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Ausgabe:

1928 Nr. 18

Spalte:

418-419

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Markus, Das Leben des heiligen Porphyrios Bischofs von Gaza 1928

Rezensent:

Koch, Hugo

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 18.

418

sich das Urteil über Arius wie auch das Bild der Folgezeit
, welche in höherem Maße ein Streit des Lucian als
des Arius gegen Athanasius heißen kann. So tritt 341
Lucians Glaube hervor (vgl. Loofs in SBA. 1915, 576
bis 603), und wieder auf den Synoden von 358 zu
Sirmium und 359 zu Seleucia. S. 379 wird dann die
Aufnahme des 6fioouoiog dem Kreise des Alexander von
Alex, zugeschrieben und zwar schon in den frühen Anfängen
des Streites, wobei die Haltung des Alexander
und Athanasius gegenüber dem Ausdruck schwierig
bleibt. Wenn die Synode von Nicaea „der ganzen Kirche
eine neue feste Verfassung schaffen" sollte (S. 383),
fällt die schwache Heranziehung des Abendlandes durch
Konstantin auf; S. 532 sagt auch der Verf., daß die
Verfassung „zunächst nur für den Osten" bestimmt sei.
Die Formeln der Encäniensynode (S. 417) werden nur
nachträglich kurz erwähnt (S. 421), obgleich sie als
erste dogmatische Revirements zum Nicaenum wie als
Ausdruck lucianischer Theologie von Wichtigkeit sind.
Wie stehen diese Lucianisten zu Paul von Samosata?
S. 377 werden sie mit ihm in Verbindung gebracht, S.
421 lehnen sie ihn bestimmt ab. An der Trinität der
kappadokischen Väter wird (S. 429) die Einheit der
Gottheit und die Dreiheit der Personen im Gleichgewicht
gelassen. Aber es ist für die Wertung dieser Theorie
doch entscheidend, daß ihr ursprünglicher Aufriß gegen
den Vorwurf des Tritheismus Verteidigt werden mußte
und das „fast sabellianische" Zurücktreten der drei Personen
sich vorwiegend in den nachherigen Rechtfertigungen
der Lehre findet. Überaus treffend ist S. 430 die
Umschließung der Lehre aus dem Religiös-praktischen
ins Metaphysische gekennzeichnet. Der von Basilius
eingeführten kultischen Verehrung des hl. Geistes muß
freilich S. 431 mehr Gewicht beigelegt werden, als die
Absicht, sie „auch den Laien dadurch einzuprägen". S.
433 wird der Synode von 381 kein neues Symbol zugeschrieben
; es scheint doch, daß nach dem Fortfallen des
gewichtigsten Gegengrundes (vgl. Ed. Schwartz ZNTW.
1926 S. 38 ff.) die übrigen gegen die Authentie des NC.
nicht mehr entscheiden können.

Die äußere Christianisierung bis 400 ist in § 42
aufgrund umfangreichster Literaturverwertung und eigener
Studien des Verf.s (Ostsyrien) erheblich erweitert
dargestellt (36 S. statt 4 S. der 1. A.) und stellenweise
zu einem Abriß der frühesten Kirchengeschichte der
außerrömischen Völker ausgeweitet.

Die Schilderung des Mönchtums (§ 43) konnte die
vielfältige, dieser verwickelten Erscheinung gewidmete
Arbeit der letzten Jahre verwerten. Unter den Motiven
dieser Askese scheint mir Gerichtsgedanke und Streben
nach Sühne doch nicht das anfängliche. Setzt man, wie
hier mit Recht geschieht, das Mönchtum in Beziehung
zu außerchristlichen Strömungen, so wird man auch
nach allgemeinen religiösen Motiven fragen und in den
ältesten Berichten vielleicht als Ursprünglichstes den
Drang Gott eigen zu werden, das Streben nach der
Kraftleistung geistlichen Heldentums in Selbsttötung
und Dämonenkampf finden, auch wenn es sich auf
christlichem Boden und bei weniger stürmisch ergriffenen
Naturen fast unmittelbar in der Gestalt der Reinigung
, des Strebens nach der ocozrjgia äußern mußte.
Für das Verhältnis dieser frühesten Mönche zur Kirche
aber hätte S. 489 etwa noch die bezeichnende Szene in
Latopolis (Vita Pachomii A. SS. Maii T. III c. 72) angeführt
werden dürfen. Bei Basilius (S. 486) hätte man
die Einführung der klösterlichen Beichte, bei Euagrius
(S. 489) die ersten Spuren der 8 Gedankensünden erwähnt
gewünscht. Für die Gründung von Tabennisi errechnet
Bousset 323 (Apophthegmata S. 271). Wirkungsvoll
ist die geschlossene Darstellung der Opposition
gegen das Mönchtum (S. 493 ff.), wo Priscillian
am richtigen Platz erscheint.

Das reichhaltige Bild der Volksreligion wird dadurch
eindrucksvoll, daß es immer wiederholt mit den
Hintergründen antiker religiöser Bräuche und Anschauungen
untermalt wird. Dabei hätte S. 502 der Katechu-
menat Erwähnung verdient. Für die Schätzung der
Reliquien hätte (S. 510) als eins der ältesten uns bekannten
Beispiele der Ring des Saturus (Passio Perpe-
tuae c. 21) mitgenannt werden können. Beim priesterlichen
Coelibat wird das Motiv kultischer Reinheit vorangestellt
(S. 560) und auf griechisch-römische Einflüsse
hingewiesen — freilich fehlte auch im Judentum
Entsprechendes nicht (s. die Stellen bei Strathmann,
Gesch. der frühchristlichen Askese I 1914, S. 42 f.).

Die Darstellung der kirchlichen Verfassung (§ 45.
46) fußt auf den eigenen Studien des Verf.s. Die Chor-
episkopen sind „vermutlich beim Fortschritt der Organisation
von den Bischöfen der alten großen Stadtgemeinden
gesetzt" (S. 528), sie bilden in der Tat eine starke
Stütze für die Ansicht, daß — wenigstens in manchen
Gebieten — ursprünglich nur wenige Städte Bischöfe
gehabt haben. In die dunklen Kanones 4—7 von
i Nicaea ist — so weit bis jetzt möglich— Licht gebracht;
j der einzige noch unerhellte Punkt bleiben die bevorrechteten
bm.hrplai ev ralg aXkaig E7iag%Laig des can. 6,
| die nicht mit den späteren großen Bischofsstühlen Ephe-
i sus, Cäsarea, Heraklea gleichgesetzt werden und von
denen uns nichts bekannt ist. Die der antiochenischen
Synode von 341 beigelegten Kanones werden (S. 532)
i mit Loofs und Ed. Schwartz der Synode zu Antiochien
von 329 zugeteilt. Geschichtlich wichtig ist der Hinweis
auf die Parteikämpfe, die den neuen Verfassungsplan
nicht wirklich werden ließen. Die Kanones der
ökum. Synode von 381 sollen sodann die einzelnen
Reichsdiöcesen (bei denen Asia nicht mitgenannt ist S.
' 535) gegeneinander abgrenzen und eine durch Bischöfe
| der angrenzenden Eparchien verstärkte Provinzial-
; (nicht eine volle Diözesan-)Synode zur Besetzung der
großen Stühle und als Oberinstanz in Rechtsfragen
schaffen; eine Patriarchalverfassung ist nicht beabsichtigt
.

Nur Einzelheiten konnten herausgegriffen werden.
Doch manches, was sich einer kurzen Besprechung entzieht
, trägt zu dem Wert des Werkes bei und verrät die
j sichere Hand, die den Stift führt. Oft ist es eine neue
Gruppierung von Einzelzügen, oft eine knappe Umrißzeichnung
des kirchlichen Lebens, oft eine Schaffung
geschichtlicher Zusammenhänge, welche wie eine Beleuchtung
dunkler Räume wirken. Möge das angefangene
Werk recht bald weitergeführt werden.
Breslau. E. Kohlmeyer.

i M.a r k u s, Diakon: Das Leben des heiligen Porphyrios Bischofs
von Gaza. (Übersetzt u. hrsg. v. Georg Roh de.) Berlin: J. Bard
1927. (132 S.) kl. 8». = Hortus deliciarum. Lvvd.RM3.80.

Porphyrius war von 395 bis 420 Bischof in der
i alten Philisterstadt Gaza, deren kleine Christengemeinde
j zahlreichen Mißhandlungen durch die dortige heidnische
I Bevölkerung ausgesetzt war. Das wichtigste Ereignis
aus seiner Amtszeit war die von ihm am Kaiserhof erwirkte
Zerstörung der heidnischen Tempel, namentlich
' des von den Heiden besonders geschätzten sog. Mar-
! neion, eines Tempels des dem Zeus gleichgesetzten
Gottes Marnas. Bald nach dem Tode des Bischofs hat
| sein Diakon Markus sein Leben, besonders seine bischöfliche
Tätigkeit, voll Verehrung und Bewunderung,
aber auch bieder und treuherzig geschildert. Diese Le-
bensbeschreibung hat G. F. Hill ins Englische über-
i setzt (1913). Die erste deutsche Übersetzung legt uns
! hier Dr. Georg R o h d e, der sich allerdings erst ganz
am Schluß zu erkennen gibt, mit einem Nachwort und
etlichen erklärenden Anmerkungen vor. Er legt ihr die
; vom Bonner philologischen Seminar 1895 in der Teub-
ner'schen Sammlung veröffentlichte Ausgabe zu Grunde
, berücksichtigt aber auch die in der Dissertation von
Nuth 1897 behandelten Verbesserungen nach der Jerusalemer
Handschrift. Die Übersetzung liest sich sehr
gut und bewährte sich bei Stichproben, die ich angestellt
habe.