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Ausgabe:

1928

Spalte:

17-18

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Smend, Friedrich

Titel/Untertitel:

Adolf von Harnack. Verzeichnis seiner Schriften 1928

Rezensent:

Krüger, Gerhard

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Seite 1

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Theologische Literaturzeituiig 1928 Nr. 1.

18

kunst", die bisher kaum bekannt war, ein ebenfalls auf
Francke zurückgehendes „kurzes Product unparteiischer
privat-Oedancken von Emendation der deutschen Bibel
1712", Auszüge aus den Briefen Joh. Daniel Herrn-
schmids an seinen Vater, Diaconus in Bopfingen und
etliche Briefe Franckes an diesen selbst sowie je einen
Brief Hch. Wilh. Ludolfs in London, D. Lütkens in
Kopenhagen, Corton Mathers in Boston, C. Eberhards
in Moskau, Wredows in Stockholm an Francke, welche
nicht nur dessen weltweite Beziehungen erkennen lassen,
sondern auch manche Einblicke in dessen Werk und
inneres Leben gewähren. So dankenswert die Herausgabe
, so sehr befremdet die Art derselben. Daß die Einleitungen
nicht dem betreffenden Aktenstück vorausgehen
, sondern zuerst vereinigt geboten werden, um
dann erst mit dem Abdruck zu beginnen, mag noch in
Kauf genommen werden. Aber daß die Kommentierung
SO Seiten vor der Edierung sich befindet, wird wohl
sonst nicht üblich sein (S. XXVI1 U. S. 66). Auch tut
es der Verehrung für den großen Hallenser Theologen
keinen Eintrag, wenn bei der Wiedergabe von Aktenstücken
die modernen Grundsätze befolgt würden. Gerade
diese Auslese von Briefen, die etwas ahnen lassen
von dem weltumfassenden Wirken ihres Verfassers, legt
den Wunsch nach einer Herausgabe seines gesamten
Briefwechsels nahe (Zeitschrift f. K. G. N. F. 8, 638). j

Roth. Karl S c h 0 r n b a u in. '

Heinsius, Lic. Dr. Wilhelm: Aloys Henhöfer und seineTZeit.

Nach d. Urkunden darrtest. Karlsruhe i. B.: Evang. Schriften-
verein 1925. (Vlll, 280 S. m. 1 Titelb.) gr. 8". LwÄ Rin. 5.50. ,

Es gehörte Mut dazu, neben Emil Frommel's schö- ]
nes Buch „Aus dem Leben des Dr. Aloys Henhöfer"
(Karlsruhe 1865) ein Seitenstück zu stellen. Frommel's
reiche Mitteilungen aus persönlicher Erinnerung und handschriftlichem
Nachlaß machen sein Buch unersetzlich,
und die Wahlverwandtschaft und die schriftstellerische
Begabung Frommel's haben ein Bild von Henhöfer's
persönlicher Art entstehen lassen, das kein Späterer übertreffen
kann. Aber Heinsius hat dieser Lage Rechnung
getragen. Er hat gerade das herausgearbeitet, was
bei Frommel zurücktrat, den zeitgeschichtlichen Hintergrund
. Sein Buch ist fast zu einer badischen Kirchengeschichte
in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ge-
worden. Und dadurch hat nicht nur Henhöfers Gestalt
den ihr gebührenden großen Rahmen bekommen, sie ist
zugleich erst wirklich geschichtlich durchsichtig geworden
. Man darf sich dieser Leistung darum vorbehaltlos
freuen. Sie entspricht allen Anforderungen quellenmäßiger
Historie und guter geschichtlicher Darstellung
und hinterläßt im Leser den Wunsch, Heinsius möge
uns eine vollständige Geschichte der badischen Kirche im
1°. Jahrhundert schenken. Es steckt vor allem auch in
dem reichen Anmerkungsmaterial dazu schon ein gut
Stück Vorarbeit.

An Fragen — mehr darf sich jemand, der die Akten nicht selbst
durchgearbeitet hat, wohl nicht erlauben — möchte ich zwei stellen:
1. Es scheint mir in der Darstellung von Henhöfers Werden der
unmittelbare Einfluß von Luther nicht zu seinem Rechte gekommen
zu sein. Aus von Heinsius selbst gegebenen Notizen geht hervor, daß
Henhöfer Luthers Schriften (vermutlich schon In der Walchischen
Ausgabe) schon 1820 besessen und den großen Oalatcrkommcntai
besonders geschätzt hat. Mir scheint seine religiöse und theologische
Oesamtüberzeugung von daher doch stark bestimmt zu sein, und mit
den Jahren immer mehr. 2. Es ist mir nicht sicher, ob Heinsius nicht,
in dem Bestreben, das Milieu zu seinem Rechte kommen zu lassen,
den Ursprung der ganzen Bewegung in Mühlhausen aus Henhöfers
Aktivität etwas verdunkelt hat; daß die Miihlhauscncr Konvcntikc!
..ohne sein Zutun" entstanden seien, beweisen die von Heinsius gegebenen
Belege keineswegs.

Göttingen. f.. H Irsch.

Smend, Friedrich: Adolf von Harnack. Verzeichnis seiner

Schriften. Unter Benutzung d. Harnack-Bibliographie v. Max

Christlieh bearb. Leipzig: |. <; HlnrichS 1927. (VI, 181 S.)

gT. 80. Rm 12.75.

Das vorliegende' Verzeichnis der Schriften Harnacks
ist eine Festgabe der Preußischen Staatsbibliothek zur

Feier seines 75. Geburtstages am 7. Mai 1926. Es ist
bis zum Mai 1927 fortgeführt und bringt 1658 Eintragungen
gegen 1080 (nicht 1082, wie es im Vorwort
heißt, offenbar sind die Nummern 21 a 21 und
55 a 55 versehentlich doppelt gezählt worden) der
Harnack-Bibliographie von Max Christlieb aus dem
Jahre 1912. Diese Bibliographie war sehr tüchtig und
zuverlässig. Dennoch hat sich bei ihrer Durchsicht die
Notwendigkeit nicht nur einer Lückenergänzting, sondern
auch zahlreicher Berichtigungen ergeben, weshalb Smend
den Plan eines Nachtrags fallen ließ. Die Ergänzungen
— einige davon hatte Christlieb selbst noch nachgetragen
, s. diese Zeitung 1912, Sp. 500 — entfallen zum
weitaus größten Teil auf die Übersetzungen Harnack-
scher Schriften, die Christlieb teils außerhalb des Verzeichnisses
in einem Anhang zusammengestellt, teils
nicht gebucht hatte. Es ist beinahe schade, daß diese
Übersetzungen nicht beieinander geblieben sind. Man
würde dann einen noch stärkeren Eindruck von der
fremdsprachlichen Verbreitung des Hamackschen Schrifttums
erhalten. Sind doch allein vom „Wesen des
Christentums" Übersetzungen in 14 Sprachen erschienen,
die nun freilich Smend um ihrer besonderen Bedeutung
willen noch einmal gesondert zusammengestellt hat.
Nachdem ich mich in dieser Zeitung (1912 Sp. 498 ff.)
ausführlich über Art und Bedeutung des hier gebuchten
Schrifttums verbreitet habe, darf ich damals Gesagtes
nicht wiederholen, möchte nur dein Dank der sicher zahlreichen
Benutzer dem Verfasser des Verzeichnisses für
seine treffliche Arbeit aussprechen und schließe mich im
übrigen seinem Wunsche an: „Möchte das Buch in seiner
neuen Gestalt sich als ein vielseitig brauchbares Hilfsmittel
für die wissenschaftliche Arbeit erweisen, ebenso
vielseitig wie die Universalität und Mannigfaltigkeit des
überragenden Geistes, zu dessen Lebenswerk es ein
Führer sein soll."

Warum die von mir a.a.O. aufgezeigten Druckfehler: Nr. 822
Delahaye st. Delehayc — dieser Felller wiederum auch im Register --
und Nr. 1043 encyclopedia st. encyclopacdia nicht verbessert worden
sind, weiß ich nicht. Neu hinzugekommen sind Nr. 84 Pressensec st.
l'resscnse und Nr. 915 Z. 5 371 st. 311.

Gießen. (). K r ii g e r.

Smith, Henry Preserved: The Heretic's Defense. A footnote to

historv. New York: Charles Scrihner's Sons 1920. (IX, 130 S m
< Taf.) 8«. | |.5„.

H. Pr. Smith, aus einer Neuenglandfamilie stammend
, seit 1874 Dozent, seit 1875 Professor für Altes
Testament am presbyterianischen Laue Seminarv in Cin-
cinnati, wurde 1892 als presbyterianischer Geistlicher disqualifiziert
und ging 1893 seines Lehramts verlustig,
weil er mit allem Maße und Takte, sodaß kein
deutscher konservativer Theolog gleicher Zeit etwas hätte
gegen ihn sagen können (es ging U. a. um das Recht,
einen Deuterojesaja anzunehmen) — das Recht philologischer
und historischer Kritik am alten Testamente
vertreten und die Irrhimsfähigkeit der heiligen Schrift in

I nicht das Heil betreffenden Dingen bejaht hatte. Nach

: einigen Jahren der Beschäftigungslosigkeit fand er an
andern theologischen Schulen, zuletzt 1913 am Union
Setninary als Bibliothekar ein neues Arbeitsfeld. Er erzählt
hier in schlichter Sachlichkeit sein Leben, seine Absetzung
1892/93 in den Mittelpunkt stellend. Ein Anhang
bringt ein 44 Titel umfassendes Verzeichnis seiner
Schriften, Aufsätze, Artikel.

Es handelt sich um mehr als einen beliebigen
„Fall". Es handelt sich — zumal durch den Rahmen, in
den Smith sein Schicksal hineinstellt — um die erste
Berührung der amerikanischen Theologie und Kirchen

I mit deutscher Bihelkritik, d. h. um einen kirchenge-
schichtlich wichtigen Moment, abgespielt in einem indi-

I viduellen Schicksale. Das Buch geht, da Smith von
seinen eignen Arbeiten nur das Allerknappste berichtet,
mehr als den Alttestamentler noch den Kirchenhistoriker
der neuesten Zeit, ihn aber auch ernstlich an.