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Ausgabe:

1928 Nr. 9

Spalte:

214-215

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

The Catholic University of America. Patristic Studies. Vol. VI - XV 1928

Rezensent:

Krüger, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1928 Nr. 9.

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als des Zeugnisses von Gottes Offenbarung sich wußte. — Immerhin
hätte herausgehoben werden können, daß Rothes Verhältnis zum alten
Testamente weder sehr angelegentlich noch sehr eigengedacht gewesen
ist.

Das Wertvolle an Rothe's Einsatz sieht H. darin,
daß allein von ihm aus eine das Ganze umfassende Einsicht
in die wurzelhafte Eigentümlichkeit theologischer
Arbeit zu gewinnen ist. Rothe will sich frei halten von
dem rohen zufälligen Aufgreifen einzelner empirischer

die Bejahung einer kausal wirkenden Übernatur um und
tritt aus der Spannung der urchristlichen Eschatologie
mit ihrem Gerichtsgedanken heraus; sein Glaube wird
zum sichern Besitze eines Lebens höherer Art und zur
Gnosis, die alles Wissen in sich aufnimmt, ist also dem
Kampfe mit der Sünde letztlich entnommen. Kurz, statt
einer theologia crucis entwickelt Rothe eine theologia
gloriae, die nicht mehr die ständige Beziehung auf das
Kreuz und die Buße in sich trägt. Darum ist auch seine

Beobachtungen und von dem gedankenlosen Gebrauch Anschauung von der Schrift letztlich entgleist. Er ver-
philosophischer Begriffe und Methoden, die ganz andern, gteht> daß dag Verständnis der Schrift als einer zu uns

sprechenden Einheit von der Lehre von Jesus Christus

untheologischen Ursprung haben; nur ein schon in der
Wurzel geheiligtes Denken, nur ein vom Ganzen der
göttlichen Offenbarung erleuchtetes Auge vermag im
einzelnen fruchtbare theologische Arbeit zu treiben. Und
er will sich doch auch frei halten von dem die

als dem Worte Gottes her gewonnen werden muß;
aber er verirrt sich dann in die Spekulationen über ihn
als das Urwort, und mit den tiefen Einsichten über den
er will sich doch aucn rrei nauen von uum uns Inhalt der Schrift steht die einfache Wiederholung der
Schöpfung und den Menschen schändenden falschen Schleiermacherischen Hermeneutik in Spannung.

Soweit der Grundgedanke H.s. Von ihm her wird in

Gegensatz gegen das natürliche unbefangene Denken
und Beobachten. Nur ein unsre natürliche geistige Mitgabe
ehrendes und in die heilige Weisheit aufnehmendes

liebevoller Sorgfalt überall die richtige Grundabsicht von
der falschen Ausführung geschieden und als eine uns

Denken und Beobachten gibt eine wahrhaftige und ge- ; heute noch angehende Nichtige Einsicht lebendig gesunde
Theologie. Von diesem Standpunkte aus hat er macht So sich . Q * d h . stärkeresK u8nd
mit allen geistigen Machten seiner Zeit gerungen, hat
vom Idealismus und der Romantik für seine theologische
Arbeit gelernt, vom eineii für seine Spekulation, von
der andern für seine Exegese, und hat doch alles gemäß
seiner Einsicht in die Eigentümlichkeit der Theologie
umgebildet. Dabei erweisen sich seine Zielsetzungen
und Absichten stets als überraschend weitblickend; mit
besondrer Liebe geht H. den Ansätzen zu einer eignen
theologischen Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie
nach.

Hie Analyse des Verhältnisses zur geistigen Umwelt ist eine
Probe umfassender Bildung. Es sind mir im Wesentlichen keine Lücken
aufgefallen ; überall ruht der Blick fest auf den entscheidenden grollen
Beziehungen. Natürlich macht das Andeutende und Abstrakte der
Arbeit sich gerade hier geltend, und öfters hat man das Verlangen
mehr an Beispiele herangeführt zu werden. Aber an dem wichtigsten
Punkte, der Darstellung des Verhältnisses von Glauben und Wissen
von Kant bis Rothe, ist der Verf. auch im einzelnen scharf und bestimmt
; und bei der besonders gelungenen Darstellung Hegel's in
Beziehung hierauf spürt man die Schulung durch Brunstaed'sgrolle
und freie Anschauung des Idealismus als einen wichtigen Faktor im
Bildungsgange des Verf.s.

Den Gang H.s durch Rothes erkenntnistheoretische
und metaphysische wie sprachphilosophische und
exegetische Aussagen im einzelnen zu verfolgen ist nicht
Aufgabe dieser Anzeige. Ich suche nur an ein paar allgemeineren
Gesichtspunkten zu zeigen, wie er den wertvollen
Ansatz und die zum Irrtum führende Abbiegung
gegeneinander zu bestimmen sucht. H. weist darauf hin,
daß Rothe's Äußerungen über das Gebet (Ethik2 II
186 ff.) ein Zwiespalt innewohnt. Nach der einen Seite
sind sie Ausdruck „eines lebendigen Glaubens an den
Persönlichen alleinwirksamen Gott, an den sich der
<_-hrist ganz verhaftet weiß, von dem ergriffen zu sein
öen Menschen erst zu einer Persönlichkeit umschafft",
nach der andern Seite verstehen sie das Beten als einen
™et,~PnVsischen Prozeß, durch den der Mensch in eine

Welt hoho,__o- . , ii -li:.l. l!_ •___u:u„i

■ } nherer Dhighaftigkeit geistleiblich hineingebildet
a d iunn sPlegelt sich aber nur der Widerspruch ab,
der Rothe's Spekulation in der Wurzel innewohnt und
dann an allen Ecken und Enden in ihr aufbricht. Der
geistig-sittliche Akt, durch den das Ich sich als Einheit
in der Mannigfaltigkeit des Bewußtseins erfaßt, wird zur
intellektualen Anschauung in der der Mensch ein höheres
Sein erfährt: Rothe hat den tieferen biblischen Geist-
begnff, den er gegen den Idealismus zu Ehren bringen
wollte, mit dem vom Idealismus mit Recht in seiner
letzten Giltigkeit überwundenen Dingbegriff zusammen-
pworfen und sich so seine Begriffe von Spekulation und
beschichte verderben lassen. Damit bekommen nun aber
n ,(se,ne theologischen Begriffe einen falschen Ruhe-

f',ln ei"er höheren Zuständigkeit. Sein Supranatu-
« v' an Slcn in seinem Geistbegriff und dem univer-
raten /Luge seiner Soteriologie tief angelegt und der
Bibel weit näher als der der Orthodoxie, wandelt sich in

ein tiefer begründetes Ja zu Rothe dem Theologen als
es die frühere Generation hatte. Was uns von Rothe
scheidet aber, ist unser andres Verhältnis zur Reformation
. In seinem mangelnden Sinn für die Rechtfertigung
allein aus dem Glauben ist es wohl letztlich begründet
, daß er bei seinem Willen, eine den Idealismus
unter sich lassende Theologie zu bauen, dem Dingbegriffe
zum Opfer fiel.

H. wird es nicht leicht haben, verstanden zu werden.
Denn die letzten Voraussetzungen seines Urteils liegen
in einem eigengedachten Standpunkte, der mit keiner der
gegenwärtigen Richtungen der systematischen Theologie
zur Deckung zu bringen ist. Er ist Barth und Brun-
staed gleich nahe, weil er keinem hingegeben ist und
sich von einem unmittelbaren Verständnis Luthers her
seinen eignen Weg zur systematischen Theologie zu
hauen sucht. So möchte ich darauf verzichten, kritische
Einreden im einzelnen geltend zu machen, und nur zum
Schluß dem Bedauern Ausdruck geben, daß H. seine Beurteilung
Rothe's nicht im einzelnen bewährt hat an der
Offenbarungs- und Schriftlehre, welche Rothe in der
Schrift „Zur Dogmatik" vorgetragen hat. Das hätte
eigentlich nicht fehlen dürfen, um dem Buche den zwingenden
Abschluß zu geben.

Göttingen. E. Hirsch.

The Cathollc Universily of America. Patristic Studie«. Washington
: The Catholic Education Press.
Vol. VI: Barry, Sister M. Inviolata: St. Augustine, the Orator.

A Study of the rhetorical qualities of St. Augustines Sermones
ad populum. (XI, 261 S.) 1624.
„ VI!: Reynolds, Graham: The Clausuiae in the De Civitate

Dei of St. Augustine. (XI, 65 S ) 1924.
, vill: Christopher, Joseph Patrick: S. Aurell Augustini
Hipponiensls Episcopi De Catechizandis Rudibus
l.iber unus. Translated vrith an introduetion and commen-
tary. (XXI, 365 S.) 1926.
„ ix : Man nix, Sister Mary Dolorosa: Sancti Ambrosii Oratio
de Obitu Theodosii. Text, translation, introduetion and
cammentary. (XV, 166 S.) 1925.
X: Barry, Sister Mary Einbarr: The Vocabulary of the
Moral-ascetical Works of Saint Ambrose. A Study
in Latin Lexicography. (XIII, 287 S.) 1926.
„ XII: Adams, Sister Miriam Annunciata: The Latinity of the

Letters of Saint Ambrose. (XVIII, 140 S.) 1927.
„XIV: ArtS, Sister Mary Raphael: The Syntax of the Con-

fessions of St. Augustine. (XV, 135 S.) 1927.
„ XV: Mc Guire, Martin R. P.: S Ambrosii De Nabuthae.
A Commentary, with an introduetion and translation. (XIX,
249 S.) 1927.

Von der katholischen Universität in Washington sind mir, vermutlich
als dem Verfasser der letzten Abteilung in Schanz' Römischer Literaturgeschichte
, einige patristische Dissertationen zugegangen, die im
einzelnen in diesem Blatte zur Anzeige zu bringen dessen Interessenkreis
überschreiten würde, da es sich bei der Mehrzahl um rein philologische
Abhandlungen handelt, auf die ich aber doch wenigstens
hingewiesen haben möchte. Es handelt sich durchweg um fleißige