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Ausgabe:

1928 Nr. 10

Spalte:

239-240

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Festgabe zum deutschen Pfarrertag in Berlin am 21. und 22. September 1927 1928

Rezensent:

Schmidt, Kurt Dietrich

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239

Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 10.

240

und Prüfenden in den eigenen Reihen wendet, um an der Klarheit der
Zielsetzung mitzuarbeiten. So treten die besonderen Kennzeichen der
in den beiden großen evangelischen Verbänden gesammelten Jugendarbeit
gut hervor. Stark betont wird das Gewicht einer großen
Vergangenheit, das Bewußtsein um eine fast ein Jahrhundert alte Geschichte
. So alt wie diese Geschichte ist das Wissen um den Eigenwert
der Jugend, aber — hierin deutlich unterschieden von der
eigentlichen, der klassischen Jugendbewegung — die evangelische
Jugendarbeit kannte und achtete von Anfang an das Lebensgesetz des
Reifens, das Hinausstreben über die Nur-Jugendlichkeit in die Sachlichkeit
, mit der der Mann sein Werk tut. Die besonderen Kennzeichen
„missionarisches Wollen" (S. 48), „Jugend mit der Bibel"
(S. 53) und „Zusammengehörigkeit von evangelischer Jugend und
Kirche" (S. 57) sind hier nicht, wie ähnliche Formulierungen so
leicht, leere Schlagworte, sondern erhalten lebendige Anschaulichkeit.
Nicht als ein besonderes Besitzen und Fertigsein wird die Eigenart des
ev. Jugendwerkes gegenüber aller anderen Jugendbewegung verstanden,
sondern als ein besonderes dem biblischen Evangelium Gehorchen-
Wollen. „Nicht, daß wir diese Bibel wirklich hätten . . ., aber . .
daß es keine Stunde . . gegeben hat, in der wir dieses Buch der
Bibel nicht hätten haben wollen" (S. 53).

Kiel. Heinrich Rendtorff.

Aner, Joachim II. als Kirchenpolitiker; d ersel be, Paulus Gerhardts
literar-historische Bedeutung; v. d. Heydt, Paul Gerhardts Be-
deutung für die evangelische Kirchenmusik; Walter Wendland,
Märkischer Pietismus; Ludwig Lehmann, Wöllners Kampf gegen
die Aufklärung in Brandenburg-Preußen; Walther Augustat, Gedanken
Schleiermachers über christliche Erziehung; Hermann Scholz,.
Die Kirche Berlins in den letzten 50 Jahren; Fritz Augustat,
Die kirchliche Lage in der Mark Brandenburg; Johannes Kopp,
Geschichte des brandenburgischen Pfarrervereins; Hermann Neubauer
, Geschichte des Berliner Pfarrervereins.

Göttingen. Kurt Dietrich Schmidt.

Giese, Priv.-Doz; Dr. Fritz: Das außerpersönliche Unbewußte..

Theoretische Bemerkungen zum intuitiven Denken. Braunschv/eig:
Fr. Vieweg & Sohn 1924. (VI, 105 S.) 8°. RM. 3.50.

Das Thema des Verfassers ist das intuitive Denken im weitesten
Sinne. Der erste Teil behandelt die Tatbestände und zwar zunächst
die Normalbefunde, um anschließend ergänzende Beobachtungen zu.
geben. Der zweite Teil entwirft eine Theorie des intuitiven Denkens.
DieGrundthese, zu der Verf. kommt, ist die Annahme eines außerpersönlichen
Psychischen. Wie die Sinne Reize der Außenwelt aufnehmen,
so besteht das intuitive Denken in der Aufnahme psychischer Außenreize
. „Das Unbewußte ... ist... die Welt der Ideen, der Gedanken
als objektiver Reiz." Nach Annahme des Verf.s nimmt das vegetative
Nervensystem die Außenenergie auf. Diese ist nicht selbst psychisch,
sondern hat eine eigene Energieform, die uns als „Gedanke" „erscheint
". Verf. ist der Ansicht, daß Erkenntnistheorie und Ethik aus
der von ihm entwickelten Theorie wichtige Folgerungen ableiten
können.

Pf Ister, Pfarrer Dr. Oskar: Analytische Seelsorge. Einführung
in die praktische Psychanalyse f. Pfarrer u. Laien. Mit 4 Abb. im
Text. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1927. (146 S.) gr. 8°.

RM 5—; geb. 6.50.

Es ist das bleibende Verdienst des Verfassers, als erster die
Bedeutung der praktischen Analyse für die Seclsorge erkannt und
gegenüber vielem Mißverstand vertreten zu haben. Es ist keine Frage j Die weit ausgreifenden Hypothesen des Verf.s sind indes zu

mehr, daß die früher üblichen Methoden der Seelsorge in vielen solchem Zweck nicht nur zu ungesichert, sondern auch zu ungeklärt.
Fällen nicht ausreichen und daß die von Freud begonnene Bewegung Den logischen Charakter des „Gedankens" ignoriert Verf.
neue wesentliche Impulse bringen kann. Leider ist Pfister in seiner ! schlechthin.

neunzehnjährigen Praxis im Banne der Freudschen Schule geblieben, ] Marburg. Th. Siegfried.

ohne von den verwandten Schulen zu lernen. Sein neues Buch bringt j -

einen Ertrag seiner bisherigen Arbeit und zugleich leicht ver- ^tBBUBMBBBi&B&iKKßX!KBBB8SBINK3BBK3UBBBR£^^^l

ständliche Einführung. Den macht die Darstellung ver- ^^^IHIH^HHHH^^HHBSHHHHHHHHHHHBHBBH

schiedener typischer sittlicher und religiöser Schäden aus, deren Hei-

hing jedesmal auf Grund von Freudscher Analyse angedeutet wird, i SOEBEN ERSCHEINT

In der Besprechung der religiösen Schäden interessieren besonders die i

Fälle von Gespensterspuk, Teufelsbann, der „religiösen Verschroben- DelS RG~ H 6111 PlU ITI O GS KÖrilCS

heiten, Horizontverengerungen". Wir tun hier einen erschreckenden "5*»
Blick in seelische Irrungen und Wirrungen, welche sich in religiösen
Formen äußern, z. B. in der Theosophie, und doch nur Folge von
Verdrängungen sind. Wichtig ist die Feststellung, daß „durch die
Analyse wirkliche religiöse und sittliche Güter nicht zerstört werden
können" (S. 102). „Alles Unechte, Illusorische wird durch die Analyse
in seinem Fortbestand gehindert, alles Echte und Große aber nur
gefördert" (S. 126). Die grundsätzliche Abgrenzung der Analyse
gegen die Beichte, wie sie Buntzel fordert, scheint auch von Pf.'s eigenen
Voraussetzungen aus nicht überzeugend (S. 116 ff.). Warum soll
die Analyse nicht in den Dienst der evangelischen Beichte treten? —
Uns scheint Pf. das Verhältnis von Evangelium und Freudscher Analyse
zu verkennen. Jesus und Freud werden in einer geradezu peinlichen
Weise nebeneinander gestellt (S. 24). „Jesus sah mit wunderbarem
Scharfsinn ein, daß die Bindung an den Vater das Grundübel
sei, an dem sein Volk krankte" (S. 23). „Jesu Seelsorge ist zunächst
eine ursächliche", „damit vertritt Jesus das Grundprinzip der
Psychoanalyse" (S. 20). Solche Sätze sind höchst anfechtbar. Hier
liegt ein für die Pfistersche Methode kennzeichnender Kurzschluß vor.
Im Bestreben, die Freudsche Analyse möglichst nahe an das Christentum
heran zu bringen (vgl. die gewundenen Ausführungen über
die Frage, inwieweit sie Weltanschauungscharaktor trage) sieht Pfister
gar keine Schranken. Er verteidigt sie auch gegen berechtigte Angriffe
, wie sie von Buntzel, Jahn u. a. begründet worden sind.

Trotzdem ist viel aus dem Buche zu lernen. Mit Recht wehrt sich der I Bd. I.: Der Bau. Von Ludwig Borchardt. (VII, 89 S.
Verfasser gegen die Zumutung, die Pfarrer müßten die von Freud be- j m. 62 Abb., 5 schwarzen u. 1 färb. Blatte) 1905. Geb. RM 40.—
gründete psychotherapeutische Methode lediglich den Ärzten überlassen
, und tritt für die Arbeitsgemeinschaft von Medizinern und Theologen
ein.

Spandau. Carl Schweitzer.

Festgabe zum deutschen Pfarrertag in Berlin am 21. und
22. September 1927. Unter Mitwirkg. d. Vereins für brandenburg.
Kirchengesch. hrsg. vom Berliner und Brandenburg. Pfarrerverein.
Eberswalde: Volkskirchlicher und pädagogischer Verlag 1927.
(99 S.) gr. 8".

Diese Festgabe zum deutschen Pfarrertag in Berlin 1927 enthält
folgende Beiträge:

Otto Fischer, Von der Universität Frankfurt a. d. O.; Karl

Ne-Woser-Re (Rathures).

Herausgegeben von Friedr. Wilh. Frh. von Bissing, Utrecht.

Band III: Die große Festdarstellung.

Von PROF. Dr. H. KEES, Göttingen.

IV, 63 Seiten mit 33 Lichtdrucktafeln. Fol.
Der vorliegende 3. Band bringt zu den Festdarstellungen
der Sakristei (Bd. II) ergänzend sämtliche Tempelreliefs
mit Ausnahme der sog. Weltkammer. Sie enthalten
wichtigen Stoff zur Kenntnis der lokalen Götterkulte und
des ägyptischen Zeremoniells. Der Text bietet eine a b -
schließende Erklärung der Festakte unter Einbeziehung
aller bisherigen Ergebnisse und enthält u. a. ein
Verzeichnis aller vorkommenden Hofchargen und Priester
riehst Erläuterungen. Besonderes Interesse verdienen auch
die Bruchstücke der Bauinschrift in Taltor mit den kalendarischen
Verzeichnissen der Feststiftungen des Königs, bisher
der einzige Text dieser Art aus dem Alten Reich.

Preis geb. etwa RM 50.—

Früher erschienen:

Bd. II: Die kl ei n e Fe 8 t da r 8 t e 11 u n g. Von F. W. v
Bissing u. H. Kees. (16 S. m. 31 Taf.) 1923. Geb. RM 22.50

VERLAG DIE R J. C. H I N Rl C HS'SCHEN
BUCHHANDLUNG IN LEIPZIG Cl

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 26. Mai 1928.
Beiliegend ein Prospekt der Aschendorff'sehen Verlagsbuchhandlung in Münster.

Verantwortlich: Prof. D. E.Hirsch in Göttingen, Bauratgerberstr. 19.
Verlag der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig C 1, Blumengasse 2. — Druckerei Bauer in Marburg.