Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1928 Nr. 13

Spalte:

304

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zawart, Anscar

Titel/Untertitel:

The History of Franciscan Preaching and of Franciscan Preachers (1209 - 1927) 1928

Rezensent:

Lempp, Eduard

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

303

Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 13.

304

der Imago primi saeculi beleuchten. Unter anderem
werden hier zwei Briefe des Andreas Silvius S. J. aus
dem Jahre 1608 veröffentlicht, die schon den Kanzleioder
Archivvermerk tragen:

Les theologiens jesuites dispcnsent, gräce ä leurs doctrines et |
ä leurs subterfuges probabilistes, les magistrats suisses d'obeir aux I
brefs pontificaux. Un jesuite, brave homme, s'en scandalisc et en
avise le Pape (S. 239).

So gut wie alle in den „Notes documentaires" dan- j
kenswerterweise veröffentlichten Akten stammen aus
dem vatikanischen Geheimarchiv und zwar aus Faszikeln,
die die Urkunden zur spanischen Nuntiatur zusammenfassen
. Die Berichte der spanischen Nuntiatur hat auch
L. v. Pastor für die Darstellung in Bd. XI, XII seiner
Papstgeschichte schon verwertet. Überhaupt ist die ganze
Zeit, die die bisher von mir besprochenen Jesuitica behan- |
dein, auch von Pastor schon geschildert. Es liegt also
nahe, sein Werk für die Beurteilung heranzuziehen. Dabei
fällt zunächst auf, daß Pastor bei der Bearbeitung
der betreffenden Archivbestände wichtige Dinge entgangen
sind. Von der Indizierung des Suarez, überhaupt
von dem Streit über die Confessio in absentia,
oder von der erzwungenen Änderung des Konstitutionstextes
(vgl. vielmehr XI S. 443) erfahren wir durch ihn
nichts. Der Widerstand der Spanier gegen Aquaviva
wird von ihm, gestüzt auf den spanischen Jesuiten
Astrain, als eine unwürdige Rebellion unzufriedener
oder nationalistisch-spanisch eingestellter Elemente dargestellt
(XI S. 434 ff.). Von den ernsten Gründen, die j
sich für die Änderung der Konstitutionen in den auch
von Pastor (XI S. 434) erwähnten Memoiren dieser Spanier
finden, kein Wort! An einer Stelle schreibt Pastor
wörtlich: „Aquaviva bemühte sich, den gefährlichen (
Menschen (Mendoza S. J.) vom Hofe zu entfernen. Von i
zwei Versuchen dazu kam der erste nicht zu Ende, der
zweite wurde schon vor seinem Beginn durch ein Ränke- j
spiel unmöglich gemacht" (XI S. 446). R. schildert dagegen
urkundlich, welch tolles Ränkespiel vielmehr von
Seiten des Ordens angewandt ist, um Mendoza zu entfernen
(S.175ff.). Eindeutiger als es bei Pastor in dem Ab- |
schnitt über den Molinismus geschieht — ich darf das hier
wohl einschieben — kann kein Verfasser sich auf die Seite
der Jesuiten stellen. Die ursprüngliche Stellung Clemens'VIII. j
zum Jesuitenorden haben die verschiedenen Hände von Pastor
sogar an zwei Stellen verschieden geschildert (vgl.
XI S. 326 mit S. 435). Vor allem aber bestätigt sich mir
von neuem der Eindruck, den ich schon von Pastors
Schilderung des Tridentinums bekommen habe (s. meine
„Studien zur Geschichte des Konzils von Trient" S.151),
daß dieser eine bloße Oberflächendarstellung gibt. Man I
vergleiche etwa die Darstellung der Geschichte des Jesuitenordens
von 1539—1550 bei Pastor Bd. V S. 374ff. j
mit dem, was wir aus Böhmer und Mir erfahren, oder
die Darstellung der Wirren unter Aquaviva in Bd. XI
S. 434 ff. oder endlich der Beatifikation des Ignatius in
Bd. XII S. 187 f. mit dem, was uns Recalde und in
noch viel stärkerem Maße P. M. Baumgarten mitteilen.
Ein stärkeres Haften am bloß äußeren Geschehen ohne
den ernsthaften Versuch, die wirklich treibenden Motive
zu erfassen, läßt sich kaum vorstellen. Gerade bei der
Bedeutung, die dem Pastor'schen Werk durch Erschliessung
vieler Akten zweifellos zukommt, halte ich es
für wichtig, hierauf hinzuweisen, um erneut davor zu
warnen, Pastor allzu vertrauensselig zu benutzen.
Göttinnen. Kurt Dietrich Schmidt.

Thora Esche 1850—1920. Das Leben einer dänischen Frau im
Dienste an ihren gefährdeten Schwestern. Obers, u. bearb. v. Dr.
Jenny Schnell. Kaiserswerth a. Rh.: Verlag der Buchh. der
Diakonissenanstalt 1927. (126 S. m. Abb.) 8°.

kart. RM 1.75; Lwd. 2.50.
Wie Thora Esche zum Dienst an ihren gefährdeten Schwestern
berufen wird, mit sorgender Güte und großer Sorgfalt ihren Dienst |
trotz äußerer und innerer Hemmungen tut, und so zur Bahnbrecherin
neuzeitlicher Gefährdetenfürsorge in Dänemark wird, schildert dieses
Buch. Auswahl und Übersetzung lassen ihr Bild klar hervortreten.

Für die Erkenntnis des Zusammenhangs zwischen Glauben und
tätiger Liebe, wie für die Methode der Erziehung Gefährdeter, läßt
sich diesem feinen Büchlein Wertvolles entnehmen.

Bremen. Bodo Heyne.

Zawart, Anscar, O. M. Cap.: The History of Franciscan Prea-
ching and of Franciscan Preacners (1209—1927). A bio-
bibliographical study. (Reprint from the Report of the Ninth
Annual Meeting of the Franciscan Educational Conference.) New
York: J. F. Wagner 1928. (IX S. u. S. 241—596.) gr. 8». - Franciscan
studies, Nr. 7.

In zwei Abschnitten, vor und nach der Reformation, werden
die Typen der franziskanischen Rredigt, sowie, zeitlich und geographisch
geordnet, die Prediger des Franziskanerordens und seiner
Abzweigungen vorgeführt. Von den angeblich 448 000 Franziskanerpredigern
, die zwischen 1209 und 1927 gelebt haben, kommen etwa
1500 mit Namen und kurzen Notizen über ihr Leben und ihre Werke
zur Darstellung, eine große Arbeit, die natürlich nicht auf Quellenstudien
beruhen kann. Man kann darüber streiten, ob der Titel des
Buches berechtigt ist, da diese kurzen Notizen kaum als „Geschichte"
bezeichnet werden können, aber das ist schließlich ein Wortstreit. Als
Nachschlagewerk ist es jedenfalls brauchbar und willkommen.
Stuttgart. Ed, Lempp.

Lfldemann, Prof. D. Dr. Hermann: System christlicher
Dogmatik. Bern: P. Haupt 1926. (.Will, 624 S.) gr. 8«. =
Christliche Dogmatik, Bd. 2. 20 Fr.; geb. 24 Fr.

Die vorliegende Dogmatik bietet eine Bearbeitung
des traditionellen dogmatischen Stoffes in der traditionellen
Gliederung und Anordnung. Es fehlt auch nicht
der unvermeidliche Leitparagraph, mit dem L. nicht
immer eine glückliche Hand hat. Seine Prägnanz und
Überladenheit lassen ihn doch meistens erst im Zusammenhang
mit der nachfolgenden ausführlichen Erörterung
verständlich werden. Diese bringt, ebenfalls
üblicherweise, zunächst einen Überblick über den biblischen
Stoff, dann die Auffassung der altprotestantischen
Dogmatiker, vorgeführt an je einem Vertreter des reformierten
und des lutherischen Typus, und schließlich
die Deutung dieses Materials vom persönlichen Standpunkt
des V.'s aus, oft mit der Tendenz, den Gegensatz:
reformiert-lutherisch zu überbrücken. Und so wie er im
Sinne Schleiermachers eine Dogmatik des christlichen
Glaubens nach den Grundsätzen der evangelischen
Kirche schreiben will, steht er in schroffer Ablehnung
Ritschis fast ausschließlich unter dessen Einfluß, weniger
hinsichtlich der befolgten Methode als in der Übernahme
fester Ergebnisse. Eine Auseinandersetzung mit
anderen theologischen Standpunkten, geschweige denn
mit der neuesten theologischen Arbeit fehlt vollständig.

Die Aufgabe des Systematikers ist nach L. die theologisch
-wissenschaftliche Ausgestaltung der Aussagen
des christlichen Bewußtseins. In der Einleitung werden
die Aussagen über Offenbarung und Schrift als die
Quellen seines Inhaltes in dieser Art behandelt. Der
Gegensatz zur Fassung der Offenbarung als Lehroffenbarung
bestimmt ihn, alles Lehrhaft-Vorstellungsmäßige
auf Kosten der menschlichen Eigentätigkeit zu setzen.
Man kann nicht von Gottes e r k e n n t n i s reden, sondern
nur von religiöser Vorstellungsbildung (S. 178).
Der Begriff Offenbarung ist nicht auf den Vorstellungsinhalt
, sondern nur auf die Entstehung des religiösen
Bewußtseins anzuwenden (S. 281). Sie ist zu fassen als
„innere Offenbarung". So richtig das alles sein mag,
macht doch der Gegensatz zur Lehroffenbarung den V.
blind für die Tatsache, daß durch diese innere Offenbarung
nicht bloß ein „zuständliches" Bewußtsein erzeugt
wird (so L. S. 88), sondern daß mit ihm ein
Überzeugungsgehalt verknüpft ist, der als die Grundlage
aller religiösen Vorstellungsbildung am Offenbarungscharakter
irgendwie teilhat. Daher wird den biblischen
Aussagen nicht aus religiösen, sondern nur aus
geschichtlichen Gründen eine Sonderstellung eingeräumt
. Der Dogmatiker steht ihnen ganz ebenso
gegenüber wie allen sonstigen christlich-religiösen Aussagen
(S. 188).

Der übrige Stoff wird, wieder in Anlehnung an
Schleiermacher, um zwei Gesichtspunkte gruppiert, 1. die