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Ausgabe:

1928 Nr. 15

Spalte:

343

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zellinger, Johannes

Titel/Untertitel:

Bad und Bäder in der altchristlichen Kirche 1928

Rezensent:

Völker, Walther

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343

Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 15.

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I und II meint, sondern gegen Theodor von Mopsu-
hestia und sie gehörten den ersten Jahrzehnten des 5.
Jahrhunderts an. Sch. hat es aber unterlassen, bei III
die von Loofs für die Echtheit vorgetragenen schwerwiegenden
Gründe zu prüfen und zu widerlegen.

S. 5 Z. 9 ff. ist offenbar auf AG. 19, 2 angespielt. Beachtenswert
erscheint mir, dal! es in der 10. Frage des Samosateners (S. 36) von
Petrus nur heißt: ozi nfaSov Tiavxtnv flstfOf o i<rr«nroX«c ">f «>»' tov
Xqmtuv ua&r^i^ i'^d'ei rr/v xiegl XqioxoZ ilowr.
München. Hugo Koch.

Zellinger, Johannes: Bad und Bäder In der altchristlichen
Kirche. Eine Studie über Christentum und Antike. München:
M. Hueber 1928. (VIII, 136 S.) 8°. RM 4.50; geb. 6-.

Als Ausschnitt aus dem großen Problem „Christentum
und Antike" ist eine monographische Behandlung
der Stellung der alten Kirche zur Badepraxis der
heidnischen Umwelt nicht ohne Interesse und hat auch
vereinzelt Bearbeitung gefunden. Man hat dabei auf
die hygienische Bedeutung der Bäder zu achten, auf die
Unsitte der balnea mixta samt ihrer Bekämpfung, auf
den mehr oder weniger rigoristischen Badeverzicht des
Mönchtums, der z. T. auch Laienkreise beeinflußt, und
endlich auf die Bäder, die mannigfachem Aberglauben
ihr Entstehen verdanken. Es erhellt sofort, daß eine derart
umfangreiche Aufgabe nur von dem Forscher wirklich
zu lösen ist, der über eine Kenntnis von Mignes
Patrologie verfügt. Verf. hat sich indes die Aufgabe
mehr als leicht gemacht, denn er besitzt den heute
selten gewordenen Mut eines frühmittelalterlichen Kom-
pilators, ohne freilich mit ihm den Verzicht auf Originalität
zu teilen. Die eine Quelle, die er ohne Angabe
(die drei oder vier Hinweise auf die Vorlage verschleiern
den Tatbestand eher) ausschreibt, ist H. Duma
i n e s sachlicher Artikel „Bains" in Cabrols: Dic-
tionnaire d'archeologie chretienne et de liturgie II, 1,
S. 72 ff. Ich habe Zellingers Buch Satz für Satz mit
Dumaines Ausführungen verglichen und behaupte, daß
mehr als 2/:< aller angeführten Zitate oft in derselben,
oft in einer (durch die Disposition bedingten) anderen
Reihenfolge einfach abgeschrieben sind (S. 11 ist Dumaines
„aimable sagesse" (S. 78) richtig mit „liebenswürdige
Weisheit" übersetzt). Eine zweite Quelle ist
A. Maus Artikel „Bäder" bei Pauly-Wissowa II, 2,
Sp. 2743 ff. (ohne Quellenangabe wörtliche
Übereinstimmung zwischen Z. S. 35, Abs. 2 und
Pauly-W. Sp. 2750). Von S. 104 ab folgt Verf. anderen
Quellen, denen ich nicht weiter nachgegangen bin. Da
das Buch fast nur aus aneinandergereihten Zitaten besteht
, so erschöpft sich die „selbständige" Arbeit des
Verf.s in dem Nachtragen einiger neuerer Literatur,
Schaffen (belangloser) Verbindungssätze und der Kontrolle
der Zitate. Es soll gern anerkannt werden, daß
Verf. hierbei einige Versehen Dumaines korrigiert hat
(S. 71, A. 1: P. L. 67, 1112 statt 1142; S. 74, A. 2 Beda
IV, 19 statt IV, 13; S. 79, A. 2 Memoriale sanctorum
II, 23 statt Memorialis . . II, 10), was nicht ausschließt,
daß er manches übersehen hat (S. 49, A. 2 nicht P. L.
23, 78 (Dum. 22, 78), sondern 23, 74 f.). Verf. hat
es sich ferner angelegen sein lassen, die Quellenangaben
Dumaines (meist Migne) durch neuere Ausgaben zu ersetzen
, aber auch hier hat er nicht die genügende Sorgfalt
walten lassen. So zitiert er S. 8, A. 3 Irenaeus nicht
nach Harvey oder Stieren, sondern nach Migne, leistet
sich das Kunststück, Bedas hist. eccl. auf S. 74, A. 2
nach Migne, auf S. 82, A. 1 dagegen nach C. Plummer
zu zitieren, und übersieht, daß es von Prokops Van-
dalenkrieg seit 1905 eine neue Ausgabe von J. Haury
gibt (S. 32, A. 2).

Nach dem Ausgeführten erübrigt sich wohl ein
Urteil über den wissenschaftlichen Wert dieses Buches,
dessen Titel nicht einmal richtig gewählt ist.
Halle/Saale. Walther Völker.

j Barry, Patrick J.: Die Zustände im Wiener Schotten kl oster
vor der Reform des Jahres 1418. Aichach: L. Schütte 1927.
(106 S.) gr. 8°. RM 4-.

Im Zusammenhang mit der durch Albrecht V. 1418 in Österreich
durchgeführten Klosterreform überließen die bisherigen Insassen
des seit ungefähr 1160 in Wien bestehenden Schottenklosters, da sie
j sich den Neuerungen nicht fügen wollten, ihr Haus deutschen Benediktinern
der sog. Melkar Observanz. Die Abte der Schottenkongregation
strengten daraufhin einen Prozeß wegen Wiedergewinnung des
Wiener Klosters an, den sie jedoch 1449 zu Gunsten der deutschen
1 Mönche verloren. 1466 verfaßte nun einer derselben ein Memoriale
reformationis ad Scotos, worin er gewissermaßen zur Rechtfertigung
der Maßnahmen Albrechts V. ein düsteres Bild des Sittenverfalls der
Wiener Schottenmönche zeichnet. Diese Darstellung hat, wie die
Schrift des Johann Rasch „Stiftung und Prelaten Unser Lieben Frauen
j Oottshaus zu den Schotten zu Wien" aus dem Jahre 1586 zeigt, fortab
I die historische Forschung bestimmt. Der Verf. unterzieht deshalb
die Angaben des erwähnten Memoriale einer kritischen Prüfung und
gelangt zu dem Ergebnis, daß es in seiner tendenziösen Einstellung
1 und infolge völlig ungenauer und unzuverlässiger Mitteilungen als
j historisches Dokument nicht in Frage komme. Damit erledigt sich
auch der Wert der Arbeit von Rasch, der vor allem das im Archiv
i des Wiener Schottenklosters niedergelegte Memoriale benutzt hat.
Die Wiener Schotten seien weder besser noch schlechter gewesen
als die übrigen Benediktiner, und ihr Wegzug von Wien sei nicht
I infolge ihrer moralischen Unzulänglichkeit erfolgt, sondern vielmehr daraus
j zu erklären, daß sich die Niederlassung schottischer Mönche in
Österreichs Hauptstadt als nicht mehr zeitgemäß, und deshalb zu
kostspielig erwiesen habe. — B.s Beweisführung darf als gelungen
angesehen werden, wenn er auch in seiner Skepsis gegenüber dem
Memoriale stellenweise zu weit geht. Als Beitrag zur Geschichte
| der deutschen Schottenkongregation,' die auch für die Wiener Univer-
i sität von Bedeutung war, verdient die Untersuchung Beachtung.

Wien. Karl Völker.

| Köhler, Prof. Walther: Zwingt! und Bern. Tübingen: J.C.B.
Mohr 1928. (48 S.) gr. 8°. = Sammlung gemeinverständl. Vorträge
u. Schriften aus d. Gebiet d. Theologie u. Rel.-Gesch., 132.

RM 1.80; Subskr.-Pr. 1.50.

In feinsinniger Weise werden in einem 1. Teil die
Beziehungen Zwingiis zu Bern in chronologischer Reihe
dargelegt. Zwingli war als Schüler kurz in Bern ge-
I wesen. Beim Beginn seiner Wirksamkeit in Zürich
gehen die politischen Wege beider Städte auseinander,
Zürich ist gegen, Bern für das französische Soldbündnis,
j Die Reformation bringt Annäherung. Die erste reformatorische
Einwirkung in Bern brachten Lutherschriften,
seit 1520 steht der Münsterprediger Berchtold Haller
unter dem Eindrucke Zwingiis, ein kleiner Freundes-
; kreis Zwingiis sammelt sich und gewinnt trotz starken
I Widerständen Anhänger in Rat und Volk. Die Beziehungen
Zwingiis zu Bern bleiben aber nur persönliche
, bis endlich 1527 seine Anhänger im Rate das
| Übergewicht erringen und Zwingli zur großen Disputation
von 1528 berufen wird. „So wird Zwingli der
| Reformator Berns". Die Durchführung der Reformation
in Bern geschieht nach dem Vorbilde Zürichs. Bald
darauf „gehen die Wege hüben und drüben immer deut-
j licher auseinander, . . . nicht sowohl auf dem Gebiete
i der Lehre ... als auf dem der Politik". Bern ist zum
I Frieden bereit mit den ins Oberland eingefallenen Unter-
waldnern, Zwingli will von den Innern Orten der Eidge-
' nossenschaft Anerkennung der Reformation in den Ge-
I meinen Herrschaften erzwingen, auch wenn es einen
Krieg kostet. Der Krieg wird sowohl durch die Vermittlung
des Glarner Landammanns, als auch durch
das entschiedene Veto Berns verhindert. Dann lehnt
Bern Zwingiis Eingreifen in den Thurgau und die Abtei
' St. Gallen und seine große Bündnispolitik ab. Die
rasche Kampfbereitschaft beim Ausbruch des 2. Kappe-
! lerkrieges kommt zu spät. Wie ist diese Spannung zu
verstehen? Darauf antwortet der 2. Teil. Es handelt
! sich um eine Vielheit von Ursachen. Zunächst besteht
j ein Unterschied der Temperamente. Wenn dann auch
die Verfassungen der beiden Städte sehr ähnliche sind,
so fehlt doch in Bern der Prophet, „Bern in den Akten
! ist eine Vielheit. . . . Man kann bei den entscheidenden
I Aktionen Zürichs unbedenklich den Namen der Stadt