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Ausgabe:

1927 Nr. 6

Spalte:

132-133

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ehrlich, Walter

Titel/Untertitel:

Kant und Husserl 1927

Rezensent:

Knittermeyer, Hinrich

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Theologische Literaturzeitung 1927 Nr. 6.

182

Oal. 1, 15 (anoxaXmliat) und 2, 9 (axvXoi) nicht verwerten. Dem
Worte vom vergeblichen Kampf der Hadesmächte gegen den Felsen
(Petrus) 16, IS mit altchristlichen Theologen die persönliche Wendung
auf den Sieg des Petrus über den Tod zu geben, ist m. E. nicht
im Sinne des Logions. Wenn auch ccvtfj; v. 18 c. grammatisch auf
vstQa zu beziehen sein wird, so ist doch dem Sinne nach
Objekt des Verbs xauayvaovaiv die exxXrfiia, also die eschatolo-
gische Gemeinde der Gläubigen als Konkretisierung der ßamXtlu. Denn
die Symbolsprache will den Gegensatz von Himmel und Hölle
zur Anschauung bringen. Übrigens hätte sich J. die Erklärung des
Logions Matth. 16, 17 ff. aus der Symbolsprache leichter machen
können, wenn er diesen sinngebenden Gegensatz zuerst an der rabbi-
nischen Kosmosspekulation Exod. R. 15, 8 aufgewiesen hätte, denn
diese steht m. E. hinter 16, 18, wenn es in dem Midrasoh heißt:
Gott suchte die Welten zu gründen, aber die Gottlosen ließen
es nicht zu. Das Urzeitmotiv ist nach dem Formgesetz der
Entsprechung zum Endzeitmotiv geworden. Zu Jes. 28, 16 nur noch
den Hinweis darauf, daß LXX ausdrücklich sagt eis ttt fre/teXia
Xui'u1. Der Stein ist als Fundamentstein gedeutet.

Sehr sorgfältig gearbeitete Register (S. 89—96) beschließen
diese geistvollen, auf gründlicher Gelehrsamkeit
beruhenden Untersuchungen zur Topographie Jerusalems
und zur Motiv- und Formgeschichte urchristlicher Traditionen
über Golgotha und heiliges Grab. J. hat der
neutestamentlichen Wissenschaft damit den Weg zu einem
Problem gewiesen, das bisher kaum recht in seiner
Bedeutung erkannt, geschweige ernstlich in Angriff genommen
worden ist. Wir haben bis jetzt nur einiges
Material zu einer systematischen Darstellung der Symbolsprache
der urchristlichen Literatur und ihrer Bedeutung
als Ausdrueksmittel für die religiöse Weltanschauung
, in die das entscheidende Christuserlebnis
der ältesten Kirche fest eingebettet ist. J. hat das große
Verdienst, beides an einem zentralen Glaubensobjekt im
ganzen Ausmaß der verfügbaren Überlieferung veranschaulicht
zu haben. Er geht dabei mit Erfolg in den
Wegen, die seine Onkel A. und Joh. Jeremias in ihren
bahnbrechenden Untersuchungen zum altorientalischen
Weltbilde und zu der ihm entsprechenden Weltanschauung
mit der dieser anhaftenden mythischen Dogmatik
vorangegangen sind. Ich verweise auf meine Anzeigen
von ATAO3 (1916) und der Monographie über den
Gottesberg (1919) in den Nr. 1917, 529 ff. und 1921,
321 f. dieser Zeitschrift.

Jena. W. S t aerk.

Lins, P. Bernardin, O. F. M.: Geschichte der bayerischen
Franziskanerprovinz zum hl. Antonius von Padua von ihrer
Gründung bis zur Säkularisation 1620—1802. München: Dr. F. A.
Pfeiffer 1926. (XII, 339 S.) 4°. Rm. 12—.

Dem Verfasser stand ein reiches Urkundenmaterial
zur Verfügung, das er mit großem Fleiß ausgeschöpft
und mit ruhiger Objektivität dargestellt hat. Leider ist
ihm bei der Fülle der Berichte der unterscheidende
Blick für das Wertvolle und Unbedeutende manchmal
entschwunden. Eine Menge Einzelheiten, wie etwa S.
121 die Angabe, daß bei der neugegründeten Kirche in
Vohburg „die Bilder des Hochaltars von Sing, die der
Seitenaltäre von Winter gemacht, sämtliche Schreinerarbeiten
von den Laienbrüdern Simon Merker und Ga-
binus Voraus geleistet wurden" u. ä. gehören doch, wenn
sie überhaupt dem Staub der Akten entrissen werden
wollen, in ein Lokalblättchen, aber kaum in ein wissenschaftliches
Buch. Dagegen hätten wir über Anlaß,
Verlauf und Erfolg der im Jahr 1735 bis 1737 im Berchtesgadener
Land ausgeführten Mission gerne noch mehr
gehört, da sie doch wahrscheinlich (was aber nicht angedeutet
wird) mit der Austreibung der Salzburger
Protestanten durch Firminian in Zusammenhang steht;
die Bemerkung, daß nach Beendigung der Christenlehren
„die Anzeigen gegen die der Häresie verdächtigen Personen
aufgenommen" wurden (S. 126) und daß bei den
239 Berchtesgadenern, die 1736 bis 1738 katholisch
wurden, „auch der Wille des Landesherrn mitbestimmend
gewesen sein" möge (S. 259), genügt doch nicht.

Zuerst wird die äußere Entwicklung der bayrischen
Franziskanerprovinz dargestellt, wobei auffällt, wie fast

bei jeder Neugründung einer Niederlassung erst ein
Konkurrenzstreit mit anderen Orden oder geistlichen
Stellen ausgebuchten werden mußte und wie viel den
Franziskanern die Gunst des Hofes und des Adels genützt
hat, wie verhängnisvoll aber auch schließlich
diese nahe Verbindung wurde. In einförmiger Weise
werden alle die Provinziale mit ihrem Lebensweg und
ihren Leistungen aufgezählt, wobei auch wieder recht
kleine Dinge berichtet werden, z. B. daß P. Tausch die
Betrachtungen immer frei knieend, ohne sich anzulehnen
hielt (S. 136), daß P. Schöttl vom Fürstbischof
von Brixen zur Jagd eingeladen wurde (S. 74), welche
Titel verliehen wurden (S. 69), welch großartige Feste
unter Provinzial Hueber gefeiert wurden (S. 58 ff.),
wie oft die Patres sich rasieren durften (S. 138), daß
den Guardianen verboten wurde, ihren Namenstag nach
Art der Adeligen mit Pauken und Trompeten und
Böllerschießen zu begehen (S. 155) und dergl. Daß es
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu staatlichen
Beschränkungen und schließlich zur Säkularisation
des Ordens kam, wird ausschließlich den unberechtigten
Eingriffen des Staates zugeschrieben; einzig beim
Provinzial Deyen wird eine Mitschuld an dem Schicksal
des Ordens zugegeben. Interessanter ist der zweite
Teil, der das innere Leben der Provinz beschreibt. Da
bekommt man ein anschauliches Bild von der Auswahl,
der Erziehung und Ausbildung der Brüder, von ihrer
Arbeit und ihren Leistungen. Auch da nimmt uns freilich
oft die Kleinlichkeit der Vorschriften Wunder, die
von der großzügigen Art des Heiligen von Assisi wenig
mehr spüren lassen, aber man sieht doch, wie fleißig die
Franziskaner waren in der Predigt und Seelsorge, wobei
in dem Jahrhundert von 1692—1792 67 072 Predigten
und 17 673 967 Beichten aufgeschrieben wurden, was der
Verfasser selbst für weit übertrieben hält (S. 258f.).
Größer noch zeigten sich die Mönche in Kriegs- und
Pestzeiten, wo sie oft genug mit Drangabe ihres Lebens
für die leidende Bevölkerung sich einsetzten. Auch die
4079 Konvertiten, die durch die Franziskaner von 1692
bis 1801 gewonnen wurden, werden als ein Ruhmestitel
für den Orden in Anspruch genommen, obgleich abgesehen
von den schon erwähnten Berchtesgadenern auffallend
viele Soldaten darunter waren, von denen „viele
bald nach ihrem Übertritt gestorben sein mögen", einer
am Tag nach der Bekehrung gehenkt wurde (S. 260).
Schließlich wird die stattliche Anzahl der Missionare
aus dem Orden aufgezählt und ihre Aussendung, ihr
Lebensgang, ihre Erfolge beschrieben, sie wurden nach
dem h. Land, nach Konstantinopel, nach den Nilländern,
nach Albanien und Mazedonien, nach Siebenbürgen, nach
Kambodscha u. Kochinchina, nach China, nach Rußland
geschickt und kamen als Feldgeistliche weit herum
in Europa. L. stellt in der Vorrede eine Fortsetzung der
Arbeit in Aussicht, was zu begrüßen ist, wenn er sich
noch mehr auf die Schilderung des Wichtigen beschränkt
.

Stuttgart. Ed. Lempp.

Ehrlich, Dr. Walter: Kant und Husserl. Kritik der transzendentalen
und der phänomenologischen Methode. Halle: M. Niemeyer
1923. (IX, 165 S.) gr. 8". Rm. 5—; geb. 6.50.

Transzendentalphilosophie und Phänomenologie werden
in kritischer Weise in ihren Ansprüchen einander
gegenübergestellt. „Spontane Gestaltung" und „rezeptive
Intuition" bringen den völlig gegensätzlichen metaphysischen
Kern beider Lehren zum Ausdruck. Gemeinsam
ist ihnen dagegen die methodische Grundhaltung,
kraft welcher die Gesetzlichkeit der Gegenstände im Rück
gang auf den Aktcharakter der Erkenntnis sich erfassen lassen
soll. Kants Synthesisbegriff kann niemals zur Bürgschaft
der Objektivität dienen. „Kant hat die gegebene „Verbindung
" (z. B. eine real-chemische) mit dem transzendentalen
formenden, verbindenden Denkakt identifiziert
". Diese unberechtigte Ineinssetzung führt sowohl