Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1928 Nr. 15

Spalte:

339-341

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

L‘oeuvre de Bahaou‘llah. Tome III 1928

Rezensent:

Strothmann, Rudolf

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

339

Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 15.

340

zwei Versionen eines ihr nahestehenden Gedichtes von
Joseph Kimchi vergleicht A. Marx (S. 434 ff.). Das
Astrolab in der jüd. Literatur wird geschildert von S.
Gandz (S. 469 ff.), Kabbalistisches von Bendel Ahrweiler
(15. Jahrh.) teilt M. Ginsburger mit (S. 487 ff.),
alte handschriftliche Briefe aus Ägypten und Palästina
J. M. Toledano (S. 449ff.), Varianten zum Sepher
Maasijoth S. Krauss (S. 345 ff.), Stellen aus einem verlorenen
Midrasch H. G. Enelow (S. 311 ff.). Die Geschichte
der Kirche wird berührt, wenn J. Mann gewisse
Wandelungen im jüdischen Liturgicum in spätrömischer
Zeit durch christlichen und persischen Religionszwang
erklärt (S. 241 ff.). Mancherlei Spuren des im Prinzip
abgewiesenen Mutterrechts findet V. Aptowitzer im
A. T., Halacha und Haggada, aber auch in der Geschichte
Jesu (S. 207 ff.). Den Streit der Sadduzäer und
Pharisäer über das Ceremonial des Räucherns am Versöhntag
führt J. L. Lauterbach auf zurückgebliebene
Vorstellungen von Gott bei den ersteren zurück (S.
173 ff.). Spuren eines ungeschriebenen Naturgesetzes
weist J. Heinemann bei Philo und in der Kabbala nach,
während sie ihm im rabbinischen Judentum nicht deutlich
scheinen (S. 149 ff.). In anziehender Weise zeigt
A. Lewkowitz, wie von Philo bis zum Kantianer H.
Cohen jüdisches Denken bestrebt war, die Weltanschauung
der Bibel mit der Kultur der jeweiligen
Gegenwart zu verschmelzen, wie es aber jetzt vor allem
gelte, das religiöse Leben und sein Ziel als wichtigste
seelische Kraft zu erfassen und so die Frömmigkeit der
Väter fortzusetzen (S. 139 ff.). Für die historische Exegese
ist von Bedeutung der Versuch J. Morgensterns, in
eingehender Untersuchung nachzuweisen (S. 1—138),
daß der Dekalog von Ex. 34, 14—26 als das älteste
Dokument des Hexateuchs erstlich selbst auf eine Grundform
von 8 Paragraphen zurückzuführen sei, dann aber
betrachtet werden müsse als Bestandteil einer Erzählung
vom Zuge Israels zum Sinai als dem dauernden Sitze
Jahwe's und von da nach Südpalästina, das man einnahm
, wovon Reste in Ex. 4, 26; Kap. 33 und 34,
Num. 10, 29—33 a erhalten seien. Als die Heimat dieses
Berichtes sei das kenitische Südpalästina zu begreifen
und als die Zeit seines Hervortretens die Reformation
Asa's um 899 v. Chr., während die Reformation Elisas
und Jehus um 842 v. Chr. mit dem sogen. Bundesbuche
Ex. 20, 23—24, 8 zusammenhänge. Ob alles dies wirklich
als erwiesen gelten darf, kann nur eine ebenso eingehende
Nachprüfung zeigen.

Greifswald. G. Dalman.

.

L'oeuvre de Bahäou'lläh. Tome ffr. Le livre de la Ccititude
(Kitäbou'l Iqän). Traduction fran^aise par Hippolyte Dreyfus.
Paris: E. Leroux 1928. (XI, 18Q S.) kl. 8». 18 fr.

Im schiitischen Islam, der den Glauben an die Parusie des
Mahdi-Messias stets als Kernstück festgehalten liat, trat im J. 1844
der Kaufmann Mirza Ali Muhammed aus Scbiras auf mit der Offenbarung
, der Bab, d. h. die Pforte zu Gott zu sein; 1850 wurde er
zu Täbris hingerichtet. Als nach einem Attentat von Babis auf den
Schah Nasireddin im J. 1852 eine besonders schwere Verfolgung einsetzte
, mußte der Führer Jachja Nuri, zubenannt Subch-i-Ezel, d. i.
Morgenglanz der Ewigkeit, das Land verlassen; desgleichen sein
älterer Halbbruder Husain Ali Nuri. Auf türkisches Gebiet aufgenommen
wurden die beiden zunächst in Bagdad, später in Konstantinopel
und Adrianopel festgehalten. Während dann Subch-i-Ezel nach
Famagusta auf Cypern gesandt wurde, wo er 1912 gestorben ist, hat
Husain Ali von 1868 bis zu seinem Tode im J. 1892 unter milder
polizeilicher Aufsicht in Akko gewirkt. In der Bagdader Verbannung
war über diesen letzteren das Berufungsbewußtsein gekommen,
daß er die vom Bab verheißene Manifestation Gottes sei, mit dem
Amtstitel Beha-Allah, d. i. Abglanz Gottes, also nicht mehr ein
bloßer Jünger des Bab, sondern dessen Vollendung und damit die
Aufhebung aller bisherigen Religionen. Und dort in Bagdad verfaßte
er um 1860 das polemisch-systematische Hauptwerk Kitab al-iqan,
d. i. Buch der Gewißheit. Da es eine deutsche Ubersetzung bislang
nicht gibt, sei hier an den vorliegenden Wiederabdruck der Obersetzung
von 1904 durch den französischen Behai H. Dreyfus erinnert.

Wer einigermaßen vertraut ist mit orientalischen

| Lehren von periodisch fortschreitenden Manifestationen
Gottes, auf den wird der vorliegende Versuch, die Reihe
Adam, Noah, Abraham, Moses, Jesus, Muhammed weiter

! zu führen zu Bab und Beha-Allah kaum Eindruck
machen, besonders nicht die Beweisführung, ein Ineinander
von abergläubischen Legendenresten, z. B. von
der 700jährigen Wirksamkeit des qoranischen Prophe-

I ten Hud (S. 8), einer willkürlichen, die späteren Spaltungen
mit verursachenden Allegorese, rationaler Verdünnung
oder Aufhebung des Erlösungsgedankens durch
einen gewissensstolzen Perfektionismus trotz mancher
schönen Worte und auch einiger guten Gedanken über
die göttliche Gnade, z. B. Moses sei, obwohl Mörder,

j zum Propheten berufen (S. 42). Bei der Auslegung von

■ Qoran-, Sünna- und Bibelstellen (vgl. bes. S. 21 ff. zu
Matth. 24, 29—31) ermangelt Beha-Allah des würdigen
Ernstes nicht minder wie die Ernsten Bibelforscher. Für
den schwülstigen Stil, der in der Übersetzung besonders
abstößt, wolle man nur den Verfasser verantwortlich

j machen, nicht den orientalischen Geschmack im allge-

l meinen. Diese blumige Geziertheit ist selbst in Persien,

| neuestens auch bei den Behai weithin überwunden.

Die Wirkung des Beha-Allah liegt vor allem darin,
daß er in islamischen Ländern Toleranz lehrte und
darüber hinaus, besonders in seiner Akkoer Gesetzes-

j Sammlung Kitab al-aqdas d. h. dem Heiligsten Buch,
Pazifismus, Überbrückung von Gegensätzen der Reli-

j gionen, Rassen, Geschlechter und sozialen Stände, ferner

i Völkerbundsideen und eine Welthilfssprache predigte.

1 Das letzte Geheimnis der Missionserfolge zumal unter

! Christen entzieht sich auch bei diesem Propheten der
kritischen Beurteilung. Sicher spricht persönliche Anziehungskraft
stark mit. Auch Wunder und Weissagungen
werden ihm zugeschrieben, so die bekannte

| Drohung gegen das siegreiche Deutschland von 1870 f.,
weil Kaiser Friedrich III. als Kronprinz auf seiner

j Orientfahrt im Jahre 1869 ihm, dem wiedererschienenen
Christus, keinen Besuch abgestattet hatte: „Wir

! hören die Wehklage Berlins, obwohl es jetzt in sichtbarem
Ruhm erstrahlt" (s. H. Roemer, Die Babi-Beha'i,
Potsdam 1912, S. 108). Zwar auch nicht neu, aber
folgerichtig durchgeführt ist im Buch der Gewißheit der
Kampf gegen jeden Klerus: wie die jüdischen Priester
bei Jesus, die jüdischen und christlichen bei Muhammed,
so hinderten die jüdischen, christlichen und muhammeda-
nischen die Anerkennung des Beha-Allah; von der Vernichtung
des Priestertums hänge der Weltfriede und
die Menschheitsverbrüderung ab. Die Tragik ist nur,
daß wer die Gefährlichkeit religiöser Führer illustrieren
wollte, den reichsten Stoff dafür in der noch kurzen
Geschichte dieser jüngsten Weltreligion fände; sie
spricht mehr noch von innerer Feindschaft als von äußeren
Anfeindungen. In dem abstoßenden Kampf Beha-
Allah's gegen seinen Bruder Subch-ä-Ezel beschuldigen
sich beide Parteien wiederholt des versuchten Brudermordes
(s. den Behai-Chronisten Muhammed Dschawad
Qazwini bei Browne, Materials for the Study of the
Bäbi Religion, Cambridge 1918, S. 22ff.; vgl. S. G.
Wilson in „Moslem World" IV 231—245). Anhänger
des letzteren werden durch solche des ersteren den Behörden
denunziert, ja ermordet. Solches und auffälliger

] Selbstmord eines schwärmerischen Anhängers verunzieren
das an sich heroische Bild der standhaften Martyrien
unter persisch-schiitischer Verfolgung. Der Charakter
von Beha-Allahs Sohn und Nachfolger Abbas, genannt

I Abd al-Beha, Diener des Göttlichen Abglanzes, wird

I von dem genannten eigenen Chronisten (bei Browne S.
74 ff.) als durchaus unlauter hingestellt, sodaß dieser

I eifrige Behai sich dem feindlichen Bruder Muhammed

I Ali, zubenannt al-Ghusn al-Akbar, d. h. Erhabenster
Zweig, anschloß, gleich dem im übrigen sehr erfolgreichen
amerikanischen Missionar Ibrahim George Chair-
Allah, der noch 1917 klagte, daß sein Missionsaufruf

i zur Großen Wahrheit durch Abd al-Beha's Intrigen ein
Aufruf zu Zank geworden sei (bei Browne S. 171). Abd