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Ausgabe:

1928

Spalte:

16-17

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mahling, Friedrich

Titel/Untertitel:

Zum Gedächtnis August Hermann Franckes. Zum seinem zweihundertjährigen Todestage am 8. Juni 1927 1928

Rezensent:

Schornbaum, Karl

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seinem Tode; auch für die Hinrichtung Lalimers und Ridiey's, die nach zurückgekehrt, dort 1733 gestorbeil. 5 Als Terminus a

seiner Erkrankung geschah, hat er kaum noch die Verantwortung. qlIO für die Entstehung des Buchs ist 1685, die Rückkehr

Wichtiger als diese nichts wesentlich Neues bietenden Einzel- d(JS Veff n;)ch Hamb anzunehmen,

nachrichten ist das Bild von der Persönlichkeit als Ganzes. Es ergeben °

sich rief widerspruchsvolle Züge. Ein Mann, der erbarmungslos ar- lch /ur Verdeutlichung der mir unanfechtbar erachtinen-

beiten konnte an der Vernichtung eines Feindes, der irgendwie im de" Nachweise aus dem Briefwechsel P. F. Arpe's (für den er J. G.

Wege stand, — aber der gütig und versöhnlich war gegenüber Gcg- Schellhorn, Conimerdi Epistularis Offenbacliiani Selecta II 437—455

nern, die seinem Willen wichen oder ungefährlich geworden waren, als Q»elle angibt) die eine Stelle her: [pse (der Verf. der Hand-

dein mancher gestürzte Feind Leben und Ehre und Vermögen ver- j scnnff) J- u- D- (heißt natürlich iuris utriusque doctor) a Mayero

dankt. Ein Mann, welcher kaum vor einem Kampfcsmittel zurück- de trlb,ls Tabernaculis disserente cpistula ad opponendum provocatus,

sclieut, — welcher aber schwer zu bewegen ist, gegen den Buch- praedpue de hoc libro (von den drei Betrügern), quem avum habüisse

staben irgendeines Gesetzes zu handeln. Ein geschmeidiger Mann
welcher seine Überzeugungen nach den Verhältnissen einzurichten

fanta erat, virutii tum in civitate praepotentem .... ingenio ad
satyram prOClivi compilavit. Die Nachricht kann Arpe nur von I. J.

suchte, - weicher aber auch seinen Eigensinn hatte und im letzten Muller selber haben.

Kerne sogar eine Oberzeugung und einen Charakter besaß, denen er ; An e,ner Stellc kan" man dlc Tncsc d- verf.s noch verbessern,

treu blieb. Ein Willensmensch von sehr leicht verletzender Heftigkeit I Mayer ist erst Weihnachten 1686 nach Hamburg gekommen; das

und Schroffheit, - und ein Dialektiker, der es sich zutraute, im Mei- j ^rscluebt den Terminus a quo zunächst auf 1687. Und vielleicht sieht

nungskampfe jeden zu überwinden. Ein scharfer Beobachter und Jemand d<jn Greifswaid aufbewahrten Briefwechsel Mayers durch,

Freund der Anekdote und des Witzes, aber von großer Strenge der um /" schcn. oh <* ubcr dlc Auslieferung der Handschrift de im-

Lebensfühning: abgesehn von Prunkliebe haben seine Gegner seinem j PMturis religionum an Mayer etwas enthält.

Privatleben nichts vorgeworfen. Seinen Anteil an der Staats- und ; Wie kann Verf. nun aus Seinen Entdeckungen ein
Kirchengeschichte versteht man am besten, wenn man als seine gleich- , Buch von 169 S. machen? Er hat mit unendlichem
bleibende Überzeugung annimmt einmal, daß in Staat und Kirche j pieiti alles, was über angebliche Verfasser eines Buchs
jede Neuerung unerwünscht sei, zweitens daß Dogma und Sakra- de ^ jmpostoribus gesagt worden fet auch .,„,, Nacb.
ment unantastbar sein müssen, weil das Christentum an ihnen hangt, ja hf 1 „„. ri-SIu..,- rtl I -u i ü
aber Verfassung und Zeremonien weitgehend unter die Adiaphora rlcmul l>bu andie Buchet de tnblts impostoribus, zufallen
, drittens, daß in einem Staate Uniformität des Kirchen- j sammengestellt, auch eine Bibliographie voll 10 Seiten
wesens bis ins Kleinste herrschen müsse, also überall da, wo das zustande gebracht. In diesen Sammlungen, SO bequem
Entscheidende nicht verletzt ist, der Christ verpflichtet ist, dem was j sie auch für den Liebhaber sind, findet sich doch keine

Gesetz und Obrigkeit über die Kirche bestimmen und ändern, zu ge- | neue Erkenntnis Voll Belang.

Oöttingen.__ e. Hirsch.

Mahling, Friedrich, Carl Mlrbt u. August Nebe: Zum Gedächtnis
August Hermann Franckes. Zu seinem zweihiindert-

horchen, auch wenn ihm diese Bestimmungen an sich nicht die besten
zu sein scheinen. Alles in allem eine echt englische Gestalt, in
großem Maßstabe eine Mischung von Unmoral und .Moral, von
Rechtssinn und Sophistik zeigend, wie sie einem Deutschen schwer

ganz durchdringlich ist: aber der Verf. bekennt merkwürdigerweise, j jährigen Todestage am 8. Juni 1027. Mit 8 Abh. Halle a. S.:
Sympathie für O. bei seinen Studien gewonnen zu haben. Ein An- Buchhandlung d. Waisenhauses 1027. (IV, 124 S.) gr. 8". Km. 2.50.

hänger gab 1533 als Gar.s Ziel in der Eheacheidungssache an: to Nebe, Dir. Dr. August: Neue Quellen zu August Hermann
cause everythinvr (<> t» /laudier/ .so as it mar he mos/ eonsonant witli Francke. Gütersloh: C. Bertelsmann 1927. (XL, 06 S.) 8°. =

the law, as far as ihe matter will suffer (S. 50). I Beiträge z. Förderung christl. Theologie, Bd. 31, H. I. Rill. 4—.

Bibliographie, Register, Literaturangaben sind ausgezeichnet.
Göttingen. E- Hirsch.

Die erste dieser beiden Gedächtnisschriften zum
zweihundertjährigen Todestag A. Ii. IT.uukes will

Presser, Dr J. • Das Buch „de tribus impostoribus" (von i dessen Bedeutung für die Entwicklung der deutschen
den 3 Betrügern). Amsterdam: H. J. Paris 1026. (VII, 160 S. ] Frömmigkeit, der evangelischen Liehestätigkcit, der evan-
m. 2 Taf.) gr. 8». Hm. 3.50. gelischen Mission und des deutschen Schulwesens wür-
Mautkher Geschichte des Atheismus Bd. 1 (1920) djgen. August Nebe „August Hennaim Francke und
S. 314ff. berichtet ausführlich über „Das Buch de tribus «.e Bibel" zeichnet nach einem kurzen Hinweis auf
impostoribus von 1598". Auf dies Buch beziehen sich 1 die Wichtigkeit der Bibel für dessen innere Entwicklung
die Nachweise des Verf.s vorliegender Dissertation, so- , dessen Bedeutung für deren Stellung in Predigt, Unterweit
sie neu und belangreich sind. Ich gebe seine Thesen ! "cht und Seelsorge, Sic ist die Grundlage für jede
in freier Anordnung wieder: Wirksamkeit, die auf Erfolg rechnen will. Damit ver-
1 Das Buch gibt, abgesehen von einem längeren bindet sich aber naturgemäß das Bestreben, den Wort-
Anhang unbekannten Ursprungs, eine Handschrift der laut der Bibel nach seinem rechten Verstand ganz und
Wiener Hof- (jetzt: National-)Bibliothek (Cod. Nr. ; gar zu erfassen. Die bereits am 27. 1. 1688 in einem
10 450*) De imposturis religionum Breve Compendium i Schreiben au seinen Onkel Dr. jui. Anton Heinrich
wieder Diese Handschrift stammt aus dem Besitz des | Gloxin in Lübeck geäußerten Gedanken verdichten sich
als Pietistenbekämpfer bekannten früheren Hamburgi- i zur Forderung einer Revision der Lutherbibel, Fr.
sehen Pastors, späteren Greifswalder Theologiepro- Mahling „August Hermann Francke und die Innere
fessors loh. Friedr. Mayer (t 1712) und ist 1716 von •■ Mission" schildert Francke als den Vorläufer Wicherns
Prinz Eugen erworben worden. 2. Der angebliche auf den Gebieten der „Armen"-, „Kinder"- und „Ju-
,Druck von 1598" ist — vgl. Hambnrgische Berichte geiulfürsorge". — Carl Mirbt „August Hermann
von Gelehrten Sachen 1753 S. 600 und 755, sowie „Die Francke und die Mission" hebt nach einer kurzen Dar-
freyen Urteile" 1753 S. 784, auch Struvius-Iugler, Bi- I Stellung seiner Entwicklung zum Missionsmann (Leibniz)
bliotheca Historiae Literariae Selecta 1763 S. 1660f. — zunächst seinen Anteil am dänisch-halleschen Missions-
im Jahre 1753 von einem bankrotten Wiener Buchhänd- werk hervor; — er war die Seele desselben, denn er
ler Straube in betrügerischer Absicht (er verkaufte das stellte nicht nur die Missionare, er erwärmte nicht nur
Stück als Rarität zu 20—25 Dukaten) hergestellt worden, die heimatliche Gemeinde zu Liebesgaben, er war viel-
3. In einem Briefe von P. F. Arpe an Zacharias Conrad ; mehr bestimmend für den ganzen (ieist des Werkes —
v. Uffenbach vom 13. Juli 1728 stellt P. F. Arpe fest, um ihn dann als den Begründer der evangelischen
daß der Verf. jenes aus Maver's Bibliothek stammenden | Mission überhaupt zu zeichnen. Er schon hat den über-
und von Prinz Eugen gekauften Compendium de im- ! nationalen Charakter derselben erkannt. — Zum Schlüsse
posturis religionum ein noch lebender Mann sei, welcher bietet noch Nebe Urteile aus neuerer Zeit über die
auch noch ein speeimen meditatiomum de Hiobi captit Stellung A. H. Franckes zur Schule. Von den beige-
XX unter dem Namen des R. Marescotti geschrieben 1 gebenen Bildern verdient das Bild aus der Erfurter Zeit
habe. 4. Der Verfasser jenes Buches über Hiob | 1690/1 und das aus seiner ersten Hallenser Zeit, die erst
ist Johannes Joachim Müller (Enkel des 1672 ge- vor kurzem aufgefunden wurden, besondere Beachtung,
storbenen Hamburgischen Senior Ministerii Johannes Eine Ergänzung dazu ist Nebe „Neue Quellen zu Au-
Müller und Sohn des 1705 gestorbenen Pastors bei St. gust Hermann Francke". Er bietet: den obenerwähnten
Nikolai in Hamburg Hieronymus Müller), geb. in Ham- Brief an Dr. A. Hch. Gloxin aus der Lade der Schabbel-
burg 1661, 1685 als Doktor der Rechte nach Hamburg Stiftung in Lübeck, die „Rechtschaffen- neue Prediger-