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Ausgabe:

1928

Spalte:

389-392

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bulmerincq, Alexander v.

Titel/Untertitel:

Der Prophet Maleachi. Bd. I: Einleitung in das Buch des Propheten Maleachi 1928

Rezensent:

Kuhl, Curt

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38!)

Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 17.

390

mit Augen beobachtet und geforscht, die auch für das
scheinbar Unwichtigste in Natur und Menschenleben
offen standen. Dies und dazu seine umfassende Kenntnis
der literarischen Überlieferung aller Zeiten und der
neueren und neuesten Literatur zur Palästinakunde
macht sein Lebenswerk zu einem monumentalen Zeugnis
deutscher Bibelwissenschaft.

Das vorliegende Stück (I, 1) handelt vom Jahreslauf
und Tageslauf, die das Leben des Palästinensers
in seiner Naturgebundenheit bestimmen und
regeln und die seinem Vorstellen und Denken Inhalt
geben. Von der Bedeutung des Naturjahres im Verhältnis
zum christlich-muhammedanischen Kalenderjahr
ausgehend, wird zuerst der Jahreslauf nach den beiden,
durch die Witterungsverhältnisse aufeinander bezogenen
Perioden Herbst und Winter besprochen. Die
Fülle von Tatsachenmaterial, die hier in anregender, nie
ermüdender Darstellung verarbeitet ist, kann nur annähernd
durch den Hinweis auf einzelne Kapitelüberschriften
wie z. B. Temperatur und Tau des Herbstes,
Blüten vor dem Regen, Herbstfärbung und Abfallen
der Blätter, Bewölkung und Wetterleuchten, Regenbitten
, Herbststürme, Regenpausen, die Wirtschaft im
Herbst und die Zugvögel u. a. veranschaulicht werden.
Diese fast erdrückende Menge des Materials und die
Gründlichkeit der Darstellung, der wohl nichts entgangen
ist — D. sticht gelegentlich im offiziellen Handbook
of Palestine von 1922 einen Fehler in der Beobachtung
des hochsommerlichen Sonnenaufgangs auf, und
wenige Seiten später macht er auf das Hapaxlegomenon
(p&ivortwQov im Judasbrief als Zeuge für die von Galen
beliebte Siebenteilung des Jahres (de diaeta 68) aufmerksam
! — wird erst recht heraustreten, wenn die
versprochenen Register zum ganzen Werke gedruckt
vorliegen werden.

Es will dem Ref. fast ungehörig erscheinen, kritisch
zu einem Werke von dieser Geschlossenheit und
Vollkraft der unmittelbaren Anschauung Stellung nehmen
zu wollen. Das mögen die tun, die glauben über
D. hinaus etwas zur Sache sagen zu können. Unter dem
lebenden Geschlecht von Alttestamentlern und Orientalisten
dürfte wohl keiner zu finden sein. Nur die
Frage sei gestattet, ob nicht S. 125 Anm. 3 ein Druckfehler
vorliegt, wenn da at. rabas als „späthebräisch"
bezeichnet wird.
Jena. W S t a e r k.

v- Bulmerincq, Alexander: Der Prophet Maleachi. Bd. I: Einleitung
in das Buch des Propheten Maleachi. Dorpat: J. O. Krüger
1926. (XXXVI, 512 S.) gr. 8». RM 12.50.

Das letzte Prophetenbuch des Alten Testaments
wird im Sellinschen Kommentar auf 33 Seiten behandelt
, während Nowack ihm im Göttinger Handkommentar
an 25 Seiten gewidmet hat. Hier legt nun der
Dorpater Alttestamentier und Semitist den ersten Teil
„einer exegetischen Studie über das Buch Maleachi" vor,
einen Band umfassend von dem Umfange eines Kommentars
zum gesamten Dodekapropheton. Ein geplanter
zweiter Teil wird einen genauen Kommentar enthalten.
Da B. seine Ausarbeitung mit dem letzteren begann,
wird schon im I. Band der zweite mit seinen Ergebnissen
voraussetzt. Das ist freilich nicht sonderlich
angenehm, erschwert auch weithin eine Nachprüfung,
ja macht sie zur Zeit noch vielfach unmöglich; aber
das ist nicht die Schuld des Autors, sondern liegt in der
Ungunst der Verhältnisse. Hat doch der Druck des
ersten Bandes sich über fünf Jahre verteilt und konnte
diese Einleitung nur lieferungsweise in den „Acta und
Commentationes" erscheinen. Wir müssen uns im wesentlichen
auf einer Skizzierung des Inhalts dieser Einleitung
beschränken.

Nach einem Verzeichnis der benutzten Abkürzungen
(S. XIII—XXXVI) behandelt Kap. I „die Aufschrift
des B. Maleachi oder den Namen Maleachi
und die Person des Propheten" (S. 3—49).

Maleachi, wohl Kurzform von HNf!?Ö = i"nrp "KTO
i (vgl. LXX zu 1,1: ayyekoc; xvQiov) ist nicht aus 3, 1
nachträglich erschlossen noch ein dieser Stelle entnommenes
Stichwort, sondern der wirkliche Name des
Verfassers, unter dem er bei seinen Zeitgenossen bekannt
war. Ob es sich dabei um einen eigentlichen
Eigennamen handele, den Maleachi bei seiner Geburt
empfangen, oder um einen Amts- bzw. Berufs- bzw.
| Standesnamen (Ehrennamen), läßt sich nicht entschei-
: den (S. 36). Nach B. liegt es nahe, daß Mal., „dieser
Bannerträger des ezechielischen Gemeindeideals" (S.
; 43), selber Priester gewesen sei, wenn er auch keine
nennenswerte Rolle — Neh. 8—10 fehlt sein Name —
gespielt zu haben scheint. Seine Wirksamkeit ist nach
B. um 485—445 anzusetzen. — Kap. II. „Die Über-
! schritt des B. Maleachi" (S. 50—68). Daß sie
[ eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Anfang von Deute-
rosacharja (Sach. 9, 1) und Tritosach. (12, 1) besitzt,
ist nach B. weder als Nachahmung noch als Anglei-
' chung zu erklären, sondern sei lediglich der Grund da-
1 für, daß man diese drei Schriften am Schluß des Zwölfprophetenbuches
neben einander gestellt habe (S. 67).
Die älteste erreichbare Gestalt der Überschrift, die sehr
wohl von Mal. selber herrühren könne, sieht B. in

"0*$$ TD btWtP KftD, wobei unentschieden bleiben
muß, ob sie erst dem abgeschlossenen Buch vorangesetzt
wurde oder ursprünglich nur für die erste Rede (1,
2—5) bestimmt war. — Kap. III. Gliederung und
Inhalt (S. 69—86) und Kap. IV. Die Abfas-
' sungszeit des B. Maleachi (S. 87—140) fassen
: wir am besten gleich zusammen. Auch hier wieder
setzt sich Bulmerincq sorgfältig und peinlich genau
mit den bisherigen Auffassungen auseinander. Im Anschluß
an Driver, Welch und Steuernagel gliedert Verf.
das Buch in sieben selbständige Abschnitte (Reden), deren
Inhalt durch entsprechende Überschriften charakterisiert
wird: 1. 1, 2—5. Der Ausspruch über Edom
oder die Liebe Jahves zur Tempelgemeinde, erwiesen
an seinem Haß gegen Edom. Abfassungszeit wohl un-
j gefähr das Todesjahr des Darius Hystaspis, die Zeit um
I 485 (persische Rüstungen gegen Ägypten). 2. 1,6—2,9.
Von der Verachtung des göttlichen Namens oder Jerusalems
sündige Priesterschaft und deren Bestrafung;
I zu datieren vermutlich um 480—475, zwischen der
j Vollendung des Tempels und der Ankunft Esras. 3.

2, 10—16. Wider die Mischehen; läßt sich am besten
i verstehen aus der Zeit ungefähr eine Generation vor
| Esras Ankunft, also um 475. 4. 2, 17—3, 5. Die un-
' geduldige Frage der Tempelgemeinde nach der göttlichen
Parusie und die Antwort des Propheten oder der
Advent Jahves und dessen Vorläufer; wohl unmittelbar
vor Esras Ankunft in Jerusalem verfaßt, d. h. im Sommer
458. 5. 3. 6—12. Die Unveränderlichkeit Jahves
und die Unverbesserlichkeit der Jakobssöhne oder über
Zehnten und Abgaben; am besten zu begreifen aus der
: Zeit zwischen Esras Ankunft 458 und der Gesetzespro-
i klamation im Herbst 457. 6. 3, 13—21. Die Klage der
Tempelgemeinde über die Wertlosigkeit der Jahvereli-
' gion und der Trost des Propheten oder der Triumph der
1 Tempelgemeinde über die Samariter am Tag Jahves;

diese Rede muß bald auf den Akt der feierlichen Kano-
i nisierung des Gesetzes gefolgt sein. 7. 3, 22—24. Ge-
! setz und Prophetie oder Elia und sein Werk (ein
Bruchstück). Diese Rede geht wohl jener Zeit parallel,
die zwischen Esras Verschwinden vom Schauplatz der
Geschichte und der Ankunft Nehemias im Jahre 445
liegt. — Kap. V (S. 141—224) behandelt den zeitgeschichtlichen
Rahmen des B. Maleachi.
Den Angelpunkt bildet naturgemäß für B. die Chrono-
; logie der Esra-Nehemiazeit. In eingehender Auseinandersetzung
mit v. Hoonacker und Koster entscheidet
i sich B. für die traditionelle Reihenfolge Esra-Nehemia
und identifiziert mit Kuenen den Artaxerxes des Buches
(II. oder III.?) mit Artaxerxes Longimanus. Damit sind
ihm auch die chronologischen Angaben von Esra 7, 7f.;