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Ausgabe:

1928 Nr. 12

Spalte:

267-270

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Greßmann, Hugo

Titel/Untertitel:

Altorientalische Bilder zum Alten Testament. Gesammelt u. beschrieben. 2., völlig neugestaltete u. stark verm. Aufl 1928

Rezensent:

Schmidt, Hans

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 12.

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Behufe werden von ihm die Quellen vorgenommen, die j Als Greßmann am 24. Juli 1920 den Ruf nach
Sema Ts'ien für seine Biographie zu Gebote standen. Gießen als Gunkels Nachfolger ablehnte, begründete er
Wo in diesen offensichtlich etwas verwirrt ist, wird es j dies in einem Brief, der sich bei den Akten der Gießener

zurechtgerückt. Hat W. in einem 1925 im Frommann-
schen Verlage erschienenen Buche versucht, die Chronologie
nach den Angaben eines chinesischen Werkes
(K'unggtse Piän Niän), das sich auf den „Frühlings-

Theologischen Fakultät befindet, mit folgenden Worten:
„Aber entscheidend ist für mich die Art meiner wissenschaftlichen
Studien, wie sie sich in den letzten Jahren
gestaltet haben und auf deren Fortsetzung ich nur in

und Herbst-Annalen" aufbaut, darzubieten, so erklärt er i Berlin rechnen darf: die Arbeiten auf dem Gebiet der

hier, das Lebensbild des K., wie es sich auf Grund der J orientalischen Religions-, Literatur- und Kulturge-

Quellen darstellen lasse, könne mit Sicherheit nur in schichte, die nur mit Benutzung der großen Bibliotheken

ganz großen Zügen gegeben werden (S. 50). Hervor- und Museen möglich sind." Ich habe in diesem Satz

hebenswert ist, daß W. geneigt ist, anzunehmen, daß in i das Wort Museen gesperrt und möchte daneben stellen,

seinem 60. Lebensjahre mit dem Meister eine große j was Greßmann in seinem Aufsatz „Die Aufgaben der

Wandlung vor sich gegangen sei: eine Hinkehr zu ! alttestamentlichen Forschung" im Eingang des ersten
taoistischen Ideen, eine Bekehrung zu Laotse (Wertschätzung
des Yih-King). Der Berliner Sinologe O.
Franke hält von Konfuzius sehr wenig, wie er vor
kurzem, inzwischen andere, wie J. Witte, mit seinem
Urteil bereits nach sich ziehend, ausgeführt. Anders W.

Den besten Beweis für K.s wirkliche Größe erblickt er i Weisheit erzogen sind und infolgedessen kein Bedürf-

in seinem Werke. Er bezeichnet ihm den Punkt in der i nis nach sinnlicher A nschauung haben."

chinesischen Geschichte, da die Leitung der Gesellschaft j Das vorliegende Buch, das als ein selbständiges

Bandes der Z. A. W., den er herausgegeben hat, sagt:
„In Deutschland wird gegenüber andern Ländern das
Studium der Archäologie noch immer über Gebühr vernachlässigt
, zum Teil, weil wir vielfach infolge einer
einseitigen humanistischen Schulbildung nur für Bücher-

vom theokratischen Herrscher an den Weisen überging
(S. 55). „Durch die ganze Geschichte hindurch ist China
zwar der Form nach absolute Monarchie gewesen, in
Wirklichkeit aber eine Republik, die von einer Aristo

Werk neben den „Altorientalischen Texten" steht, zeigt,
wie stark bei dem Verfasser selbst das Bedürfnis nach
sinnlicher Anschauung und wie erfolgreich seine Arbeit
gewesen ist, in dieser Beziehung einem Mangel abzu-

kratie des Geistes regiert wurde, die hinter sich die un- j helfen, der zunächst fast als naturnotwendig und ungeheure
Macht der Tradition hatte, die K'ungtse gebildet I überwindlich erscheint.

hat" (S. 56). Kap. 3 (S. 57—83) bespricht die Urkunden
der konfuzianischen Lehre (A. die klassischen, B.
die nachkonfuzianischen Schriften), und hier findet man
da und dort Ergebnisse der modernen chinesischen
Wissenschaft mitgeteilt, die anderswo bisher nicht zu
erholen waren. Daß ich zu solchen, was die „Frühlings
- und Herbstannalen" anlangt, fürs erste eine zuwartende
Stellung eingenommen, hat mir eine sehr temperamentvolle
seitenlange Reprimandierung von O.
Franke eingetragen, vor der ich, obwohl ein Sinologe

Als die „Altorientalischen Bilder" im Jahre 1909 (damals
im Verlag von J. C. B. Mohr in Tübingen) zum
ersten Mal erschienen, waren es 274; jetzt ist ihre Zahl
auf 678, also auf das Zweiundeinhalbfache gestiegen!
Auch in anderer Beziehung hat sich das Werk verändert
: Brachte es 1909 die einzelnen Bilder unterschrieben
oder umrahmt von erklärenden Bemerkungen
, so sind diese Notizen gegenwärtig insgesamt
an den Anfang des Werkes gestellt worden. Dadurch
tritt stärker auseinander, was von Greßmann gesammelt

wie A. Conrady mir Recht gab, daraufhin (in der | unfj was von ihm an dem Gesammelten gesehen und

Orient. Literaturztg.) die Segel gestrichen habe. Frankes
Studie „Das Problem des Tsch'un Ts'iu" beruht auf
Untersuchungen eines chinesischen Forschers K'ang Yu
We. Diesem tritt auch W. hier bei. Hingegen läßt er,
anders als Franke, wie ich selbst das Lunyü als wirklich
zuverlässige Quelle für Leben und Lehre des Konfuzius
gelten. Und auf Grund eigener Nachprüfung der Kia yü
(Hausgespräche) meint er sicher festgestellt zu haben,

darüber gedacht worden ist. Es hat sich durch die neue
Anordnung auch ermöglichen lassen, daß die Erklärungen
außerordentlich viel umfangreicher geworden
sind und mehr ins Einzelne gehen als in der ersten Auflage
. Und da mag nun gleich betont werden, wie ausgezeichnet
es der Verfasser verstanden hat, seine
Bilder vor uns lebendig zu machen. Seiner Aufmerksamkeit
entgeht auch nicht das Geringste, was an den Ge-

daß so ziemlich deren ganzer Stoff sich auch ander- i stalten und Gruppen und Gegenständen zu sehen ist.
weitig belegt findet und also Vertrauen verdiene. Mo- Man iesei Um Beliebiges herauszugreifen, die ausführ-

derner chinesischer Forschung folgend hat der Leipziger
Sinologe Eduard Erkes vor einigen Jahren sich zu erweisen
bemüht, daß das Chungyung als die Frucht
einer Kombination taoistischer und konfuzianischer Lehren
anzusehen und der Zeit der Ts'in-Dynastie zuzuweisen
sei. Gegen diese These nimmt W., ohne Erkes
zu nennen, Stellung. Sehr kurz ist Kap. 4 (S. 84—92):
„Die Lehren des K'ungtse" gehalten. Zu Bemerkungen
gibt es dem Ref. keinen Anlaß. Ob die europäisch-west-
Fiche Kultur, der stärkste Feind, der dem Konfuzianis-
mus je entgegentrat, ihm wirklich den Garaus machen
werde, bezweifelt W. „An sich besitzt der Konfuzianis-
mus sehr wohl die innere Elastizität, um sich auch den
modernen Verhältnissen anzupassen" (S. 91). Das deckt
sich mit meinem eigenen in meinem Buche „Das Spruchgut
K'ung-tszes und Lao-tszes in gedanklicher Zusammenordnung
" 1920 abgegebenen Urteil und ist konträr
dem von Th. Devaranne in seiner neuerlichen Schrift
„Der gegenwärtige Geisteskampf in Ostasien" verlaut-
barten.

Leipzig. H. Haas.

Greßmann, Prof. D. Dr. Hugo: Altorientalische Bilder zum
Alten Testament. Gesammelt u. beschrieben. 2., völlig neugestaltete
u. stark verm. Aufl. Berlin: W. de Gruyter & Co. 1927.
(XI, 224 S. u. 260 Taf. auf Kunstdruckpap.) 4°. = Altorientalische
Texte u. Bilder z. A. T. RM 38 ; geb. 40-.

liehe Erklärung des Bildes aus dem Grabe des Anti,
das die „Eroberung einer syrischen Festung" darstellt
(S. 13). Man versenke sich in seine Betrachtung der Gewänder
und Haartrachten, der Gestalten und Gesichtszüge
der verschiedenen Völkertypen. Überall ist ihm sein
ganzes Material gegenwärtig, wird das einzelne Bild
durch den Hinweis auf ähnliche Bilder, die die von ihm
gewählte Ordnung an andrer Stelle eingereiht hat, ins
rechte Licht gesteFlt. Wenn man zunächst die Bilder betrachtet
und danach die Erklärungen studiert, so wird
man an sich selbst empfinden, daß die „Anschauung"
vom Alten Orient, auf die das Buch abzielt, zum mindesten
im gleichen Maße wie durch die Bilder, so durch
die „Interpretation", die ihnen voransteht, vermittelt
wird.

Die Bilder sind diesmal nach folgenden Gesichtspunkten
geordnet: „Völkertypen" (1—25), „aus der Geschichte
" (26—155), „kulturgeschichtliche Bilder" (156
bis 194), „Totendienst" (195—246) „Göttinnen, Götter,
Symbole" (247—366), „Mischgestalten und Dämonen"
(367—403), „heilige Felsen und Napflöcher" (404 bis
409), „Masseben" (410-438), „Altäre" (439-467),
„Tempel" (468—524), „Opfer, Priester und Beter"
(525—554), „Amulette und Zauberwesen" (555—572),
„Siegel" (573—599), „Mythen" (600—605) und endlich
„Ausgrabungen" (606—677).