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Ausgabe:

1928 Nr. 20

Spalte:

462

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wutz, Franz

Titel/Untertitel:

Die Psalmen, deutsch 1928

Rezensent:

Herrmannn, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 20.

462

die Fortsetzung in XI, S. 533 ff. (Juli 1910!). Unerwähnt
geblieben ist auch ein so leicht zugängliches Buch
wie J. Hänel, Die außermasorethischen Übereinstimmungen
zwischen der Septuaginta und der Peschittha in der
Genesis (Beihefte zur ZAW., XX, 1911). Zu Barhe-
braeus sind nicht erwähnt: Lasser Weingarten, Die
syr. Massorah nach B. (Halle 1887); L. Uhry, Die
Scholien des Greg. Abulf. B. zur Genesis, cap. 21—50
(Leipzig 1898). Das sind nur zufällige Feststellungen,
die sich wohl sehr vermehren ließen. Abgesehen davon
ist das Buch aber sehr zu begrüßen und dankenswert,
weil wir eine solche Arbeit m. W. sonst nicht besitzen.
Münster (Westf.) J. Herrmann.

Brooke, Prof. Alan I-:., D. D., Norman McLean, M. A., and
Henn St. John Thackeray, M. A.: The Old Testament in

Oreek. AccordinS to the text of Codex Vaticanus, snpplcmented
front other uncial manuscripts, with a critical apparatus containing
the variants of the chief ancient authorities for the text of the
Septuagtnt. Vol. II: The later historical Books. Part I: I and II
Samuel. Cambridge : University Press 1927. (IX, 200 S.) 4". 20 sh.
Das Erscheinen eines neuen Fascikels der großen
Cambridger LXX-Ausgabe wird von allen, die mit der
LXX zu tun haben, also vor allem von denen, die am
A. T. wissenschaftlich arbeiten, mit lebhafter Freude begrüßt
werden. Denn das letzte Stück, das den I. Band
des Werkes (The Octateuch) abschloß, ist 1917 erschienen
. Während der ersten Kriegsjahre war es den
Herausgebern, wie sie im Vorwort mitteilen, zwar möglich
, die Vorbereitung dieses Teils zu vollenden, aber
alle Vorarbeit für den 2. Band war ernstlich verzögert.
Hinderlich war auch, daß der eine der beiden Herausgeber
(A. E. Brooke) durch Belastung mit einem neuen
Amt außerstande war, seinen vollen Teil an der Arbeit
weiter zu leisten. In dieser Schwierigkeit gelang es,
H. St. John Thackeray als Mitarbeiter zu gewinnen.
Außerdem erfreuten sich die Herausgeber der Hilfe von
A. Rahlfs, der für die Collation der Handschriften sein
Material an Handschriftenphotos und seine Hilfsarbeiter
zur Verfügung stellte.

Das jetzt erschienene Stück umfaßt als 1. Teil des
2. Bandes (The later historical Books) die Samuelis-
bücher. Die für den 1. Band aufgestellten Richtlinien
sind auch für den 2. Band maßgebend geblieben, mit
nur wenig Verschiedenheiten im einzelnen. Möchte das
große Werk nun ungehindert vorwärts schreiten, von
dem Interesse aller derer begleitet, die es angeht!
Münster (Westf.) J. Herrmann.

Brockelmann, Carolo: Lexikon Syriacum. Editio secunda
aueta et emendata. Fase. 8-12. Halle a. S.: M. Niemever 1926 —
1928. (S. 561— 930.) gr. 8°. je'KM 10-.

Das für jeden Semitisten unentbehrliche Wörterbuch
, das in der ersten Auflage 512 Seilen hatte, ist
nun in nahezu verdoppeltem Umfang als eine im wesentlichen
neue Arbeit in zweiter Auflage vollständig
geworden. Die Vermehrung des Umfanges beruht auf
der Aufnahme neuen sprachlichen Stoffes und neuer
Zitate aus der seit 1895 angewachsenen syrischen Literatur
. Der Verf. verspricht im Vorwort vollständige
Darbietung des sprachlichen Materials mit Ausschluß
des Christi. Palästinischen und Neusyrischen, Zitierung
des frühesten Vorkommens der einzelnen Wörter, Bezeichnung
der gemeinsemitischen und gemeinsyrischen
Vokabeln, Mitteilung der Parallelen in anderen semitischen
Sprachen und häufige Anführung der hebräischen
und griechischen Wörter, als deren Übersetzung syrische
Wörter vorkommen. So wird ein reiches Resultat
sorgsamer Arbeit in engem Räume mitgeteilt. Der Index
Latinus hat zu meinem Bedauern die syrischen
Wörter weggelassen und verweist nur auf die Kolumnen
des Wörterbuchs.

Gelegentlich fragt man sich, warum in Aufl. 1 erwähnte
Einzelheiten wegfielen, z. B. das Pael talleg
„mit Schnee kühlen", bei Payne Smith auch in der
Bedeutung „mit Schnee bedecken". Man wundert sich,

daß im Syrischen kein Wort für „schneien" nachgewiesen
ist, daß bei zemäjtä „Schnee" und „Reif"
zusammenfallen, daß karsä „Schnee" und „Katarrh"
bedeuten soll, während Bar Bahlul doch nur an eine

1 Erkältungskrankheit denkt. Vom lebenden Syrischen her
wird eine genauere Bestimmung vieler Realien möglich
sein, wenn es endlich eine genaue Aufnahme seines
Sprachschatzes geben wird. Dunkel ist z. B. was für
ein Pflugteil über der Pflugschar den Samen aus-

| werfen soll, wie kekna gedeutet wird. Wäre an den

Saattrichter gedacht, so müßte er hinter der Pflugschar
stehen.

1 Greifswald. q. Da Im an.

Wutz, Franz: Die Psalmen, deutsch. 1. 5. Tsd. Eichstätt (Bayern)-
Geschäftsstelle des Klcrusblattes 1927. (VIII, 216 S.) 8°. = Schriftenreihe
d. Klcrusblattes, H. 2. RM 3__

In seinem vielbesprochenen Werke „Die Psalmen
j textkritisch untersucht" (1925) gab Wutz auch eine
j deutsche Übersetzung. Diese ist zum zweiten Mal abgedruckt
und dabei wieder durchgesehen in dem für den
liturgischen Gebrauch des katholischen Priesters bestimmten
Buch „Die Psalmen des Breviers" (1926).
j In dem vorliegenden Heft bekommen wir die deutsche
j Übersetzung zum dritten Mal. Eine Vergleichung mit
i der ersten und zweiten Form zeigt, daß es sich auch dies-
I mal nicht um einen bloßen Abdruck handelt, sondern
I daß der Verf. seine Übersetzung nochmals überprüft
| hat. Doch sind die Veränderungen nicht erheblich, so
daß sich eine nähere Besprechung erübrigt. Im Vorwort
formuliert Wutz erneut den Grundsatz: „Der Aus-
! gangspunkt jeder textkritischen Betrachtung kann nur
der ältere hebr. Text sein, wie ihn die LXX und z. T.
| noch die syrische Übersetzung gesehen hat, mag der
Text noch so sonderbar aussehen." Auch hierin also
stimmt, wie zu erwarten war, die vorliegende Publikation
mit den früheren überein.

Münster (Westf.) J. II errm an n.

( '---

Dahse, Pfarrer fohännes: Das Rätsel des Psalters gelost.

Essen: Lichtweg-Verlaß 1927. (14 S.) 8°. KM —.50.

Von jeher hat der wissenschaftlichen Erklärung die
überlieferte Reihenfolge der Psalmen besondere Schwierigkeiten
bereitet. Zwar läßt sich hier und da so etwas
| wie ein ordnendes Prinzip erkennen, indem sich bestimmte
Gruppen zusammengehörender Lieder (wie die
I Davids-, Korach- und Asaflieder, Hallelujahpsalmen und
„Wallfahrtslieder") deutlich vom übrigen abheben. Für
I andere einzelne Psalmen wieder läßt sich wahrscheinlich
I machen, daß Anklänge und StichwöHer für ihre Einord-
i nung maßgebend gewesen sein werden. Aber aufs
{ Ganze gesehen kommt man doch zu dem Endergebnis,
I daß im allgemeinen die einzelnen Psalmen planlos und
willkürlich neben einander gestellt worden sind. Gegen-
j über diesem Sachverhalt glaubt nun Dahse ein ordnen-
; des Prinzip gefunden und damit auch das Rätsel des
I Psalters gelöst zu haben. Wie die Einteilung des Psalters
in fünf Bücher mit großer Wahrscheinlichkeit durch
die Gliederung des Pentateuch beeinflußt ist, so meint
nun D. weiter, daß auch die einzelnen Psalmen dem
Inhalt des Pentateuch parallel gehen und passende
Lieder zu den einzelnen Abschnitten des Pentateuch bie-
| ten sollen; mit andern Worten: daß die Reihenfolge
und Anordnung der Psalmen bedingt sei durch den Inhalt
der fünf Bücher Mose. In großen Zügen werden
die einzelnen Psalmen in Verbindung gebracht mit markanten
Geschichten des Pentateuch; und Verf. ist bemüht
, ihre inneren inhaltlichen Beziehungen nachzu-
i weisen. Es soll zugegeben werden, daß Dahses Argumentation
, trotzdem sie nur kurz skizziert, für eine Reihe
von Stellen Manches für sich hat. Aber dem steht entgegen
, daß seine Beweisführung sich nicht glatt und
, lückenlos — nicht einmal in den erzählenden Partien —
durchführen läßt. Der Schöpfungsgeschichte entspricht
nicht, wie man nun eigentlich erwarten müßte, Psalm 1