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Ausgabe:

1928 Nr. 17

Spalte:

405

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rauschenbusch, Walter

Titel/Untertitel:

Für Gott und das Volk 1928

Rezensent:

Bussmann, E. W.

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405

Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 17.

406

lichkeit, sodaß sich die Funktionen des theoretischen und
des willentlichen Apriori dienend der Funktion des religiösen
Apriori ein- und unterordnen, um dem Menschen
die göttliche Offenbarung in Natur und Geschichte zu
vermitteln. Damit führt Jelkes Fassung des religiösen
Apriori weiter zu der Einsicht in die Oesamtstruktur
des menschlichen Bewußtseins, in der
das religiöse Apriori erst die letzten Tiefen des Erkennens
, des sittlichen Handelns und des Schönheitserlebens
erschließt. Und erst dann ist der Vollgehalt der
Welt des Schönen und Guten erhoben, wenn ihre religiöse
Fundierung erkannt ist: „Unser Geistesleben ist
ohne Religion ein Torso. Ohne Religion fehlt uns am
Geiste nicht etwa nur die Vollendung nach einer Richtung
, sondern die Vollendung aller seiner wesentlichen
Seiten" (S. 292). Auch hier wird man Jelke weitgehend
zustimmen müssen, denn gerade in den Betrachtungen
über die religiösen Hintergründe des Natürlichen und
Geschichtlichen und ihre Haltlosigkeit ohne religiöse
Seele stecken Erkenntnisse, die in den kommenden Auseinandersetzungen
mit der dialektischen Religionsphilosophie
von höchster Bedeutung sein werden.

Es ist nur folgerichtig, wenn Jelke von seinem
religionsphilosophischen Standpunkt aus dem Christentum
die höchste und abschließendste Stellung im
Reiche der Religionen einräumt, weil in ihm sowohl
hinsichtlich der Transzendenz wie der Immanenz
Gottes die klarsten Stellungnahmen vorliegen. „Unter
der normativen Religion verstehen wir die Religion,
deren Objekt klar und eindeutig transzendent gefaßt ist
und die zugleich von intellektuellen, ästhetischen und
ethischen Fragestellungen aus als Vollendung des dem
Menschengeist innewohnenden Ringens und Suchens anzusprechen
ist" (S. 303). Es mag sein, daß dem gegenüber
die kulturkritischen Kräfte des Christentums nicht
hoch genug gewertet sind, es ist aber angesichts des
Kulturpessimismus der Gegenwart wertvoll, daß auch
einmal wieder die Motive herausgearbeitet werden, die
zu einer positiven Wertung der Kultur führen. So regt
Jelkes Buch in förderndster Weise die religionsphilosophische
Diskussion an und weist in seinen Stellungnahmen
Wege, wie die genannte Diskussion zu wertvollen
Ergebnissen geführt werden kann.
Düsseldorf. Kurt Resseler.

Rauschenbusch, Walter; Für Gott und das Volk. Gebete
der sozialen Erweckung. Obers, u. bearb. v. Minna Griebel
u. Heinrich Fr ick. Mit e. Anh. v. Conrad Henry Moehlmann
u. e. Bilde Rauschenbuschs. Görtingen: Vandenhoeck Ruprecht
ld28. (102 S.) 16°. = „Das Heilige und die Form", H. 5.

V RM 2-.

Dies aus dem Englischen übersetzte, von Prof. Frick mit einer
gehaltvollen Einleitung über die Bedeutung der Veröffentlichung, von
dem Nachfolger R.s, Möhlmann, mit einer Würdigung seiner Persönlichkeit
versehene und vom Verleger vornehm ausgestattete Werkchen
wird manchem Interesse begegnen. Es hat freilich sein Mililiches,
Gebete, die ins Verborgene gehören, zu veröffentlichen, aber Frick
weist darauf hin, daß sie dazu dienen könnten, Amerika gerechter zu
beurteilen. Dagegen ließe sich fragen, ob ein Einzelner, der noch
dazu ein Bindestrich-Amerikaner ist, dafür als giltiger Beweis herangezogen
werden kann. Frick muß außerdem selbst zugeben, daß durch
seine leisen Änderungen die Oebete Männern und dem deutschen
Ohr vertrauter gemacht werden mußten. Doch betont er weiter,
daß R. der Vertreter einer besonderen Mission, des „social gospel",
des sozialen Christentums ist, wie es die Amerikaner in Stockholm
in der Auffassung des Reiches Gottes vertreten haben. Darum rufe
R. nicht nur den Einzelnen, sondern jedes Gruppenleben, Familien
und Fabriken, Stände und Klassen, Städte und Völker zur Buße auf.
Sollte dies Letztere nicht auch in Deutschland geschehen, wo wir
z. B. allgemeine Bußtage haben, die man anderswo nicht kennt?

Es widerstrebt Gebete im Einzelnen zu kritisieren, nur soviel
möchte ich sagen, daß die Sprache der Gebete fein und innerlich ist
und das Büchlein vielleicht manchem in der von Frick gewünschten
Weise helfen kann.

Ahlden/Aller. E.W. Bußmann.

Erklärung.

In Nr. 8 dieses Blattes vom 14. April schreibt Herr Pfarrer
Ratz bei einer kurzen Anzeige meiner Lebenskunde: „Diese Sammlung
(nämlich von Belegen verschiedener Art) ist gewiß alt erprobt, aber
überaus unpersönlich. Einen kräftigen theologischen Griff, der dem
Ganzen sein Oepräge gäbe, kann ich bei allem Bemühen nicht
finden." Dazu bitte ich sagen zu dürfen, die „Lebenskunde" ist ein
Schulbuch, das für die Hand der Schüler bestimmt ist und von
Lehrern sehr verschiedener theologischer Haltung und verschiedenen
! persönlichen Temperaments gebraucht werden soll. Ein nach den
Grundsätzen des Arbeitsunterrichtes verfaßtes Schulbuch soll (wie
außerdem die amtlichen preußischen Richtlinien ausdrücklich ver-
j langen) auf ein derartiges persönliches Oepräge oder gar auf einen
I kräftigen theologischen Griff verzichten. Es soll, wie mein Vorwort
i ausdrücklich sagt, nur Arbeitsstoffe und Leitgedanken darbieten und
i dem Unterricht die persönliche Verarbeitung überlassen, ohne ihm
| vorzugreifen.

Hannover. Hermann Schuster.

E rw i d e r u n g.

Zweifellos hat Herr Prof. Schuster den amtl. preuß. Richtlinien
: voll Genüge getan und dabei ein, wie von mir betont, wohl verwendbares
Schulbuch geschaffen. Ich bleibe aber der Überzeugung, daß
diese Selbstentäußerung dem — wohl verstandenen — Zweck solcher
Unterrichtsbücher Abbruch tun müsse, weil Lehrer wie Schüler so
nicht zu der innern Auseinandersetzung hingezwungen werden, die, aus
letzten Tiefen systematischer Besinnung kommend, solche beim Benutzer
, wenngleich oft ungewußt, erbohrt. Aber selbst wenn es darauf
ankäme, ein Mosaikbild aus sorgsam überallher gesammelten Steinchen
zu legen, darf doch nicht übersehen werden, daß sein Wert nach der
vorschwebenden und durchgeführten Zeichnung beurteilt wird, und daß
die Zeichnung, wenn überhaupt etwas, eine ebenso persönliche
Schöpfung ist und sein muß wie die frei aus Eignem geschaffene
i Komposition. Wer einen Cento gibt, erschwert sich die Arbeit noch
insofern, als die disparaten Einzelstücke sich dem Formwillen des
Autors nie ganz vollkommen einpassen.

Im Übrigen entsprang meine Anmerkung einem Vergleich der
Arbeiten Schusters und Smends, die, als Glieder des gleichen Unterrichtswerks
, eine bemerkenswerte Spannweite in der Benutzung der
amtlichen Richtlinien zum Ausdruck bringen.

Fahrenbach (Baden). Peter Katz.

Vor kurzem erschien:

Das Hethiter-Reich

Seine Stellung zwischen Ost und West

von

Dr. Albrecht Götze

Professor an der Universität Heidelberg.

46 Seiten, gr. 8°.

Der Alte Orient. Gemeinverständliche Darstellungen, herausgegeben
von der Vorderasiatisch-Aegyptischen Gesellschaft. Band 27, Heft 2.

Der Tontafelfund von ßoghazküi bietet unschätzbares Material für
Geschichte und Kulturgeschichte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends
. Auf Grund der im vergangenen Jahrzehnt entzifferten
Sprache wird versucht, nach dem heutigen Stande unseres Wissens
die Hauptzüge der hethitischen Geschichte darzustellen und die
eigenartige Stellung des Hethiterreichs zwischen Europa und
Asien, zwischen Altem Orient und Antike zu kennzeichnen.

Preis broschiert RM 1.80.

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