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Ausgabe:

1927

Spalte:

146-148

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Taylor, Vincent

Titel/Untertitel:

Behind the Third Gospel. A Study of the Proto-Luke Hypothesis 1927

Rezensent:

Dibelius, Martin

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung

Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Herausgegeben von Professor D. Emanuel Hirsch unter Mitwirkung von
Prof. D. Dr. G. Hölscher, Prof. D. Hans Lietzmann, Prof. D. Arthur Titius, Prof. D. Dr. G. Wobbermln

Mit Bibliographischem Beiblatt in Vierteljahrsheften, bearbeitet von Priv.-Doz. Lic. theol. Kurt Dietrich Schmidt, Göttingen
Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: vierteljährlich Rm. 9—. — Verlag: J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig.

O I U V n Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausschließlich an Professor D. Hirsch in Göttingen, f i _ • « in-JT

OL. Janrg. t>r. / Bauratgerberstr. 19, zu senden, Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. April VyLt

Spalte! Spalte
Gröber, Palästina, Arabien und Syrien Herrin an n, Inventar der älteren Registratur '

(Beyer)................... 145

Taylor, Behind theThird Gospel (Dibelins). 146
Smith, Ante-Nicene Exegesis of the Gospels

(Loofs)...................148

Lietzmann, Messe und Herrenmahl

(v. d. Goltz).................149

Bibliotheca philologica classica (Dibelius). 151
S t a c h n i k , Die Bildung des Weltklerus im
Frankenreiche von Karl Martell bis auf
Ludwig den Frommen (Griitzmacher). . . 152
Ku r f ess , Altchristliche Literatur des Abendlandes
(Krüger)...............152

des Evangelischen Landeskirchenamts

(Krüger)..................>1

Beiträge zur Hessischen Kirchengeschichte

(Ders.)...................

Erichsburgensia und Verwandtes (Bußmann). 153
T e u t s c h , Die Generalkirchenvisitations-

berichte (Ders.)...............155

Muncker, Anschauungen vom englischen
Staat und Volk in der deutschen Literatur
der letzten vier Jahrhunderte (Kittel). . . 156
Newman, Ausgewählte Werke (Fendt) . . 157
Die Rückkehr aus dem Exil (Schmidt) ... 158

Spalte

Michael, Die schlesische Kirche und ihr

Patronat (Bauermann)...........159

D i n g 1 e r , Der Zusammenbruch der Wissenschaft
und der Primat der Philosophie

(Knittermeyer)...............159

Alt haus, Die Krisis der Ethik und das

Evangelium (Mayer [Straßburg]).....161

Schulz, Vom Sinn der Kirche (Althaus). 161

Frick, Das Reich Gottes (Ders.).....162

Wilde, Deutsches Evangelium (Ders.). . . 163
Bülck, Die evangel.Gemeinde (Niebergall). 165
Schorlemmer, Kerzen für Gottes Altar
(Graft)...................i66

Gröber, Karl: Palästina, Arabien und Syrien. Baukunst,
Landschaft, Volksleben. (Mit über 300 Abb. in Kupfertiefdruck.)
Berlin: E. Wachsmuth (1925). (XVII, 304 S.) 4°. = Orbis Ter-
rarum 4. in Lud. geb. Rm. 26—; Hldr. 35—;

Subskr.-Preis geb. Rm. 24—; Hldr. 32—.

In der großen Sammlung „Orbis Terrarum'in
welcher der Verlag Wachsmuth „die Länder der Erde
im Bilde" vorzuführen gedenkt, ist auch ein Band erschienen
, der eine Fülle von Aufnahmen aus Palästina, Syrien,
Mesopotamien und Arabien bringt. Wenn das Buch auch
keine eigentlich wissenschaftlichen Ziele verfolgt, so
ist für uns Theologen doch jede Veröffentlichung wichtig
, welche unsere Anschauung von jenen Ländern bereichert
, auf deren Boden ein gut Teil der Geschichte
spielt, die der Gegenstand unserer täglichen Arbeit ist.
Forscher wie Sarre, Guyer und Preußer haben photographische
Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Aus dem
Nachlaß des 1909 im Jemen ermordeten Hermann
Burchardt konnte eine Reihe wertvoller Bilder aus Südarabien
in das Buch aufgenommen werden. Die feine
Tönung des Kupfertiefdrucks erhöht den malerischen
Reiz namentlich der Landschaftsbilder sehr, von denen
einzelne in ihrer die Phantasie beflügelnden Stimmung
ganz köstlich sind. Bei den Wiedergaben von Baudenkmälern
würde freilich der Wißbegierige mitunter auf
diese Reize gern zu Gunsten noch größerer Bildscharfe
verzichten Aber bei aufmerksamem Betrachten kann man
doch vieles aus den Aufnahmen lernen. Die großen
Oberblicke über weite Strecken der Umgebung von Jerusalem
, des Landes zu beiden Seiten des Jordan und des
Haurangebietes vermitteln ausgezeichnete Eindrucke
von der Eigenart der Landschaft. Der Religionsge-
schichtler wird für die zahlreichen Aufnahmen aus der
heutigen Grabeskirche, für die mancherlei Bilder aus
dem religiösen Volksleben (griechische Mönche, abessi-
nische Priester, Juden, nach Mekka pilgernde Muselmannen
) und von den heiligen Stätten des Islam dankbar
sein. Auch der christliche Archäologe geht nicht ganz
leer aus. Freilich muß er eine Bemerkung machen: Der
Herausgeber sagt in seiner kurzen geschichtlichen Einführung
, daß ihm daran gelegen habe, ein Bild vom
Wandel der Kulturen zu geben, wie es die Ruinen
wiederspieneln. Es ist — gerade unter diesem Gesichtspunkt
— sehr schade, daß er vom altchristlichen Syrien
und seiner Kunst nur im Text spricht und sie nicht im
Bilde zeigt Der gewaltige Vierkirchenbau rings um
Säule des Styliten in Kalat Siman kann sich auch

neben den Riesentempeln von Baalbek und der „Märchenstadt
" Palmyra wohl sehen lassen. Entwicklungsgeschichtlich
ist er wichtiger als jene heidnischen Bauten
in Syrien, die doch mehr durch ihre Maße als durch
ihre künstlerische Feinheit Eindruck machen. Denn erst
wenn man Kalat Siman neben die alte Peterskirche in
Rom und die Sophienkirche in Konstantinopel stellt, versteht
man die Entstehung des christlichen Kirchenbaus,
gerade auch des romanischen. Darum scheint es mir
geboten, die noch allzu unbekannten Bauten aus der
großen christlichen Zeit Syriens auch weitereii Kreisen
in ihrer eindrucksvollen Schönheit vorzuführen. Dann
erst bekommt man ein ganzes Bild von Syriens Kulturgeschichte
und wird manche Fäden, die von ihr zu
der des Mittelalters führen, entdecken.

Greifswald. Hermann Wolfgang Beyer.

Taylor: Behind the Third Gospel. A Study of the Proto-
Luke Hypothesis. Oxford: Clarendon Press 1926. (XVII, 280 S.);

Die Frage nach den Quellen der Synoptiker ist noch
nicht zur Ruhe gekommen. Namentlich das Lukas-
Evangelium mit seinem großen Bestand an Sondergut
bietet immer wieder Anlaß zu erneuten Erwägungen, ob
dieses Sondergut nicht auf eine einheitliche Quelle deute.
B. H. Streeter in Oxford hat 1924 in seinem großen,
in dieser Zeitung 1926, Sp. 73 ff. von mir angezeigten
Werk eine Vier-Quellen-Hypothese aufgestellt. Taylor
geht in seinen Bahnen; er konnte aber bei der Ausarbeitung
noch nicht jenes große Werk benutzen, sondern
ging von einer im Hibbert-Journal 1921 erschienenen
Arbeit Streeters aus, in der dieser zunächst die Proto-
Lukas-Hypothese begründete, d. h. die Meinung, daß es
einen ersten Lukas gegeben habe, der von allen Markus-
Elementen noch frei war. Der Rekonstruktion dieses
Proto-Lukas ist die umfangreiche und geistvolle Arbeit
Taylors gewidmet. Sie bietet eine Reihe guter Beobachtungen
, und auch wer die Deutung dieser Beobachtungen
in anderer Weise vornimmt als Taylor, wird das
Buch mit Gewinn lesen und wird die Klärung, zu der
es, sei's in positivem oder in negativem Sinn, der Proto-
Lukas-Hypothese verhilft, aufrichtig begrüßen.

Ausgangspunkt und Grundlage der ganzen Hypothese
wird im zweiten Kapitel gewonnen, nachdem das
Buch mit einem historischen und methodologischen Überblick
eröffnet worden ist: die Untersuchung der Leidensund
Ostergeschichte will den Nachweis erbringen, daß
alle Erzählungen dieser Gruppe mit Ausnahme der Ver-

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