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Ausgabe:

1928

Spalte:

5

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Haering, Theodor

Titel/Untertitel:

Der Brief an die Hebräer 1928

Rezensent:

Behm, Johannes

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 1.

B«ben christoiogic anzupetotien, (egl näher als dw im Exkurs /u ganz bestimmten Prinzipien getragen ist. Man kann

Kol. I, '7 erwogenen hennetischen, philonischen, iranischen Eiiiflüssc über die Richtigkeit der Grundsätze verschiedener Mei-

Än vereinzelten Stellen wäre eine stärkere Betonung der j ii - niing Sein; daß wir eine auf ihnen aufgebaute nciltest.

jischen Einflüsse auf diepaulinisehe Theologie erwünscht. So dürfte Theologie hiermit erhalten, bedeutet sicherlich eine För-

/u Kol. 1,24 der Hinweis auf die spätjüd.sche Lehre vom stellver- dening der Wissenschaft

reunden Leiden des Oerechten nicht fehlen. Die zu Eph. 2,10 mit & . p,,nkten'schließt sich k" in Wnulr»-

Werlo herangezogenen indischen Präexisten/vorsteilungen bieten auch In manchen 1 unkten schlicht sich K. an W cd e^

Cnalo-ien zur Vorstellung der Präexistenz des zukünftigen Lebens des bekannte programmatische Schrift (Uber Aufgabe Und

Christen (Kol. 3, 3), des himmlischen Segens (Eph. i, 3) und der Methode der sog. neutest. Theologie 1897) an. Er will

ideellen Präexistenz der Gemeinde (Eph. 1,4). Wegfallen dagegen nicht alle im N.T. vorkommenden Gedanken registrie-

müHte in Zukunft der Hinweis auf jüdischen Lngeikuit (Exk. zu Kol. 2,8) ren, sondeni beschränkt sich mit Bewußtsein auf die

der, bislang nicht nachgewiesen, von den altchristlichen Apologeten aus großen Haupttypen : so behandelt er in drei Teilen das

0*1. 4, 3. •), von Neueren aus Kol. 2, 18 gefolgert wurde be.des Evangelium (d. i. Jesu Verkündigung nach der synopt.

zu unrecht ...... ,.,„:„„„. „„_,, Oberlicferunig), den apostolischen Glauben (nämlich die

Flne Bemerkung zum PhllettlOBbnef, in dem mau übrigens gern . *»/> .. . • , . v

einen Exkurs über das antike Sklavcnwesc.i läse, zum Schh.IL In urchristliche Frömmigkeit Ulld das Paulinisehe Evailge-

Phiiemon io führt das !V« fii, Uy<,> ebenso wie 2. Ko. o, 4 eine Hum) und die Ausgange und Übergänge (d. i. Jesus

Selbstkorrcktlir des Redenden ein, und es ist demnach (vgl. van der Hohepriester nach dem Hebr. Ulld das aus dem apo-

Leeuwen, Komm. z. St.) zu übersetzen: „Die Summe, um die er dich stolischcn Glauben reproduzierte Evangelium, d. i. Joh.).

etwa geschädigt hat, oder die er dir schuldet, die rechne mir au..., Prinzipiell ist solche Beschränkung zu rechtfertigen,
richtiger gesagt: dir" (selbst mußt du sie anrechnen). Es fragt sich nur, ob in concreto nicht auch Charakteri-
Mit Gewinn und Dankbarkeit für reiche Belehrung stisches weggefallen ist. Das scheint mir hier der Fall zu
wird man Dibelius' ausgezeichnete Arbeit imitier wieder sein: die Apokalypse hätte als wichtigste Quelle für
zu Rate ziehen. den eschatologischen Glauben doch eine ausführlichere
Riga. Joachim Jeremias. i Behandlung verdient; ebenso hätten auch die Pastoralbriefe
und das von ihnen vertretene Christentum unter
Haering, Prof. D. Ib.: Der Brief an die Hebräer. Stntt- den „Ausgänge und Übergänge" genannt werden müssen,
üh: c.iiwe. Vcrcinsbuchhandlung 1025. (ins s.) s". Weiter will auch K. nicht Theologie, sondern Reli-
, m' ' ge '. , ' gion und Frömmigkeit zur Darstellung bringen. Dieser
Kein gelehrter Kommentar, aber eine aus siehe- (jrimdsatz kommt besonders im Paulinismus zur Gel-
rer wissenschaftlicher Beherrschung der Probleme er- tung Vor allem die Rcchtfertigungslehre, die Christus-
wachsende Einführung in die Grundgedanken und den piedigt und die Gedanken vom Tode soll man nicht als
< edankcnziisamnienhang des Hebraerbriefs. Der Brief Lehre oder Dogmatik verstehen. Obwohl in dieser bc-
vird in kleine Sinnabschnitte mit entsprechender Uber- kannten Reaktion gegen eine einseitig dogmatisch-intel-
-hrift zerlegt, an die wortgetreue Ubersetzung jedes Ab- lektualistische Auffassung der paulinischen Gedanken
■chnittes eine knappe Erklärung angeschlossen, die die ej„ K«T1 von bleibender' Bedeutung enthalten ist, wer-
lauptgedanken unterstreicht und die wichtigstem Einzel- den wir heute wieder starke,. hetonen daß das oiaubens-
leitcn erläuternd den Fortschritt der Gedankenbc- zeugnis des Palllus auf festel. Lchre auf iehrhaft ge.
A-egung sorgsam herausarbeitet. Eingefügte Übersichten faßter Ohcrlicferung beruht, und werden wir es uns
über den Zusammenhang im Großen und Exkurse über sehr überlegen, ob wir irgend eine Äußerung religiöser
Hauptstucke der religiösen Anschauungswelt des Briefes Art als Ausdnlck seiner unmittelbaren Empfindung,
vertiefen den Einblick des Lesers in das Ganze der sei.ier Frömmigkt.jt- (S. 103) bezeichnen dürfen,
kunstvoll angelegten, gedankenschweren „Mahnrede". Das Hauptinteresse haben indes nicht diese Prinzi-
An Ji'd'fncllrlsi€n/de,r sech^?ekr üder »7'"^gci- Jahre des j anch nicht flfe jm Gcgeiisatz m Wrede stehende
1. Jahrhunderts (?) geschrieben zur Überwindung von Geltendmachung des Kanon!, sondern die Aufstellung
Zweifeln an der Gewißheit christlicher Hoffnung, die und Durchführung cincs grol5en konkreten Leitmo-
lhrcn unerschütterlichen Grund in dem Bekenntnis zu t j v s. Das Evangelium steht zwischen Gegenwart und
Jesus hat, hat der Hebr auch für die Gegenwart die Zukunft, doch ist schon bei Jesus die Gegenwart nicht
hohe Bedeutung, daß er Wesen und Wahrheit des christ- 1)loR Vorbereitung der Zukunft, sondern Schlüssel zum
heften Glaubens in seiner Gebundenheit an die immer Verständnis der Zukunft, und die Zukunft Vollendung
tiefere Erkenn ms Jesui zeigt. Nachdenkliche B.belleser dcr Gegcnwart. Das Entscheidende im apostolischen
aller Art, für die H. schreibt.Laien wie Theologen wer- 0iauben ist die Heilsgegenwart, wenn auch gilt, daß
de., von dem schlichten reifen Buch für ihr Hebräer- das Heil nicht aufgehört hat, zukünftig zu sein. Diese
brief-Verstandnis sicher Gewinn haben. Gedanken knüpfen richtig an die eschatologisch-apoka-

Hebr Vh 7' 4 Statt Ps' "7' 5: l>S' y5' ?; S' 74 7 5 StaU •yptische Grundform des neutest. Evangeliums an. Ihre

e r. . Hab. i. Ausführung befriedigt indes insofern nicht, als weder

iInningen. Johannes Belm.. bei Jesus noch bei Paulus die reine Zukuiiftserwartung

genügend betont wird. Hier offenbart sich der moderne

Kaftan, Pmi. o. iir. lulius: Neutestamentliche Theologie. Im Theolog, dem eben die apokalyptische Gedankenwelt

Abriß dargesieiit. Berlin: M. Warneck 1927. (209 S.) 8". nicht recht liegt und der sie darum auch in der neutest.

kart. Rm. 6—. : Theologie möglichst zurückdrängt. Diese Heilsgedanken
Daß J. Kaftan eine eigene Auffassung von Methode — K. hebt zum Schluß als die drei Grundgedanken
und Aufgabe der Neutest. Theologie habe, wußten auch heraus den Christus, das Reich Gottes und die Sünden-
die, die nicht seine persönlichen Schüler gewesen, aus Vergebung — erschöpfen aber auch nicht das Ganze der
dem lehrreichen Aufsatz „Zur Frage nach der Aufgabe neutestamentliclien Glaubenslehre. Wir haben vielmehr
der neutest. Theologie", den er in der „Festgabe" für A. als zweiten Gedankenkomplex die neue Frömmig-
v. Harnack (1921) hatte erscheinen lassen. Er hatte keit daneben zu stellen, die man nach Wesen und Unschön
damals die Durchführung dieses Programms im sprung auch die geläuterte oder vollendete Frömmigkeit
Manuskripte fertig gestellt; der Not der Zeit gehör- des Judentums nennen kann. K. bringt einiges hiervon
chend, hat er es selbst schon auf die Hälfte des Um- als die neue Gerechtigkeit und den neuen Gottesglauben
fangs verkürzt. Nach seinem Tode hat es nun sein Nach- bei Jesus. Das Ganze, das auch die „Ethik" einschließen
folger und Schüler, A. Titius in den Druck gebracht. müßte, hat indes nicht die Ausführung gefunden, die
Daß das Urteil des Herausgebers, dieses Buch es auch in einer Skizze verdient hätte. Namentlich die
habe nicht nur den Anfängern, sondern auch der For- Ethik ist etwas stiefmütterlich behandelt, vor allem die
schung etwas zu sagen, richtig ist, drängt sich beim mit dem eschatologischen Glauben und mit dem Radi-
besen unmittelbar auf. Es ist eine lichtvolle Darstellung kalismus des Gottesbewußtseins zusammenhängende,
der neutest. Theologie in ihren Hauptzügen, die von weitabgewandte Sittenlehre Jesu und des Paulus.