Orientalistischeu Literaturzeitung".)
Leipzig: J. C. Hinrichs 1927. (34 S. m. e. Tat.) 4». RM 5-.
Der Verf., ein englischer Jurist, der aber seit
langem alttestamentlich arbeitet, veröffentlicht hier eine
Studie über die Altäre im A.T., die als Beigabe der
Orientalistischen Literatur-Zeitung erschien (zugleich im
Buchhandel). In vier Kapiteln (Altäre und Opfer, Gedenkaltäre
, Räucheraltäre, Abschluß) nebst zwei Exkursen
(über de Groots Altarstudie — vgl. meine Kritik
in Th. L. Z. 1925, Sp. 9 ff. — und die Altäre von
Sichern) legt er das Material vor. In dem eisten
(Haupt-)Kapitel unterscheidet er zwischen cairn altar
(Erd- bzw. Steinhaufenaltar) und horned altar (Hörneraltar
). Auffallend ist die Kapitelfolge, die den Altar
nach Typen (I), nach dem Sonderzweck (II) und nach
dem Opfermaterial (III) beurteilt, mithin die archäologische
Fragestellung abbiegt. Metall- und Stein-Altäre
werden in III durcheinander behandelt. Die Altäre
Abrahams in Gen. 12,7 und 8 in „Gedenk"- und „Opferaltar
" zu trennen, wird niemand einfallen, denn: einen
Altar erbauen, heißt auf ihm opfern wollen (trotz
Jos. 22, dessen gewundene Darstellung das eher verdeutlicht
, als verschleiert). Aber ich komme auf den
Hauptpunkt. In meiner Arbeit über den Altar in den
Kulturen des Alten Orients habe ich eine typengeschichtliche
Abfolge des Steinalters vorgelegt: dem cairn altar
folgt der Würfel- und Hörneraltar. W. dagegen argumentiert
so: Das Verbot, beim cairn altar Stufen herzustellen
, wird mit der Entblößung der Scham begründet
(Ex. 20, 25). Nach Ex. 28, 42 tragen die Priester linnene
Hosen. Also ist der cairn altar nur von Laien benutzt
worden, den Priestern gehört der (offizielle) Hörneraltar
(S. 3f.). Der Schluß ist jedoch nicht zwingend:
einmal könnten die Laien sich für den Opferdienst ein
priesterliches Gewand anziehen, zum anderen darf man
doch zum wenigsten die Frage aufwerfen, ob das Verbot
in Ex. 20 nicht eben gerade die Nichtexistenz der
Priesterhose zur Voraussetzung hat. Andererseits sind
die Sichem-Altäre von Laien im Hause benutzt worden
und haben Hörner. Auch in anderen Dingen, etwa den
verschiedenen Maßangaben, kommt W. nicht zu historischer
Klarheit; er kann das auch nicht, denn seine
archäologische Untersuchung steht im Dienst einer apologetischen
Tendenz. Der Kampf gegen den Wellhausen-
schen Geschichtsaufriß (über den die heutige Forschung
gewiß in vielen Punkten hinaus ist, der sich im ganzen
aber auch bei den neusten Angriffen gegen die Deutero-
nomiumsansetzung als fest erwiesen hat) ist ihm die
„contemporanea expositio". Die persönliche Einstellung
liegt außerhalb der Diskussion, aber W. kann nicht
verlangen, daß die wissenschaftliche Archäologie von
einer petitio principii aus ihr Material deutet.
Berlin.______K. Galling.

Morand, Marcel: Le Statut de la femme kabyle. Extrait de
la Revue des Etudes Islamiques 1927, 1. Paris: P. Qeuthner 1927.
(S. 47 -94.) gr. 8°.

Die Stellung der Frau innerhalb der islamischen
Gesellschaft wird erfreulicher Weise immer mehr mit

nüchternem Ernst auf Grund persönlicher Einblicke un-
! tersucht, nach Lage der Dinge in erster Linie durch
Frauen, denen allein das Hausinnere offen steht. Wie
! das Berbertum Nordwestafrikas trotz oberflächlicher Is-
j lamisierung schon im allgemeinen, zumal im Gegensatz
zu den eingedrungenen Arabern, je nach den Unterstämmen
wechselnde Sonderstrukturen bewahrt hat, so
ist im besonderen das Frauenleben dieser Kabylen mehr
berberisch als islamisch gestaltet. Die Frau der Tuareg
in der Nord-Sahara bis nach Timbuktu zeichnete Sonia
I Howe in Zvvemers Moslem World XVIII (1928), S. 33
1 — 44, als die eigentliche Herrin des Stammes, selbständig
mit eigenem Vermögen, erst mit ,18 Jahren heiratend
, und zwar nach eigener Wahl 'und nur in Einehe,
unverschleiert, während der Mann den Schleier trägt.
Für das Gebiet der Mzab-Oasen am Nordrand der Sahara
schrieb die französische Forscherin A. M. Goichon
als Ergebnis ihrer Studienreise die große ausgezeichnete
Monographie: La vie feminine au Mzab, Paris 1927.
Hier handelt es sich um wirklichen Islam, aber um eine
puritanische Sekte, in der man öfter den unter islamischer
Form nachlebenden Donatismus zu erkennen
meint. Die noch überislamisch strenge Abgeschlossenheit
ihrer Frauen ist bislang das wirksamste Konser-
< vativmittel dieser Gruppe, deren Männer als Kaufleute,
j besonders in den Küstenstädten, oft jahrelang draußen
! sind, während die Zucht bei den Frauen daheim ausge-
I übt wird durch weise Matronen; diesen überträgt der
| geistliche Rat der Alten mit dem Amt der Totenbestat-
[ terin für die Frauenwelt zugleich Funktionen einer pres-
! byterialen GemeindekontrolTe; so kann sich ihr Einfluß
| für die innerhäuslichen Dinge zu einer Gewalt aus-
i wachsen, wie sie für die ganze Gemeinschaft zur Zeit
der Eroberung die Araber vorfanden bei der Kahina
I (entspricht einem Femininum zu hebr. Kohen). Ganz an-
! ders bei der Bergkabylenfrau Nordalgeriens. Ihr Stand
j ist noch unterislatnisch, seit ihr 1748 im Interesse des
Stammzusammenhaltes das Erbrecht abgesprochen wur-
j de und sie zu wenig mehr als einer jederzeit abstoß-
I baren schnell verbrauchten Ware hinabsank. Auf sie
| lenkte die Aufmerksamkeit vom missionarischen Standpunkt
aus Lilias Trotter bei John Mott, The Moslem
World of to-day, London 1925, S. 231—245. Behördlichen
Charakter dagegen trugen die Beratungen zur
Besserstellung dieser letztgenannten Kabylenfrau im Mai
1925 und Januar 1926 zu Algier in einer Kommission,
an der auch einzelne Einheimische teilnahmen unter
I dem Vorsitz des Dekans der juristischen Fakultät zu
I Algier, Morand, der hier die Protokolle vorlegt. Sie
j fordern für die Frau die Heraufsetzung des Mindest-
| alters zur Heirat und das Recht auf Scheidung und
Erbe. Wichtig ist, daß bei der Zusammensetzung der
Kommission von der Mehrheit als Weg für den zu erstrebenden
Fortschritt ausdrücklich die Annäherung an
moderne französische Zivilisation festgelegt und der
Umweg über islamische Halbmittel für Rechtssicherung
der Frau abgelehnt wurde.

Im ganzen steht es um die im gesamten Orient aufgeworfene
Frauenfrage in Nordwestafrika jetzt so, daß
die alte Islampraxis auf diesem Gebiet des sozialen
Lebens nicht nur keine weiteren Fortschritte macht,
I sondern daß auch der islamische Bestand angegriffen
wird von europäischen und christlichen Einflüssen, die
ihrerseits wieder nicht identisch sind. Für die soziale
Umgestaltung Nordafrikas kommt noch beschleunigend
' hinzu die Tatsache, daß besonders seit 1914 viele Männer
durch langen Aufenthalt im Kolonialmutterlande
endgiltig aus den Heimatanschauungen herausgewachsen
sind.

Hamburg. R. Stroth man n.

! Jecker, Benediktiner Galt: Die Heimat des hl. Pirmin, des
Apostels der Alamannen. Münster i. V/.: Aschendorff 1927.
(XV, 192 S.) gr. 8°. =■ Beiträge z. Gesch. d. alten Mönchtums u.

, d. Benediktinerordens, H. 13. RM 7.80; geb. 9.25.

Über den alamannischen Volksprediger des BenediktinerklosteTs