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Ausgabe:

1928 Nr. 12

Spalte:

270-271

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vuippens, Ildefonse de

Titel/Untertitel:

Darius I, le Nabuchodonosor du livre de Judith 1928

Rezensent:

Baumgartner, Walter

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 12.

270

Natürlich ist diese Einteilung nicht überall zwingend
: die Bilder „aus der Geschichte" zeigen mancherlei
Religiöses und die religionsgeschichtlich gruppierten
haben Beziehung zur Geschichte, und der große Abschnitt
„Ausgrabungen" geht von einem völlig andern
Einteilungsgrundsatz aus als die übrigen Abschnitte.
Aber wo man Leben ordnend erfassen will, ist eine
schlechthin folgerichtige Gruppierung niemals möglich.
Da gibt es immer gleitende Grenzen und die Notwendigkeit
einer Einteilung von wechselndem Gesichtspunkt
aus. Und was uns hier vor Augen gestellt wird, ist altorientalisches
Leben!

In der ersten Auflage des Buches wurde in der ;
Einleitung bemerkt: „Profane Bilder, soweit sie nicht
irgendWie mit der Religion oder der politischen Ge- I
schichte in Zusammenhang stehen, sind von vornherein
ausgeschieden worden." Für solche Bilder wurde damals
auf die Archäologie von Benz.inger verwiesen.
Dieser Grundsatz ist jetzt aufgegeben worden. In einem
besondern Abschnitt erhalten wir 38 sehr interessante
„kulturgeschichtliche Bilder." Ich möchte allerdings
glauben, daß sich dieses Gebiet, wenn es überhaupt
einmal betreten wurde, noch erheblich reicher hätte aus-
beuten lassen. Einige gerade für die Anschauung om
altorientalischen Leben wichtige Gegenstände, wie Sie- J
delung und Hausbau, Weberei und Spinnerei, Zisternen
und Brunnen, Töpferei und Schmiedekunst fehlen unter
den kulturgeschichtlichen Bildern völlig. Das Schreib- !
wesen ist nur durch zwei Bilder, eine versiegelte Papy- :
rusrolle (192) und eine Schrifttafel (606), vertreten. I
Es ist auch nicht recht zu verstehen, weshalb nur zwei-
mal (Nr. 168/169 und Nr. 86) zur Veranschaulichung
des profanen Lebens Bilder aus dem gegenwärtigen
Palästina wiedergegeben werden. Vielleicht zeigt dieser
Ausblick auf Möglichkeiten, daß der völlige Verzicht auf
kulturgeschichtliche Bilder in der Ausgabe von 1909
wohlbegriindet war! Wenn diese Besprechung sich mit
einem lebenden Autor unterhielte, würde ich ihn fragen,
ob er sich nicht entschließen möchte in einer künftigen
Auflage in einem be sondern Bande Bilder zur
Geographie, zur Geschichte und zur Kulturgeschichte
zusammenzustellen und die Bilder zur Religionsgeschichte
in einem Bande für sich allein zu geben.

Natürlich wird trotz der großen Reichhaltigkeit des
Buches von dem Einen dies, von dem Andern jenes
vermißt werden: Ich würde z.B. unter die geschichtlichen
Bilder den Stein von Behistun, etwa so wie ihn
Tafel XXVIII und XXIX des Führers durch die Babylonischen
und Assyrischen Altertümer des Britischen
Museums in London zeigen, aufgenommen haben. Das
Bild „Sanherib erobert Lachis" (Nr. 141) bietet die
erste Auflage nach der Photographie und nach der
Zeichnung. Es ist schade, daß die Photographie diesmal
fortgelassen ist. Sie zeigt das beste Bild einer palästinischen
Festung, das wir besitzen. Umgekehrt ist das j
Flachbild aus dem Amonstcmpel in Karnak „Ramses ;
der II. erobert Askalon" diesmal nur nach der Photographie
, nicht wie in der ersten Auflage (Abb. 261) nach
der Gutheschen Zeichnung gegeben. Es hätte sich doch
gelohnt, beides nebeneinander zu stellen.

Die große Zahl der Bilder bringt es mit sich, daß
sie zum Teil recht klein wiedergegeben sind. Um so
wertvoller scheint es mir, daß sie jetzt ohne Text hintereinander
stehen. So kann man sie von der Erklärung
lostrennen und z. B. in Vorlesungen mit dem Epidiaskop
vergrößert zeigen.

Einen Eindruck behält man, wenn man die Bilder
genau betrachtet hat: Wie außerordentlich ist die
Umwelt des alten Israel ihm doch in der Fähigkeit bildlicher
Darstellung überlegen gewesen! Was an israelitischer
Kunstübung hier vor unsere Augen tritt, etwa die
Krugbemalung (Nr. 24), das Gesicht an einer Kanne (Nr.
25), die Figuren von Göttinnen (280; 285 u.s. w.),
die Sphingen, Böcke und Löwen auf dem Räuchergerät
aus Thaanach (396. 397) — wie barbarisch ist das

alles gegenüber der vollendeten Kunst, wie sie etwa der
Kopf des Assyrers aus der Burg Sargons (Nr. 7) oder
die ägyptischen Darstellungen von Völkertypen (etwa
der Semit Nr. 12 oder die hier zum ersten Mal nach dem
Original farbig wiedergegebene Familie eines Bier trinkenden
Syrers) uns vergegenwärtigen; ganz zu schweigen
von den köstlichen Tierbildern der Assyrer;
vergl. Nr. 23; 180; 535! Greßmann vermutet (S. 169),
daß über der Tunnel-Inschrift von Siloah ein Reliefbild
geplant gewesen sei. Ich glaube fast, dafür hätte es den
Baumeistern des Königs Hiskia an Sinn und an Fähigkeit
gefehlt. Die hohe künstlerische Begabung des alten
Israel hat sich auf die Kunst des Wortes (und etwa noch
der Musik) beschränkt. Um so wertvoller ist es, hier
dieses Volk selbst und seine Welt im Spiegel der Plastik
und der Malerei seiner Nachbarn zu sehen.

Die „Altorientalischen Bilder" — schon in ihrer
ersten Auflage unendlich oft zitiert — werden aus der
deutschen Literatur zum Alten Testament schwerlich
wieder verschwinden. Sie sind wirklich unentbehrlich
in unsern Vorlesungen. Man sollte sie aber auch im
Religionsunterricht unsrer Schulen, welcher Art sie
auch sein mögen, bisweilen zur Hand haben. So werden
sie das Gedächtnis des Mannes, der sie zusammengetragen
, der sie mit so viel Liebe betrachtet und uns zu
betrachten gelehrt hat, noch lange unter uns lebendig
erhalten.

Halle a. S. Hans Schmidt.

de Vuippens, IJ. Ildefonse, O. M. Cap.: Darius I, !e Nabucho-
donosor du livre de Judith. Barcelona (Riera de Sant Miquel,
1 bis.): l.ibreria I'ranciscana 1927. (21 S.) er. S°. -T- Collectanea
Sarrianensia, I, 1.

Der Verf. geht aus von der bekannten Schwierigkeit
, den Inhalt des Judithbuches geschichtlich unterzubringen
: Sein „Nebukadnezar König der Assyrer" (1,1)
kann nicht der bekannte neubabylonische König dieses
Namens sein, wie heute ziemlich allgemein anerkannt ist
— eine Ausnahme, die ihm entgangen, ist J. Lewy, der
in c. 1—4 einen chnmikartigen Bericht über Nebukad-
nezars Feldzüge von 597 (gegen Elam) und 591 (gegen
die Skythen) verwertet findet, s. ZDMG. 81 (1927) S.
LUIf. — ebensowenig aber auch Assurbanipal oder
Artaxerxes Ochus. V. übernimmt nun die schon in den
Apostolischen Konstitutionen vorausgesetzte, neuerdings
von dem verstorbenen J. Nikel — vgl. auch A. Jansen
bei J. v. Prasek, Geschichte der Meder und Perser II
(1910) S. 351 — vertretene Beziehung auf Darius I.
Indem er Nikels Argumente aufnimmt und erweitert, ergehen
sich ihm nicht weniger als 25 „rapprochements",
freilich „evidemment de valeur inegale". Die Bezeichnung
des Königs als Nebukadnezar aber erklärt er sich
so, daß Darius im Kampf gegen den „falschen Nebukadnezar
" Nidintubel diesen Namen angenommen habe,
oder der Verfasser damit sein Verhalten gegen Juda
brandmarken oder den wegen der Unterstützung des
Tempelbaues bei den Juden hochgeschätzten Namen verdecken
wollte (S. 12).

Nun scheint ja indertat allerlei für Ansatz in persische
Zeit zu sprechen; speziell für die Beziehung auf
Darius die kürzliche Rückkehr aus dem Exil (4, 3.
5,19), Darius'Kriege gegen die Aufständischen, schließlich
vielleicht auch Fravartis-Phraortes von Medien als
einer der Hauptgegner, der mit dem Mederkönig Ar-
paxad (1, 1 ff.) außer einer entfernten Namensähnlichkeit
auch das Herrschaftsgebiet gemeinsam hat und in
Ragae (s. 1,15) zwar nicht getötet, aber gefangen
wurde — diese letzte Gleichsetzung auch bei J. Lewy
a. a. O. S. LIV. Weniger einleuchtend ist die Gleichsetzung
des Arioch von Elam (1, 6) mit Aracha, der
anscheinend chaldäischer Herkunft, in Babylon als falscher
Nebukadnezar auftrat, und, nach V. S. 15, möglicherweise
auch die Elymais unterworfen habe. — Aber
all das, was gegen die Beziehung auf Darius spricht,
nimmt V. viel zu leicht. Von einem Krieg gegen Juda
ist sonst doch rein nichts bekannt, ja Darius steht in