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Ausgabe:

1928 Nr. 19

Spalte:

453-454

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Steinweg, Johannes

Titel/Untertitel:

Die Innere Mission der evangelischen Kirche 1928

Rezensent:

Schian, Martin

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 19.

454

Kloster Corvey und Höxter 822/3. Die Akten darüber dürften jedoch
noch nicht geschlossen sein. Auf dem weiteren Inhalte sei der Aufsatz
Stengers erwähnt: „Freiherr Ludwig v. Vincke. Sein religiöses
Denken und soziales Wirken."

Hamburg. J. Hashagen.

Stein weg, Johannes: Die Innere Mission der evangelischen

Kirche, Eine Einführung. Heilbronn: E. Salzer 1928. (XI, 512 S.)
gr. 8°. RM 7.50; geb. 9-.

Die Innere Mission (I.M.) hat in den letzten Jahrzehnten
, besonders nach dem Krieg, eine weittragende
Entwicklung erlebt. Die zusammenfassenden Darstellungen
von Wurster (1895), Th. Schäfer (zuletzt 1914),
auch die kürzere Arbeit von Wurster-Hennig waren daher
nicht mehr ausreichend. Das Handbuch der I.M.
(Bd. 1, 1922; Bd. 2, 1925) bietet nur Statistisches;
Bd. 1 ist gleichfalls überholt (Neuauflage ist in Vorbereitung
). Eine neue Gesamtdarstellung war dringendes
Bedürfnis, nicht bloß als Lehrbuch in den Ausbildungsanstalten
der I.M., sondern auch für die Theologen.
Steinweg, als Direktor im Zentralausschuß für I. M.
Fachmann, ist vom Plan einer Neubearbeitung des
Wurster-Hennigschen Volksbuchs zu einer gründlichen,
grundsätzlichen, geschichtlichen, tatsächlichen Darstellung
übergegangen und hat recht daran getan. Was am
dringendsten gebraucht wird, ist ein Buch, das zwar
nur das Wesentliche bringt, aber den Fragen möglichst
auf den Grund zu gehen sucht. St. hat zwischen übergroßer
Ausführlichkeit und glatter Volkstümlichkeit die
Mitte gehalten. Er hat in angenehm lesbarer Schreibweise
, mit kluger Auswahl des Wichtigen, mit trefflicher
Einsicht in die Probleme wie in die Literatur ein Handbuch
geschaffen, das an die Stelle des Wursterschen
Lehrbuchs wie des Schäferschen Leitfadens treten wird.
Das „Handbuch" behält daneben seine Bedeutung.

Im Einzelnen: Das 1. Buch gibt Geschichtliches
und Grundsätzliches. Es ordnet so: 1. Begriff und
Wesen, 2. Geschichtlicher Überblick, 38 S., 3. Aufbau,
4. Wohlfahrtspflege, Sozialpolitik und I. M. Der 4. Abschnitt
ist für die neuste Zeit charakteristisch. Die I.M.
ist jetzt mit der allgemeinen Wohlfahrtspflege und
Sozialpolitik so eng verflochten, daß diese Beziehungen
näher besprochen werden mußten. Man kann die jüngste
Entwicklung wichtiger Zweige der I.M. einfach nicht
verstehen, wenn man nicht die staatliche Wohlfahrtsgesetzgebung
und die praktische Gestaltung der kommunalen
Wohlfahrtspflege kennt. — Das 2. Buch schildert
die Arbeitsweise der I.M. Es teilt in 1. Liebestätigkeit
, 2. öffentliche Mission, 3. Volksmission, 4. I.M.
in der Großstadt und auf dem Land. Diese Einteilung
hat Mühe gemacht; sie kann auch ernstlich beanstandet
werden. Ist Volksmission nicht öffentliche Mission?
Und die „soziale" Arbeit ist zur öffentlichen Mission
gerechnet," während manche ihrer Zweige doch besser
zur Liebestätigkeit zu zählen sind. Eine andere Formulierung
der Uberschriften scheint mir wünschenswert;
aber ich verstehe auch, daß bestimmte Gründe zu dieser
Gruppierung führen konnten. Die Gesichtspunkte der
Liebestätigkeit und der „Mission" greifen eben so sehr
ineinander, daß eine glatte Teilung fast unmöglich ist.
— Ein Anhang behandelt die L M. in den außerdeutschen
evangelischen Kirchen.

Eine besondere Würdigung muß den grundsätzlichen
Ausführungen über Wesen und Aufgabe der I.M.
sowie über ihr Verhältnis zu Kirche und Gemeinde
gelten. Was St. zu diesen Fragen sagt, ist freilich zu
kurz, um den Gegenstand irgend erschöpfend zu behandeln
. Er geht vom Unterschied der missionarischen
und der erziehlichen religiösen Arbeit aus. Die I.M. ist
ihm eine Auswirkung des ersteren, des Missionsprinzips.
Erfreulich ist, daß er der Einseitigkeit, mit der die
Leistungen christlicher und kirchlicher Volkserziehung
oft geringschätzig abgetan werden, entgegentritt (S. 6).
Aber daß er die kirchliche Arbeit lediglich auf die Seite
der Volkserziehung stellt, die I.M. als Ganzes auf die
missionarische Seite, entspricht nicht den Tatsachen,

die klar zu tage treten. St.s eigene Ausführungen
über die andere Seite der I.M., die Liebestätigkeit, greifen
ja darüber hinaus; sie sind aber mit jenen ersten
Darlegungen nicht ausgeglichen. Auch der Besprechung
des Verhältnisses zwischen I.M., Kirche und Gemeinde
vermag ich nicht voll zuzustimmen, vornehmlich, weil

I hier der Begriff Kirche ohne scharfe Trennung bald
im Sinn der organisierten Kirche, bald im weiteren Sinn

| gebraucht wird. Darüber kommt die Bestimmung der

I Beziehungen zwischen I.M. und organisierter Kirche
(Gemeinde) zu kurz; sie erscheint mir schwieriger, als
St.s Sätze erkennen lassen. Er glaubt feststellen zu

; sollen, daß wir in einem Prozeß der Eingliederung der
I.M. in die verfaßte Kirche stehen, der, wenn auch noch
nicht ganz vollendet, so doch recht weit gediehen sei,
so weit, „daß vielfach Befürchtungen für die Freiheit
und Beweglichkeit der I.M. geäußert werden" (S. 17).
Er betont die Kirchlichkeit der I.M. aufs Stärkste, ja
er nennt die I.M. ein „Arbeitsgebiet innerhalb der

' Kirche", aber ein solches, das um seiner Eigenart willen
zweckmäßig in freieren Formen organisiert wird. Diese

| letztere Forderung ist berechtigt, wenn man dabei an
das große Ganze denkt; aber gerade hier erheben sich

1 im Einzelnen tausend Schwierigkeiten. Und jenen Be-

| fürchtungen für Freiheit und Beweglichkeit der I.M.
treten andere Sorgen zur Seite: so namentlich die wahrlich
nicht geringen Sorgen um die Geschlossenheit und
Einheitlichkeit der gemeindlichen Arbeit. Aber es ist
nicht möglich, an dieser Stelle den ganzen Fragenkomplex
zu erörtern. Lieber sei nochmals ausgesprochen,
daß St.s Buch gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt eine

| sehr willkommene und sehr nützliche Gabe ist.

Breslau. M. Sch ian.

Freiherr von Tun kl, Franz: Kurze Geschichte der Klöster,
ihrer Beraubung und Vernichtung. Ein Beitrag: zur Kulturgeschichte
. Paderborn: F. Schöningh 1927. (198 S.) 8«. geb.RM5—.

Dieses Buch kann auf Wissenschaftlichkeit keinen Anspruch erheben
. Von einer „Geschichte" kann keine Rede sein. Es sind gesammelte
Notizen, geschichtlicher und legendarischer Art, die unter
den Haupttiteln: Ober den Werdegang der Klöster, und Der Sturmlauf
gegen die Klostermauern zusammengestellt werden, aber ohne Ordnung
und ohne genügende Quellenangabe. Ein dritter Abschnitt verzeichnet
rund 800 aufgehobene Klöster und versieht das Verzeichnis mit einigen
geschichtlichen Notizen. Der Zweck des Büchleins ist zu zeigen, wie
Großes die Mönche für die Kultur geleistet haben und wie unrecht
es war, die Klöster zu beseitigen. Daß es dabei nicht ohne Gewalttätigkeit
abgegangen ist, weiß jeder; aber man sollte doch das Recht
der Beseitigung auch nicht verkennen. Das Büchlein ist für eine
größere Öffentlichkeit bestimmt; für eine breitere Öffentlichkeit sollte
das Beste gerade gut genug sein.

Kiel. G. Ficker.

Militia Christi. Vom Wirken des Evangeliums in der studentischen
Welt. Hrsg. in Verb, mit Franz Irmer von Hanns L i 1 j e. Mit
1 [Titel-1 Bildn. Berlin: Furche-Verlag 1928. (224 S.) gr. 8°.

RM 5.50; Lwd. 6.50.
Das vorliegende Buch, eine Festgabe von insgesamt 18 kurzen
Beiträgen führender Männer der Deutschen Christlichen Studenten-
' Vereinigung an ihren ehemaligen Vorsitzenden Reichskanzler a. D.
I Dr. D. Michaelis, gibt einen guten Einblick in das Wesen und die
Geschichte der DCSV und gewinnt besonders dadurch Gegenwarts-
I Bedeutung, daß es, ausgehend von einer im allgemeinen richtig gezeichneten
Darlegung der geistigen und religiösen Lage der deutschen
Studentenschaft, in seiner Art versucht, in grundsätzlicher Erörterung
i doch nicht losgelöst von der konkreten Gegebenheit vom Evangelium
J aus zu den brennendsten Fragen des studentischen Lebens Stellung
' zu nehmen und Wege zu weisen. Trotz mancher Einwendungen im
Einzelnen wie im Grundsätzlichen ist seine Veröffentlichung darum
grade heute zu begrüßen, wo die Aufgabe der Kirche gegenüber der
Studentenschaft ernsthaft gesehen und um die Art der religiösen Verkündigung
vor Akademikern neu gerungen werden muß.

Göttingen. Wiesenfeldt.

Wörterbuch zum Codex Juris Canonici. Von Rudolf Köstler.
1. Lfg. München: J. Kösel ßc F. Pustet 1927. (112 S.) gr. 8°.

„ , RM 5 — .

Die Schwierigkeiten, kirchenlateinische Texte zu
übersetzen, sind ohne Zweifel groß, vor allem für Stu-