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Ausgabe:

1928 Nr. 18

Spalte:

427-430

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Knittermeyer, Hinrich

Titel/Untertitel:

Die Philosophie und das Christentum 1928

Rezensent:

Steinmann, Theophil

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 18.

428

Band II (S. 130ff.) von Foucher's Werk „L'art Greco-Bouddhique
du Oandhära" zu greifen, der von K. offenbar nicht gekannten Umarbeitung
einer von Foucher vorher schon (1909) veröffentlichten
Studie „La Madone Bouddhique". Letztere ist auch in der vorliegenden
Schrift stark genützt. Daß ihr Titel S. 11 mit „La Madame (!)
bouddhique" angegeben ist, ist wohl Setzerverschulden.

Leipzig. H. Haas.

Kirchliches Handbuch für das katholische Deutschland. Begründet
v. Hermann A. Kr ose. In Vbdg. m. Heinrich Auer,
Wilhelm Böhl er, Nikolaus Hilling u. a. hrsg. v. d. amtl. Zentralstelle
f. kirchl. Statistik d. kathol. Deutschlands Köln. 14. Bd.:
1926—1927. Freiburg i. Br.: Herder & Co. 1927. (XX, 373 S.) gr. 8°.

geb. RM 10—.

Der große Wert dieses Jahrbuchs ist so allgemein
anerkannt, daß es sich erübrigt, ihn erneut festzustellen.
Hervorzuheben ist, daß es mit dem vorliegenden Band
das Organ der amtlichen Zentralstelle für kirchliche
Statistik geworden ist und dadurch offiziellen Charakter
erhalten hat. Von besonderer Wichtigkeit ist die konfessionsstatistische
Bearbeitung der Resultate der Volkszählung
in Deutschland vom 16. Juni 1925, die eingehende
Berichterstattung über die Schulfrage und der
Versuch einer Statistik der Osterkommunionen und Kirchenbesucher
1923—1925. Auffallend ist in dem Referat
über die katholische Heidenmission die Bemerkung
S. 78, daß zwar einer Rückkehr des deutschen Missionspersonals
in die verlorenen Missionsgebiete rechtlich
nichts mehr im Wege steht, aber „eine Wiederherstellung
des Vorkriegszustandes unmöglich ist. Manche dieser
Gebiete sind anderen Orden und Genossenschaften anvertraut
, und das vertriebene deutsche Personal hat anderswo
Verwendung gefunden. Eine neue Verschiebung
würde wieder großen Schaden anrichten." Eine Erklärung
dieses seltsamen Urteils wird nicht gegeben. Die
Schwierigkeiten, die mit der Beseitigung dieser Kriegs-
vikariate verbunden sind, sind auch der Evangelischen
Mission nicht ganz unbekannt, wie die Erfahrungen der
Hermannsburger Missionsgesellschaft beweisen. Aber es
wäre zu erwarten gewesen, daß es der römisch-katholischen
Kirche verhältnismäßig leicht gefallen wäre, das
der deutschen katholischen Mission durch den Vertrag
von Versailles zugefügte Unrecht wieder gut zu machen,
sobald dafür die staatsrechtlichen Möglichkeiten gegeben
waren.

Göttingen. Carl Mirbt.

Gut mann, Bruno: Briefe aus Afrika, hrsg. und mit e. Einleitung
vers. Mit 7 Abb. Leipzig: Evang.-Iuth. Mission 1925. (32 S.) 8°.

RM 50.

Dies sind Antwortbriefe christlicher Dschagganeger am Kili-
mandjaro an ihren 1920 von ihnen geschiedenen Missionar Gutmann:
ehrend für die Leipziger Mission und ihren Sendboten, aber zugleich
für die von ihm gegründeten ostafrikanischen Gemeinden, rührend in
ihrer Natürlichkeit, Wärme und schlichten Treue, bezeichnend für
das Verhältnis der Ostafrikaner zu den Deutschen, lehrreich und
lesenswert für alle Missions- und Kolonialfreunde.

Frankfurt a. Main. W. Bornemann.

Knittermeyer, Hinrich: Die Philosophie und das Christentum
. Acht Vorlesungen zur Einleitg. in d. Philosophie, l.u.2. Tsd.
Jena: E. Diederichs 1927. (II, 142 S.) 8«. RM 4- ; geb. 6.25.

Auf dem Buchtitel ist als Verlegerempfehlung zu
lesen, daß hier die Philosophie „in ein lebendiges Verhältnis
zur Welt und zum Menschen" gebracht werden
soll. Indem die Probleme „auf die einfachste Fragestellung
zurückgeführt" werden, soll »jeder denkende
Mensch" die Möglichkeit zum Ausgleich seiner letzten
Gegensätze finden. Und in seinem kurzen Nachwort
hebt der Vf. hervor, daß es sich um die Veröffentlichung
von Vorlesungen handle, die „vor einem Kreis von im
Berufsleben tätigen Menschen — Ärzten, Juristen, Pfarrern
, aber nicht nur Akademikern — gehalten wurden".
Ich muß gestehen, daß ich diese Zuhörerschaft bewundere
, es müßte denn sein, daß sie aus Leuten bestand,
die mit den Gedankengängen des Vortragenden schon

vorher irgendwie vertraut waren. Denn schon an das
Verständnis des Lesers, der sich doch nach Bedürfnis
j Zeit nehmen kann, stellen sie starke Anforderungen.
1 Nun gibt es gewiß eine Schwierigkeit des Verstehens,
- die daher kommt, daß der Redende oder Schreibende
! in Tiefen schaut, zu denen der Hörende oder Lesende
den Zugang zu finden seiner Gesamteinstellung wegen
I nur schwer imstande ist. Es kann aber auch an der Art
der Gedankenführung und an der Ausdrucksweise des
j Verf.s liegen. Auch das Tiefste kann einfach gesagt wer-
i den, und je mehr es das lebendige, unmittelbare Leben
■ trifft, um so mehr wird das der Fall sein. Ich kann
aber nicht sagen, daß ich mich beim Lesen dieser Ausführungen
in starke und lebendige Berührung mit dem
I Wirklichen versetzt fühlte. Viel eher stand ich unter
dem Eindruck, daß sich hier abstrakteste Abstraktion
! und ebenso abstrakte Konstruktion vor den Anblick des
j Wirklichen schob und daß ich mich die ganze Zeit über
in einer bestimmt eingestellten grüblerischen Denkwelt
bewegte und diese die besondere Wirklichkeit war,
deren Bekanntschaft mir hier vermittelt wurde. Dazu
[ kommt eine Art sich auszudrücken, für welche der
Schlußsatz des Ganzen als Beispiel dienen mag: „Und
so glaube ich allerdings, daß ,Philosophie und Christentum
' eine Fragestellung berührt, in der der Anfang der
Philosophie nicht dadurch aufgehoben wird, daß ihm
ein Ende gesetzt ist, sondern daß die Mitte der Philosophie
grade in der Beziehung des Anfangs auf das
Ende immer wieder eine ernste Entscheidung heraufführen
kann" (S. 141).

Dem Verf. geht es also um die Fragestellung
„Philosophie und Christentum". Seine These ist, „daß nur
in einer vollen und kompromißlosen Entfaltung ihres
beiderseitigen Wesens eine Berührung zwischen der Philosophie
und dem Christentum sich ergeben könne" (69).
Philosophie aber ist wesentlich „universeller Fragesinn
"; sie nimmt sich allem menschlich Gegebenen
gegenüber das Recht, „nicht nur ermunternd zu verstehen
und teilnehmend zu begreifen, sondern sich dagegen zu
stellen, zu reflektieren, zu fragen und. damit zugleich
etwas in seiner Fraglichkeit bloßzustellen und zu kritisieren
" — ihr „uneingeschränkter kritischer Anspruch"
(2). Darum ist ihre volle und kompromißlose Entfaltung
nicht ein Systemaufbau, mag auch ihr geschichtlicher
Weg — und K. sucht uns zu zeigen, warum fast
unvermeidlich — da hindurchgeführt haben. Grade so
sich ausgestaltend geriet sie in tatsächlichen Konflikt
mit der Religion. Die entscheidende Wende zu ihrer
vollen und kompromißlosen Entfaltung liegt bei Kants
Kritizismus. Aber auch nur erst im Ansatz. Von der
Kritik muß es weiter fortgehen zur „Reflexion", zu einer
radikalen und wirklichen Frageeinstellung, die
„schlechterdings nicht bereit ist, in irgend einer" — ihr
selbst doch wieder irgendwo bereit liegenden — „Antwort
aufzugehen" (110), die „nicht nur eine Erschütterung
in den Satzungen der Erkenntnis hervorbringt, sondern
die Erkenntnis als solche bis in ihre Grundvesten
aufrührt und nichts mehr übrig läßt als ihre eigene,
nichts unangefochten lassende Fragwürdigkeit" (111).
Dieser Ausgang ist aber nicht als skeptische Verzweiflung
zu verstehen, sondern — auf Grunde der Einsicht
„daß ihr eigenes Wort eine Grenze hat" (31) — als
ein Antwort heischendes Fragen, das als ein wirkliches
Fragen sich die Antwort nicht nun doch wieder selbst
zu geben versucht, sondern sie als einen Gegenspruch —
K. sagt dafür „Widerspruch" — von anderswo her vernimmt
. Diese Antwort aber auf das Aufhorchen der
restlos durchgeführten Fragwürdigkeit erfolgt von der
Religion her in der neuen Entscheidung, die durch das
Evangelium „über das wirkliche Leben des Menschen gekommen
ist" und „sein geschichtliches Leben mit neuer
Spannung erfüllt", von wo alleine aus „dem ganzen
Dasein und Tun des Menschen derjenige Sinn zuwächst,
unter dem alleine es seine Rechtfertigung suchen kann"
(33). „Das ist der wahre Empirismus der Philosophie",